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Wie Aktive den Amphibien helfen können

Wie Aktive den Amphibien helfen können

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandViele NABU-Gruppen im Einsatz

Die ersten Molche, Frösche und Kröten haben sich bereits auf den Weg gemacht. Beim Amphibienschutz gibt es deshalb nun viel zu tun, Unterstützung ist willkommen. Auf einige Dinge können Aktive nun achten.

Zaunverantwortliche in Berlin-Rahnsdorf Antje Stavorinus überprüft die Eimer – Foto: NABU/E. Stanzl

25. Februar 2022 – Besuch am ältesten und längsten Krötenzaun in Berlin: In Rahnsdorf im Südosten der Stadt steht ein 1,3 Kilometer langer Zaun, den Ehrenamtliche in den vergangenen Wochen instand gesetzt haben. Am 18. Februar haben sie hier sieben Kröten entdeckt.
„So früh wie noch nie. Das ist der Klimawandel“, sagt Otto Bardella der Berliner NABU-Bezirksgruppe Treptow-Köpenick, die den 40 Jahre alten Zaun mit dem Naturschutzaktiv Schöneiche e.V. betreut. Es ist der längste und älteste Schutzzaun in der Hauptstadt.
Wenn die Amphibien den Schutzzaun umgehen wollen, fallen sie in die Falleimer, die in Rahnsdorf alle paar Meter im Boden vergraben sind. Idealerweise ist in jedem Eimer auch ein Stock, der anderen Tieren als Ausstiegshilfe dient.
Stock, Löcher und Laub für die Eimer

Antje Stavorinus und Otto Bardella von der NABU-Gruppe Treptow-Köpenick in Berlin – Foto: NABU/E. Stanzl

Denn nicht nur Amphibien fallen in diese Eimer. Auch Mäuse, Blindschleichen, Käfer und sogar mal ein Entenküken hätten Otto Bardella und Antje Stavorinus, die Zaunverantwortlichen in Rahnsdorf, in den vergangenen Jahrzehnten aus diesen befreit, erzählen sie.
In den Eimern befinden sich zudem kleine Löcher, die dafür sorgen, dass das Regenwasser ablaufen kann und die Tiere darin nicht ertrinken. Die Aktiven in Berlin streuen außerdem Laub in die Behälter, das als Versteck dient und vor dem Austrocknen schützt. „Man kann den Transport für die Tiere sehr viel stressfreier gestalten, wenn man den Boden der Transporteimer mit reichlich Laub befüllt. Dann verstecken sich die Tiere darunter und hören auf zu quaken und an der Eimerwand hochzuspringen“, schreibt ein NABU-Mitglied per E-Mail.
Aktuell ist in Rahnsdorf aber noch nicht viel los, gestern fanden die Amphibienfreunde nur eine Erdkröte. Das könnte auch vielerorts in ganz Deutschland erstmal so bleiben, denn die Temperaturen gehen nachts wieder in den Minusbereich, bis wahrscheinlich Ende kommender Woche – nicht gerade ideale Voraussetzungen für die Amphibien.

Erdkröten am Kamener Galgenberg (NRW) – Foto: Elisabeth und Wolfgang Postler

23. Februar 2022 – Während vielerorts das stürmische Wetter in den vergangenen Tagen die Amphibien vom Wandern abgehalten haben könnte, war in Kamen (Nordrhein-Westfalen) schon einiges los.
Elisabeth und Wolfgang Postler berichten: „Trotz Orkanböen und Hagelschauer sind die Erdkröten und Molche über die Straße gelaufen. So konnten wir bis zum 22. Februar 485 Erdkröten, 24 Bergmolche und 46 Teichmolche zählen. Leider fanden wir auch fünf tote Kröten.“ Bereits am 9. Februar saßen die ersten Erdkröten und Molche auf der Straße am Kamener Galgenberg, schildern sie weiter.

