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Glasverpackungen: besser Mehrweg statt Einweg

Glasverpackungen: besser Mehrweg statt Einweg

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandNABU-Studie zeigt Potenzial für Klimaschutz durch Mehrweg

Glas gilt als umweltfreundlich unter den Verpackungen. Doch so einfach ist es nicht. Die Glasherstellung ist sehr energieintensiv, dem Klima zuliebe sollte Glas als Mehrwegglas genutzt werden. So könnten bis zu 59 Prozent der Klimaemissionen eingespart werden.

Glasverpackungen sind eine gute Alternative – wenn auch immer der Einzelfall entscheidend ist. – Foto: NABU/K. Istel

Ob Gemüsekonserve, Saft oder Marmelade – Glas schützt auch feuchte und flüssige Lebensmittel zuverlässig. Im Vergleich zu Papier braucht es keine zusätzlichen Beschichtungen und die Ware bleibt in der Regel länger haltbar als in Kunststoff. Darüber hinaus braucht ein Glas keinen Korrosionsschutz wie eine Weißblechdose.
Für die Produktion von Gläsern und Glasflaschen braucht man allerdings enorm viel Energie, was sehr hohe Klimaemissionen verursacht: Die Glasherstellung beinhaltet einen Schmelzprozess bei sehr hohen Temperaturen, der auf dem Einsatz fossiler Brennstoffe basiert. Nutzt man bei der Produktion Altglas, kann man diese Emissionen stark senken, doch emissionsarm wird der Prozess trotzdem nicht. Zudem sind die Schadstoffemissionen durch den Transport höher als bei anderen Verpackungsmaterialien, da Gläser und Glasflaschen sehr schwer sind. Daher schneiden Glasverpackungen oft ökologisch sogar schlechter ab als Kunststoffverpackungen. Vielen Menschen ist diese Umweltbelastung nicht bewusst – Glas gilt in der öffentlichen Wahrnehmung vielmehr als besonders umweltfreundlich, vor allem, da es sehr gut recycelt werden kann. Die Lösung liegt deshalb aber auf der Hand: Mehrweg statt Einweg. Um die Vorteile von Glas zu nutzen und gleichzeitig die Klimaemissionen zu senken, sollten Gläser und Glasflaschen künftig verstärkt als Mehrwegverpackung verwendet werden.

Wie viel Glasverpackungsabfall entsteht in Deutschland?

Aktuell fallen in Deutschland jährlich rund drei Millionen Tonnen Glasverpackungen als Abfall an, davon 2,5 Millionen als Haushaltsabfall von Privathaushalten und Gewerbe, das den Abfall zusammen mit den Privathaushalten entsorgt.
Seit Anfang der 1990er Jahre ist der Verbrauch an Glasverpackungen in Deutschland um über 30 Prozent gesunken (1991 bis 2023). Dies hatte verschiedene Ursachen: Ein sinkender Getränkeverbrauch, insbesondere von alkoholischen Getränken, reduzierte den Verpackungsbedarf. Damit ging auch der Einsatz von Mehrwegflaschen stark zurück. Zudem wurden Getränkeverpackungen aus Glas massiv durch Kunststoff ersetzt. Mit ein Grund, warum sich in derselben Zeit der Kunststoffverpackungsverbrauch fast verdoppelte.
Zwar ging der Verbrauch in den letzten Jahrzehnten insgesamt stark zurück, zwischen 2015 und 2020 stieg der Verbrauch von Glasverpackungen allerdings wieder an – vermutlich aufgrund des schlechten Images von Kunststoff. Danach kam es durch konjunkturelle Effekte zu einem leichten Rückgang des Verbrauchs auf 2,9 Millionen Tonnen im Jahr 2023.

Für welche Produkte wird Glas als Verpackung genutzt?

Fast 65 Prozent der Glasverpackungen (nach Gewicht) werden in Deutschland für Getränke verwendet, rund 40 Prozent für Einweg-Getränkeverpackungen und rund 25 Prozent für Mehrwegverpackungen. Für alkoholische Getränke in Einwegflaschen (Wein, Sekt, Bier und Spirituosen) fallen mehr als 1,5 Millionen Tonnen Altglas an. Das entspricht rund der Hälfte aller Verpackungsabfälle aus Glas in Deutschland.
An zweiter Stelle stehen Verpackungen für Lebensmittel (ohne Getränke) mit etwa 29 Prozent Anteil an den Abfällen durch Glasverpackungen. Drogerieartikel und Gesundheitsmittel machen mit jeweils circa 2,5 Prozent nur einen vergleichsweise kleinen Teil aus.

