Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland11. Mai 2020 – Rückkehr der Kaiseradler
Wer erinnert sich noch? Letztes Jahr begleiteten wir das Kaiseradlerpaar Uljana und Simbirom bei der Aufzucht ihres Kükens, Wolguscha. Der junge Adler war leider, wie wir jüngst erfahren haben, kurz nach seinem Abflug Richtung Süden tödlich an einer Stromleitung verunglückt. Aber jetzt die gute Nachricht: Uljana und Simbirom sind zurück im Horst und brüten schon wieder fleißig. Die besenderten Kaiseradler sind bereits im April angekommen, nachdem sie zuvor tausende Kilometer aus ihrem Überwinterungsgebiet nach Russland zurückgelegt hatten. Zusammen mit unseren russischen Kolleg*innen vom NABU-Kavkaz und der Universität Uljanowsk beobachten wir das Brutverhalten nun ganz genau. Wir freuen uns über die Ankunft der beiden seltenen Adler in ihrer Heimat und halten alle Kaiseradler-Fans in den nächsten Wochen und Monaten hier auf dem Laufenden!
20. Mai 2020 – Stürmisch bis heiter
Mal ist es sonnig, dann wieder bedeckt und schließlich so windig, dass es uns beinahe schon beim Zuschauen das Haupthaar durch wirbelt. Aber die werdenden Kaiseradlereltern Uljana und Simbirom sind ja nicht aus Zucker und tragen das wechselhafte Wetter mit größter Gelassenheit. Aktuell wechseln sich die beiden Kaiseradler im Abstand von einigen Stunden beim Brüten ab. Als Kaiseradlermännchen Simbirom – erkennbar am dunkleren Gefieder und seiner etwas kleineren Größe – vor ein paar Tagen das Brüten wieder Uljana überlässt, legt er einen spektakulären Start bei Starkwind hin. Solche spannenden Flugmanöver kann man derzeit immer wieder beobachten.
25. Mai 2020 – Erstes Kaiseradlerküken geschlüpft!
Da bewegt sich doch was. In den letzten Tagen haben wir noch gerätselt, wann sich unsere Kaiseradlerküken wohl aus ihren Eiern schälen. Es ging schneller als wir dachten. Beim morgendlichen Blick in die Webcam konnten wir heute, da wo gestern noch das erste Ei lag, einen kleinen, weißen Ball aus Federn entdecken. Wer jetzt aufmerksam zuschaut, dürfte sehr bald beobachten können wie das zweite Küken schlüpft!
27. Mai 2020 – Zweites Kaiseradlerküken geschlüpft!
Früh aufstehen lohnt sich – besonders für Vogelfreunde: Unsere russischen Kolleg*innen saßen heute schon besonders früh an ihrem Rechner und konnten live miterleben, wie sich das zweite Küken unseres Kaiseradlerpaars aus seinem Ei pellte. Das Video können Facebook-Nutzer*innen unter den Kaiseradler-Fans hier sehen. Vielen Dank für den Mitschnitt an den Russischen Vogelschutzbund (RBCU) und NABU-Kavkaz! Wann kann man schon mal einen so seltenen Greifvogel beim Schlüpfen beobachten? Wir sind auf jeden Fall ganz beseelt und drücken den beiden Küken nun die Daumen für die nächsten Tage und Wochen.
2. Juni 2020 – Namen gesucht: Vorschläge bis 7. Juni
Jenka, Saschka, Carino? Oder doch ganz anders? Die ersten Ideen, wie die beiden vor wenigen Tagen geschlüpften Kaiseradlerküken heißen sollen, sind schon bei uns eingetrudelt. Aber noch ist alles offen. Bis zum 7. Juni freuen wir uns über Namensvorschläge.
Weil wir das Geschlecht der beiden Kaiseradlerküken nicht gleich bestimmen können, sollten die Vorschläge möglichst geschlechtsneutral sein oder eine männliche und eine weibliche Variante haben. Außerdem sollten sie auf Russisch und Deutsch funktionieren. Nicht so gut geeignet wären also zum Beispiel Namen wie „Pünktchen“ oder „Horst“. Besser ginge dafür „Alex“ oder „Fedor/Fedora“.
Wie kann ich meine Vorschläge einreichen?E-Mail: Nutzen Sie den Betreff Kaiseradlerküken: Namen gesucht und schicken Sie Ihre beiden Namensvorschläge an unseren Mitarbeiter im Kaukasus-Programm Marco.Philippi@NABU.de
Mit etwas Glück fällt die Wahl genau auf Ihren Vorschlag. Wir sind gespannt auf die Vorschläge!
5. Juni 2020 – Regungslos im Nest
Es ist leider nicht auszuschließen, dass nur eines der beiden Küken durchkommt. Insbesondere wenn Nahrungsmangel besteht kommt es vor, dass sich das stärkere Küken durchsetzt. Andererseits schaffen es aber auch regelmäßig beide Geschwister. Noch hoffen wir das Beste! Aber eines der beiden noch namenlosen Kaiseradlerküken liegt seit heute Morgen regungslos im Nest. Ob es noch am Leben ist, können wir aktuell nicht mit Sicherheit sagen. Auch das zweite Küken kämpft mit den Bedingungen, während ihm Uljana Schatten spendet. Die ersten Tage im Leben eines Kükens sind besonders kritisch, weil sie ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren können und darauf angewiesen sind, dass die Eltern genug Futter finden.
