Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandMitmachaktion: Tiere beobachten und melden
Der NABU startet gemeinsam mit dem IZW und NABU|Naturgucker ein Projekt, um Fragen rund um Eichhörnchen zu beantworten. Dabei sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen: Melden Sie uns Eichhörnchen, die Sie entdecken, und das gerne auch über einen längeren Zeitraum.
Eichhörnchen – Foto: NABU/CEWE/Wilfried Martin
Wie oft und wann haben Eichhörnchen im Jahr Nachwuchs, wie viele Jungtiere sind es pro Wurf und wie viele von ihnen überleben? Das neue Eichhörnchen-Projekt von NABU, dem Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und NABU|naturgucker untersucht mit Ihrer Hilfe die jahreszeitliche Rhythmik von Eichhörnchen in Deutschland. Neu ist, dass nicht nur punktuelle Beobachtungen gemeldet werden sollen, sondern ein Standort wiederholt über einen längeren Zeitraum.
Eichhörnchen – Foto: Frank Derer
Eichhörnchen im Park oder zu Hause im Garten zu beobachten, ist einfach. Schwieriger hingegen ist es, Daten zur Reproduktion der kleinen Kobolde zu sammeln, wie ihr Überleben und die Anzahl der Jungtiere pro Wurf ist, beziehungsweise wie häufig Eichhörnchen im Jahresverlauf Jungtiere zeugen. Solche Daten sind aber für die Wissenschaft von enormer Bedeutung, wenn es darum geht, Trends in der Populationsentwicklung vorherzusagen.
Ziel des Projektes ist es daher, mit Hilfe von Bürger*innen solche Langzeitdaten zu erheben. Dafür wird ein Standort ausgewählt, an dem Eichhörnchen regelmäßig beobachtet werden können, beispielsweise im Garten, auf dem Balkon oder im Park, und dort werden die Beobachtungen wiederholt dokumentiert. So können eine Zeitreihe über einen Standort erstellt und Informationen über das Eichhörnchen-Jahr gesammelt werden. Im Gegensatz zu unsystematischer Sammlung von Sichtungen ermöglicht uns die kontinuierliche Beobachtung eine Einbettung in die übergeordnete Fragestellung.
Wie erfolgt die Anpassungsleistung von Eichhörnchen an den Klima- und Landnutzungswandel (Verstädterung)?
Gibt es entlang eines Klima- und Landnutzungsgradienten in Deutschland Unterschiede, zum Beispiel in der Anzahl der Jungtiere, der Häufigkeit von Würfen oder dem Zeitpunkt der Fortpflanzung?
Wie kann ich mitmachen und was ist meine Aufgabe?
Für unser Projekt suchen wir Freiwillige, die möglichst ein Jahr lang an einem selbst gewählten Standort (zum Beispiel im Garten, Balkon, Park) Eichhörnchen beobachten und melden („Langzeitbeobachtung“) oder „Zufallssichtungen“ an beliebigen Standorten melden. Dafür haben wir eine Web-App erstellt.
1. Langzeitbeobachtung
Langzeitbeobachtungen ermöglichen genaue Beobachtungen und Aussagen über Paarungserfolg, Aktivitätszeiten und Anzahl der Jungtiere beziehungsweise Würfe innerhalb eines Jahres. Um an der Langzeitbeobachtung teilzunehmen, erstellen Sie in unserer Web-App einmalig Ihren selbst gewählten Beobachtungsstandort, zum Beispiel Ihren Garten. Die genaue Erklärung finden Sie in den FAQs. Anschließend melden Sie so oft wie möglich (gerne täglich, wöchentlich oder monatlich) Ihre Eichhörnchen-Beobachtungen. Je häufiger Sie diese eintragen, umso genauer können jahreszeitliche Entwicklungen und Veränderungen nachvollzogen werden. Bei jeder Beobachtung haben Sie nämlich die Möglichkeit, auch das Verhalten der Tiere oder das Vorhandensein und die Anzahl von Jungtieren zu notieren.
Sollten Sie Ihren Standort regelmäßig beobachten und an manchen Tagen keine Eichhörnchen sehen, ist auch diese Information für die wissenschaftliche Auswertung genauso wichtig wie Ihre Sichtungen, da wir dann wissen, dass Sie noch am Projekt teilnehmen und wir auch daraus wertvolle Schlüsse über Verhalten und Vorkommen der Tiere gewinnen können. Daher freuen wir uns, wenn Sie Ihre Nichtsichtungen ebenfalls melden, gerne auch täglich.
2. Zufallssichtungen
Die dauerhafte Beobachtung eines Standortes ist Ihnen zu zeitaufwändig, aber Sie sehen immer mal wieder Eichhörnchen, die Sie gerne melden möchten? Dann nutzen Sie innerhalb unserer Web-App einfach den Menüpunkt „Zufallssichtung“. Dort können Sie Ihre Sichtung(en) auch ohne Registrierung melden.