Welche Faktoren beeinflussen den Verbrauch an Glasverpackungen aktuell?

Laut einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes von 2024 gibt es beim Verbrauch an Glasverpackungen gegenläufige Tendenzen. Es gibt Ursachen für einen sinkenden Verbrauch – aber auch Trends für einen steigenden Verbrauch.
Ursachen und Trends für einen sinkenden Verbrauch sind unter anderem:
Inflation und rückläufige Realeinkommen wirken sich dämpfend auf den Verbrauch aus, beispielsweise bei Ganzfruchtgetränken, Fruchtsäften, Kosmetika oder weinhaltigen Getränken.
Der Verbrauch von alkoholischen Getränken, die meistens in Glas verpackt werden, nimmt ab (Bier, Wein, Sekt und Spirituosen).
Flaschen und Gläser werden durch Innovationen leichter.
Das gewerblich anfallende Aufkommen von Glas geht zurück, zum Beispiel in der Gastronomie.
Mehrwegflaschen erreichen höhere Umlaufzahlen, was den Zukauf von Glas reduziert.
Andere Trends führen wiederum zu einem zunehmenden Verbrauch von Glasverpackungen:
Glas profitiert vom Trend zur vegetarischen und veganen Kost, die überdurchschnittlich oft in Glas verpackt ist.
Premium- und Bio-Produkte werden zunehmend in Glas verpackt.
Bei Gemüsekonserven und feinsauren Konserven (zum Beispiel Sauerkraut- und Rotkohlkonserven) gewinnt Glas wieder Marktanteile, insbesondere im Bereich der kleineren Füllgrößen.

Mehrweg-Glasflaschen für Getränke sind gut etabliert und das Mehrwegglas für Joghurt gibt es bereits seit Jahrzehnten. Aber davon abgesehen werden kaum andere Lebensmittel in Mehrweg vorverpackt angeboten. Doch es tut sich etwas: Einige Start-up entwickeln neue Mehrweglösungen. Diese bewegen sich zwar noch in der Nische, aber eine Kurzstudie von ifeu und GVM im Auftrag des NABU zeigt: Wer Einwegglas durch Mehrwegglas ersetzt, spart messbar CO₂ und ist ökologisch auf dem richtigen Weg. An den Beispielen Obst- und Gemüsekonserven und Brotaufstrichen wurde errechnet, wie sich mit Mehrweg die Treibhausgasemissionen (CO₂-Äq.), um teils mehr als die Hälfte reduzieren lassen.
Mehrweg statt Einweg: Potenzial von Mehrweggläsern
Da es bisher kaum Mehrwegangebote gibt, konnten keine konkreten Verpackungen verglichen werden. Es wurden daher durchschnittliche Werte für Deutschland genutzt. – Grafik: NABU/neonfisch

Ersetzt man zwölf Einweggläser für Obst- und Gemüsekonserven durch ein Mehrwegglas, sinken die durch die Verpackung verursachten Treibhausgasemissionen um 58 Prozent – ein deutlicher Schritt fürs Klima (siehe Grafik). In der Kurzstudie wurde auch ein „optimiertes“ Einwegglas (25 Prozent weniger Glas) für Obst- und Gemüsekonserven mit der Mehrwegalternative verglichen. Bei diesem wird durch eine geringere Materialstärke 25 Prozent Gewicht eingespart, ohne die Stabilität oder Wärmedämmung zu beeinträchtigen. Aber auch im Vergleich mit dem „optimierten“ Einwegglas verursacht das Mehrwegglas 49 Prozent weniger Treibhausgase.
Beim zweiten berechneten Beispiel, den Brotaufstrichen, wurde von einer geringeren Umlaufzahl ausgegangen: Mit einem neunmal wiederverwendeten Mehrwegglas spart man gegenüber dem „normalen“ Einwegglas 50 Prozent der Treibhausgasemissionen ein, gegenüber dem „optimierten“ Einwegglas immer noch 40 Prozent.

