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Die Kraniche beginnen sich zu sammeln

Die Kraniche beginnen sich zu sammeln

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandSchon seit Mitte August größere Ansammlungen

1929 Kraniche ergab die erste Synchronzählung Mitte August an den Schlafplätzen der Region Darß-Zingster Boddenkette und Rügen. Zwei Wochen später sind es bereits 3630 und ständig kommen neue Vögel hinzu. Bald werden es Zehntausende sein. Sie bieten ein Schauspiel, auf das sich viele Vogelfreund*innen freuen.

Rastende Kraniche – Foto: Stephanie Tübbecke/www.naturgucker.de

06. September 2021 – Jedes Jahr ziehen mehr als 400.000 Kraniche auf der sogenannten Westroute in die Winterquartiere nach Frankreich und auf die iberische Halbinsel. Noch sind diese Vögel in ihren Brutgebieten in Mitteleuropa, Skandinavien und dem Baltikum. Mehrere tausend Kraniche sammeln sich aber schon an den Rastplätzen.Monatelang machten sich die meisten Kraniche rar, denn es war Brutzeit und da führen die langbeinigen grauen Vögel ein weitgehend heimliches Leben. Ausnahme bilden die Junggesellen, die noch zu jung sind oder aus irgendwelchen Gründen kleinen Partner abbekommen haben. Auch kommt es vor, dass ein Partner während der Brutsaison stirbt, für eine neue Beziehung ist es dann meist spät.

Saisonstart am Kranorama
Die Beobachtungsplattform Kranorama am Günzer See hat seit 1. September und bis voraussichtlich 31. Oktober täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Unter fachkundiger Anleitung von Mitarbeiter*innen des Kranich-Informationszentrums lassen sich hier Kraniche hautnah erleben. Im Laufe der kommenden Wochen werden die Öffnungszeiten in Abhängigkeit von der Anzahl der Kraniche auf den Fütterungsflächen enstprechend angepasst werden.Audiovisuelle Medien und eine Live-Übertragung der Kraniche vom Feld auf einen großen Bildschirm machen das Kranorama zu einem modernen Aussichtspunkt. Selbst der Weg vom Parkplatz zum Kranorama ist ein Erlebnis, denn hier befinden viele spannende Informationstafel und Sitzmöglichkeiten. Am Ziel angekommen hat der Besucher einen Ausblick auf die Günzer Seewiesen. Kranorama und das Kranich-Informationszentrum Groß Mohrdorf liegen nur wenige Kilometer auseinander. Auch dort lohnt sich ein Besuch. Das Zentrum hat bereits seit Anfang August wieder geöffnet, im September und Oktober täglich von 9.30 bis 17.30 Uhr, im November werktags von 10 bis 16 Uhr.

Bei den versammelten Kranichen handelt es sich zunächst um Vögel aus der heimischen Population, ein Mix aus Paaren mit und ohne Nachwuchs sowie „Nichtbrütern“. Auf den Getreidestoppelfeldern finden sie Ernterückstände, die als Nahrung dienen. Wenn die Einsaat des Wintergetreides beginnt, können die Vorlieben der Kraniche den Landwirt*innen allerdings Probleme bereiten. Sogenannte Ablenkungsfütterungen mit ausgestreuten Maiskörnern sorgen dann dafür, Schäden in Grenzen zu halten. Gleichzeigt lassen sich die Vögel so an Beobachtungspunkte wie das Kranorama locken.Am Wochenende sind bereits die ersten Kraniche aus Skandinavien am Bodden eingetroffen. Am Hornborga-See in Südschweden sind immerhin bereits 5000 Kraniche versammelt. Bei günstigen Witterungsbedingungen werden rasch weitere Vögel den Flug über die Ostsee antreten. Ebenfalls rund 5000 Kraniche rasten im polnischen Nationalpark Warthemündung, kurz vor der deutschen Grenze, knapp hundert Kilometer östlich von Berlin. Noch gähnend leer ist es am Stausee Lac du Der in der Champagne, dem nächsten Rastplatz der Westzieher auf dem Weg nach Spanien und Portugal. Dort wurden letzten Donnerstag gerade einmal 69 Kraniche gezählt. Der Rekord am Lac du Der liegt bei 268.000!

