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UN-Biodiversitätskonferenz COP16

UN-Biodiversitätskonferenz COP16

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandJetzt Artenvielfalt retten

Im Mittelpunkt der Konferenz steht, wie das Weltnaturabkommen finanziert und umgesetzt werden soll. Die Jahre bis 2030 sind von entscheidender Bedeutung: Gelingt es Deutschland und der Welt, den Verlust der Biodiversität zu stoppen und unsere Lebensgrundlagen zu retten?

Der Kleine Sonnenröschenbläuling befindet sich aktuell auf der Vorwarnstufe der Roten Liste. Damit geht es ihm noch deutlich besser als vielen anderen Arten – etwa ein Drittel ist bestandsgefährdet. – Foto: Helge May

14. Oktober 2024 – Zum Beginn der 16. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP16) in Cali, Kolumbien, erneuert der NABU seine Forderung an Olaf Scholz und die Bundesregierung, endlich konkrete Schritte gegen den fortschreitenden Verlust an Artenvielfalt, Lebensräumen und Ökosystemfunktionen zu unternehmen. Vom 21. Oktober bis 1. November beraten Regierungsvertreter*innen aus aller Welt über die Finanzierung und Umsetzung des 2022 geschlossenen Weltnaturabkommens.
Das Abkommen sieht vor, den dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2030 zu stoppen und umzukehren. Dafür sollten unter anderem 30 Prozent wirksame und vernetzte Schutzgebiete bereitgestellt, kaputte Ökosysteme wiederhergestellt und die Toxizität der eingesetzten Pestizide um mehr als die Hälfte reduziert werden. Doch während weltweit dringende Maßnahmen ergriffen werden, nimmt die Bundesregierung die Dramatik der Naturkrise offenbar nicht ernst genug.

Deutschland hinkt hinterher
„Deutschland hinkt hinterher“, kritisiert NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. „Es fehlen auf nationaler Ebene klare, messbare, verbindliche Ziele und wirksame Maßnahmen. Der Artenverlust geht ungebremst weiter, und wir verlieren wertvolle Lebensräume, die für das Wohlergehen zukünftiger Generationen unverzichtbar sind.“
Beispielsweise ist Deutschland im Rahmen des Weltnaturabkommens dazu verpflichtet, seine nationale Biodiversitätsstrategie und dazugehörige Aktionspläne spätestens bis zu Konferenzbeginn zu aktualisieren und darzulegen, wie es die Ziele des Weltnaturabkommens erreichen wird. Dies ist bisher allerdings nicht geschehen.

Update: Am 25. Oktober hat das Bundesumweltministerium den überarbeiteten Strategie-Entwurf sowie einen ersten Aktionsplan vorgelegt. Jetzt kommt es auf Abstimmung innerhalb der Bundesregierung an. Hier darf die Strategie nicht abgeschwächt werden. Zuletzt wird sie als Strategie der gesamten Bundesregierung beschlossen.

Ein etwas positiveres Signal ist hingegen eine gemeinsame Veröffentlichung des Bundesministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Sie verkündeten, dass die Finanzierung internationaler Biodiversitätsprojekte im Jahr 2023 auf insgesamt 1,36 Milliarden Euro erhöht wurde. Hier fordert der NABU allerdings gemeinsam mit anderen Umweltverbänden mehr Transparenz bei der Berechnung der Zahlen. Die immense Steigerung von 450 Millionen Euro gegenüber 2022 ist aus Sicht der Umweltverbände aus den Zahlen des Bundeshaushaltes nicht direkt ablesbar. Die aktuelle Darstellung lässt unklar, welche und wie viele Projekte tatsächlich den primären Zweck des Erhalts von Ökosystemen hatten, oder ob auch Projekte angerechnet werden, die lediglich einen positiven Nebeneffekt für die Natur haben.
Aktuelle Studien zeigen enormen Handlungsdruck
Diese Passivität steht im Kontrast zu dem Ausmaß der Biodiversitätskrise, die in den letzten Wochen besonders deutlich wurde: Der Living Planet Report 2024 zeigt auf, dass Wildtierpopulationen in den letzten 50 Jahren um 73 Prozent eingebrochen sind. Der Faktencheck Artenvielfalt bestätigt, dass ein Drittel aller Arten in Deutschland gefährdet und mehr als die Hälfte der natürlichen Lebensraumtypen in einem schlechten Zustand sind. Und dass Deutschlands Wälder aktuell mehr Kohlenstoff abgeben, als sie speichern und damit ihre Rolle als Teil der Lösung der Klimakrise nicht mehr erfüllen, beziffert die letzte Bundeswaldinventur. 
Der NABU fordert daher mehr politischen Willen für die vollständige und rasche Umsetzung des globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal. NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger betont: „Es geht nicht nur um den Erhalt der Natur, sondern um unsere Lebensgrundlagen.“
NAJU-Jugenddelegation bei den Verhandlungen in Kolumbien
Die NAJU-Jugenddelegation setzt sich auf der 16. UN-Biodiversitätskonferenz für den Schutz unserer Lebensgrundlagen ein – Foto: NAJU/Janina Rüther

Vor Ort setzt sich die deutsche Jugenddelegation „Voice for Biodiv“ der NAJU (Naturschutzjugend im NABU) dafür ein, dass der Schutz der Artenvielfalt weiter in den Fokus der Öffentlichkeit rückt und die Klima- und Biodiversitätskrise zusammengedacht werden. Johanna Reichel aus der Delegation unterstreicht:. „Vielfalt ist grundlegend für ein gutes Leben – sowohl in der Natur als auch in unserer Gesellschaft. Deswegen setze ich mich für einen Ansatz ein, der verschiedene Krisen zusammendenkt und einen strukturellen Wandel anstrebt.“ Die Jugenddelegation wird vor Ort berichten.

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