Source: Verdi – Vereinten DienstleistungsgewerkschaftWer die HIL besucht, sieht schnell, was ihre Arbeit so besonders macht: In drei großen Werken führen Straßen durch riesige Hallen, in denen schwere Bundeswehrfahrzeuge vollständig zerlegt, repariert, lackiert und wieder zusammengesetzt werden – vom Antrieb bis zum Turm. Die Beschäftigten sind zum Beispiel Industrie-Mechatroniker*innen, Elektronik- und IT-Spezialist*innen sowie Logistik- und Werkstattfachkräfte. Sie arbeiten an hochkomplexen militärischen Fahrzeugen, deren Technik weit über handelsübliche Kfz-Systeme hinausgeht. Trotz dieser zentralen Aufgaben arbeiteten sie jahrzehntelang ohne Tarifbindung.
Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle sprach nun von einem „richtig großen Erfolg“. ver.di habe ein Maßnahmenpaket durchgesetzt, das bessere Arbeits-, Einkommens- und Entwicklungsmöglichkeiten schafft. Die Einführung der 35-Stunden-Woche – bisher waren es 40 – bedeute rechnerisch eine Gehaltserhöhung von 12,5 Prozent. Behle erklärte: „Endlich erfahren die hervorragenden Leistungen, die alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die HIL und damit für die Bundeswehr erbringen, eine spürbare Wertschätzung.“
Ein politisches Signal
Der neue Haustarifvertrag ist auch deshalb ein Durchbruch, weil die HIL über Jahre als mögliches Privatisierungsobjekt galt. Dass nun ein Bundesunternehmen tarifgebunden wird, ist ein Signal für Bestandssicherung – und dafür, dass die Bundeswehr wieder stärker auf eigene Instandhaltungskräfte setzt. Die Verhandlungen waren langwierig; dass der Abschluss gelang, lag sowohl am Engagement der Beschäftigten als auch am politischen Willen, die HIL als Teil der Bundeswehr zu stärken.
Zum neuen Tarifwerk gehören der Manteltarifvertrag, Entgelt- und Eingruppierungsregelungen sowie ein Tarifvertrag „Landes- und Bündnisverteidigung“, der in definierten Krisensituationen abweichende Arbeitszeiten ermöglicht. Das neue Tarifwerk schafft beides: verlässliche Standards und Flexibilität in Krisenzeiten. Im nächsten Schritt will ver.di über betriebliche Altersversorgung, Lebensarbeitszeitkonten und Regelungen für Nachwuchskräfte verhandeln.
*Die HIL ist ein 100prozentiges Bundesunternehmen, das allein für die Bundeswehr tätig ist. Sie hat neben der Zentrale in Bonn über 60 Betriebe, darunter drei große Werke in St. Wendel, Doberlug-Kirchhain und Darmstadt.
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Durchbruch: Erster Tarifvertrag bei der Bundeswehr-Tochter HIL