Artenporträt

Der Kranich
Mit ihren lauten, trompetenartigen Rufen, der spektakulären Balz und massenhaften Versammlungen im Herbst ziehen Kraniche viel Aufmerksamkeit auf sich. Erfahren Sie mehr über das Aussehen, die Lebensweise und das Zugverhalten dieser besonderen Vögel. Mehr →

Mehr über Kraniche

Warten auf die Nachzügler
Der Frühjahrszug der Kraniche geht langsam zu Ende
Es ist wenig los am Himmel. Aber das war es noch nicht ganz mit dem Frühjahrszug der Kraniche. Aus Spanien und Frankreich ist immer noch etwas „Nachschub“ zu erwarten. Je weiter nördlich sich die Brutgebiete befinden – zum Beispiel in Skandinavien –, desto später fliegen die Vögel los.
26. März 2021 – Ab und zu lassen sich noch einzelne Vögel und kleine Trupps entlang der Zugrouten beobachten, die allermeisten Kraniche sind nun in ihren Brutgebieten angekommen oder haben zumindest Deutschland überquert. Größere Ansammlungen finden sich aktuell unter anderem noch an der Boddenküste, wo am Mittwoch (24.) zum Beispiel am „Kranorama“ nahe Stralsund immerhin tausend Kraniche vor dem Weiterflug über die Ostsee rasteten.Wer die kommenden Wochen und Monate Kraniche erleben möchte, muss sich in den Norden begeben, vor allem in den Nordosten. Im April beginnt die Brut und dann sind oft nur noch revierlose „unverheiratete“ Vögel zu sehen, während sich die Brutpaare gut versteckt in Auwäldern oder Söllen aufhalten.

An diesen Orten lohnt sich ein Blick in den Himmel: Karte der Kranichbeobachtungen im Februar 2021. – Quelle: www.naturgucker.de, Kartengrundlage: Google Maps

Kraniche über der Südeifel bei Wittlich – Foto: Karin-Simone Hauth/www.naturgucker.de

01. März 2021 – Der Frühjahrszug der Kraniche ist noch nicht beendet. Immer neue Trupps fliegen aus Frankreich ein. Am meisten Verkehr herrscht derzeit über NRW, wobei die Kraniche vor allem über die Eifel Richtung Rhein ziehen und dann in breiter Front weiter nach Norden und Nordosten. Die Routen über Rheinland-Pfalz und Hessen werden nur mäßig beflogen, gelegentlich nehmen einige Vögel auch ungewöhnliche Wege, die über Stuttgart, München oder Nürnberg führen.
26. Februar 2021 – Auf sämtlichen Kranich-Hauptrouten herrscht weiter reger Flugverkehr. Bisheriger Höhepunkt der Rückreisewelle war am Sonntag (21.), seitdem sind die Beobachtungen von Tag zu Tag etwas zurückgegangen.Der überwiegende Teil der Kraniche fliegt nach Skandinavien und Richtung Baltikum. Mehrere tausend Paare brüten aber auch in Deutschland, vor allem im Norden. Sie gehören zu den frühen Rückkehrern, während sich die Skandinavier und Osteuropäer meist etwas mehr Zeit lassen, denn in ihren Brutgebieten kehrt der Frühling ja etwas später zurück als bei uns. Wenn man jetzt etwa in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern Kraniche zu zweit auf einer Wiese oder einem Acker nach Nahrung suchen sieht, dann sind das meist bereits die örtlichen Brutpaare. Ihre Reise ist zu Ende, ab März beginnt dann mit dem Nestbau die Fortpflanzungszeit.
20. Februar 2021 – Der Zug der Kraniche nach Norden ist voll im Gang. Bei meist wolkenarmem Himmel sind die großen Vögel gut zu beobachten. Die Kraniche machen dabei auch um Großstädte keinen Bogen, über Frankfurt, Köln oder Berlin sind immer wieder Formationen zu sehen.
Auch wenn es die Kraniche beim Frühjahrszug eilig haben, schaffen sie es nicht in einem Rutsch bis in die Brutgebiete. Sie müssen also Zwischenstopps einlegen und übernachten dabei am liebsten im flachen Wasser von Seen. Hier fühlen sie sich vor Angreifern sicher. Bei Tagesaufbruch starten sie dann in die nächste Etappe. Eine dieser Raststätten sind die als Hochwasserrückhaltebecken angelegten Leinpolder bei Salzderhelden südlich von Einbeck. Hier konnte Bernd-Jürgen Schulz von den Naturscouts Leinetal am frühen Samstag 1800 Kraniche beim Aufbruch nach Osten beobachten.
17. Februar 2021 – Auch am Mittwoch weiter starker Kranichzug zurück aus den Winterquartieren. NRW wurde weniger als am Dienstag beflogen, dafür jetzt bevorzugt die Route auf einer Einflugbreite von Luxemburg bis zum Saarland, weiter via Rheinland-Pfalz und Hessen.

