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Luftverkehr: Drei Tarifrunden und erste Streiks

Luftverkehr: Drei Tarifrunden und erste Streiks

Source: Verdi – Vereinten DienstleistungsgewerkschaftFür die Lufthansa sieht es gut aus: Sie fliegt nach der überwundenen Corona-Flaute wieder ganz auf Gewinnkurs. Die Beschäftigten am Boden merken allerdings nichts von den Rekordgewinnen. Im Gegenteil: Die Belegschaft ist seit Corona ausgedünnt – krasser Personalmangel, hohe Arbeitsbelastung und Überstunden ohne Ende stehen auf der Tagesordnung von Techniker*innen, Check-in-Beschäftigten und weiterem Bodenpersonal. „Wir haben während der Corona-Krise unter widrigsten Umständen dafür gesorgt, dass die Lufthansa betriebsbereite Flugzeuge hat. Dabei haben wir schmerzhafte Einschnitte mitgetragen. Jetzt leiden wir unter einem großen Personalmangel. Das heißt Überstunden und ständig ausgebrannt sein“, erzählt Christine Springl, Flugzeugmechanikerin vom Standort München.
Bereits die erste Verhandlungsrunde am 18. Januar endete für die Beschäftigten wie Christine Springel enttäuschend: Seitens der Lufthansa gab es nicht einmal ein Angebot. Darüber zeigte sich auch ver.di-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky enttäuscht: „Für die Beschäftigten, die jeden Tag alles geben, ist dieses Verhalten nicht nachvollziehbar. Aber auch für Passagiere ist es kein gutes Signal, denn sie leiden ebenfalls unter dem Personalmangel bei der Lufthansa. Es braucht deshalb schnelle Lösungen, um als Arbeitgeber wieder attraktiv zu werden.“ Die Tarifverhandlungen wurden am 23. Januar fortgesetzt. Marvin Reschinsky betonte: „Wir hätten im Sinne eines guten und schnellen Tarifabschlusses ein verhandlungsfähiges Angebot erwartet.” Er kündigte an. „Diese Situation werden wir nun mit den Beschäftigten in den Betrieben diskutieren und daraufhin Entscheidungen zu Streiks treffen.“ Das ist inzwischen geschehen, deshalb jetzt der Aufruf zum Streik.
ver.di fordert für die rund 25.000 Beschäftigten deutlich höhere Gehälter. Das Entgelt der Beschäftigten soll um 12,5 Prozent, mindestens aber um 500 Euro im Monat steigen, die Ausbildungsvergütungen um 250 Euro monatlich. Zusätzlich soll es eine Inflationsausgleichsprämie von 3.000 Euro, eine neue monatliche Schichtzulage von 3,6 Prozent des Grundgehalts sowie schnellere, jährliche Stufensteigerungen und eine Erhöhung des Zuschlags zum Urlaubsgeld um 12,5 Prozent geben. „Unsere Forderungen sind das Mindeste, wenn der Personalmangel und das Chaos im Luftverkehr beendet werden sollen“, so Marvin Reschinsky. „Die Lufthansa investiert trotz Rekordgewinnen zu wenig ins Personal. Auch deshalb erleben wir noch immer einen gestörten Luftverkehr.“
Die Beschäftigten sind bereit zu kämpfen
„Mit unserer aktuellen Vergütung wird es immer schwieriger das ganz normale Leben zu bestreiten. Einige wissen nicht, wie sie weiter Miete, Auto und Lebensmittel bezahlen sollen – und das, obwohl wir bei einem erfolgreichen Weltkonzern arbeiten“, berichtet Udo Stoye, Crew-Busfahrer am Standort Frankfurt. „Diese Ungerechtigkeit muss aufhören!“
„Ich liebe meinen Beruf. Doch in den letzten Jahren sind wir für den Konzern über unsere Grenzen gegangen: Personalmangel, Überstunden sind die Regel und ein System Luftverkehr, das nicht mehr funktioniert. Das war Lufthansa leider nicht mal die 3.000 Euro Inflationsprämie wert“, sagt Claudia Salvoch. Seit 22 Jahren arbeitet sie für die Lufthansa. „Deswegen haben wir uns jetzt gewerkschaftlich organisiert, um selbst Wertschätzung, Anerkennung und mehr Geld durchzusetzen.“ Udo Stoye sieht das genauso: „Wir sind bereit, uns zu organisieren, um diese Tarifrunde endlich als unsere Chance zu nutzen, das zu verändern.“
Die Zeichen stehen weiter auf Kampf: 3.624 Kolleg*innen haben bereits bei der Forderungsbefragung mitgemacht und ihre Forderung für die anstehende Tarifrunde eingebracht. Immer mehr Beschäftigte organisieren sich in ver.di.
Bei den Verhandlungen sollen neben den genannten Entgeltforderungen auch bestehende Unterschiede bei der Arbeitszeit zwischen Ost- und Westdeutschland abgeschafft werden. Bislang muss im Osten fürs gleiche Geld zweieinhalb Stunden länger gearbeitet werden. „Über 30 Jahre nach dem Fall der Mauer arbeiten die Kolleginnen und Kollegen in Ostdeutschland noch immer mehr für das gleiche Geld bei schlechteren Arbeitsbedingungen. Diese Tarifmauer muss endlich eingerissen werden“, so Marvin Raschinsky. Die Lufthansa soll zudem die Auszubildenden unbefristet übernehmen und den Beschäftigten die Wahl zwischen mehr Geld oder mehr Urlaub eröffnen.

MIL OSI