Source: Bundesministerium fur Wirtschaft und Energie
IN KÜRZE
Die Weltwirtschaft erwies sich im vergangenen Jahr trotz höherer Handelsbarrieren und erheblicher politischer Unsicherheiten als widerstandsfähig. Vorgezogene Produktions- und Handelsaktivitäten, Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) sowie expansive Finanz- und Geldpolitik stützten die globale Konjunktur. Die kurzfristigen Aussichten reflektieren ein Gleichgewicht unterstützender und hemmender Faktoren: Anhaltende Desinflation und geldpolitische Lockerung dürften Finanzierungskosten senken und die Investitionsnachfrage stützen, Lohnzuwächse den privaten Konsum ankurbeln. Dagegen belastet politische Unsicherheit das Vertrauen der Unternehmen und der Verbraucherinnen und Verbraucher, und in vielen Ländern schränken hohe Staatsverschuldung und begrenzte finanzpolitische Spielräume das Potenzial für öffentliche Investitionen ein. Gleichzeitig sorgen Fortschritte im Bereich KI in Verbindung mit dem Ausbau digitaler Infrastruktur und steigender Nachfrage nach kritischen Mineralien für eine neue Welle von Investitionen und Innovationen. Insgesamt bleiben die Aussichten fragil.
I. ALLGEMEINE ENTWICKLUNGEN, JÜNGSTE PROJEKTIONEN, AUSGEWÄHLTE PHÄNOMENE
Wie zu Beginn jedes Jahres warteten der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbankgruppe (WBG) und die Vereinten Nationen (UN) mit Lageeinschätzungen und Projektionen zu künftigen globalen Wirtschaftsentwicklungen auf. Bereits im Dezember des Vorjahres hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Flaggschiff-Publikation veröffentlicht. Dabei stimmen die Organisationen im Grundsatz weitgehend überein:
Die Weltwirtschaft hat sich gegenüber verschärften Handelsspannungen und politischer Unsicherheit als bemerkenswert resilient erwiesen. Vorgezogene Lieferungen, Lageraufstockungen, eine solide Konsumnachfrage, die durch geldpolitische Lockerungen und weitgehend stabile Arbeitsmärkte gefördert wurde, eine erhöhte Risikobereitschaft und Investitionen in KI stützten die Konjunktur. Lieferketten passten sich an die zunehmenden Handelsbarrieren an. Das mit 3,3 Prozent (IWF) höher als allgemein erwartet ausgefallene Wachstum des letzten Jahres krönte eine fünfjährige globale Erholung von der Rezession des Jahres 2020, die in mehr als sechs Jahrzehnten ihresgleichen sucht. Doch die positive Entwicklung verbirgt eine starke Divergenz: Während sich die entwickelten Volkswirtschaften weitgehend erholt haben und beim Pro-Kopf-Einkommen vor der Pandemie liegen, weisen mehr als ein Viertel der Schwellen- und Entwicklungsländer immer noch Pro-Kopf-Einkommen unter dem Niveau von 2019 auf. Die globalen Wachstumsaussichten bleiben aufgrund erhöhter makroökonomischer Unsicherheit, veränderter Handelspolitiken und fiskalischer Herausforderungen getrübt.
Aus sehr ähnlichen Beobachtungen und Beschreibungen leiten die Organisationen – methoden- und mandatsbedingt – leicht unterschiedliche quantitative Prognosen und Bewertungen ab: Zum einen aggregieren IWF und OECD die Werte einzelner Länder kaufkraftgewichtet, während WBG und UN wechselkursgewichtet aggregieren und somit auf strukturell niedrigere Zahlen kommen. Zum anderen legen WBG und UN besonderes Augenmerk auf entwicklungspolitische Belange: Das Wachstum mag zwar robust sein, zur Erreichung der Millenniumsziele sei es aber zu gering, zu wenig ausgewogen und bleibe hinter dem langfristigen Durchschnitt zurück. Der IWF erwartet, dass das globale Wachstum stabil bleibt, wobei sich die Dynamik der Hochtechnologiesektoren zwar verlangsamen, aber weiterhin teilweise die Rückgänge in anderen Bereichen ausgleichen wird. Die jüngste Prognose vom 19.01.2026 sieht eine leichte Aufwärtskorrektur auf 3,3 Prozent für dieses Jahr vor, während die Erwartung für 2027 unverändert bei 3,2 Prozent bleibt. Die OECD geht in ihrer Prognose vom 2. Dezember letzten Jahres von einer Abschwächung des globalen BIP-Wachstums auf 2,9 Prozent in 2026 aus, gefolgt von einer leichten Erholung auf 3,1 Prozent in 2027. Die Prognose der Weltbank vom 16.01.2026 geht für 2026 von 2,6 Prozent und für 2027 von 2,7 Prozent aus, was kaufkraftgewichtet 3,1 Prozent und 3,2 Prozent bedeutet. Sehr ähnlich prognostizierten die Vereinten Nationen am 08.01.2026 für dieses Jahr 2,7 Prozent und für 2027 2,9 Prozent Wachstum (kaufkraftgewichtet: 3,1 Prozent und 3,3 Prozent) und bemerken, dass dies deutlich unter dem Durchschnitt von 3,2 Prozent vor der Pandemie (2010–2019) bleibe.
