Source: Bundesministerium fur Wirtschaft und Energie © bundesfoto / Bernd Lammel
Am 1. und 3. März 2026 fand die Regionalpolitische Jahrestagung 2026 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) in Kooperation mit dem Land Sachsen-Anhalt in Halle (Saale) statt. Unter dem Titel „Innovationen und Investitionen: Regionen zukunftsfähig gestalten“ kamen mehr als 750 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Verbänden und Gewerkschaften zusammen. Die Tagung hat wichtige Impulse für eine zukunftsfähige Regionalentwicklung gesetzt. Sie hat außerdem gezeigt: Das Interesse an Ansätzen, wie sich Regionen in Deutschland nachhaltig stärken lassen, nimmt zu. Diskutiert wurden innovative Ideen und wirksame Instrumente für Investitionen und Innovationen, die neue wirtschaftliche Dynamiken anstoßen und selbsttragendes Wachstum in den Regionen fördern.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen vor allem praxisnahe Ansätze und konkrete Lösungen. Am ersten Veranstaltungstag wurden in Reden, Paneldiskussionen und Workshops aktuelle Transformationsprozesse und „Best Practices“ aus Unternehmen und Kommunen betrachtet. In einer Ausstellung präsentierten mehr als 20 Unternehmen, Projekte und lokale Akteure innovative Produkte und Konzepte. Am zweiten Veranstaltungstag besuchten ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Standorte in Halle (Saale) und der umliegenden Region, um gemeinsam mit lokalen Akteuren zu erleben und zu diskutieren, wie wirtschaftlicher und technologischer Wandel erfolgreich gestaltet werden kann.
BUNDESMINISTERIN REICHE: UNTERNEHMERISCHE KRAFT ALS TREIBER REGIONALER ENTWICKLUNG
In ihrer Rede am ersten Konferenztag betonte Bundesministerin Katherina Reiche mit Blick auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland, dass der sich abzeichnende wirtschaftliche Aufschwung derzeit vor allem von öffentlichen Ausgaben gestützt werde. Für einen dauerhaften und selbsttragenden Aufschwung seien jedoch weitere Anstrengungen und Reformen notwendig. Vor diesem Hintergrund warb sie unter anderem dafür, den industriellen Einsatz von künstlicher Intelligenz zu erleichtern, Bürokratie weiter abzubauen, Infrastruktur auszubauen und Innovationen gezielt zu fördern. Mit Blick auf die bereits bestehende Vielzahl an Förderprogrammen sprach sich Bundesministerin Reiche gegen eine weitere Ausweitung staatlicher Dominanz aus. Ziel müsse vielmehr sein, Synergien zwischen sowie die Wirksamkeit der einzelnen Förderprogramme zu steigern. Zugleich wies sie darauf hin, unternehmerische Kraft sei Motor des Erfolgs: Deutschland sei eine der führenden Volkswirtschaften, weil Unternehmerinnen und Unternehmer mit Kreativität, Mut und Engagement Tag für Tag die wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben, so Bundesministerin Reiche.
Dieser Unternehmergeist zeigte sich auch auf der Regionalpolitischen Jahrestagung an zahlreichen Beispielen. So präsentierte Erik May, Co-Gründer des Magdeburger Start-ups byte robotics, auf der Bühne eine KI-basierte Lösung zur automatisierten Programmierung von Industrierobotern. Das Unternehmen gewann 2025 den Gründerpreis+ und den Fokuspreis „Innovative KI“ des BMWE.
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FÖRDERPROGRAMME WIRKSAMER GESTALTEN
Ebenso wie Bundesministerin Reiche wiesen weitere Rednerinnen und Redner darauf hin, wie entscheidend es ist, Förderprogramme wirkungsorientierter zu gestalten. Statt immer neue Programme aufzulegen, müsse die bestehende Förderlandschaft transparenter, einfacher und zielgerichteter gestaltet werden, um Unternehmen wirksamer zu unterstützen. Als Positivbeispiel für den Rückbau von Bürokratie und die Stärkung der Zielgenauigkeit wurde die Neuaufstellung der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) zum 1. Januar 2026 genannt. Die GRW ist das regionalpolitische Leitinstrument in Deutschland. Mit der Neuaufstellung wurden Berichtspflichten reduziert und zugleich zusätzliche Anreize für Investitionen von kleinen und mittleren Unternehmen sowie zur Steigerung der Arbeitsproduktivität geschaffen.
