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Immer mehr Gezirpe, immer mehr Geflatter

Immer mehr Gezirpe, immer mehr Geflatter

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandTipps zur Insektenbeobachtung im Juli

Zwei Mal pro Saison, im Juni und August, ruft der NABU zu Insektensommer-Zählungen auf. Doch die bunte Vielfalt der Sechsbeiner lässt sich fast das ganze Jahr über erleben – mit immer wieder neu gemischtem Artenspektrum. Wir werfen einen Blick auf den Juli, die Zeit zwischen den Insektensommer-Etappen.

C-Falter im Juli-Garten – Foto: Helge May

Linden sind in Deutschland die häufigsten Straßen- und Alleebäume. Wer Anfang Juli unter einer solchen Lindenallee hergeht, hört es kräftig summen und brummen. Es ist Blütezeit, unzählige Insekten schwirren in den Baumkronen, darunter Bienen und Hummeln. Wenn die Sommerlinden ihre Blüten öffnen, fängt laut phänologischem Kalender offiziell der Hochsommer an. 2021 war das am Oberrhein bereits unmittelbar nach Ende der ersten Insektensommer-Etappe Mitte Juni der Fall. Bis zum Monatsende blühte es auch in den Mittelgebirgslagen sowie an der Küste, rund zwei Wochen nach der Sommerlinde setzte dann die Blüte der Winterlinden ein.Ideal für die Insektenbeobachtung sind Linden allerdings nicht. Vom geschäftigen Leben oben in den Baumkronen hört man viel und sieht wenig. Wo also sonst schauen? Wer einen Garten hat, muss da nicht lange überlegen. Mit etwas Kenntnis und Umsicht lässt sich auch ein kleiner Garten so insektenfreundlich gestalten, dass er mit vielen natürlichen Lebensräumen mithalten kann.
Insektenbesuch im Garten
Im Garten beginnt jetzt die hohe Zeit der Sommerstauden. Und soweit es sich um ungefüllte Blüten handelt, ist Insektenbesuch garantiert. Das können Rittersporne sein, Kandelaber-Ehrenpreis oder Boretsch aus dem Nutzkräuterbeet. Spannend sind Lippenblütler wie Ziest, Betonie und Knollen-Platterbse. Besonders beliebt sind Ziest und Betonien bei Wollbienen, die hier nicht nur Nahrung finden, sondern in Form von abgeschabten Pflanzenhaaren auch Baumaterial. Knollen-Platterbsen wiederum ziehen Hummeln und Holzbienen magisch an, auch Glockenblumen sind bei ihnen beliebt. Wer die spektakulären Taubenschwänzchen anlocken möchte, sollte auf Flammenblumen (Phlox), Fuchsien oder Sommerflieder setzen.Korbblütler wie die Artischocke werden von Taubenschwänzchen ebenfalls gerne angeflogen. Damit wären wir bei einer Pflanzengruppe, die jetzt „draußen“ an Wegrändern, auf Brachen und Magerrasen ihre große Zeit hat. Dazu gehören Disteln und Kratzdisteln aller Art, Flockenblumen und Rainfarn. Hinzu kommen Doldenblütler wie Wilde Möhre, Wiesen-Bärenklau und Pastinak. Letztere sind mit ihren offenen Scheibenblüten ideal für Insekten mit kurzen Mundwerkzeugen, also etwa Fliegen, Schwebfliegen oder Käfer. Auch Bienen und Wespen tummeln sich dort, sie kommen aber mit vielen Blütentypen zurecht. Im Zweifelsfall tauchen sie halt ganz weit in die Blüten ein. Schmetterlinge haben dank ihrer langen Rüssel mit tief liegenden Nektarquellen ohnehin keine Probleme.
Aus- und Einwechslungen bei den Weißlingen
Neben Bienen und Hummeln sind Schmetterlinge wohl die beliebtesten Insekten. Hier hat sich im Verlauf des Sommers einiges verschoben. Vor allem sind jetzt deutlich mehr Schmetterlinge unterwegs. Admiral, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs fliegen immer noch, wenn auch nicht in großer Zahl. Die Zitronenfalter scheinen gar nicht nachzulassen, dagegen ist bei den Aurorafaltern praktisch Saisonende; Grünader-Weißlinge machen sich meist auch rar, hier ist aber die nächste 2021er Generation in Vorbereitung.Ganz stark im Kommen sind Kleiner und Großer Kohlweißling – bei der Frühsommer-Zählung noch relativ weit hinten auf den Rängen 25 und 39. Sie werden bei der zweiten Zähletappe deutlich vorrücken. Wer genau hinschaut, wird unter den Weißlingen vor allem im Osten auch die unterseits grünlich gemusterten Resedaweißlinge entdecken. Eher im Süden und Westen kann man auf Karstweißlinge treffen. Ihre schwarzen Flügelmarkierungen sind etwas eckiger als bei den Kohlweißlingen. Diese Mittelmeerart findet man in Deutschland erst seit wenigen Jahren, Nachweise gibt es inzwischen aus der ganzen Republik.Ebenfalls weitgehend in schwarz-weiß, aber kein Weißling, ist das Schachbrett. Dieser Sommerfalter mit nur einer Generation pro Jahr ist erst seit Ende Juni unterwegs, ähnlich das Große Ochsenauge. Häufige Bläulinge wie den Kleinen Feuerfalter und den Faulbaumbläuling kann man dagegen dank mehrerer Generationen im Jahr schon seit dem Frühling sehen.
Wenn Libellen zutraulich werden
Einen relativ späten Start ins Jahr haben viele Libellen. Hier ist jetzt deutlich mehr Verkehr im Luftraum als noch Anfang Juni. Wenn man sie nicht gerade noch etwas steif im Frühtau aufspürt, sind Arten wie die Mosaikjungfern allerdings kaum mal in Ruhe zu betrachten. Bessere Chancen gibt es bei vorsichtiger Annährung bei manchen Heidelibellen. Andere, wie Blaupfeil und Plattbauch, sonnen sich gerne auf ruhigen Feldwegen, auch weitab vom nächsten Gewässer.Vergleichsweise gut stehen die Chancen bei Kleinlibellen wie Adonisjungfern, Pechlibellen oder Federlibellen. Gerade letztere schweben mehr, als dass sie fliegen, und lassen sich so mit dem Auge gut bis zur nächsten Landung verfolgen. Unabsichtlich aufgestöberte Libellen kehren oft nach kurzer Zeit wieder an den alten Ruheplatz zurück. Wer sich in der kurzen Zwischenzeit nicht bewegt, wird auch nicht mehr als Störung empfunden. Beobachtungen aus allernächster Nähe sind dann der Lohn.