Alle vier Berichte stimmen darin überein, dass kurzfristig die Risiken überwiegen: Das Wachstum könnte ins Stocken geraten, wenn die Handelsspannungen eskalieren, die Handelsbarrieren weiter zunehmen oder sich die Stimmung an den Finanzmärkten aufgrund sinkender Vermögenspreise, fiskalpolitischer Sorgen oder überraschender Inflationsentwicklungen verschlechtert. Chancen werden in ausgeweiteten Aktivitäten im Bereich der KI sowie einer überraschend hohen Anpassungsfähigkeit der Unternehmen an neue Handelsbedingungen gesehen.
Welthandel wankelmütig: Vorzieheffekte lassen nach, Zollwirkungen greifen
Nach einer 90-tägigen Pause nahm die US-Regierung im August 2025 erneut umfassende Zollerhöhungen vor und führte zusätzliche länder- und sektorspezifische Zölle ein. Infolgedessen stieg der durchschnittliche effektive US-Zollsatz bis Ende 2025 auf etwa 17 Prozent und damit auf ein Niveau, das es dauerhaft zuletzt in den 1930er Jahren gab, das aber deutlich unter dem kurzfristigen Höchststand von etwa 28 Prozent Mitte April 2025 liegt. Seitdem hat sich die handelspolitische Unsicherheit gegenüber den historischen Höchstständen etwas gelegt, der Abschluss neuer bilateraler Handelsabkommen hat dazu beigetragen.
Bild vergrößern: Abbildung 1A: Effektiver US-Zoll
Bild vergrößern: Abbildung 1B: Index der handelspolitischen Unsicherheit
Die Erwartung steigender US-Zölle führte zu einem erheblichen Vorziehen von Importen, die vollständigen Auswirkungen der höheren Zölle entfalte(te)n sich erst allmählich. Das Wachstum des Dienstleistungshandels hat sich deutlich verlangsamt, was auf einen ausgeprägten Rückgang der Reisedienstleistungen nach der Erholung des weltweiten Tourismus nach der Pandemie zurückzuführen ist.
Die Aussichten für das Wachstum des Welthandels werden durch erhöhte handelspolitische Spannungen und politische Unsicherheit getrübt. Für 2026 wird eine deutliche Verlangsamung prognostiziert, da die Lagerbestände ab-und die Auswirkungen der Zollmaßnahmen zunehmen. 2027 dürfte sich das Handelswachstum dann stabilisieren, da sich die Handelsströme stärker an die Zollerhöhungen anpassen und die politische Unsicherheit nachlässt. So erwartet der IWF, dass das Wachstum des Welthandelsvolumens von 4,1 Prozent im Jahr 2025 auf 2,6 Prozent im Jahr 2026 zurückgeht und 2027 wieder auf 3,1 Prozent ansteigt. Ähnlich geht die OECD von einer Abschwächung des Handelswachstums in 2026 auf 2,3 Prozent aus, bevor es sich 2027 mit der Erholung des Wachstums wieder auf 2,8 Prozent beleben wird. Dabei dürfte sich die Zusammensetzung des Handelswachstums von der Zeit vor der Pandemie unterscheiden, da die Schwellenländer einen größeren Anteil ausmachen. Demgegenüber dürfte sich der Beitrag Chinas leicht abschwächen und der Beitrag der fortgeschrittenen Volkswirtschaften ebenfalls zurückgehen. Die Weltbank erwartet gleichfalls, dass die Vorzieheffekte, die den Handel im Jahr 2025 stützten, nachlassen, und geht für 2026 von 2,2 Prozent Zuwachs aus. Für 2027 werden 2,7 Prozent erwartet. Außerdem wird prognostiziert, dass Länder mit diversifizierteren Exportzielländern ein stärkeres Handelswachstum verzeichnen – wobei unterstellt wird, dass die Ende 2025 geltenden Zollsätze während des Prognosezeitraums bestehen bleiben.
Bild vergrößern: Abbildung 2: Prognosen des Handelswachstums
Insgesamt sind die Aussichten für den Handel von erheblichen Abwärtsrisiken geprägt. Zwar haben Fortschritte bei den Handelsverhandlungen seit Mitte 2025 zu einer Entspannung beigetragen, doch besteht weiterhin Unsicherheit, insbesondere hinsichtlich der Umsetzung der jüngsten Vereinbarungen und der Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen den großen Volkswirtschaften. Neu unterzeichnete bilaterale Abkommen, die oft bedeutende Investitions-und Kaufverpflichtungen mit begrenzter öffentlicher Bekanntgabe beinhalten, erhöhen die Komplexität.
Öl- und Rohstoffpreise normalisieren sich
Die Konjunkturabkühlung in einigen großen Volkswirtschaften und nachlassende Vorzieheffekte beim Rohstoffhandel dürften die Nachfrage nach Energie und Industrierohstoffen belasten. So prognostiziert die Weltbank für 2026 einen Rückgang der Rohstoffpreise um 7 Prozent. Für 2027 wird wieder ein Anstieg um 4 Prozent erwartet, was auf eine Neuausrichtung des Angebots auf dem Ölmarkt zurückgeführt wird; der Preisrückgang in diesem Jahr sollte zu einer Drosselung der Produktion im folgenden Jahr führen. Lag der Preis für Rohöl der Marke Brent 2025 im Durchschnitt bei 69 US-Dollar pro Barrel, so werden für dieses Jahr 60 US-Dollar pro Barrel erwartet, wobei die Preise unter Abwärtsdruck stehen. Die Risiken für den Ölpreis sind nach unten gerichtet, was auf das Potenzial für ein Überangebot seitens der OPEC+ und der US-Schieferölindustrie sowie auf eine stärker als erwartete Abschwächung der Nachfrage zurückgeführt wird. Umgekehrt könnten sich höhere Ölpreise etablieren, wenn die OPEC+ ihre Fördersteigerungen rückgängig macht. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit weiterer Sanktionen und anderer Störungen der Ölexporte im Zusammenhang mit geopolitischen Spannungen.