Ganz schön was los: Karte der Kranichbeobachtungen am Dienstag (16.) – Quelle: www.naturgucker.de, Kartengrundlage: Google Maps

16. Februar 2021 – Es wird milder und die Kraniche lassen sich nicht groß bitten. Schon am Wochenende wurden die Kälte-Ausweichflüge immer weniger, seit Montag sind nur noch Kranichtrupps mit Flugrichtung Nord/Nordost unterwegs. Dabei hat der Flugverkehr am Dienstag enorm zugenommen. Vor allem über Nordrhein-Westfalen wurden in breiter Front Kraniche beobachtet, aber auch auf den übrigen üblichen Routen, zum Beispiel entlang des Lahntals und weiter Richtung Kassel und Göttingen.
10. Februar 2021 – Nachdem Schnee und Frost inzwischen fast ganz Deutschland beherrschen, mehren sich jetzt die Ausweichflüge der Kraniche. Die meisten Beobachtungen nennen als Flugrichtung Südwest, dabei werden alle gängigen Routen von NRW bis nach Hessen beflogen. Einflüge aus dem Winterquartier nach Deutschland kommen aktuell kaum noch vor.
08. Februar 2021 – So ein Durcheinander. Hier fliegt eine langgezogene Kette von Kranichen nach Nordosten, wenige Kilometer weiter meldet jemand Kraniche genau in der Gegenrichtung. Haben die Vögel sich verflogen?