Amphibien-Sammeleimer – Foto: Andrea Szymanski/Archiv

17. Februar 2022 – Der bisher eher milde Winter lockt Frösche, Kröten, Molche und Unken in vielen Regionen Deutschlands besonders früh aus ihren Winterquartieren. „Sobald es nachts mehr als fünf Grad Celsius warm wird, kommt bei ihnen Hochzeitsstimmung auf. Die Tiere begeben sich zu ihren Laichgewässern, um sich zu paaren“, sagt Sascha Schleich, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Feldherpetologie und Ichthyofaunistik. „Dabei werden leider jedes Jahr viele Tiere auf unseren Straßen getötet.“
Seit vielen Jahren kämpfen Naturbegeisterte gegen den Amphibientod an unseren Straßen. Sie stellen Fangzäune auf, tragen Kröten über die Straße und legen Ersatzlaichgewässer an. Für diese ehrenamtliche Arbeit braucht es nach wie vor Unterstützung. Wer beim Krötenretten mitmachen möchte, kann sich dazu an die örtliche NABU-Gruppe wenden.
Hunderte Krötenzäune in NRW

Zaunaufbau – Foto: NABU Bad Nauheim/Archiv

Viele NABU-Gruppen betreuen mobile Krötenzäune, um Amphibien an besonderen Gefährdungsstellen vor dem Straßentod zu retten. In Nordrhein-Westfalen betreuen aktive Krötenfans einige 100 Krötenzaunanlagen, darunter bei Troisdorf im Rhein-Sieg-Kreis, bei Rösrath im Rheinisch-Bergischen Kreis, am Kamener Kreuz im Kreis Unna.
„Die heißt es nun zu kontrollieren, Schäden auszubessern und dann bei entsprechender Witterung, täglich die Krötenzäune abzugehen, die sich in Eimern sammelnden Amphibien zu zählen und sie über die Straße zu tragen“, sagt Monika Hachtel, Sprecherin des Landesfachausschusses Amphibien und Reptilien im NABU NRW. Hilfe sei da immer sehr willkommen.
Aktive reparieren 1,3 Kilometer langen Krötenzaun in Berlin
Auch in Berlin waren schon die ersten NABU-Aktiven im Einsatz. In dieser Woche haben Mitglieder*innen der Bezirksgruppe Treptow-Köpenick den ältesten und mit 1,3 Kilometer längsten Krötenzaun der Hauptstadt repariert und instand gesetzt. Weil der Zaun so lang ist, wird er nicht jedes Jahr auf- und abgebaut, sondern repariert. Morgens und abends laufen Freiwillige den Zaun ab, um nach Amphibien Ausschau zu halten. Der NABU Berlin zeigt in einem Video auf Instagram ein paar Eindrücke der Arbeiten.
Aktive des NABU Burgwedel in Niedersachsen haben am gestrigen Mittwoch den Schutzzaun 408 zwischen Engensen und Ramlingen aufgebaut. Dabei haben sie am Straßenrand eine überfahrene Kröte gefunden. Daher die Bitte an Autofahrer*innen: Fahren Sie umsichtig und langsamer, wenn sie entsprechende Gefahrenschilder sehen.
Vorsicht bei Sturm