Glasverpackungen richtig entsorgen
Mehrwegflaschen und -gläser müssen unbedingt in den Handel zurückgebracht werden, damit sie gereinigt und wiederverwendet werden können. Die meisten Mehrwegverpackungen tragen das Mehrwegzeichen oder sind mit dem Begriff „Mehrweg“ gekennzeichnet.
Einwegverpackungen aus Glas können nur über die Altglastonne ins Recycling gehen. Deshalb dürfen sie niemals im Restmüll landen. Um weißes oder braunes Glas herzustellen, braucht man gut sortiertes Altglas, weshalb sich die Farbtrennung am Altglascontainer lohnt. Die Deckel und Verschlüsse gehören zwar in die Gelbe Tonne, aber lieber Gläser und Flaschen mit Deckel ins Altglas werfen als gar nicht.
Hier haben wir weitere NABU-Tipps zur Mülltrennung zusammengestellt.

Transportentfernungen: Wann lohnt sich Mehrweg noch?

Neben dem Einwegdeckel bleiben bei jeder Wiedernutzung auch die Klimaemissionen für das Etikett, das Spülen und die Transporte gleich („Sonstiges“). – Grafik: NABU/neonfisch

Mehrwegflaschen und -gläser benötigen eine aufwendigere Logistik als Einwegglas. Sie müssen zur Spülanlage transportiert, gespült und anschließend wieder zum nächsten Abfüllort transportiert werden. Je kürzer die Transportwege sind, desto besser ist es für die Umwelt – das gilt allerdings auch für Einwegglas. In der Kurzstudie wurde untersucht, wie sich die Ergebnisse ändern, wenn man die Transportwege zwischen Abfüllung und Handel verlängert. Die obige Grafik zeigt am Beispiel der Emissionen durch Gläser für Brotaufstriche, dass die Einsparpotenziale auch dann noch sehr groß sind, wenn man den Transportweg von Abfüllort zum Handel von 250 auf 1.000 Kilometer verlängert: Die Reduktion der Treibhausgasemissionen durch Mehrweg beträgt nicht mehr 50 Prozent, aber immerhin noch 41 Prozent.
Der Grund: Das verpackte Lebensmittel ist in Einweg und Mehrweg gleich schwer und trägt auch bei schweren Glasverpackungen allein schon zur Hälfte der transportbedingten Umweltlasten bei. Die Nachteile für das Mehrwegglas bei einem längeren Transportweg kommen durch die Fahrt des leeren Mehrwegglases zur Spülung. Das Einwegglas hat einen kürzeren Transportweg ins Recycling. Doch erst ab etwa 4.000 Kilometern gleichen sich die Klimaemissionen vom Einweg- und Mehrwegglas an. Und erst ab etwa 6.000 Kilometer schneidet das Einwegglas besser ab. Das ist beispielsweise die Strecke von Berlin nach Lissabon und zurück.
Mehrweggläser wären noch besser ohne Einwegdeckel
Ab 4.000 km zwischen Abfüllort und Handel gleichen sich die Klimaemissionen von Einweg- und Mehrwegglas an. Erst ab 6.000 km ist Einweg besser. – Grafik: NABU/neonfisch

