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Aktuelles zur Situation am AKW Tschernobyl

Aktuelles zur Situation am AKW Tschernobyl

Source: Bundesministerium fur Umwelt Naturschutz Bau und ReaktorsicherheitNach dem Drohneneinschlag in das ukrainische AKW Tschernobyl informiert das BMUV über den aktuellen Stand.

Das Radiologische Lagezentrum des Bundes im BMUV (RLZ-Bund) wurde am heutigen Morgen, 14. Februar 2025, gegen 5:00 Uhr über das Melde-, Informations- und Kommunikationsportal der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) darüber informiert, dass das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine von einer Drohne beschädigt wurde.
Nach Angaben des Betreibers schlug die Drohne in 87 m Höhe in das „New Safe Confinement“ (NSC) ein. Dabei handelt es sich um die 2019 in Betrieb genommene Schutzhülle über dem 1986 havarierten Block 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl. Die Hülle des NSC besteht aus einem Stahlskelett, das von außen und innen mit Edelstahl verkleidet ist. Das durch die Explosion der Drohne ausgebrochene Feuer an der Außenhülle des NSC erstreckte sich auf ca. 40 qm Fläche. In den Morgenstunden konnte das Feuer gelöscht werden. Nach vorliegenden Informationen wurde nicht nur die äußere Hülle des NSC durchbrochen, sondern auch die innere Hülle des NSC beschädigt. Untersuchungen zum Ausmaß der Schäden dauern derzeit auch nach Informationen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) noch an.  Infolge der Explosion und des Brandes ist es zu keiner Freisetzung von Radioaktivität gekommen. Innerhalb der 1986 nach dem Reaktorunfall eingerichteten Sperrzone von 30 km um das AKW Tschernobyl wurden aktuell im Vergleich zum Vortag keine Erhöhungen der Radioaktivitätsmesswerte festgestellt. 
In der Ruine des 1986 havarierten Reaktors sind noch radioaktive Stoffe vorhanden. Das Inventar wird auf ca. 200 Tonnen Kernschmelzmaterial und etwa 30 Tonnen hochkontaminierten Staub mit einer Gesamtaktivität von ca. 10^18 Bq geschätzt. Diese Stoffe sind von der Schutzhülle des NSC sowie den 1986 errichteten „Sarkophag“ eingeschlossen.
Beschädigungen an der inneren Hülle könnten bei einem großen Brand im Inneren des Reaktors zur Freisetzung kontaminierten Staubs führen. Die radiologischen Folgen für die ukrainische Bevölkerung wären dann nach hiesiger Einschätzung begrenzt, da die Sperrzone rund um den Reaktor weitgehend unbewohnt ist und damit die potenziell betroffene Bevölkerung in mindestens 30 km Abstand vom Reaktor lebt. Auswirkungen auf Deutschland wären nicht zu erwarten.
Sollte das BMUV Hinweise haben, dass sich ein radiologischer Notfall mit erheblichen Auswirkungen in der Ukraine ereignet, würde das radiologische Lagezentrum des Bundes im BMUV die Lage bewerten, die Öffentlichkeit informieren und, soweit erforderlich, Verhaltensempfehlungen geben.
In Deutschland liefern die circa 1.700 Messsonden des Integrierten Mess- und Informationssystems IMIS zur Ortsdosisleistungsmessung und weitere Messnetze laufend Daten über die Radioaktivität in der Umwelt. In einer radiologischen Lage kann dieses System in den Intensivbetrieb versetzt werden und somit quasi in Echtzeit eine Erhöhung der Radioaktivität in der Atmosphäre signalisieren. Hierauf können dann weitere Messungen und ggf. Schutzmaßnahmen aufbauen.
Hintergrund
Die Explosion von Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl im Jahre 1986 war die bisher größte Katastrophe in der zivilen Nutzung von Atomenergie. Um den zerstörten Block 4 zu sichern und von der Umwelt zu isolieren und damit den Weiterbetrieb der anderen Reaktorblöcke zu ermöglichen, wurde damals in knapp 6 Monaten der sogenannte „Sarkophag“, eine Stahl/Beton-Konstruktion, errichtet. In einer Initiative der G7-Staaten und der EU wurden der Ukraine Mitte der 90er Jahre finanzielle und technische Unterstützung zugesagt, um sie bei der Schaffung eines “umwelttechnisch sicheren Einschlusses” für den havarierten Block 4 zu unterstützen. Ziel war insbesondere die Errichtung einer neuen, sicheren Schutzhülle, des sogenannten NSC, um den alten Sarkophag zuverlässig einzuschließen. Die Errichtung des NSC wirkte sich positiv auf die radiologischen Bedingungen am Standort aus. Messungen zeigen, dass sich die Ortsdosisleistung nach der Positionierung des NSC in dessen Umgebung um rund 90 Prozent verringert hat. Die Menge des abgepumpten kontaminierten Wassers aus dem Sarkophag ist kontinuierlich gesunken. Die Freisetzung radioaktiver Partikel, die in der Umgebung des NSC gemessen wurde, verringerte sich ebenfalls. 
Das NSC ist mit seinen riesigen Ausmaßen ein weithin sichtbares Zeichen für die realisierten Arbeiten am Unglücksort. Ca. 35.000 Tonnen Stahl wurden verbaut, um das halbzylindrische Konstrukt mit ca. 150 m Breite, 165 m Länge und ca. 110 m Höhe zu errichten. Seit dem 29. November 2016 steht das Bauwerk in seiner endgültigen Position über dem Sarkophag. Ganze 100 Jahre soll es nach Planung Umwelteinflüssen widerstehen, damit in der Zwischenzeit der Rückbau des Sarkophags und die Bergung radioaktiver Materialien unter seinem Schutz möglich sind. Das NSC konnte Mitte 2019 an das Atomkraftwerk Tschernobyl übergeben und in Betrieb genommen werden. Die Finanzierung des NSC wurde über einen bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) eingerichteten Fonds sichergestellt. Die Gesamtkosten des NSC beliefen sich auf über 2 Milliarden Euro.
Der Betrieb des NSC sowie der rechtzeitige Rückbau insbesondere der instabilen Strukturen des jetzigen Sarkophags bzw. deren Stabilisierung liegt nun in Verantwortung der Ukraine. Bei der Demontage der instabilen Teile kam es zunächst durch die COVID-19 Pandemie und seit dem 24. Februar 2022 kriegsbedingt zu Verzögerungen, so dass diese noch nicht abgeschlossen werden konnte. Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine war das Territorium des Atomkraftwerks Tschernobyl und der umgebenden Sperrzone vom ersten Tag des Krieges, dem 24. Februar 2022, bis zum 31. März 2022 von russischen Truppen besetzt. 
Stand: 14.02.2025, 22:00 Uhr

14.02.2025 | Meldung Nukleare Sicherheit

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