In Fortsetzung des Trends aus dem Jahr 2025 prognostiziert die Weltbank für 2026 und 2027 eine Divergenz der Referenzpreise für Erdgas in Europa und den USA, wobei die Preise in den USA um 11 Prozent steigen und die Preise in Europa in ähnlichem Umfang fallen sollten. Hinter diesen Trends stehen strukturelle Veränderungen auf dem globalen Gasmarkt: Es werde mehr US-Erdgas als LNG exportiert, was die Inlandspreise in die Höhe treibe, während Europa von der weltweit größeren Verfügbarkeit von LNG profitiere. Darüber hinaus habe der starke Rückgang der chinesischen LNG-Importe im letzten Jahr Lieferungen für andere Abnehmer freigesetzt.
Die Metallpreise dürften laut Weltbank in 2026–27 weitgehend stabil bleiben, wobei die wachsende Nachfrage nach Rohstoffen im Zuge der Umstellung auf eine kohlenstoffarme Energieerzeugung die schwache Industriekonjunktur ausgleiche, insbesondere in China, das etwa die Hälfte des weltweiten Metallverbrauchs ausmache. Die jüngsten Handelsmaßnahmen hatten bisher nur begrenzte Auswirkungen auf die Metallpreise, könnten jedoch allmählich die Investitionsströme beeinflussen und die Preisvolatilität erhöhen, insbesondere bei Metallen, die mit der Energiewende in Verbindung stehen.
Die Goldpreise stiegen 2025 aufgrund der anhaltenden Käufe durch Zentralbanken und der Anlegerflucht in „sichere Häfen“ angesichts erhöhter geopolitischer Spannungen und politischer Unsicherheit um 42 Prozent. Es wird erwartet, dass dieselben Faktoren die Goldpreise in den nächsten zwei Jahren auf einem deutlich hohen Niveau halten werden, auch wenn die Zentralbankkäufe zurückgehen.
Nachdem die Preise für Agrargüter 2025 weitgehend stabil blieben, wird für 2026 ein leichter Rückgang erwartet, der sich 2027 weiter abschwächt. Die Lebensmittelpreise dürften 2026–27 weitgehend stabil bleiben, da sich das Angebotswachstum den langfristigen Trends in den Industrieländern annähert. Die Preise für Kakao und Kaffee dürften 2026–27 gegenüber ihren wetterbedingten Rekordhöhen von 2025 nachgeben, aber auf einem historisch hohen Niveau bleiben.
Bild vergrößern: Abbildung 3: Prognosen der Rohstoffpreise
Inflationsrisiken sind weitestgehend gebannt
Obwohl sie weiterhin über den Werten vor der Pandemie liegt, nähert sich die Inflation den Zielen der Zentralbanken an, wenn auch mit deutlichen Unterschieden zwischen und innerhalb der Ländergruppen. Die globale Gesamtinflation stieg im letzten Jahr leicht an, was auf eine Belebung in einigen fortgeschrittenen Volkswirtschaften zurückzuführen ist, während sie sich in den Schwellen- und Entwicklungsländern insgesamt abschwächte. Die Güterpreisinflation stieg 2025 in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften moderat, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Im Gegensatz dazu ging sie in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern zurück, da die Nachfrage nach Lageraufstockungen zu Beginn des letzten Jahres nachließ. Insgesamt waren die Inflationswirkungen der Zölle bislang geringer als ursprünglich erwartet. Durch die Pause bei den Zollerhöhungen konnten die Unternehmen ihre Lagerbestände zu niedrigeren Zollsätzen aufbauen und so die Weitergabe an die Inflation hinauszögern. Darüber hinaus, so die Weltbank, hätten US-Unternehmen die Kosten teilweise durch geringere Gewinnmargen aufgefangen und/ oder ihre Lieferketten auf Länder mit Präferenzabkommen umgestellt. Dennoch haben sich die US-Warenpreise seit Mitte 2025 von dem zuvor gedämpften Inflationstrend gelöst und sind gestiegen. Die Dienstleistungsinflation lag im vergangenen Jahr weiter über der Inflation bei Waren, hat sich jedoch verlangsamt. Die Einführung neuer KI-Technologien in einigen Dienstleistungsunternehmen scheint die Produktivität gesteigert zu haben, was auf Potenzial für weiteren Rückgang des Preisdrucks hindeutet.
In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften und in Schwellenländern, in denen die Inflation derzeit über dem Zentralbankziel liegt, wird allgemein ein weiterer Rückgang prognostiziert. In den Vereinigten Staaten wird erwartet, dass die Inflation in den nächsten Quartalen weiter steigt, da sich die Zollerhöhungen weiter auf die Endverbraucherpreise auswirken und Mitte 2026 ihren Höhepunkt erreichen dürften. In Zahlen erwartet der IWF, dass die globale Gesamtinflation 2026 auf 3,8 Prozent und 2027 auf 3,4 Prozent sinkt und die Divergenz zwischen den USA und den meisten anderen Ländern anhält. Da sich die Auswirkungen der höheren Zölle allmählich bemerkbar machen, werde die Kerninflation in den USA voraussichtlich erst im Laufe des Jahres 2027 wieder auf das Ziel von 2 Prozent zurückkehren. Für den Euroraum geht der IWF von 1,9 Prozent in diesem Jahr und 2 Prozent in 2027 aus, in China sieht er die Inflation von sehr niedrigem Niveau aus ansteigen, in Indien aufgrund gedämpfter Lebensmittelpreise wieder auf ein Niveau nahe dem Zielwert zurückkehren. Die Weltbank erwartet für die USA, dass die inflationären Auswirkungen der Zölle Anfang 2026 ihren Höhepunkt erreichen, während die Inflation in anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften angesichts sich verlangsamender Konjunktur und rückläufiger Auslandsnachfrage nachlässt. Auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern werde die Inflation 2026 weiter zurückgehen, da sich die Arbeitsmärkte zunehmend im Gleichgewicht befänden und das Lohnwachstum allmählich nachlasse. Entsprechend wurden die Inflationsprognosen für fast alle Ländergruppen und Jahre ggü. Juni nach unten korrigiert.
