Source: Bund fur Umwelt und Naturschutz Deutschland
Vorkommen erholen sich weiter
BUND gelingen bereits 333 Nachweise der Art
Wildkatzenlebensräume brauchen Vernetzung
Das BUND-Großprojekt „Wildkatzenwälder von morgen“ verzeichnet einen stetigen Anstieg an Wildkatzen-Nachweisen: Seit dem Projektstart im Oktober 2022 konnten bundesweit 333-mal Wildkatzen genetisch nachgewiesen werden. Gemeinsam mit zahlreichen Freiwilligen untersucht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Bestände der Europäischen Wildkatze in zehn Bundesländern. Die Ergebnisse fließen direkt in Maßnahmen zur Verbesserung und Vernetzung ihrer Lebensräume ein: beispielweise in den Bau von „Wildkatzenburgen“ – größere Haufen aus Totholz, die der Art als sichere Verstecke dienen.
Thomas Mölich, BUND-Wildkatzenkoordinator: „333 Nachweise, die eindeutig der Wildkatze zugeordnet werden konnten, sind eine gute Nachricht für den Artenschutz. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass viele geeignete Lebensräume noch immer voneinander getrennt sind. In vielen Gebieten, die sich für Wildkatzen eignen, weisen wir keine Wildkatzen nach. Umso mehr freut es uns, die scheue Jägerin dabei zu beobachten, wie sie die von uns errichteten ‚Wildkatzenburgen’ begutachtet“.
Besonders erfreuliche Ergebnisse gab es in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Im Rhein-Sieg-Kreis gelang dem BUND erstmals der Nachweis von Wildkatzen.
Katharina Stenglein, Projektkoordinatorin des BUND NRW: „Dass wir im Rhein-Sieg-Kreis die Wildkatze an Orten nachweisen konnten, wo bislang das Vorkommen der Art unbestätigt war, freut uns sehr. In der Hoffnung, dass in den nächsten Jahren dort die ersten Wildkatzen auftauchen, haben wir in den letzten drei Jahren mit den ansässigen Förstern den Wald Wildkatzen-freundlich gestaltet. Nun hoffen wir, dass sie sich dort zu Hause fühlen kann.”
Auch im Frankenwald in Bayern wurden erfreulich viele Wildkatzen nachgewiesen. Dort hatten Trockenheit und Borkenkäferschäden in den vergangenen Jahren auf riesigen Flächen zu einem Zusammenbruch der Fichtenwälder geführt.
Anke Camphausen, Projektkoordinatorin des BUND Bayern: „Nach den massiven Waldschäden der vergangenen Jahre wollten wir wissen, wie die Wildkatze damit zurecht kommt. Es ist erfreulich zu sehen, dass sie die neuen Offenflächen zu nutzen scheint. Jetzt wollen wir noch genauere Daten sammeln, um zu ermitteln, welche Strukturen und Managementmaßnahmen für die Wildkatze auf diesen Flächen förderlich sind.“
Die Rückkehr der Wildkatze gilt als Erfolg des Natur- und Artenschutzes. Dennoch fehlen vielerorts geeignete Lebensräume und sichere Wanderkorridore zwischen den Waldgebieten. Deshalb setzt das Projekt auch auf die Entwicklung strukturreicher Waldränder. Davon profitieren nicht nur Wildkatzen, sondern zahlreiche weitere Arten sowie der Wald selbst.
Im Frankenwald haben die positiven Nachweise bereits konkrete Folgen: Ein Waldbesitzer hat angekündigt, gemeinsam mit dem BUND Naturschutz in Bayern Waldränder wildkatzengerecht zu entwickeln. Der BUND lädt weitere Waldbesitzende, Forstbetriebe und Kommunen ein, sich an der Gestaltung naturnaher und klimastabiler Wälder zu beteiligen.
Hintergrund:
Das sechsjährige Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Das Projekt setzen der BUND-Bundesverband, die BUNDjugend und die BUND-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen um. Der BUND setzt bei seinen Maßnahmen auf gezielte Strukturverbesserungen im Wald und am Waldrand. Beispielsweise bieten stufig aufgebaute Waldränder einer vielfältigen Pflanzenwelt und zahlreichen Tierarten Lebensraum. Gleichzeitig wirken sie als natürliche Puffer: Sie bremsen Wind und schützen das Innere des Waldes vor Stürmen und Bodenerosion. Zusätzlich puffern sie den Schadstoffeintrag aus angrenzenden Nutzflächen ab.
Beim Lockstock-Monitoring werden in ausgewählten Waldgebieten mit Baldrian präparierte Holzstäbe, sogenannte Lockstöcke, aufgestellt. Reiben sich Wildkatzen daran, bleiben Haare hängen, die anschließend genetisch untersucht werden. So lässt sich feststellen, wo die Tiere leben und welche Wanderungen sie unternehmen. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise für den Schutz und die Vernetzung ihrer Lebensräume.
Der Wildkatzenwegeplan zeigt, neben den aktuellen Wildkatzenvorkommen in Deutschland, wie diese Gebiete wieder verbunden werden können. Außerdem weist er große Waldgebiete auf, die für Wildkatzen geeignet sind.
Mehr Informationen:
Kontakt:
Thomas Mölich, Wissenschaftlicher Leiter Rettungsnetz Wildkatze, Tel.: +49 30 6254649-150, wildkatze(at)bund.net, Hanna Walker, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit “Wildkatzenwälder von morgen”, Tel.: +49 30 27586-594, Hanna.Walker(at)bund.net, Katharina Stenglein; Projektkoordinatorin Wildkatze beim BUND NRW e. V., Tel.: +49 175-2050321; katharina.stenglein(at)bund.net, Anke Camphausen, Projektkoordination „Wildkatzenwälder von morgen“ beim BUND Naturschutz in Bayern e. V.; Tel.: +49 170- 4037652; anke.camphausen(at)bund-naturschutz.de
BUND-Pressestelle: Sigrid Wolff | Daniel Jahn | Clara Billen | Lara DalbudakTel.: +49 30 27586-497 | -531 | -464 | -425presse(at)bund.net
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