Erdkröte – Foto: Ingo Ludwichowski/Archiv

Noch sind bislang nur wenige Amphibien unterwegs, der mengenmäßige Höhepunkt ist voraussichtlich erst in einem Monat zu erwarten. An so windigen Tagen, wie aktuell durch die Sturmtiefs „Ylenia“ und „Zeynep“ bedingt, sind die Wanderungsaktivitäten in der Regel geringer. Amphibien mögen Wind nicht besonders, weil er nämlich ihre Haut austrocknet. Eine Ausnahme bildet dabei allerdings eine aktuelle Beobachtung beim Portal Naturgucker: Am Zaun am südwestlichen Kölner Grüngürtel sind am heutigen Donnerstagmorgen immerhin 120 Erdkröten gemeldet worden. 
Problematisch könnten Stürme für Amphibienschützer*innen werden. Denn soweit die Zäune bereits aufgestellt sind, sollten sie eigentlich zweimal täglich – abends und morgens – kontrolliert und die Fangeimer geleert werden. Stehen Bäume in der Nähe des Zauns, kann das bei Sturm gefährlich werden, weil Äste abbrechen und Bäume umstürzen können.
11. Februar 2022 – Dieser Winter schleicht sich so dahin, ohne besondere Auffälligkeiten. Für die Natur ist das von Vorteil, muss sie doch nicht ständig auf abrupte Wechsel reagieren. Aber eines fällt doch auf: Richtig tiefe Temperaturen kamen im Flachland bisher kaum vor. „Der Winter 2021/22 ordnet sich klar im Bereich der wärmsten Winter ein“, zieht Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst eine erste Bilanz. Es gab deutlich weniger Nachtfröste als üblich und Eistage, also Frost rund um die Uhr, waren noch seltener. Teile des Ruhrgebiets und des Rhein-Main-Gebietes verzeichneten keinen einzigen Eistag.
Opportunisten unter den Amphibienarten, die sich bei der Wanderung zu den Laichgewässern weitgehend nach der Wetterlage richten, konnte man deshalb bei geeigneten Temperaturen fast den ganzen Winter über beobachten. Vor allem Grasfrösche haben die Gelegenheit genutzt. Inzwischen sind Tageslänge und Temperatursummen so weit entwickelt, dass auch verschiedene Molche aufbrechen. Selbst bei den Erdkröten, für die es eigentlich noch zu früh ist, können es manche Tiere nicht mehr abwarten. Das gilt vor allem für die Flusstäler und die wintermilden Regionen im Nordwesten.
Ein Teichmolch am Schutzzaun – Foto: Ludger Frye/NABU Vechta

Ludger Frye vom NABU Vechta hat in dieser Woche bereits eine Überraschung erlebt. Als er einen bereits aufgebauten, mobilen Amphibienschutzzaun in Lohne, Landkreis Vechta, überprüfte, entdeckte er dort einen Teichmolch. „So früh hatten wir noch nie einen Start der Amphibienwanderung!“, sagt er. Auf einer angrenzenden stark befahrenen Straße fand er allerdings auch mehrere frisch überfahrene Amphibien, darunter je zwei Teichmolche, Bergmolche und Erdkröten, schildert Ludger Frye. „Bei uns müssen also die Fangeimer umgehend eingebaut werden!“
Aufgrund des bisher sehr milden Winters wurden im Landkreis Vechta bereits im Januar Einzeltiere gesichtet, unter anderem drei Kammmolch-Männchen im Prachtkleid bei der Balz in einem Gartenteich in Dinklage und ein Grasfrosch-Weibchen in einem Gewässer bei Bakum.
Gefahrenzeichen „Amphibienwanderung“ beachten

Krötenwarnschild – Foto: Helge May

Entsprechend früh werden nun auch wieder zahlreiche NABU-Aktive an stark frequentierten Straßenabschnitten zum Schutz der Tiere vor dem Straßenverkehr Amphibienschutzzäune aufbauen, heißt es beispielsweise vom NABU-Landesverband Niedersachen. Diese Zäune halten die Kröten und Frösche davon ab, die Straßen zu überqueren. Doch nicht überall können Zäune aufgestellt werden. In manchen Bereichen mit hohem Amphibienaufkommen findet sich deswegen das Gefahrenzeichen „Amphibienwanderung“, welches davor warnt, dass Tiere die Fahrbahn überqueren.
Der NABU bittet darum Autofahrer*innen, auf Amphibienwanderstrecken höchstens 30 Stundenkilometer zu fahren. Das könnte vielen Tieren das Leben retten. Denn sie sterben nicht nur durch Überfahren, sondern auch wenn Fahrzeuge sehr schnell unterwegs sind. „Große Geschwindigkeit erzeugt einen so hohen Luftdruck, dass die inneren Organe von Fröschen, Kröten und Molchen platzen oder durch den Mund nach außen gestülpt werden. Die Tiere verenden qualvoll“, sagt Sascha Schleich, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Feldherpetologie und Ichthyofaunistik. Vorsichtiges Fahren ist auch wegen der vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer wichtig, die im Einsatz sind. Schleich: „Warnschilder und Tempolimits müssen unbedingt beachtet werden, auch weil die Einsätze in der Dämmerung stattfinden. Dann sind die meisten Tiere unterwegs.“
Ein Springfrosch in einer Fangkiste – Foto: Regine Carl