Extra: Märzwinter und Umkehrzug – Wenn Vögel im Stau stehen

Auf Wetterkapriolen im Übergang vom Winter zum Frühjahr haben unsere Zugvögel seit langer Zeit passende Antworten entwickelt. Kurzstreckenzieher, die den Winter im Mittelmeerraum verbracht haben, werden schon im Vorfrühling durch warme südliche Wetterlagen zu uns geweht. So sind Stare und Feldlerchen meist bereits Mitte Februar in größeren Zahlen in Deutschland zurück.
Kehrt der Winter noch einmal für längere Zeit zurück, wie im denkwürdigen Märzwinter des Jahres 2013, kommt es zu einem Zugstau. Die Vögel unterbrechen ihren Heimflug an einer Kaltwetterfront oder der Schneegrenze. Dort lassen sich dann riesige Ansammlungen von Kiebitzen oder Feldlerchen beobachten. Finden sich die Vögel mitten in einem Wintereinbruch wieder, fliegen sie einfach wieder ein Stück zurück – bis zur Kaltwettergrenze. Das nennt sich dann „Umkehrzug“.
Für alle Zugvögel ist es wichtig, möglichst als erste wieder im Brutgebiet anzukommen, um dort die besten Reviere zu besetzen – eine stete Abwägung zwischen Risiko und potentiellem Nutzen für die Fortpflanzung. Viele Vogelarten, sogenannte Teilzieher, pflegen daher eine gemischte Strategie: Ein Teil der Vögel versucht, den Winter vor Ort zu überleben, ein anderer Teil vertraut auf das Ausweichen in wärmere Gefilde. Je nach Winterwitterung ist die eine oder die andere Strategie erfolgreicher. Als Ganzes haben diese Arten es besonders leicht, sich an wandelnde Winterbedingungen anzupassen.
Späte Wintereinbrüche sind für Vögel, die den ganzen Winter bei uns verbracht haben, besonders gefährlich. Nahrungsquellen, die noch aus der letzten Saison stammen, Beeren, Früchte, Samen und Insekten, die sich in Spalten und Ritzen versteckt haben, sind nun aufgebraucht und die Vögel vom Winter geschwächt. Harte und späte Winter sind vor allem für Insektenfresser wie Rotkehlchen, Zaunkönig, Schwanzmeise oder Grünspecht, die den Winter trotzdem bei uns verbringen, oder für den Eisvogel, der zum Fischfang zwingend eisfreie Gewässer benötigt, die wichtigsten bestandslimitierenden Faktoren. Nach einem harten Winter kann es mehrere Jahre dauern, bis die Bestände sich wieder erholt haben. Der Winter 2020/21 war bisher übrigens eher mild und ob die jetzige Winterverschärfung länger anhält, bleibt abzuwarten.

Das kommt zwar schon mal vor, auch dass Kraniche unter ungünstigen Bedingungen wieder kehrt machen. Tatsächlich sind die aktuellen Kranichbeobachtungen nicht ganz einfach zu interpretieren. Mal abgesehen davon, dass leider oft Angaben zur Flugrichtung der Kraniche fehlen – genau das wäre jetzt wichtig –, lässt sich natürlich auch nicht feststellen, ob es sich bei den „hier und wenige Kilometer weiter“ gesichteten Fluggemeinschaften um die gleichen oder um verschiedene Vögel handelt. Es sieht ganz so aus, als hätten wir momentan einen bunten Mix aus frühen Rückkehrern aus den Winterquartieren – Flugrichtung Nord bis Nordost – und „Hierbleibern“, die gar nicht weggezogen waren und nun teils vor Schnee und Frost ausweichen – Flugrichtung West bis Südwest.
Kraniche auf schneebedecktem Mais-Stoppelacker bei Altenhagen, zwischen Wismar und Rostock – Foto: Dirk Schulze/www.naturgucker.de