9. Juni 2020 – Traurige Nachricht
Eines unserer beiden frischgeschlüpften Kaiseradler-Küken hat es leider nicht geschafft und ist gestorben. Die ersten Tage im Leben der Küken sind besonders kritisch, weil sie noch sehr schwach sind und darauf angewiesen, dass die Eltern genug Futter finden. Wenn nicht ausreichend Nahrung verfügbarist, kommt es leider vor, dass nur das stärkere Küken durchkommt. Das liegt häufig daran, dass sich die Lebensräume durch die menschliche Nutzung verändern.
Auch wenn es schwer anzusehen ist, verdeutlicht das Schicksal unserer Webcamfamilie die Notwendigkeit der Arbeit, die wir gemeinsam mit dem Russischen Vogelschutzbund und NABU Kavkaz leisten, um die Kaiseradlerpopulation in Uljanovsk zu schützen. Durch die Ausweisung von Schutzgebieten und die Sicherung von Strommasten haben sich die Überlebenschancen der Adler schon deutlich erhöht, was zu einer stabilen Population an der mittleren Wolga geführt hat.
P.S.: Dem zweiten Küken geht es zum Glück gut und es macht einen vitalen Eindruck.
11. Juni 2020 – Das Küken heißt Jaruscha!
Vielen Dank an alle Adlerfans, die sich an der Namenssuche beteiligt haben. Wir durften mit unseren russischen Partnern über insgesamt 261 Vorschläge beraten. Das ist uns natürlich nicht leicht gefallen. Der Name Jaruscha hat seinen Ursprung in der slawischen Mythologie und ist eine Abwandlung des Namens Jarilo – so heißt der Gott der Sonne, des Frühlings und der Fruchtbarkeit. Weil Kaiseradler auf Russisch Sonnenadler heißen und die Symbolik gut zu den Herausforderungen im Projekt passt, haben wir uns für diesen Namen entschieden.
24. Juni 2020 – Was fressen eigentlich Kaiseradler?
Das Kaiseradlerküken Jaruscha hat sich wunderbar entwickelt und das liegt natürlich in erster Linie an der guten und regelmäßigen Nahrungsaufnahme. Immer wieder kann man bei einer Live-Fütterung im Adlerhorst zusehen. bei Das Hauptbeutetier unserer Webcam-Adler und ihrer Artgenossen in Uljanowsk an der Wolga ist das Ziesel. Diese Nager, die in Steppen und anderen Graslandschaften vorkommen, sind den in den Alpen heimischen Murmeltieren ähnlich. Weil die natürlichen Steppen in der Uljanowsk-Region immer häufiger landwirtschaftlich genutzt werden, gehen die Bestände der Ziesel in den letzten Jahren zurück. Für die Kaiseradler wird es dadurch immer schwerer Nahrung zu finden und ihre Jungen durchzubringen. Sie müssen deshalb öfter auf andere Beutetiere ausweichen – zum Beispiel kleinere Vögel oder seltener auch Nutztiere wie Hühner. Deswegen ist es ein wichtiger Teil unserer Arbeit vor Ort, Kaiseradler-Lebensräume zu identifizieren und dort neue Schutzgebiete auszuweisen, in denen sich die Greifvögel und ihre Beutetiere ungestört vermehren können.
1. Juli 2020 – Rasantes Wachstum im Kaiseradler-Nest
Wir können kaum so schnell schauen, wie Jaruscha wächst. Aus dem Küken ist mittlerweile schon ein stattlicher Jungvogel geworden. Die Nestlingszeit bei Östlichen Kaiseradlern dauert etwas mehr als zwei Monate. Ende Juli wird Jaruscha voraussichtlich seine ersten Flugversuche starten und endlich auf eigenen Schwingen schweben. Also nutzen Sie die letzten Wochen, um unserem jungen Adler beim Wachsen zuzusehen!
10. Juli 2020 – Und wohin hat es Jaruschas Artgenossen verschlagen?
Unser Webcam-Küken Jaruscha und seine Eltern gehören zu den Östlichen Kaiseradlern: So viel dürften alle Webcam-Fans in den letzten Wochen wohl schon mitbekommen haben. Aber wo leben eigentlich Kaiseradler, wenn sie nicht gerade – wie die Eltern Uljana und Simbirom – ihr Nest an der Wolga gebaut haben? Kaiseradler sind in offenen Lebensräumen mit einzelnen Bäumen zu Hause, zum Beispiel in natürlichen Steppen oder Agrarlandschaften. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Osteuropa bis an die Pazifikküste Ostasiens. Die Vögel ziehen im Herbst weite Strecken Richtung Süden und überwintern zum Beispiel auf der Arabischen Halbinsel oder in Ostafrika. Die Uljanowsk-Region an der Wolga ist ein typischer Kaiseradler-Lebensraum: Weite Graslandschaften und Felder bieten den Greifvögeln ein ideales Jagdrevier. Hier leben, neben unserer Webcam-Familie, noch etwa 450 weitere Tiere, womit die Gegend zu den wichtigsten Brutgebieten für die Art zählt. Um diesen wertvollen Lebensraum für die Adler zu erhalten, arbeiten wir seit 2010 gemeinsam mit unseren lokalen Partnern NABU Kavkaz und RBCU an der Erforschung und dem Schutz der Kaiseradlerpopulation.