Finanzierungsbedingungen haben sich verbessert (aber Risiken sind gestiegen)
Im Zuge des Rückgangs der globalen Inflation entspannten sich die Finanzierungsbedingungen in der zweiten Jahreshälfte 2025. Dies wurde durch eine hohe Risikobereitschaft und die Lockerung der US-Geldpolitik vor dem Hintergrund eines schwachen US-Arbeitsmarktes begünstigt. So verzeichneten die Aktienindizes seit Juni 2025 weltweit erhebliche Gewinne. Dabei haben sich die Aktienkurse großer Technologieunternehmen weiter von den Kursen anderer Aktien abgekoppelt. Hohe Bewertungen reflektieren die Erwartungen hinsichtlich künftiger Gewinne aus KI-Investitionen. Der Optimismus griff auf die Aktienmärkte in den Schwellenländern über. Diese Entwicklungen haben zu Bedenken hinsichtlich überhöhter Bewertungen an den Aktien- und Unternehmensanleihemärkten geführt und deren Anfälligkeit für plötzliche Kurskorrekturen erhöht. Trotz der erhöhten politischen Unsicherheit blieb die Volatilität an den Finanzmärkten bislang aber begrenzt, abgesehen von kurzzeitigen Ausschlägen im Zusammenhang mit Zollankündigungen in der zweiten Jahreshälfte 2025.
Bild vergrößern: Abbildung 4: Volatilitätsindex und MSCI-World
Die Schwellenländer profitierten von der Abwertung des US-Dollars, die die Renditen von Anleihen in lokaler Währung steigerte. Darüber hinaus nahmen die Emissionen von Staats- und Unternehmensanleihen durch Schwellenländer in Fremdwährungen zu, und die Anleihespreads verringerten sich. Die günstigeren Rahmenbedingungen an den globalen Märkten, die durch die Erwartungen einer lockeren Geldpolitik in den Vereinigten Staaten gestützt wurden, ermöglichten es Zentralbanken in den Schwellenländern, ihre Leitzinsen unverändert zu lassen. Die Abwertung des US-Dollars bescherte Anlegern in Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern zudem hohe Renditen. Die robuste Nachfrage nach Vermögenswerten aus Schwellenländern führte zu starken Portfoliozuflüssen, vor allem in größere Schwellenländer mit soliden Fundamentaldaten und einem soliden politischen Rahmen. Die Weltbank bemerkt hierzu, dass die Anhäufung von Schulden durch große Schwellenländer und die damit verbundene Ausweitung der Produktion zwar zu positiven Wachstumseffekten für andere Schwellenländer führe, aber auch bestehende Schuldenprobleme verschärfen könne, zumal die Kreditkosten weiterhin hoch seien. Die OECD konstatiert, dass viele Schwellenländer heute besser als in der Vergangenheit in der Lage seien, globale Schocks zu bewältigen. In größeren Schwellenländern mit höherem Einkommen hat der Anteil der Kreditaufnahme in Landeswährung zugenommen, während der Anteil ausländischer Investoren im Laufe der Zeit zurückgegangen ist.
Negative Risiken beherrschen den Ausblick
Die bisherige Resilienz ist auf wenige Sektoren zurückzuführen und wird durch geld- und fiskalpolitische Lockerungen unterstützt. Das Wachstum könnte hinter den Prognosen zurückbleiben, wenn handelspolitische Spannungen eskalieren oder Schocks zu erheblichen Rückgängen der Vermögensbewertungen führen und eine deutliche Verschärfung der finanziellen Rahmenbedingungen folgen würde. Positiv zu vermerken ist, dass die Flexibilität der Lieferketten handelspolitischen Gegenwind weiter abmildern und der Anstieg der Aktivitäten im Bereich der künstlichen Intelligenz anhalten und sich ausweiten könnte. Im Einzelnen werden die folgenden Risiken beschrieben:
Wiederauflebende Handelsspannungen und handelspolitische Unsicherheit
Fortschritte in den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten haben die Spannungen gelindert, doch die politische Unsicherheit bleibt hoch. Die Einzelheiten vieler jüngster Handelsabkommen sind unklar, und ihre Umsetzung ist mit erheblichen Unwägbarkeiten behaftet. Dies erhöht das Risiko erneuter Spannungen, wenn die Parteien den Eindruck haben, dass die Verpflichtungen nicht eingehalten werden. Darüber hinaus könnten sich die Zollmaßnahmen auf Drittländer ausweiten. Umlenkungseffekte könnten zusätzliche restriktive Maßnahmen induzieren, die die Handelsströme weiter fragmentieren und die globalen Handelsspannungen verschärfen könnten.