Dabei scheint der Wintereinbruch die Vögel weniger zu stören als Bahn- und Autofahrer*innen. Die tiefen Temperaturen halten Kraniche ganz gut aus, je größer der Körper ist, desto geringer sind die Wärmeverluste. Und Kraniche sind nun mal recht große Vögel. Kleinvögel oder Vögel, die wie Eulen oder Eisvögel nun schwer an ihrer Nahrung kommen, werden wesentlich stärker in Mitleidenschaft genommen. Selbst die Schneeverwehungen haben ihr Gutes, so bleibt die Schneedecke auf offenen Flächen oft recht dünn und die Kraniche können dort erfolgreich nach Essbarem scharren und picken.
04. Februar 2021 – Kraniche sind hart im Nehmen. Auch mit widrigen Bedingungen kommen die großen Vögel vergleichsweise gut zurecht. Und wenn es doch zu arg wird, können sie immer noch die Flucht antreten und kurzfristig in freundlichere Gegenden ausweichen. Wozu hat man schließlich Flügel? Vorausgesetzt natürlich, das Wetter ist nicht sogar zum Fliegen zu kritisch.Auf eine solche Situation steuern wir möglicherweise jetzt zu. Am Wochenende etabliert sich über Deutschland eine ungewöhnlich scharf Luftmassengrenze. Polarluft aus dem hohen Norden trifft auf feuchte Warmluft aus Südwesteuropa. Die Folge: Enorme Temperaturunterschiede, Sturm und reichlich Niederschläge. Während im Süden der Föhn mehr als plus 15 Grad bringen kann, wird es im Norden und Osten bitterkalt. Genau dort halten sich derzeit noch einige tausend Kraniche auf, die im bisher vergleichsweise milden Winter keinen Grund sahen, nach Frankreich oder Spanien zu fliegen. Dazu kommen ebenfalls mehrere tausend Kraniche, die schon wieder auf dem Rückflug aus den Winterquartieren sind. Seit Anfang der Woche hat der Rückreiseverkehr stark zugenommen, am Donnerstag erstmals auch in nennenswertem Umfang über NRW. Jetzt fliegen die Kraniche also mitten in die Wetterküche – was wieder einmal zeigt, dass auch Vögel keinen siebten Sinn haben.Meteorologen vergleichen die Konstellation mit dem Winter 1978/79, als es im Norden zur großen Schneekatastrophe mit teils meterhohen Verwehungen kam. So arg wie damals wird es nicht werden. Angesagt sind aber viel Schnee und stürmische Winde. In den Worten des Deutschen Wetterdienstes: „Am Wochenende extreme Unwetterlage durch Schneefall mit starken Verwehungen über der Nordhälfte Deutschlands.“ Hält das länger an, wird die Nahrungssuche selbst für Schreitvögel wie die Kraniche schwierig. Die norddeutschen Kraniche müssen also entscheiden, ob sie bleiben oder ausweichen. Viele der jetzt aus Frankreich einfliegenden Kraniche werden wohl vor der Kaltfront eine Zwangspause einlegen und auf Besserung warten.
02. Februar 2021 – „Flug Richtung Norden“, „von Süd nach Nord über dem Rhein“, „sehr schnell nach Nordosten ziehend“: Die Anmerkungen aus dem NABU-Naturgucker zu Beobachtungen aus den letzten Tagen im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen sind eindeutig. Immer mehr Kraniche kommen bereits jetzt aus den Winterquartieren in Spanien und Frankreich zurück.
Karte der Kranichbeobachtungen vom 2. bis 4. Februar. – Quelle: www.naturgucker.de, Kartengrundlage: Google Maps

Wie viele es genau sind, lässt sich schwer sagen, denn der Frühjahrszug – auch wenn er mitten im Winter startet – ist diffuser als der Herbstzug. „Sehr schnell nach Nordosten ziehend“ spricht daher nicht nur für gute Flugbedingungen. Die Kraniche haben es beim Weg in die Brutreviere grundsätzlich recht eilig. Während sie im Herbst oft mehrere Wochen an den großen Rastplätzen pausieren, wird jetzt durchgezogen. Im Havelluch oder an der Boddenküste finden daher nun auch keine der sehr aufwändigen Synchronzählungen statt.Schließlich wartet am Ziel der Rückreise kein großes friedliches Happening, bei dem sich sowieso wieder alle treffen. Es geht um geeignete Brutreviere für jeweils ein Kranichpaar, wo es im Frühling und Sommer Nachwuchs aufziehen kann. Andere Kraniche in zu großer Nähe stören dabei. Im Unterschied zu Störchen oder Reihern sind Kraniche keine Koloniebrüter. Ihre Nester befinden sich auch nicht einigermaßen vor Fressfeinden sicher in Baumkronen oder auf Hausdächern, sondern direkt am Boden, geschützt nur durch eine möglichst versteckte Lage und umgeben von möglichst knietiefem Wasser.

