Source: Verdi – Vereinten DienstleistungsgewerkschaftAuch bei den Themen Arbeitszeit, Urlaub, Probezeit und Kündigungsfristen möchte das Management den Mitarbeiter*innen eine Menge zumuten: So soll die Jahresarbeitszeit komplett flexibel auf die Wochen umgelegt werden, so dass bei gutem Geschäftsbetrieb mehr, während einer Flaute weniger gearbeitet würde. Urlaub, Probezeit und Kündigungsfristen sollen nach den Arbeitgebervorstellungen unterschieden werden nach Voll- und Teilzeitbeschäftigten, Aushilfen, Auszubildenden und Werksstudierenden. Und nicht zuletzt sollen auch noch sachgrundlos befristete Arbeitsverträge per tariflicher Regelung verlängert werden können.
Bei allen diesen Zumutungen war die dritte Tarifrunde im März schnell beendet. „Die Bundestarifkommission bewertet die Pläne des Arbeitgebers als respektlos und unverschämt“, so Marcel Schäuble. Auch die vierte Verhandlungsrunde ging deshalb ergebnislos und erneut ohne ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeberseite zu Ende. „Wir haben den Arbeitgebern sehr deutlich gemacht, dass wir sie zu ernsthaften Verhandlungen mit uns auffordern. Konkret haben wir der Arbeitgeberseite eine klare Absage erteilt für einen Warenhaustarifvertrag mit dauerhaft abgesenkten Entgelten. Sie signalisieren, dass sie verstanden haben. Aber wir sagen auch: Wir lassen in unseren Forderungen nicht nach. Wir erwarten jetzt ein klares Entgegenkommen und ein verhandlungsfähiges Angebot in der nächsten Runde“, so Schäuble. Für die Fehlentwicklungen bei Galeria, die zu zwei Insolvenzen innerhalb von zweieinhalb Jahren geführt hätten, seien Fehler des Managements verantwortlich. Doch nun sollten die Beschäftigten einmal mehr für diese Fehlplanungen bezahlen.
Statt Transfergesellschaft Betriebsübergang
Bevor die GKK-Chefs diese höchst unerfreulichen Vorstellungen präsentierten, hatten sie auch noch ein paar wichtige Informationen über die weiteren Abläufe nach Zustimmung der Gläubigerversammlung zum Sanierungsplan gegeben. So soll allen von Kündigung betroffenen Galeria-Kolleg*innen die Möglichkeit angeboten werden, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, wo sie ein Jahr lang analog zu den Flächentarifverträgen bezahlt werden. Da für einige Filialen inzwischen eine Übernahme durch die Textilkette „Aachener“ feststeht, möchte ver.di für die dort Beschäftigten einen Betriebsübergang nach Paragraf 613 a des Bürgerlichen Gesetzbuches durchsetzen und außerdem eine Sozialplanpflicht für den übernehmenden Betrieb. Das GKK-Management sicherte zu, das in entsprechende Gespräche einzubringen. Außerdem könnten noch weitere Warenhausfilialen weiterbetrieben werden. Derzeit umfasst die Schließliste 47 Häuser. Welche konkreten Warenhäuser eventuell unter anderer Regie fortgeführt werden, wurde nicht gesagt. Eine Entscheidung soll aber bald folgen.
Mehr Druck durch Warnstreiks
Um mehr Druck in die festgefahrenen Tarifverhandlungen zu bringen rief ver.di seit Ostern Beschäftigte von GKK in verschiedenen Bundesländern zu regionalen Warnstreiks auf. Allein Ostersamstag folgten bundesweit rund 1.000 Beschäftigte dem Aufruf. Unter anderem wurde in den fünf GKK-Häusern in Hamburg die Arbeit niedergelegt, am Mittag trafen sich die Streikenden zu einer Kundgebung vor Galeria in Hamburg-Harburg. „Die Wut und Enttäuschung der Kolleg*innen sind sehr groß. Dass die Arbeitgeber jetzt erneut Lohnverzicht fordern, bringt die Menschen von Galeria auf die Straße“, sagte die stellvertretende Leiterin des ver.di-Landesbezirks Hamburg, Heike Lattekamp.
Das Management hatte bei den letzten Tarifgesprächen eine Rückkehr zum Flächentarifvertrag kategorisch ausgeschlossen und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten gefordert. Die Antwort auf diese „unverschämten Pläne“, so Lattekamp, seien Warnstreiks.
Am Mittwoch nach Ostern ruhte die Arbeit wegen der Warnstreiks in Filialen in Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. „Es geht um die Zukunft der Menschen bei Galeria“, sagte das für den Handel seinerzeit noch zuständige ver.di-Vorstandsmitglied Steffi Nutzenberger, „und Zukunft heißt, dass sie sichere Arbeitsplätze zu guten tariflich abgesicherten Bedingungen haben.”
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Galeria: Unsicherheiten durch Signa-Holding-Insolvenz