IMPULSE ZUR ZUKUNFT DER REGIONALENTWICKLUNG AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND WISSENSCHAFT
Dr. Alexander Vogt, Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale), unternahm am ersten Konferenztag einen Streifzug durch die Entwicklung der Stadt. Halle verfüge über umfangreiche Erfahrungen mit Transformationsprozessen und den damit verbundenen tiefgreifenden Veränderungen. Gezielte Investitionen hätten dazu beigetragen, neue Perspektiven für die Stadt zu eröffnen. Allen voran nannte er den 1993 gegründeten Technologiepark Weinberg Campus, der als Vorzeigebeispiel dafür gilt, wie strategische Investitionen eine Stadt nachhaltig prägen können. Vogt betonte, dass Halles wirtschaftliches Fundament auf Forschung und Entwicklung basiere. Projekte wie das geplante Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation eröffneten dabei neue städtebauliche Chancen.
Sven Schulze, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, betonte die gute Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern in wirtschafts- und strukturpolitischen Fragen. Zugleich mahnte er bessere Rahmenbedingungen und mehr Geschwindigkeit an, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Gerade der Mittelstand brauche dafür Planungssicherheit und wirksame Förderinstrumente. In diesem Zusammenhang hob Schulze auch die Bedeutung der GRW hervor, über die in Halle und der Region sowohl die weitere Entwicklung am Weinberg Campus als auch zahlreiche Investitionsvorhaben von kleinen und mittleren Unternehmen sowie weitere Projekte unterstützt werden.
Impulse setzten außerdem Elisabeth Kaiser, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Sascha Gläßer, Präsident der IHK Halle-Dessau, Achim Brötel, Präsident des Deutschen Landkreistages, sowie Prof. Dr. Stefan Kolev, Leiter des Ludwig-Erhard-Forums für Wirtschaft und Gesellschaft und Mitglied im Wissenschaftlichen Beraterkreis der Bundesministerin. Die Beiträge waren der inhaltliche Auftakt für die anschließenden Workshops und Austauschformate.
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WIE SACHSEN-ANHALT MIT DEM STRUKTURWANDEL UMGEHT
Die Herausforderungen der Transformation im Mitteldeutschen Chemiedreieck waren Thema einer Paneldiskussion. Unter der Überschrift „Transformation gemeinsam gestalten – Chemie, Region, Zukunft“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Gewerkschaften, Verbänden, Wissenschaft sowie des BMWE.
Nach einer Analyse der Besonderheiten des Standorts Sachsen-Anhalt diskutierten die Podiumsgäste die möglichen Auswirkungen eines Rückgangs der energieintensiven Basischemie auf Lieferketten, Arbeitsmarkt und die regionale Wirtschaft. Erörtert wurde zudem, welche politischen Rahmenbedingungen erforderlich sind, um der Industrie eine erfolgreiche Transformation zu ermöglichen. Diskutiert wurde dabei auch, wie Bund und EU gezielt die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der heimischen Industrie stärken können – etwa durch Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten, zum Bürokratierückbau oder durch gezielte Förderprogramme.
Podiumsgäste
Stephanie Albrecht-Suliak, Landesbezirksleiterin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie
Beate Baron, Abteilungsleiterin Industriepolitik im BMWE
Carsten Franzke, Geschäftsführer der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH
Reint E. Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der Chemischen Industrie e.V. Landesverband Nordost
Dr. Ralf Wehrspohn, Geschäftsführer des Deutschen Lithium Instituts ITEL und Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
In drei anschließenden Pitches stellten Melanie Käsmarker, CFO Kraftwerk Software Gruppe, Grit Müller, Geschäftsführerin Salutas Pharma GmbH, und Erik May, CEO byte robotics GmbH, ihre Unternehmen vor. Sie führten deutlich vor Augen, wie vielfältig die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt aufgestellt ist. Die drei Unternehmerinnen und Unternehmer machten deutlich, dass stabile Partnerschaften, tief verankerte industrielle Expertise, die Nähe zu Forschung und Wissenschaft sowie bestehende Netzwerke in ihren Regionen wesentliche Standortvorteile für ihre Unternehmen sind.