Aktueller Buchtipp: „Der Ruf der Kraniche“
Mittels einer eigens entwickelten Methode hat der Hamburger Vogelkundler Bernhard Weßling jahrzehntelang das Verhalten der Kraniche erforscht und Teile ihrer Sprache entschlüsselt. In „Der Ruf der Kraniche“ nimmt uns Weßling mit in den Duvensteder Brook, nach Nordamerika, Japan und Korea. Seine Beobachtungen lassen uns tief in die Lebensweise und der Kraniche eintauchen.Bernhard Weßling: Der Ruf der Kraniche. Expeditionen in eine geheimnisvolle Welt. – 416 Seiten. 20 Euro. Goldmann 2020. ISBN 978-3-442-31543-7.

Dass sich die Kranichbestände in den letzten Jahrzehnten gewaltig erholt haben, macht die erfolgreiche Fortpflanzung für den einzelnen Kranich nicht einfacher. Immer mehr Tiere konkurrieren um eine begrenzte Zahl von geeigneten Revieren. Im letzten Jahr fand der Hauptteil des Rückreiseverkehrs übrigens von Mitte Februar bis Anfang März statt. Das ist nicht mehr allzu weit entfernt.
11. Januar 2021 – Am Sonntag und Montag kam es zu den ersten nennenswerten Kranichzug-Sichtungen des neuen Jahres. Es waren aber keine Kälteflüchtlinge, denen die leichte Schneedecke in manchen Teilen Deutschlands nicht gefiel. Im Gegenteil: Mehrere Hundert machten sich bereits auf den Rückflug in die Brutgebiete. Der größte Teil der Kraniche flog aus Frankreich kommend via Saarland und Rheinland-Pfalz weiter entlang der hessischen Flugkorridore.Gemessen an dem in die Hunderttausende gehenden Kranichbestand sind es zunächst es nur relativ wenige Rückkehrer und es bleibt abzuwarten, ob das eine gute Idee ist oder ob doch noch ein stärkerer Wintereinbruch kommt. Bleibt der Einbruch aus, haben die frühen Rückkehrer klare Vorteile beim Gerangel um die besten Brutplätze.
25. Dezember 2020 – Kraniche kennen weder Corona-Lockdown noch Feiertage. Deshalb hieß es heute spät im Jahr noch einmal: Flug frei nach Süden! Vor allem über NRW herrschte reger Betrieb. Wahrscheinlich hat der Wetterumschwung hin zu deutlich kälteren Temperaturen den gemeinsamen Abflug ausgelöst. Aus dem südwestlichen Niedersachsen ging es über Münsterland und Ruhrgebiet bis runter nach Bonn, dann weiter Richtung Eifel und Mosel. Nächster Halt ist sicher der Lac du Der in der Champagne. Ob es von dort aus weiter geht, hängt auch von der Wetterentwicklung ab. Folgen wieder milden Episoden, kann es sein, dass die Kraniche noch im Winter wieder zurückkehren.
08. Dezember 2020 – Die Kraniche präsentieren sich diesen Herbst als ausgesprochen reisefreudiges Völkchen mit Tendenz zur individuellen Ausgestaltung. Auch Wochen nach den letzten Hauptflugtagen sind immer wieder noch größere Trupps unterwegs. So starteten am Sonntag zahlreiche Kraniche in Sachsen-Anhalt und Thüringen und flogen dann weiter über Hessen und Rheinland-Pfalz nach Frankreich. Auch am Dienstag war auf den Hessenrouten viel Verkehr, während über NRW kaum mehr Kraniche ziehen. Immer wieder fliegen zudem kleinere Reisegruppen in Ost-West-Richtung entlang des Alpennordrandes durch das südliche Bayern und Baden-Württemberg sowie den Norden der Schweiz. Vor allem im Nordosten der Republik lassen sich zudem weiter regelmäßig Kraniche beobachten, die sich entschlossen haben, den Winter bis auf Weiteres hier bei uns zu verbringen.

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