Neubewertung der Erwartungen hinsichtlich KI
Sollten sich die Erwartungen hinsichtlich der durch KI erzielbaren Produktivitätssteigerungen als zu optimistisch erweisen, könnte dies zu einem starken Rückgang der Realinvestitionen im Hochtechnologiesektor sowie der Ausgaben für die Einführung von KI in anderen Sektoren führen und eine länger anhaltende Korrektur der Aktienmarktbewertungen anstoßen. Negative Vermögenseffekte würden den privaten Konsum und die Investitionen belasten. Die Auswirkungen würden sich über die Handelsströme auf exportorientierte Volkswirtschaften ausbreiten, die auf Technologieprodukte spezialisiert sind. Jede substanzielle Korrektur der Aktienkurse im Bereich der künstlichen Intelligenz hätte auch spürbare Auswirkungen auf den gesamten Aktienmarkt, da der Anteil der großen Technologiewerte an der Marktkapitalisierung zugenommen hat und indexgebundene passive Investmentfonds an Bedeutung gewonnen haben.
Möglichkeit verschärfter globaler Finanzierungsbedingungen Letztes Jahr hat die optimistische Stimmung der Anleger dazu beigetragen, die Bewertung von US-Aktien auf den höchsten Stand seit der Dotcom-Blase zu heben, während die Kreditspreads für risikoreichere Anlagen auf einem Rekordtief liegen. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass ein Rückgang der Risikobereitschaft zu starken und raschen Korrekturen führen könnte. Eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen würde das globale Wachstum belasten und könnte eine Kapitalflucht aus den Schwellen- und Entwicklungsländern auslösen, insbesondere aus denen mit schwächeren Bonitätsratings. Die Risikobereitschaft könnte auch sinken, wenn die großen Zentralbanken als Reaktion auf eine stärkere Inflation eine restriktivere Geldpolitik verfolgen als erwartet, sei es aufgrund eines erneuten Preisdrucks im Zusammenhang mit Handelsbarrieren oder aufgrund anderer unerwarteter Faktoren. In Verbindung mit Schwächen an den Finanzmärkten könnten sich die fiskalischen Schwachstellen weiter verschärfen, was Auswirkungen auf die makrofinanzielle Stabilität hätte. Besondere Sorge bereitet dem IWF die hohe Staatsverschuldung in mehreren großen Volkswirtschaften, insbesondere in denen, deren Währungen und Wertpapiere auf den internationalen Finanzmärkten systemrelevant sind. Die Sorge um die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen in diesen Volkswirtschaften könnte nicht nur Druck auf ihre eigenen Kreditkosten ausüben, sondern auch die Finanzbedingungen insgesamt verschärfen und die Volatilität an den Finanzmärkten verstärken. Eine verstärkte Abhängigkeit von preisempfindlichen Anlegern wie Geldmarktfonds und gehebelten Hedgefonds erhöht das Risiko von Verwerfungen.
Zunehmende Konflikte und geopolitische Spannungen
Die 2020er Jahre sind geprägt von einer deutlichen Zunahme geopolitischer Spannungen und vermehrten gewaltsamen Konflikten. Eine erneute Verschärfung der laufenden großen Konflikte oder eine anhaltende Unsicherheit über deren weitere Entwicklung werden die Belastungen für die Wirtschaftstätigkeit in den betroffenen Ländern und möglicherweise auch auf globaler Ebene verstärken. Über regionale Auswirkungen hinaus können geopolitische Spannungen, an denen große, global vernetzte Volkswirtschaften beteiligt sind, erhebliche grenzüberschreitende Auswirkungen haben, wie die starken Schocks bei den globalen Rohstoffpreisen und die Sorgen um die Lebensmittel- und Energiesicherheit nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch Russlands in die Ukraine zeigen.
Mögliche Wetterkapriolen und Krisen im Bereich öffentliche Gesundheit
Die Weltbank weist darauf hin, dass sich ändernde Klimamuster die Häufigkeit und Schwere wetterbedingter Katastrophen erhöhen. Naturkatastrophen können über verschiedene Kanäle erhebliche makroökonomische Schäden verursachen, darunter die Zerstörung von Infrastruktur, Verluste in der Landwirtschaft und Preisanstiege bei Rohstoffen. Solche Schocks könnten sich auf die Inflation und die geldpolitische Transmission auswirken und gleichzeitig Risiken für die Bilanzen von Finanzinstituten schaffen. Die UN bemerken, dass der Rückgang gesundheitsbezogener Entwicklungshilfezahlungen die Risiken für die Gesundheitssysteme der Empfängerländer, den Zugang zur Gesundheitsversorgung, die globale Gesundheitssicherheit und die Pandemievorsorge negativ beeinflusse. Akute Krankheitsausbrüche, verursacht durch schwerwiegende und ansteckende Krankheitserreger, könnten kurzfristig zu einer Unterbrechung der Wirtschaftstätigkeit führen und langfristig das Humankapital belasten. Die COVID-19-Pandemie lehre, dass Schwellen- und Entwicklungsländer am stärksten betroffen, aber auch globale negative Auswirkun-gen möglich sind.