WORKSHOPS UND PRAXISFORMATE ZUR REGIONALENTWICKLUNG
Der fachliche Austausch zu unterschiedlichsten Themen der regionalen Entwicklung stand auch bei den 24 Workshops am Nachmittag des Konferenztags im Fokus. Mehr als 130 Referentinnen und Referenten sorgten mit Expertise, Praxiswissen und innovativen Lösungsansätzen für eine außergewöhnliche inhaltliche Tiefe. Für einen transatlantischen Perspektivwechsel sorgte eine US-amerikanische Delegation, die in zwei Workshops ihre Erfahrungen mit verschiedenen Aspekten des Strukturwandels in den USA teilte. Es entstand ein wertvoller Wissenstransfer mit den deutschen Pendants zu Lösungsansätzen für gemeinsame Herausforderungen.
Eine Abendveranstaltung im historischen Steintor-Varieté ließ den ersten Tag ausklingen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit zur Vernetzung und setzten den konstruktiven Austausch des Tages fort.
INNOVATIONEN UND INVESTITIONEN – EXKURSIONSTAG INS INDUSTRIELLE HERZ SACHSEN-ANHALTS
Im Rahmen des Exkursionstags besuchte ein ausgewählter Kreis interessierter Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgreiche Unternehmen und Institutionen in der Region. Dies bot spannende und praxisnahe Einblicke in die Themen Innovation, industrielle Wertschöpfung und moderne Logistik. Auf dem Programm standen Besuche des Technologieparks Weinberg Campus, des Chemiestandorts Leuna sowie des E-Commerce-Unternehmens Relaxdays.
Der Weinberg Campus in Halle (Saale) ist mit einer Fläche von 134 Hektar, über 100 Unternehmen und rund 6.000 Beschäftigten der größte Technologiepark Mitteldeutschlands und einer der führenden Innovationsstandorte für Life Sciences, Biomedizin, Bioökonomie sowie Materialforschung. Seit seiner Gründung im Jahr 1993 hat der Technologiepark bereits rund 300 Start-ups gute Entwicklungsbedingungen geboten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten mit Dr. Ulf Marten Schmieder, Geschäftsführer des Technologieparks, sowie Vertreterinnen und Vertretern der Unternehmen NorcSi GmbH und DENKweit GmbH über die Entwicklung des im Rahmen der GRW geförderten Weinberg Campus.
Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des Chemiestandorts Leuna. Dieser wurde 1916 gegründet und ist heute mit 13 Quadratkilometern Fläche der größte geschlossene Chemiestandort Deutschlands mit einer ausgeprägten Verbundwirtschaft. Im hochmodernen Produktionskomplex sind 30 Chemieunternehmen tätig, hinter denen Investoren aus elf Ländern stehen, sowie zahlreiche Dienstleistungsbetriebe. Nach einer Vorstellung des Chemieparks durch den Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH, Dr. Christof Günther, führte eine Rundfahrt über das Raffineriegelände, bei der auch die Investition in eine Bioraffinerie der UPM Biochemicals GmbH vorgestellt wurde.
Eine weitere Station der Exkursion war das Logistikzentrum der Relaxdays GmbH. Dort diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Patrick Selbach, dem kaufmännischen Geschäftsführer von Relaxdays, über die regionalwirtschaftliche Bedeutung des E-Commerce sowie moderne Logistik- und Distributionsstrukturen. Die 2006 gegründete Relaxdays GmbH ist ein europaweit tätiges E-Commerce-Unternehmen mit fünf Standorten rund um Halle, Leipzig und Dresden sowie rund 400 Beschäftigten und über 15.000 Produkten im Sortiment.
RESÜMEE UND AUSBLICK
Die Regionalpolitische Jahrestagung 2026 schaffte auch in diesem Jahr einen Ort des intensiven Austauschs und der Vernetzung für Akteure, die sich für die regionale Entwicklung engagieren. Diskussionen über die Lehren der Vergangenheit, aktuelle Herausforderungen und die erfolgreiche Ausgestaltung der Regionalpolitik der Zukunft brachten allen Beteiligten einen großen Mehrwert. Dies zeigten nicht zuletzt die angeregten Gespräche der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Die nächste Regionalpolitische Jahrestagung ist für das 2027 geplant.
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KONTAKT & MEHR ZUM THEMA
Referat IB3 – Grundsatzfragen der regionalen Wirtschafts- und Strukturpolitik, Gemeinschaftsaufgabe (GRW), Gesamtdeutsches Fördersystem
schlaglichter@bmwe.bund.de
Weitere Informationen zur Regionalpolitischen Jahrestagung 2026:
Pressemitteilung
Weitere Informationen zur regionalen Strukturpolitik des Bundes:
Dossier Regionalpolitik