Bitte nicht stören
Bitte achten Sie darauf, bei ihrer Beobachtung die Eichhörnchen nicht zu stören. Das Tierwohl steht immer an erster Stelle, die Datenerhebung ist zweitrangig. Ideal ist beispielsweise eine Beobachtung mit dem Fernglas, so dass Sie „Ihr“ Eichhörnchen mit Abstand beobachten können. Auch wenn viele Eichhörnchen ihre Scheu vor Menschen nahezu verloren haben, sind es Wildtiere. Bitte fassen Sie diese nicht an.
FAQs: Eichhörnchen melden – so geht’s
1. Wie groß darf mein Beobachtungsstandort sein?
Der Standort sollte nur so groß sein, dass Sie sicherstellen können, dass Sie nicht mehrere Eichhörnchenfamilien beobachten, beziehungsweise so, dass der gesamte Standort einsichtig ist. Wenn Sie also beispielsweise in einem großen Stadtpark beobachten, wählen Sie nicht den gesamten Park aus, sondern eine Fläche von 50 bis 500m².
2. Wieso werden Standortinformationen abgefragt?
Für unsere Analysen ist es wichtig, dass wir wissen, wo die Beobachtungen gemacht wurden. Je genauer die Informationen sind, desto besser können wir den Einfluss verschiedener Faktoren auf das Vorkommen und die Reproduktion von Eichhörnchen untersuchen.
3. Wie erstelle ich einen Beobachtungsstandort?
Um einen Beobachtungsstandort (beispielsweise Ihren Garten) anzulegen, klicken Sie bitte im Reiter „Langzeit-Beobachtungen“ oben rechts auf den Button „Gebiet“. In dem dann erscheinenden Feld „Suchfeld für NABU-naturgucker Gebiete“ wählen Sie bitte ganz unten aus dem Drop-down Menü den Punkt „Gebiet neu anlegen“ aus. Anschließend können Sie dem Gebiet einen Namen geben und mit Hilfe der Kartenansicht einen Punkt oder eine Fläche markieren.
Bei der nächsten Nutzung der App erscheint das neu angelegte Gebiet dann im Dropdown-Menü und kann von Ihnen direkt ausgewählt werden.
4. Darf ich an mehreren Standorten beobachten?
Ja. Legen Sie in diesem Fall bitte unterschiedliche Beobachtungsstandorte an, da es für uns wichtig ist, die Beobachtungen einem konkreten Standort und damit gegebenenfalls auch einer Eichhörnchenfamilie zuordnen zu können.
5. Wieso soll ich angeben, ob ich Haustiere habe?
Bestimmte Haustiere können das Vorkommen von Eichhörnchen beeinflussen. So sind freilaufende Katzen oder Hunde mögliche Feinde von Eichhörnchen, während beispielsweise Kleintiere (insbesondere, wenn deren Futter verfügbar ist) einen Standort für Eichhörnchen attraktiver machen. Für öffentliche Beobachtungsstandorte wie Parks ist diese Option nicht nötig, da dort die Dichte von beispielsweise freilaufenden Hunden nicht messbar ist.
6. Wie oft soll ich Eichhörnchen melden?
So oft Sie können und wollen, gerne auch täglich. Je lückenloser die Daten sind, desto besser. Wenn Sie es aber nicht täglich schaffen, freuen wir uns auch über gelegentliche, wöchentliche oder monatliche Meldungen. Wichtig ist, dass Sie uns auch eine Nichtsichtung an Ihrem Standort melden.
7. Welche Option wähle ich bei „Beobachtung“ aus?
Sie sind nicht sicher, welche der Optionen Sie wählen sollen? Entscheiden Sie, was an der aktuellen Beobachtung besonders interessant ist. Wenn die Eichhörnchen beispielsweise Nistmaterial tragen, ist das für uns interessanter als der Fakt, ob das Tier sitzt oder läuft. Wenn Sie unsicher sind, können Sie das Feld auch freilassen oder bei Bemerkungen genauer erklären, was Sie beobachtet haben.
8. Wie kann ich die Anzahl von Jungtieren melden?
Wenn Sie beispielsweise ein erwachsenes Eichhörnchen mit zwei Jungtieren sehen, dann geben Sie bitte bei der Anzahl „1“ ein und wählen Sie bei Beobachtung „2 Jungtiere führend“ aus. Wenn Sie unsicher sind, nutzen Sie bitte das Bemerkungsfeld und konkretisieren Sie dort Ihre Beobachtung.
9. Was mache ich, wenn plötzlich keine Eichhörnchen mehr da sind?
Wenn Sie Ihren Standort regelmäßig beobachten und plötzlich keine Eichhörnchen mehr da sind, ist auch das eine sehr wichtige Information für uns. Bitte wählen Sie dann unter Beobachtung „Nichtsichtung“ aus, so wissen wir, dass Sie weiterhin fleißig beobachten, aber sich gerade keine Eichhörnchen am Standort aufhalten. Würden Sie diese Information nicht mit uns teilen und einfach gar nichts melden, wissen wir nicht, ob wirklich keine Eichhörnchen mehr da sind, oder ob Sie keine Zeit beziehungsweise kein Interesse mehr haben und keine Meldungen mehr eingeben.
