Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandNABUsalon 2026 mit Fokus auf vielfältigem Engagement
Sommerferien vor der Tür, die politische Pause am Horizont: Es gab viel zu besprechen zwischen Vertreter*innen von Wirtschaft, Politik und Naturschutz beim NABUsalon 2026. Im Fokus: mehrere Gesetze und ein Appell.
NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger spricht beim NABUsalon 2026 – Foto: Benedikt Dittrich
23. Juni 2026 – Naturschutz wirkt. Nicht nur für die Natur, sondern auch für uns als Gesellschaft, für die Demokratie. Diese Botschaft ging in diesem Jahr vom NABUsalon aus. Denn Naturschutz kann auch Zusammenhalt organisieren, kann Unterstützung mobilisieren, kann Demokratie fördern. Und dabei spielt der NABU mit seinen tausenden Gruppen überall in Deutschland, mit seinen zehntausenden Aktiven und hunderttausenden Mitgliedern eine große Rolle.
Das konnte nicht zuletzt Denise Weigelt von der NABU-Regionalgruppe Burgstädt aus Sachsen beispielhaft schlicht erklären: „Wir sind halt da“, so die Naturschutzmacherin, die in einer ländlich und konservativ geprägten Region aktiv ist. Aufgeben in diesen Zeiten? Für sie keine Lösung. „Es macht ja sonst niemand“, so Weigelt im Innenhof der NABU-Bundesgeschäftsstelle in Berlin. Sie legte auch einen Fokus auf die Kinder- und Jugendarbeit des Verbandes. Denn über die gemeinsame Arbeit im Naturschutz würden viele junge Menschen in die richtige Richtung gehen – auch indirekte Schritte in Richtung Demokratie.
NABU-Engagement für Natur und Zusammenhalt
Unterstützung bekam sie dabei von NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger, der es zur Aufgabe des NABU erklärte, Demokratie und Gesellschaft zu schützen und gerade in ländlichen Regionen Gruppen zu unterstützen. Weitere Rückendeckung gab es von Jornalist Michel Abdollahi und Politologin Natascha Strobl auf der Bühne. Abdollahi, der ebenfalls auf das Engagement von Jugendlichen und Kindern verwies, die es zu überzeugen gelte. „Denn das ist die Zukunft!” und Strobl, die davor warnte, sich an Rechtspopulist*innen und Stammtischen abzuarbeiten. Denn: „Es gibt Leute, die sind nicht mehr erreichbar.” Frauen und junge Menschen hingegen, die seien noch erreichbar.
Beide warnten aber eindringlich davor, die politischen, gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland auf die leichte Schulter zu nehmen. „Die Lage ist ernst”, so Strobl, die seit vielen Jahren zu Rechtskonservatismus und rechtsextremen Strömungen forscht. In vielen Ländern ist die extreme Rechte Realität, es komme auch für Europa darauf an, dass Deutschland stabil bleibt.
Krüger: „Naturschutz wirkt”
In seiner Rede vor rund 250 Gästen schlug NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger indes den Bogen von ersten Schwimmversuchen früherer Bundesumweltminister (Klaus Töpfer 1988 im Rhein) bis hin zur heutigen Qualität der Gewässer in Deutschland. Seine Botschaft: „Naturschutz wirkt.“ Denn die Bilanz von 1988 bis heute ist deutlich: Flüsse und Seen sind heute wesentlich weniger verschmutzt und belastet, während er sich noch als Jugendlicher daran erinnern konnte, wie viele Seen und Flüsse regelmäßig im Sommer kippten. Heute gebe es an vielen Flüssen wieder Badestellen: „Wir haben uns die Flüsse zurückerobert.“
Vor allem, so Krüger, dank Europäischer Richtlinien, die umgesetzt wurden, dank Investitionen vor Ort, aber auch dank eines vielfältigen Engagements.
NABU fordert Gesamtkonzept für Naturschutz
Gleichzeitg appellierte Krüger vor allem in Richtung Politik. Von den vielen Gesetzesvorhaben, die kurz vor der Sommerpause noch verhandelt werden, betont er vor allem das Investitionszukunftsgesetz sowie das Natürliche-Infrastruktur-Gesetz. Während das eine Gesetz Planungen und Genehmigungen bei Infrastrukturmaßnahmen beschleunigen soll, setzt das andere auf den Ausbau und Erhalt von natürlicher Infrastruktur.
Beiden Gesetze hängen inhaltlich eng zusammen, trotzdem werden sie unabhängig voneinander verhandelt, „das ist unglücklich und aus unserer Sicht falsch.” Während bei dem einen Gesetz Kompensationszahlungen für zerstörte Natur verhandelt werden, wird mit dem anderen Gesetz verhandelt, wie diese Gelder sinnvoll eingesetzt werden können für Naturschutz. „Beschließen Sie ein Gesamtkonzept”, appellierte er an die anwesenden Politiker*innen. Es brauche beides, Tempo und Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Naturschutz. Intakte Ökosysteme seien sogar ein Standortvorteil.
Und dass beides ineinandergreifen kann, wurde auch auf dem diesjährigen NABUsalon sichtbar: Zu Gast war auch Thomas Oldemanns, Nachhaltigkeits-Manager bei „Volkswagen Financial Services”, seit über 18 Jahren Kooperationspartner des NABU in Sachen Wiedervernässung von Mooren. „Das Beste was man machen kann“, so Oldemanns mit Blick auf Klimaschutz und Reduzierung von CO₂-Emissionen.
Doch es geht im Naturschutz nicht nur um einzelne Aktionen oder Regionen, das wurde noch einmal deutlich an diesem Abend. Denn Natur muss als zusammenhängendes Netz betrachtet werden, das geschützt und wiederhergestellt werden muss. Das konnte auch Schauspielerin und Stifterin Maria Furtwängler mit einem Rückblick auf den Start der gemeinsamen Kampagne „30 x 30“ zeigen, die daran erinnert, dass es in der EU ein Ziel zum Erhalt und Ausbau von Schutzgebieten bis 2030 gibt. Und auch Krüger erinnerte daran, dass vor zwei Jahren auf EU-Ebene die Wiederherstellungsverordnung verabschiedet wurde, die die Wiederherstellung von zerstörter Natur zur gemeinsamen Aufgabe der EU-Mitgliedsstaaten macht.
Der Applaus zwischen den Redebeiträgen beim NABUsalon zeigte außerdem: Natur funktioniert auch als Bindeglied zwischen Menschen, über Verbände, Gruppen, Parteien und Unternehmen hinweg.