Mögliches Wiederaufflammen des Inflationsdrucks
Aus Sicht der OECD könnte die Inflation überraschend stark ansteigen und höhere Leitzinsen als derzeit angenommen erfordern. In einigen Volkswirtschaften seien die Inflationserwartungen gestiegen. Der Inflationsdruck könnte sich verschärfen, wenn ein Verlust der Glaubwürdigkeit der Zentralbanken die Verankerung der Inflationserwartungen gefährde. Weitere potenzielle Auslöser erneuten Inflationsdrucks seien Angebotsschocks, die durch eine Ausweitung der geopolitischen Spannungen und Handelsbeschränkungen oder eine weitere Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Naturkatastrophen entstehen könnten. Eine weitere potenzielle Quelle, insbesondere in den Vereinigten Staaten, bestehe darin, dass sich die Auswirkungen der Zölle auf die Preise schneller als erwartet verstärken könnten, sobald die Unternehmen keinen Spielraum mehr haben, um höhere Kosten in ihren Gewinnmargen aufzufangen. Das Risiko von Zweitrundeneffekten eines solchen Schocks, die zu einer höheren Inflationspersistenz führen, sei in Volkswirtschaften, in denen die Inflationserwartungen nicht gut verankert sind, besonders ausgeprägt.
Die möglichen Quellen positiver Überraschungen sind vergleichsweise übersichtlich:
Unterschätzte Anpassungsfähigkeit des privaten Sektors
Unternehmen und Verbraucherinnen und Verbraucher könnten sich als anpassungsfähiger als erwartet erweisen und die negativen Auswirkungen widriger Umstände auf das Wachstum begrenzen. Entwicklungen in einigen Regionen deuten darauf hin, dass Unternehmen erhebliche Fortschritte bei der Umgestaltung ihrer Lieferketten gemacht haben, um von Ländern mit niedrigeren Zöllen zu profitieren. So könnten die Zollkosten durch eine breitere Nutzung bestehender Zollbefreiungen und durch bereits in Kraft getretene oder zur Ratifizierung anstehende Handelsabkommen weiter gesenkt werden. Unternehmen könnten ihre Handelsnetzwerke stärken und diversifizieren sowie Reserven aufbauen. Anpassungen dieser Art seitens des Privatsektors könnten das Wachstum trotz hoher Handelsbarrieren und erhöhter Unsicherheit stützen und dazu beitragen, das Vertrauen der Unternehmen und Verbraucherinnen und Verbraucher zu stärken und negative Auswirkungen auf Investitionen und Konsum teilweise auszugleichen. Wenn die Resilienz des Privatsektors dazu führt, dass die durch Zölle verursachten Inflationseffekte schneller als erwartet gedämpft werden, könnten geldpolitische Lockerungen früher erfolgen und die Wirtschaftstätigkeit zusätzlich stützen.
Technologiegetriebene Investitionen und Produktivitätssteigerungen
Das Wachstum im Bereich der KI hat bisher vor allem in den USA einen Boom privater Investitionen ausgelöst. Investitionen in Bereichen wie Software und IKT-Ausrüstung könnten sich mit dem Bau von Rechenzentren und dem weiteren Ausbau der Energieerzeugung auf weitere Regionen ausweiten. Ausstrahlungseffekte technologiegetriebener Investitionen könnten die Exporte in einer Vielzahl von Volkswirtschaften ankurbeln, indem die Nachfrage nach vorgelagerten Rohstoffen und Komponenten steigt. Die beschleunigte Verbreitung von KI könnte die Produktivität in immer mehr Volkswirtschaften steigern und umfassendere technologische Durchbrüche auslösen. Die Weltbank sieht erste Anzeichen für beträchtliche Produktivitätssteigerungen auf Aufgaben- und Unternehmensebene und erwartet, dass die Verbreitung von KI schneller erfolgt, als von früheren technologischen Innovationen bekannt, da sie die bestehende digitale Infrastruktur als Anwendungsplattform nutzen. Weltbank und UN merken jedoch an, dass die Technologie zwar Wachstumschancen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen schaffen, die Gewinne aber durch Hindernisse in Form schwacher digitaler Infrastruktur sowie von Defiziten bei Forschung und Entwicklung begrenzt werden könnten. Somit könnte KI Produktivitätsunterschiede verfestigen, indem technologische Fortschritte konzentriert den Volkswirtschaften mit höherem Einkommen, größerem Fachkräftepotenzial und stärkerer Digitalisierung zugutekommen.
II. REGIONALE ENTWICKLUNGEN
Den Vereinigten Staaten wird seitens des IWF für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent prognostiziert, das durch die Fiskalpolitik und einen niedrigeren Leitzins gestützt werde. Diese Aufwärtskorrektur um 0,3 PP gegenüber der Oktoberprognose beruht auf einem stärker als erwarteten BIP-Wachstum im dritten Quartal 2025 und einer Erholung der Wirtschaftstätigkeit im ersten Quartal 2026. Für 2027 wird ein solides Wachstum von 2,0 Prozent prognostiziert, wobei kurzfristig mit einem fiskalischen Impuls durch Steueranreize für Unternehmensinvestitionen im Rahmen des „One Big Beautiful Bill Act“ von 2025 zu rechnen sei. Die technologiegetriebene Dynamik dürfte sich zwar abschwächen, aber dennoch einen gewissen Ausgleich für die geringere Einwanderung und den rückläufigen Konsum bieten. Die OECD erwartet, dass sich das Produktionswachstum in diesem Jahr verlangsamt, da die Auswirkungen der deutlich höheren effektiven Einfuhrzölle, der Stellenkürzungen in der Bundesregierung und des Rückgangs der Nettozuwanderung voll zum Tragen kommen dürften. Für 2026 wird ein Wachstum von 1,7 Prozent und für 2027 von 1,9 Prozent prognostiziert. In Kanada wird ebenfalls eine allmähliche Erholung des realen BIP-Wachstums erwartet, mit 1,3 Prozent im Jahr 2026 und 1,7 Prozent im Jahr 2027. Der IWF geht von optimistischeren 1,6 Prozent und 1,9 Pro-zent aus.