10. Was versteht man unter einer Nichtsichtung?
Siehe Frage 9.
11. Was passiert mit meinen personenbezogenen Daten?
Die Meldeaktion zu Eichhörnchen wird vom NABU gemeinsam mit naturgucker.de umgesetzt. Ihre Meldedaten und Bilder werden an naturgucker.de übermittelt und dort mit Ihrem Klarnamen angezeigt. Die gesammelten Beobachtungen werden dem Leibniz- Institut für Zoo- und Wildtierforschung zu Forschungszwecken und dem NABU zur Umsetzung seiner Naturschutzarbeit zur Verfügung gestellt. Hier finden Sie die Datenschutz-Hinweise des NABU und von naturgucker.de.
12. Ich habe ein verletztes Eichhörnchen oder ein vermeintlich verwaistes Jungtier gefunden. Was kann ich tun?
Alleine umherstromernde Jungtiere sind in der Regel nicht hilflos und verlassen. Die Eltern sind meist in der Nähe, tauchen früher oder später auf und schleppen den Ausreißer zurück in den sicheren Kobel – wenn nicht der Mensch dazwischenfunkt.
Es kommt immer wieder vor, dass aus falsch verstandener Tierliebe junge Tiere eingefangen und zu Tierärzten oder Auffangstationen gebracht werden. Bevor Sie bei einem vermeintlich hilfsbedürftigen Tier aktiv werden, informieren Sie sich, ob es in Ihrer Region eine Eichhörnchen-Hilfe gibt, die im Einzelfall die Situation beurteilen kann.
13. Kann oder soll ich Eichhörnchen füttern?
Grundsätzlich sollte man bei Säugetieren darauf achten, dass man keine unerwünschten Futtergäste, wie Ratten oder Waschbären anlockt. Das kann nicht nur unangenehm werden, sondern ist sogar verboten! Eichhörnchen freuen sich über ähnliches Futter wie Vögel, zusätzlich kann man Nüsse anbieten. Diese dürfen nicht geröstet oder gesalzen sein. Weitere Infos >>
Eichhörnchen mit Nachwuchs – Foto: NABU-naturgucker.de/Jens Winter
Eichhörnchen an der Futterstelle – Foto: NABU-naturgucker.de/Edith Löb
Eichhörnchen – Foto: NABU/Gaby Schröder
Foto: Frank Derer
Foto: Frank Derer
Foto: Frank Derer
Foto: Kathrin Raedel
Eichhörnchen im Winter – Foto: Frank Derer
Eurasisches Eichhörnchen mit dunkler Fellfarbe – Foto: Frank Derer
Mehr über Eichhörnchen
Das Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris):
hat je nach Lebensraum, Klima und Nahrungsverfügbarkeit zwei Paarungszeiten (Winter und spätes Frühjahr),
hat eine Tragezeit von etwa 38 Tagen,
wirft bis zu sechs Jungtiere, die bei Geburt nackt, taub und blind sind (Nesthocker),
verlässt sechs Wochen nach der Geburt erstmals das Nest,
wird acht bis zehn Wochen gesäugt,
hat im ersten Jahr eine Sterblichkeit von 80 Prozent,
ist ein Allesfresser; zu seiner Nahrung zählen neben Nüssen und Samen auch Vögel oder deren Eier, Früchte und Pilze.
Einen detaillierten Artensteckbrief des Eichhörnchens finden Sie in unserer Web-App oder direkt auf nabu-naturgucker.de.
Konkurrenz durch Grauhörnchen
Das Amerikanische Grauhörnchen (Sciurus carolinensis), das bisher zum Glück nur in Großbritannien und Italien vorkommt, verdrängt das Eurasische Eichhörnchen. Denn es überträgt die für Eichhörnchen oft tödlichen Parapoxviren, ohne selbst an Parapocken zu erkranken. In Deutschland gibt es bisher noch keine Nachweise für Grauhörnchen. Allerdings lebt hier eine dunkle Farbvariante des Europäischen Eichhörnchens.
Wer sind die Projektpartner?
Das Projekt wird gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Zoo-und Wildtierforschung (Leibniz IZW) und NABU|naturgucker durchgeführt.
Durch die Kooperation mit dem IZW gibt es eine Schnittstelle zur hauptamtlichen Wissenschaft, die auch einen hochqualitativen Output der Ergebnisse sicherstellt. NABU-naturgucker.de ist Deutschlands größte kostenlose Meldeplattform für Naturbeobachtungen und stellt die im Projekt genutzte Web-App zur Verfügung.
Und zu guter Letzt funktioniert das Projekt natürlich nur mit Ihrer Mithilfe. Also melden Sie sich in unserer Web-App an, erhalten Sie Einblicke in das Projekt, tragen Sie zur Wissenschaft bei, erweitern Sie Ihr eigenes Wissen und ganz wichtig: Haben Sie Spaß bei der Beobachtung der Eichhörnchen!
Kontakt: Eichhorn@nabu.de
