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Saubere Autos – dreckige Verträge

Saubere Autos – dreckige Verträge

Source: Verdi – Vereinten DienstleistungsgewerkschaftDie IMO Car Wash Group – nach eigenen Angaben der größte Waschstraßenbetreiber der Welt – arbeitet mit angeblich selbstständigen Gewerbetreibenden zusammen, die als Handelsvertreter beziehungsweise „Partner“ im Namen von IMO agieren sollen. Ob diese „Partner“ tatsächlich selbstständig handeln können, ist allerdings mehr als fraglich. Waschstraßenbetreiber Peter Krause, seit 1985 „Partner“ in Karlsruhe und seit Februar diesen Jahres ver.di-Mitglied als Solo-Selbstständiger, betreibt seine IMO-Waschstraße schon seit 38 Jahren. Über die Jahre gab es immer mehr Vorgaben von den IMO-Managern und immer weniger Handlungsspielraum für die Betreiber. Mittlerweile sei alles vorgegeben: „Man kann nichts mehr selbst entscheiden, eigentlich sind wir Angestellte.“
Technik, Öffnungszeiten und Waschpreise waren von Anfang an standardisiert, da war und ist keine Abweichung möglich. Auch die Chemikalien müssen die Betreiber ausschließlich bei IMO kaufen. Von den Waschpreisen der jeweiligen Anlage geht der Großteil an den Konzern, eine geringe Provision zwischen 50 Cent bis 2,50 Euro pro Wäsche bleibt bei den vermeintlichen „Partnern“. Aber wenigstens war es denen bisher erlaubt, Eigenleistungen wie Staubsaugen, Felgenreinigung und Autokosmetik anzubieten – zu selbstgestalteten Preisen. Dieses Zusatzgeschäft war das eigentliche Geschäft, an dem sie verdienen konnten, da der Umsatz dafür zu 100 Prozent in ihrer Tasche verblieb. Ansonsten mussten die Betreiber ihre Existenz als Selbstständige bisher mit den „verschwindend geringen Provisionen“ bestreiten und davon ihr Personal in den Waschstraßen bezahlen. „Das war schon immer extrem schwierig“, sagt Peter Krause, der seine Waschstraße mit sechs geringfügig Beschäftigten betreibt.
Als die IMO Autopflege GmbH ihm und den anderen Betreibern im Jahr 2014 das Staubsaugergeschäft wegnahm, war das bereits ein großer Einschnitt. Da Autokosmetik schon seinerzeit keine große Einnahmequelle mehr war, blieb nur noch die Felgenreinigung, mit der es den „Partnern“ bis jetzt möglich gewesen ist, etwas Geld zu verdienen. Einer der Vertragspartner klagte damals wegen Unselbstständigkeit und das Arbeitsgericht Karlsruhe stellte 2016 in erster Instanz fest, dass die Waschstraßenbetreiber keine Partner, sondern Angestellte sind. Einen Tag bevor der Prozess in die zweite Instanz ging, wurde der Kläger von IMO mit einer Abfindung ruhiggestellt, erzählt Peter Krause, der schon 2010 mit fünf anderen Betreibern eine Interessengemeinschaft gegründet hat, um sich gegen IMO gemeinsam zur Wehr setzen zu können.
Daumenschrauben angelegt
Und nun soll auch noch das Felgengeschäft wegfallen. Mit dem Umbau der Waschstraßen, den IMO momentan überall in Deutschland vorantreibt und mit dem „das Unternehmen neue Maßstäbe bei der Autowäsche setzen“ will  – wie es auf IMO Webseite heißt –, erhalten die „Partner“ neue Verträge, die das Felgengeschäft verbieten. Denn das soll nach dem Umbau im Waschpreis inklusive sein – also im Preis, der zum Großteil an den Konzern geht. „Das bedeutet einen Verlust von etwa 100.000 Euro“, sagt Peter Krause. „So können wir unser Personal nicht mehr bezahlen.“ Die Provision – in den neuen Verträgen „unwesentlich“ angehoben, beispielsweise die Basiswäsche von 53 auf 56 Cent – reiche nicht, um das Personal zu bezahlen. Und auch nicht, um sich selbst zu bezahlen. „270 Stunden Öffnungszeiten für 800 Euro“, rechnet der 64-Jährige vor. Das bedeute das finanzielle Ende einiger Waschstraßen, Familien und Arbeitsplätze. Und einen neuen Maßstab an Ausbeutung von Selbstständigen.
In den neuen Verträgen sollen die IMO-Waschstraßenbetreiber wie Peter Krause auch für alle Risiken verantwortlich sein. „Die nehmen sich aus jeglicher Verantwortung raus“, sagt Krause. „IMO legt uns die Daumenschrauben an.“ Wer nicht unterschreibt, bekomme eine Kündigung. Peter Krause will das nicht hinnehmen, deshalb wendete er sich Anfang 2023 Hilfe suchend an ver.di. Er landet bei Thorsten Dossow, der empört ist über die Vorgehensweise von IMO. Damit ver.di wirklich helfen kann, müssen die Waschstraßenbetreiber aber ver.di-Mitglieder sein. Peter Krause trommelt andere IMO-„Partner“ aus ganz Deutschland zusammen und gemeinsam treten sie in ver.di ein. Die mittlerweile 78 Mitglieder werden als Solo-Selbstständige von ver.di unterstützt. ver.di verurteilt die einseitige Vertragsgestaltung und die Kündigungen der Partner, die sich weigerten, die neuen Vertrag zu unterschreiben. Deshalb heißt es jetzt, öffentlich auf die Zustände aufmerksam zu machen.

MIL OSI