Was noch wenig bekannt ist: Mehrweggläser und Mehrwegflaschen tragen Einwegdeckel und -verschlüsse. Im Gegensatz zum Verschluss von Mehrwegflaschen ist der Deckel von Mehrweggläsern sehr groß, üblich sind Einwegdeckel aus Weißblech, die in der Herstellung sehr energieintensiv sind. Daher sind die zwölf Einwegdeckel, die für die zwölfmalige Nutzung des Mehrwegglases für Obst- und Gemüsekonserven benötigt werden, für 59 Prozent der Klimaemissionen des Mehrwegglases verantwortlich.
Die Klimabelastung des Glaskörpers verteilt sich dagegen auf jede Nutzung – je öfter das Glas im Umlauf ist, desto besser für die Bilanz der Verpackung. Mehr als zwölf Umläufe sind technisch durchaus möglich, da der Glaskörper sehr robust ist und zigfach wiedergenutzt werden könnte. Auch ökobilanziell sind mehr Umläufe besser, jeder weitere spart zusätzlich Treibhausgase ein – allerdings nicht mehr in demselben Maße, da der Einwegdeckel jedes Mal neu produziert werden muss.
Der Verzicht auf den Einwegdeckel aus Weißblech würde das Klimapotenzial noch weiter steigern, hier ist Innovation gefragt. Dabei sollte man sowohl über Mehrweglösungen nachdenken als auch über alternative Einwegmaterialien.
Schlussfolgerung der Studie
Einweg- durch Mehrweggläser zu ersetzen, bietet ein signifikantes Potenzial, Treibhausgasemissionen von Glasverpackungen zu reduzieren – trotz zusätzlicher Prozessschritte für die Logistik und Aufbereitung der Mehrwegverpackung. Das gilt auch im direkten Vergleich des Mehrwegglases mit einem „optimiertem“ Einwegglas (Leichtglas). Grund dafür ist die direkte Wiederverwendung des Glaskörpers, wodurch energieintensive Prozessschritte in der Glasherstellung entfallen.
In der Praxis sehen die Studienautoren jedoch viele Hersteller von Obst- und Gemüsekonserven sowie Brotaufstrichen derzeit und mittelfristig nicht in der Lage, die logistischen Anforderungen an ein Mehrwegsystem zu erfüllen. Daher ist es für den NABU essenziell, Unternehmen sowie Initiativen, die Mehrweglösungen entwickeln, finanziell und organisatorisch zu fördern. Auch nach Einschätzung der Studienautoren bedarf es eines Baukastens von politischen Steuerungsinstrumenten, einschließlich einer Verpackungsabgabe, die Mehrwegverpackungen gegenüber Einwegverpackungen finanziell begünstigt.

NABU-Forderungen für mehr Mehrweg
Glas ist weder grundsätzlich klimafreundlich noch grundsätzlich problematisch. Ausschlaggebend ist die Art der Nutzung: Als Einwegverpackung verursacht es aufgrund der energieintensiven Herstellung und des hohen Gewichts hohe Emissionen. Diese können jedoch durch eine mehrfache Nutzung stark reduziert werden.
Der NABU empfiehlt daher, Glas-Mehrwegsysteme auszubauen und neu zu entwickeln sowie nach alternativen Lösungen für Einwegdeckel zu suchen. Damit sich Mehrweglösungen breit etablieren und einen signifikanten Beitrag zur Reduktion des Verpackungsabfalls leisten können, braucht es skalierbare Angebote sowie branchenübergreifende Systeme statt Insellösungen einzelner Unternehmen.
Es braucht aktive politische und wirtschaftliche Unterstützung, um branchenübergreigfende Mehrwegsysteme in die Fläche zu tragen, da gerade die Einführung kostenintensiv ist.
Über eine Organisation für Prävention und Reduktion sollte die Einführung von neuen und der Ausbau bestehender Mehrwegverpackungen finanziell gefördert und Akteure vernetzt und koordiniert werden.
Mehrweggläser sollten vornehmlich für feuchte und flüssige Lebensmittel genutzt werden, die sonst im Einwegglas oder in der Weißblechkonserve abgepackt werden.
Aufgrund des hohen Abfallaufkommens durch Einwegflaschen für Wein und Sekt, sollte auf diesen Getränken ein Fokus bei der Entwicklung von neuen Mehrweglösungen liegen.
Es sollte eine Getränkeverpackungssteuer eingeführt werden, um finanzielle Anreize zu setzen, weniger Einweg-Glasflaschen zu nutzen.

Was kann ich selbst tun?
Es gibt noch nicht viel, aber einiges wird durchaus in Mehrweg angeboten oder getestet wie beispielsweise Kakao, Öl, Fertigsuppen, Brotaufstrich oder Tomatensauce. Aber natürlich ist es, wie immer beim Thema Verpackungen, nicht so einfach: Bei Verpackungen kommt es immer darauf an, was verpackt wird und welche Einwegverpackung durch ein Mehrwegglas ersetzt wird. Ein Forschungsprojekt hat gezeigt, dass es bei Tomatensauce ökologisch empfehlenswert ist, ein Einwegglas durch ein Mehrwegglas zu ersetzen. Dagegen ist das Mehrwegglas keine gute Alternative für Lebensmittel, bei denen viel Luft im Glas ist, beispielsweise bei Mandeln: Hier schneidet ein dünner Einwegplastikbeutel ökologisch besser ab als ein Mehrwegglas.
Der NABU empfiehlt:

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