Source: Universitat Hamburg23. April 2026, von Anna Priebe
Foto: UHH/Priebe
Zu den 28 Leihgabe gehören sowohl große Statuen als auch kleine Abgüsse wie diese drei Frauendarstellungen.
Seit Jahrhunderten sind Gipsabgüsse von Statuen und anderen antiken Bildnissen fester Bestandteil der kunstgeschichtlichen und archäologischen Forschung. Die Universität Hamburg besitzt eine umfangreiche Sammlung – und leiht einige der Stücke nun an die Hamburger Kunsthalle aus. Wie die Gipsabgüsse die Ausstellung „SKULPTURAL“ ergänzen, erklären Prof. Dr. Fanny Opdenhoff und Prof. Dr. Christof Berns aus dem Fachbereich Kulturwissenschaften.
In der neuen Ausstellung der Kunsthalle sind auch Gipsabgüsse aus der Sammlung der Universität zu sehen. Um welche Statuen und Bildnisse handelt es sich?
Opdenhoff: Wir leihen an die Kunsthalle 28 Gipsabgüsse aus, die in der Sammlungsgeschichte einen besonderen Platz haben. Es handelt sich dabei um mehrere Reliefs, Porträts, Statuetten, aber auch um großformatige Statuen wie eine Kore – also eine Frauendarstellung – vom Erechtheion-Tempel auf der Athener Akropolis oder die sogenannte Große Herkulanerin und die Athena Lemnia. Bei all diesen Objekten handelt es sich um Gipsabgüsse, die durch Abformung von antiken Statuen gewonnen wurden. Die Abgüsse selbst sind aber mitunter auch bereits mehr als 170 Jahre alt.
Wofür werden diese Stücke sonst an der Universität genutzt?
Opdenhoff: Die Abgüsse werden von uns in vielfacher Weise genutzt, etwa in der universitären Lehre. Anhand der Darstellungen lernen die Studierenden an dreidimensionalen Objekten die Details und die Geschichte verschiedener Stile kennen. Zudem diskutieren wir anhand der Abgüsse aktuelle Fragen, etwa zum Wandel der Darstellung von Emotionen oder zu Funktionen von Bildwerken in der Antike.
Wir nutzen die Sammlung aber auch, um unsere Fragen und Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zum Beispiel bei Führungen, die von Kolleginnen und Kollegen, Studierenden und mir angeboten werden. Auch Schulklassen und Studierende der Kunsthochschulen vom nördlichen Niedersachsen bis Kiel und Flensburg kommen regelmäßig zu uns, um sich ganz konzentriert mit Form, Funktion und Inhalten der Bildwerke zu beschäftigen.
Was tragen die Abgüsse zur Ausstellung in der Kunsthalle bei?
Berns: Die Gipsabgüsse erinnern an eine Phase der Museumsgeschichte, in der Abgüsse ganz selbstverständlich genutzt wurden, um Ausstellungen zu ergänzen und beispielsweise chronologische oder thematische Lücken der Originalsammlungen zu schließen. Sie waren ein beliebtes Medium, um als exemplarisch verstandene Antiken auch abseits ihrer ursprünglichen Aufstellungsorte zeigen zu können. Für uns ist es dabei interessant zu sehen, welche ästhetische Wirkung die Abgüsse in den Museumsräumen entfalten.
Wie ist es zu der Kooperation gekommen?
Berns: Schon 2022 waren die Kolleginnen von der Hamburger Kunsthalle an uns herangetreten, um zu besprechen, ob und wie wir inhaltlich zusammenarbeiten und ob wir einige Abgüsse für die geplante Ausstellung ausleihen können. Hintergrund ist, dass der Großteil unserer Sammlung ehemals in der Hamburger Kunsthalle beheimatet war, bevor sie in den 1980er-Jahren an die Universität verkauft wurde. Die Konzeption und Planung der Ausstellung sowie die zugrundeliegenden Forschungsarbeiten fanden an der Kunsthalle statt. Hier bei uns haben wir aber im Rahmen einer Lehrveranstaltung mit Studierenden Inhalte für einen Multimediaguide erstellt, der zu einem späteren Zeitpunkt das Besucherprogramm der Kunsthalle ergänzen soll.
Wird es auch weitere Veranstaltungen, etwa Führungen, von Seiten der Uni geben?
Opdenhoff: Es wird in der Kunsthalle mehrere Veranstaltungen geben, an denen wir vom Institut für Klassische Archäologie mit unserer Expertise beteiligt sind. Darüber hinaus hoffen wir auch, dass viele Besucherinnen und Besucher der Ausstellung so auf die Sammlung an der Uni aufmerksam werden und die Gipsabgüsse hier im Rahmen einer Sonntagsführung oder an einem der offenen Mittwochnachmittage besuchen werden.