Einige Opfer gab es in diesen Tagen leider auch schon an den ungeschützten Stellen der B3 bei Ungeheuerklamm, Baden-Württemberg, schilderte Regine Carl. Aber sie konnte bereits am vergangenen Wochenende eine Springfroschdame in einer Fangkiste bergen. In der Wochenmitte waren außerdem schon eine männliche Kröte und ein weiblicher Teichmolch an der B3 unterwegs, so Regine Carl.
Es werden zwar sicher auch noch kühlere Tage kommen, doch ein echter Wintereinbruch ist weit und breit nicht in Sicht. „Es bleibt also nur im höheren Bergland ein Winter, der den Namen auch verdient“, resümiert Wetterexperte Beyer. Amphibienschützer*innen hoffen daher auf eine kontinuierliche und damit vergleichsweise kurze Wandersaison ohne ständiges Stop and Go. Der Höhepunkt der Laichwanderungen ist Mitte März zu erwarten.

Helfende Hände gesucht
Es gibt wohl kaum eine Naturschutzgruppe, die nicht dringend weitere Helfer*innen sucht, denn Amphibienschutz ist aufwändige Handarbeit. Um mitzutun, sind Vorkenntnisse nicht zwingend nötig. Die Saison erstreckt sich in der Regel über zwei bis drei Monate, mit dem Höhepunkt gegen Mitte März. Es ist schön, wenn jemand an vielen Tagen mit anpacken kann, wer nur einmal oder zweimal Zeit hat, ist aber auch willkommen.Zunächst müssen Zäune aufgestellt werden – teils übernimmt das die Kommune oder die Straßenbauverwaltung. Stehen die Zäune, müssen diese jeden Tag kontrolliert werden, am besten am frühen Abend und am frühen Morgen. Befinden sich Amphibien in den Eimern, werden diese in Transporteimer umgefüllt und über die Straße getragen. In der Regel werden dabei auch Anzahl, Arten und Geschlechter notiert. Wie die Hilfe funktioniert, wie man die Tiere richtig anfasst, wie man Grasfrösche von Springfröschen oder Bergmolche von Teichmolchen unterscheidet, ist schnell gelernt.Wer weiß, dass im Heimatort oder in der Nachbarschaft Krötenzäune betreut werden, kann sich einfach an die jeweilige Naturschutzgruppe wenden. Ist dies nicht bekannt, lohnt es sich, auf den lokalen NABU-Websites nachzuschauen. Mehr als tausend Schutzzäune samt Kontaktadressen sind zudem in der Schutzzaundatenbank des NABU-Bundesfachausschusses Feldherpetologie versammelt.

10. Januar 2022 – An dieser Stelle berichten wir auch in der Laichwandersaison 2022 aktuell über das Zuggeschehen. Wann genau der Startschuss fallen wird, ist vom Wetter abhängig. In manchen Jahren geht es bereits Ende Januar los, während sich in anderen vor Anfang März kaum eine Kröte sehen lässt. Noch jedenfalls können die Krötenwarnschilder geschlossen bleiben.Auch wenn mehr und mehr feste Amphibienquerungen gebaut werden, gibt es bundesweit immer noch hunderte Stellen, an denen Naturschützer ab Februar, spätestens im März, Leitzäune aufstellen. Die anwandernden Tiere sammeln sich in Eimern, werden dann über die Straße getragen, statistisch erfasst und wieder freigelassen. Zusätzliche Helferinnen und Helfer sind stets hochwillkommen. Auch für Anfänger ist diese Tätigkeit gut geeignet, ebenso für Kinder und Jugendliche.
Rückblick 2021

„Es ist wunderbar, wenn sich am Zaun etwas rührt“
In geschützten Lagen sind die Wanderungen von Fröschen, Kröten und Molchen weit fortgeschritten. Teils setzt nach dem Ablaichen sogar schon die Rückwanderung ein. Vielerorts müssen die Amphibienzäune aber noch bis mindestens Mitte April betreut werden. Mehr →

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