Im Euroraum dürfte das Wachstum 2026 dem IWF zufolge bei 1,3 Prozent und 2027 bei 1,4 Prozent stabil bleiben. Das etwas höhere Wachstum 2027 reflektiert die prognostizierten Steigerungen der öffentlichen Ausgaben, insbesondere in Deutschland, sowie die anhaltend starke Entwicklung in Irland und Spanien. Die Auswirkungen der geplanten Erhöhung der Verteidigungsausgaben dürften sich erst in den folgenden Jahren bemerkbar machen, da die Zielvorgaben bis 2035 schrittweise erreicht werden sollen. Im Vergleich zu anderen Regionen profitiere die Eurozone weniger von dem jüngsten technologiegetriebenen Investitionsschub. Die anhaltenden Auswirkungen des Anstiegs der Energiepreise dürften die Produktion weiterhin belasten, wobei zusätzlicher Druck durch die reale Aufwertung des Euros gegenüber den Währungen von Ländern mit ähnlicher Exportstruktur entstehe. Laut OECD dürfte sich das Wachstum im Euroraum von 1,3 Prozent im letzten auf 1,2 Prozent in diesem Jahr leicht abschwächen, bevor es 2027 wieder auf 1,4 Prozent ansteigt, wobei die Effekte der zunehmenden Handelskonflikte durch eine stärkere binnenwirtschaftliche Dynamik (verbesserte Finanzierungsbedingungen, anhaltende Investitionsausgaben aus Mitteln der Aufbau- und Resilienzfazilität und robuste Arbeitsmärkte) ausgeglichen würden. Die Weltbank geht von 0,9 Prozent und 1,2 Prozent aus, wobei im Vergleich wieder die unterschiedlichen Aggregationsmethoden zu berücksichtigen sind. Insgesamt zeigte sich die Konjunktur im Euroraum bis zuletzt merklich robuster, als noch im Frühjahr und Sommer erwartet wurde.
Für das Vereinigte Königreich erwartet die OECD aufgrund der anhaltenden Auswirkungen der Haushaltskonsolidierung auf den Konsum und der Belastung durch die globale Unsicherheit einen Rückgang des BIP-Wachstums auf 1,2 Prozent in diesem Jahr, bevor es 2027, gestützt durch Unternehmensinvestitionen und Exporte, wieder auf 1,3 Prozent ansteigt. Auf dem Arbeitsmarkt erwartet die OECD eine Abschwächung, da die Beschäftigung und die Zahl der offenen Stellen zurückgehe. Schleppende Arbeitsproduktivität und das schwache Wachstum der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter dürften die Wirtschaft weiterhin belasten, niedrigere Zinsen hingegen ab der zweiten Jahreshälfte 2026 für moderate Impulse sorgen. Der IWF geht – gegenüber letztem Oktober unverändert – von 1,3 Prozent und 1,5 Prozent aus.
Die japanische Wirtschaft dürfte weiter moderat wachsen. Das Wachstum des privaten Konsums wird dabei durch die schwache Entwicklung der Reallöhne gebremst. Solide Gewinne und staatliche Subventionen unterstützen das Wachstum der Unternehmensinvestitionen. Handelsbeschränkungen seitens der USA und China dämpfen jedoch voraussichtlich die Auslandsnachfrage. Das reale BIP-Wachstum dürfte sich der OECD zufolge von 1,3 Prozent im Jahr 2025 auf je 0,9 Prozent in den Jahren 2026 und 2027 abschwächen. Der IWF geht von bescheideneren 0,7 Prozent in diesem und 0,6 Prozent im nächsten Jahr 2027 aus, was für 2026 einer leichten Aufwärtskorrektur gegenüber Okto-ber entspricht und mit dem von der neuen Regierung angekündigten Konjunkturpaket begründet wird. Die Regierung hat mit einer Zweidrittelmehrheit in den Wahlen vom 8. Februar 2026 ein starkes Mandat dafür erhalten.
Für China hingegen hat der IWF seine Wachstumsprognose für 2026 im Vergleich zum Oktober um 0,3 PP auf 4,5 Prozent nach oben korrigiert, was auf die niedrigeren effektiven US-Zollsätze für chinesische Waren infolge des im November 2025 vereinbarten einjährigen Moratoriums und auf Konjunkturmaßnahmen zurückgeführt wird. Für 2027 wird erwartet, dass sich das Wachstum aufgrund strukturellen Gegenwinds auf 4,0 Prozent verlangsa-men wird. Die OECD erwartet, dass das Auslaufen der Vorzieheffekte und das Greifen höherer Zollsätze auf Exporte in die Vereinigten Staaten und die anhaltende Anpassung im Immobiliensektor zu einem Rückgang des Wachstums führen, und kommt – mit 4,4 Prozent für dieses und 4,3 Prozent für nächstes Jahr – zu sehr ähnlichen Prognosewerten.
Für Indien, mit 7,3 Prozent Wachstums-Champion der großen Volkswirtschaften in 2025, erwartet der IWF für die Haushaltsjahre 2026-27 und 2027-28 einen BIP-Anstieg um jeweils 6,4 Prozent. Mit Verweis auf steigende Realeinkommen, Lockerung der Geldpolitik und starke öffentliche Investitionen, denen allerdings höhere Zölle auf Exporte in die Vereinigten Staaten gegenüberstehen, erwartet die OECD, dass das reale BIP in den genannten Haushaltsjahren um 6,2 Prozent und 6,4 Prozent wächst. In der Erwartung, dass die US-Zölle, die 12 Prozent der indischen Warenexporte betreffen, das Wachstum zwar etwas dämpfen, dies jedoch durch stärkere inländische Nachfrage und bislang unerwartet resiliente Exporte kompensiert wird, geht die Weltbank von 6,5 Prozent und 6,6 Prozent aus. Mögliche Effekte des im Februar 2026 mit den USA verhandelten „trade deals“ sind in keiner der drei Prognosen berücksichtigt.
