Source: Verdi – Vereinten DienstleistungsgewerkschaftIm Vergleich zum Vorjahr sind diese um erschreckende 85 Prozent gestiegen – auf 100 Mitglieder der KKH entfallen nun 303 Ausfalltage. Die Arbeitsunfähigkeitsquote aufgrund von psychischen Erkrankungen hat sich um etwa 32 Prozent erhöht. Dies könnte auf vermehrt auftretende, schwerwiegende Fälle hinweisen, die die Arbeitnehmer längerfristig beeinträchtigen.
Besonders alarmierend ist, dass dieser Trend bereits das Gesamtniveau der Fehlzeiten des gesamten Vorjahres erreicht hat. Die längsten Ausfallzeiten wurden hauptsächlich von wiederkehrenden Depressionen und depressiven Episoden verursacht. Mediziner diagnostizierten am häufigsten akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen – sie machen derzeit 41 Prozent aller psychisch bedingten Krankschreibungen aus.
Eine forsa-Umfrage im Auftrag der KKH bestätigt, dass der Stresspegel bei Erwerbstätigen bedenklich hoch ist: 90 Prozent fühlen sich gestresst, wovon die Hälfte sogar von häufigem oder sehr häufigem Stress berichtet. Erschreckend ist auch, dass fast 60 Prozent der Befragten angeben, dass der Stress in den letzten ein bis zwei Jahren zugenommen hat. Neben beruflichen und politischen Belastungen tragen vor allem die eigenen hohen Ansprüche zum Stress bei.
Beschäftigte müssen permanent abwägen
Die aktuelle Erhebung sowie eine Sonderauswertung des DGB bestätigen, dass sich vor allem Beschäftigte in den Pflegeberufen bei der Arbeit gehetzt fühlen. Wesentliche Ursache für den starken Zeitdruck und die Arbeitsverdichtung sei die viel zu knappe Personaldecke, monieren ver.di-Expert*innen. Täglich müssten Beschäftigte in der Alten- und Krankenpflege entscheiden, wo Abstriche bei der Versorgungsqualität von Patientinnen und Patienten sowie Pflegebedürftigen gemacht werden müssen, um das Arbeitspensum zu bewältigen, so die Expert*innen weiter. Neben enormen körperlichen Belastungen finden sich die Pflegekräfte so auch im Widerspruch zwischen fachlichen Ansprüchen an die eigene Arbeit und der alltäglichen Wirklichkeit, die professionelle Ansprüche an eine gute Pflege unterläuft.
Nicht wesentlich anders stelle sich die Situation in vielen Erziehungs- und Sozialberufen dar. Auch in den Kitas fehle es beispielsweise an bundesweit einheitlichen und bedarfsgerechten Personalschlüsseln. Hinzu komme, dass aufgrund des erheblichen Fachkräftemangels auch die vorhandenen Stellen oft nicht besetzt werden könnten.
All das erhöht die Belastung für die Beschäftigten enorm. Burn-Out und andere psychische Erkrankungen oder aber die Flucht aus dem Beruf können die Folge sein. Laut ver.di führe an bedarfsgerechten Personalvorgaben im Gesundheitswesen wie in den Kitas deshalb kein Weg vorbei, wenn psychische Belastungen verringert werden sollen.
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Psychische Belastungen verursachen massive Fehlzeiten