Auch bei Regenwetter: Insektenbestimmung mithilfe von Gallen und Minen

Selbst wenn es regnet, was 2021 anders als in den Trockenjahren zuvor ja vorkommt, gibt es Gelegenheit, Insekten kennenzulernen. Viele Sechsbeiner verstecken sich dann zwar. Damit bleiben aber immer noch Minen und Gallen. Das sind Spuren, die Tiere an Pflanzen hinterlassen, so typisch, dass sich damit bestenfalls die Tierart genau identifizieren lässt.
Minen sind Fraßspuren. Nicht unterirdisch wie eine Kohlemine, sondern meist an Blättern. Die Larven von Fliegen oder Kleinschmetterlingen fressen sich durch ein Blatt, aber nur durch die obere oder untere Schicht, so dass keine Löcher, sondern eine meist geschlängelte Fraßspur entsteht. Es gibt zwar auch Insekten, die wenig wählerisch sind. Die Kombination von angefressener Pflanzenart und Form der Mine ist aber oft eindeutig.
Noch vielfältiger sind Pflanzengallen. Neben Insekten können vor allem Milben – sie gehören zu den Spinnen – Verursacher sein. Durch Bisse oder Stiche unter Abgabe von Enzymen werden die Pflanzen stimuliert, um Eier und Larven der Verursacher herum Gallen auszubilden. Das kann von einfachen Schwellungen bis hin zu völlig bizarren Gebilden reichen. Wieder ist es die Kombination aus Pflanzenart und Erscheinungsbild, die die Täter überführt. Botanische Grundkenntnisse sind also unabdingbar. Eine Galle nur einem „Strauch“ oder einer „Blume“ zuzuordnen, wird leider nicht zum Ziel führen.

Obwohl einige Arten recht gute Flieger sind, bewegen sich die meisten Heuschrecken eher hüpfend durch die Vegetation. Haupt-Heuschreckenmonat ist der August, also pünktlich zur zweiten Insektensommer-Etappe. Aber auch im Juli kommen schon erwachsene Schrecken vor. Währen ein Monat zuvor nur die Feldgrillen zu hören waren, macht sich nun neben Heupferden vor allem Roesels Beißschrecke mit sirrendem Dauergesang bemerkbar. Eine bei Laien weitgehend unbekannte, aber dennoch häufige, weil anspruchslose Art. Viele andere Schrecken, wie die typischen Grashüpfer, sind aktuell nur in verschiedenen Larvenstadien zu finden, die keine Laute von sich geben.

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