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Immer auf dem Sprung

Immer auf dem Sprung

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandImmer auf dem Sprung

Die Heuschrecke erhielt ihren ungewöhnlichen Namen aufgrund des alten Volksglaubens, ihr kräftiger Biss und ihr „scharfer Saft“ könnten Warzen heilen. Sie steht exemplarisch für die bedrohte Insektenvielfalt der Wiesenlandschaften.

Weiblicher Warzenbeißer, erkennbar an der langen Legeröhre – Foto: Frank Derer

Mit seinem bulligen Körper, den langen Fühlern und dem charakteristischen würfelförmigen Muster auf den kurzen Vorderflügeln kann man den bis vier Zentimeter großen Warzenbeißer kaum mit anderen Heuschrecken verwechseln. Seine Farben reichen von leuchtendem Grün bis zu erdigen Brauntönen, eine Variabilität, die ihn in vielen Habitaten anpassungsfähig macht. Aufgrund ihrer hohen ökologischen Ansprüche sind größere Vorkommen des Warzenbeißers aber nur dann anzutreffen, wenn ausreichend große Flächen zur Verfügung stehen.
Lebensraumschwund und isolierte Populationen
Der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) ist in Europa und Asien weit verbreitet, und auch bei uns findet man ihn im gesamten Bundesgebiet. Dennoch führt der Wandel in der Landschaft zu einem Rückgang. Die intensivere Landwirtschaft, Drainage und Aufforstung zerstören seine Lebensräume. Offene, halbtrockene Magerrasen, die für die Art so wichtig sind, verschwinden immer mehr. Besonders problematisch ist die Isolierung kleiner Populationen – genetischer Austausch wird erschwert, wenn natürliche Korridore zwischen den Flächen fehlen.

Warzenbeißer – Foto: Helge May

Seinen Namen verdankt der Warzenbeißer einem alten Volksglauben. Man war überzeugt, dass der kräftige Biss und der „scharfe Saft“ des Insekts Warzen heilen könnten. Auch der Lebenszyklus des Warzenbeißers ist spannend. Die Weibchen legen im Spätsommer und Herbst 200 bis 300 Eier im Boden ab, manche überdauern dort bis zu sieben Jahre. Schlüpfen dann diese „Spätzünder“, brauchen die Larven viel Wärme und Sonne, um zu überleben. Auch wenn die Jungtiere sich in hoher Vegetation vor Fraßfeinden verstecken, ist die Sterblichkeitsrate sehr hoch. Erwachsene Tiere sind von Juni bis Oktober aktiv, am häufigsten im August. Neben pflanzlicher Nahrung sind sie vor allem räuberisch und jagen andere Insekten. Obwohl Decticus verrucivorus flugfähig ist, bewegen sich die tagaktiven Tiere vor allem mit kräftigen Sprüngen.
Bei Gefahr wird der Warzenbeißer stumm
Vögel sind bedeutende Fressfeinde, doch das Tarnverhalten und eine Strategie des Versteckens schützen den Warzenbeißer häufig. Männchen klettern auf Pflanzen, um von dort mit ihrem Gesang Weibchen anzulocken – bei Gefahr verstummen sie aber und lassen sich leise zu Boden fallen. Damit entgehen sie vielen Feinden. Historische Berichte schreiben sogar von regelrechten Kämpfen mit Vögeln, bei denen die Heuschrecken „ätzenden Saft“, gemeint ist der Verdauungssaft, verspritzten. Auch Parasiten wie Fadenwürmer und Fliegenmaden stellen eine tödliche Bedrohung für die Insekten dar.
Die langsam beginnenden und dann immer schneller werdenden, markanten „Zick“-Laute des Männchens sind bei Sonnenschein ab etwa 23 Grad Celsius zu hören. Der Ruf des Warzenbeißers erinnert an den Motor eines alten Traktors. Die Männchen singen nicht nur, um Weibchen anzulocken, sondern auch, um Rivalen zu vertreiben. In ihrem wenige Quadratmeter großen Revier reagieren sie mit unregelmäßiger Versfolge auf Konkurrenten – ein akustisches Duell.

Das Insekt des Jahres für den DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) wird seit 1999 von einem internationalen Kuratorium gewählt. Dem Expertengremium gehören namhafte Insektenkundler und Vertreter wissenschaftlicher Gesellschaften und Einrichtungen an, darunter auch der NABU. Die Idee stammt vom Prof. Dr. Holger Dathe, dem damaligen Leiter des Deutschen Entomologischen Instituts in Eberswalde.

Mit der Wahl des Warzenbeißers zum Insekt des Jahres 2026 soll auf den Erhalt von Magerrasen und extensiv genutzten Wiesen aufmerksam gemacht werden. Nur durch naturschutzorientierte Pflege, die Vernetzung von Flächen und eine nachhaltige Bewirtschaftung kann das Fortbestehen dieser Art gesichert werden.

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