Für die Region Lateinamerika und Karibik erwartet der IWF, das sich das Wachstum 2026 auf 2,2 Prozent abschwächt und 2027 auf 2,7 Prozent ansteigt. Die Wirtschaft Mexikos dürfte sich der OECD zufolge langsam erholen, da die Inflation nachlasse und Leitzinssenkungen Wirkung zeigten. Höhere Zölle der Vereinigten Staaten – Ziel von über 80 Prozent der Exporte – und eine schwache öffentliche Nachfrage bremsten jedoch das BIP-Wachstum, das für 2026 auf 1,2 Prozent und 2027 auf 1,7 Prozent taxiert wird. Der IWF geht von 1,5 Prozent und 2,1 Prozent, die Weltbank von 1,3 Prozent und 1,8 Prozent aus. In Brasilien wird das Wachstum gemäß Prognose der OECD nachlassen, da sich die Investitionen aufgrund höherer Zinsen verlangsamen, obwohl die Lockerung der Geldpolitik bis 2026 die Konjunktur stütze. Die Binnennachfrage werde der wichtigste Wachstumsmotor sein, der Konsum durch starkes Lohnwachstum gestützt werden. Nach einem Rückgang von 2,4 Prozent im letzten auf 1,7 Prozent in diesem Jahr sollte sich das Wachstum 2027 wieder auf 2,2 Prozent erholen. Sehr ähnlich erwartet der IWF 1,6 Prozent und 2,3 Prozent in 2026 und 2027. Mit Verweis auf hohe Realzinsen und handelspolitischen Gegenwind erwartet die Weltbank für 2026 eine Wachstumsverlangsamung auf 2 Prozent und eine langsame Erholung auf 2,3 Prozent in 2027. Argentinien prognostiziert die OECD für 2026 ein reales BIP-Wachstum von 3 Prozent, das 2027 wieder auf 3,9 Prozent ansteigt. Investitionen und Exporte würden vom zunehmend unternehmensfreundlichen Umfeld, weniger Bürokratie und einem boomenden Energie- und Bergbausektor profitieren. Inflation und Haushaltsdefizite seien rückläufig, aber der Druck auf den Wechselkurs habe verbleibende makroökonomische Schwachstellen aufgezeigt. Hierzu bemerkt die Weltbank, dass die Bereitstellung von Swap-Linien durch die USA zur Stabilisierung beigetragen und der im letzten April vollzogene Übergang zu einer Wechselkursbandbreite die Rolle des Wechselkurses als Stoßdämpfer gestärkt habe. Für dieses und nächstes Jahr werden jeweils 4 Prozent erwartet – was exakt den Erwartungen des IWF entspricht.
Für die Region Subsahara-Afrika erwarten IWF und Weltbank, dass makroökonomische Stabilisierung und Reformbemühungen in wichtigen Volkswirtschaften Früchte tragen. Die Weltbank prognostiziert Wachstumsraten von 4,3 Prozent und 4,5 Prozent, der IWF von 4,6 Prozent in diesem und im nächsten Jahr. Trotz verbesserter Wachstumsaussichten bemerkt die Weltbank, dass die Pro-Kopf-Einkommenszuwächse weiterhin zu gering seien, um erhebliche Fortschritte bei der Verringerung extremer Armut zu erzielen. Allerdings hätten sich die Finanzierungsbedingungen entspannt: Seit den Zollankündigungen durch die USA seien die Renditen von Staatsanleihen und deren Spreads gesunken und die meisten Währungen der Region hätten gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. Dies habe für viele Länder Schuldendruck verringert und die importierte Inflation gesenkt. Zudem begrenze die geringe Verflechtung mit den USA die negativen Zollauswirkungen. Für Südafrika erwarten Weltbank und IWF in diesem Jahr 1,4 Prozent und 1,5 Prozent in 2027. Anhaltende Reformdynamik in den Bereichen Energie und Logistik sowie steigende öffentliche Investitionen stützten die mittelfristigen Wachstumsaussichten. Die OECD erwartet 1,3 Prozent für 2026 und 1,5 Prozent für 2027 und bemerkt, dass sinkendes Konsumentenvertrauen und die Haushaltskonsolidierung die Binnennachfrage, erhöhte US-Zölle die Exporte belasteten. Für Nigeria erwartet der IWF Wachstumsraten von 4,4 Prozent in 2026 und 4,1 Prozent in 2027. Die Weltbank verweist u.a. auf die Expansion im Dienstleistungssektor, die Erholung der landwirtschaftlichen Produktion sowie die Umsetzung ökonomischer Reformen durch die Tinubu-Regierung und geht für beide Jahre von 4,4 Prozent aus – den höchsten Wachstumsraten seit über einem Jahrzehnt.
Die jüngsten Einschätzungen zur Entwicklung der Weltwirtschaft und ihrer regionalen Komponenten sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Zudem sind die Korrekturen gegenüber den jeweils vorhergehenden Prognosen dargestellt.
Bild vergrößern: Tabelle 1: Übersicht der Projektionen
