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17,7 % weniger Unternehmensinsolvenzen im 1. Halbjahr 2021

17,7 % weniger Unternehmensinsolvenzen im 1. Halbjahr 2021

Source: Destatis Statistisches Bundesamt

Pressemitteilung Nr. 424 vom 10. September 2021

  • Zahl der beantragten Regelinsolvenzverfahren im August 2021 laut vorläufigen Angaben 19 % niedriger als im Vormonat
  • Verbraucherinsolvenzen steigen im 1. Halbjahr 2021 um mehr als die Hälfte gegenüber Vorjahr 

Das Insolvenzgeschehen war im 1. Halbjahr 2021 weiterhin von Sonderregelungen geprägt: So war die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen von Anfang März bis Ende 2020 ausgesetzt. Diese Regelung galt bis Ende April 2021 weiter für Unternehmen, bei denen die Auszahlung der seit 1. November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch ausstand. Für diese Unternehmen wurde die Insolvenzantragspflicht erst zum 1. Mai 2021 wieder vollumfänglich eingesetzt. Es ist davon auszugehen, dass die staatlichen Konjunkturhilfen für die Unternehmen sowie die erst ab Mai wieder durchweg geltende Insolvenzantragspflicht zu den niedrigen Insolvenzzahlen im 1. Halbjahr 2021 beigetragen haben. 

Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es im 1. Halbjahr 2021 im Baugewerbe mit 1 219 Fällen (1. Halbjahr 2020: 1 462; -16,6 %). Im Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) waren es 1 120 Verfahren (1. Halbjahr 2020: 1 485; -24,6 %). Im Bereich der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (zum Beispiel Reisebüros und Reiseveranstalter, Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften, Garten- und Landschaftsbau sowie Gebäudebetreuung) wurden 805 Insolvenzen gemeldet (1. Halbjahr 2020: 942, -14,5 %). 

19 % weniger beantragte Regelinsolvenzverfahren im August 2021 gegenüber Vormonat 

Hinweise auf die künftige Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen gibt die Zahl der beantragten Regelinsolvenzverfahren. Im August 2021 sank diese Zahl laut vorläufigen Angaben um 19 % gegenüber Juli 2021. Sie stieg allerdings um 14 % gegenüber August 2020, als die Antragspflicht vollumfänglich ausgesetzt war und es zu einem starken Rückgang im Vergleich zum August 2019 (-35,4 %) gekommen war. Im Juli 2021 hatte die Zahl der beantragten Regelinsolvenzverfahren noch fast auf dem Niveau des Vormonats (-0,1 %) und des Vorjahresmonats (+0,4 %) gelegen. 

51,1 % mehr Verbraucherinsolvenzen im 1. Halbjahr 2021 als im 1. Halbjahr 2020 

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist im 1. Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gestiegen. 42 304 Verbraucherinnen und Verbraucher stellten einen Insolvenzantrag, das war ein Anstieg um mehr als die Hälfte (+51,1 %) gegenüber dem 1. Halbjahr 2020. Der starke Anstieg ist im Zusammenhang mit einem Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre zu sehen. Die Neuregelung gilt für ab dem 1. Oktober 2020 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren. Sie ermöglicht den Betroffenen einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss an ein Insolvenzverfahren. Daher ist davon auszugehen, dass viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag zunächst zurückhielten, um von der Neuregelung zu profitieren. 

Hinweise zu Regelinsolvenzverfahren:

Die Insolvenzstatistik erfasst nicht Unternehmensschließungen, die unabhängig von einer Insolvenzantragspflicht aus anderen Gründen erfolgen. Von den Insolvenzverfahren in Deutschland sind 30 % Regelinsolvenzverfahren, zu denen in erster Linie alle Verfahren von Unternehmen zählen (rund 55 % aller Regelinsolvenzverfahren). Außerdem findet das Regelinsolvenzverfahren Anwendung bei Personen, die wirtschaftlich tätig sind. Dazu gehören unter anderem die persönlich haftenden Gesellschafter einer offenen Handelsgesellschaft (oHG), Mehrheitsgesellschafter einer Kapitalgesellschaft sowie ehemals selbstständig Tätige, deren Vermögensverhältnisse als nicht überschaubar eingestuft werden. 

Beantragte Unternehmensinsolvenzen nach Wirtschaftszweigen in Deutschland
1. Halbjahr 2021
Wirtschaftszweig Verfahren insgesamt Veränderung gegenüber
1. Halbjahr 2020
Anzahl in %
Insgesamt 7 408 -17,7
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 55 -3,5
Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden 1 -66,7
Verarbeitendes Gewerbe 540 -33,5
Energieversorgung 40 -4,8
Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen 17 -32,0
Baugewerbe 1 219 -16,6
Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kfz 1 120 -24,6
Verkehr und Lagerei 518 -20,6
Gastgewerbe 782 -22,1
Information und Kommunikation 248 -15,9
Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 179 -3,8
Grundstücks- und Wohnungswesen 223 -11,2
Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen 759 -22,1
Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen 805 -14,5
Erziehung und Unterricht 91 1,1
Gesundheits- und Sozialwesen 174 3,0
Kunst, Unterhaltung und Erholung 172 -3,4
Sonstige Dienstleistungen 465 +22,7
Beantragte Insolvenzverfahren in Deutschland
  1. Halbjahr 2021 Juni 2021
Anzahl Veränderung
gegenüber
Vorjahreszeitraum
in %
Anzahl Veränderung
gegenüber
Juni 2020
in %
 Verbraucher- und Regelinsolvenzverfahren.
Insgesamt 63 224 +32,6 10 501 +23,9
Unternehmen 7 408 -17,7 1 197 -11,6
Übrige Schuldner 55 816 +44,3 9 304 +30,6
davon:
– Verbraucher 42 304 +51,1 7021 +33,0
– natürliche Personen als Gesellschafter 225 +0,9 33 -10,8
– ehemals selbstständig Tätige1 11 370 +30,3 1 952 +34,8
– Nachlässe und Gesamtgut 1 917 +10,4 298 -17,0

Weitere Informationen:
Detaillierte Daten können über die Tabellen 52411 (Insolvenzen) in der Datenbank GENESIS-Online abgerufen werden.
Weitere Ergebnisse und methodische Hinweise bietet die Fachserie 2, Reihe 4.1

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