16. Juli 2020 – Flug-Training
Es sieht schon ganz gekonnt aus, wie der junge Kaiseradler am Rande des Nests steht und mehrere Male mit seinen Flügel schlägt. So, als würde Jaruscha bald abheben und die Gegend rund um den Adlerhorst erkunden. Und lange wird es tatsächlich nicht mehr dauern. Bald erhebt sich unser Jungadler in die Lüfte. Also nutzen wir noch einmal die Gelegenheit und schauen Jaruscha in dieser spannenden Flug-Trainingsphase zu.
24. Juli 2020 – Jaruscha trägt Rucksack
Schon bemerkt? Seit einigen Tagen trägt unser Webcam-Kaiseradler Jaruscha eine kleine schwarze Platte auf dem Rücken. Es handelt sich um einen GPS-Sender mit Solarmodul, der uns erlaubt das Verhalten des jungen Adlers zu erforschen, sobald er das Nest verlassen hat. Denn umso mehr wir über die Kaiseradler wissen, desto effektiver können wir sie schützen. Übrigens: Der Sender mitsamt Photovoltaik-Modul wiegt nur wenige Gramm und stört Jaruscha überhaupt nicht beim Fliegen. Gemeinsam mit unseren lokalen Partnern NABU Kavkaz und RBCU arbeiten wir seit 2010 an der Erforschung und dem Schutz der Kaiseradlerpopulation in Uljanowsk.
10. August 2020 – Ausgeflogen
Ach, wie schnell sie groß werden! In den letzten Monaten durften wir miterleben wie sich Jaruscha von einer kleinen weißen Federkugel zu einem stattlichen Kaiseradler entwickelt hat. Am Wochenende war es dann so weit und Jaruscha hat sich endlich in die Lüfte erhoben. Die Chancen stehen aber gut, dass wir unseren Lieblings-Adler nochmal zu Gesicht bekommen. In den nächsten Wochen wird Jaruscha das elterliche Brutrevier erkunden und lernen selber zu jagen. Dabei wird er immer mal wieder ins Nest zurück kehren. Erst im Herbst geht es dann auf Richtung Süden.
18. August 2020 – Flugschule
Jaruscha ist erwachsen geworden und hat das Nest verlassen. Zur Zeit hält sich unser Jungadler, wie die Kolleg*innen vor Ort berichten, meistens am wenige hundert Meter entfernten Waldrand auf. Seine Tage verbringt Jaruscha mit den ersten Jagdversuchen und Flugübungen. Und zum Üben hat er gute Gründe: Bereits im Herbst wird Jaruscha mehrere tausend Kilometer zurücklegen, um in Ostafrika oder auf der Arabischen Halbinsel zu überwintern. Wir hoffen, dass wir Jaruscha vorher nochmal im Nest zu Gesicht bekommen!
1. September 2020 – Zu Besuch bei Jaruscha
Drei Wochen ist es her, dass Jaruscha das Nest verlassen hat und seit dem ist er, anders als sein Bruder Wolguscha im letzten Jahr, nicht mehr ins Blickfeld unserer Webcam zurück gekehrt. Irgendwie verständlich – schließlich gibt es da draußen eine ganze Welt zu entdecken. Unsere russischen Kolleg*innen haben Jaruscha erneut besucht und festgestellt: es geht ihm gut! Er fliegt, jagt und frisst und scheint eine neue Lieblingsstelle unweit seines Geburts-Baums gefunden zu haben. Wir wünschen dir alles Gute, Jaruscha!
17. Dezember 2020 – UrlaubsgrüßeSicher haben Sie es längst bemerkt: Die Webcam zeigte bis zuletzt nur noch das leere Nest, in dem der Kaiseradler Jaruscha 2020 aufgewachsen ist. Die Kamera wurde nun deaktiviert. Kein Wunder, mittlerweile befindet sich der junge Adler Jaruscha auf großer Reise. Über 3.600 Kilometer hat er bereits hinter sich gebracht. Seit längerem hält sich Jaruscha nun an der Südküste des kaspischen Meeres auf und genießt die angenehm milden Temperaturen. Möglicherweise wird er dort seinen ersten Winter verbringen. Sollte es kälter werden, könnte die Reise aber auch noch weiter gehen.
11. Januar 2021 – Reise voller Gefahren
Jaruscha hält sich nach wie vor im Iran auf, an der Südküste des Kaspischen Meeres. Aufmerksamen Beobachter*innen ist es vielleicht schon aufgefallen: Die einzelnen Bewegungen im Winterrevier werden nicht detailliert auf der Karte dargestellt. Stattdessen umfasst eine Raute weiträumig das Gebiet, in dem sich Jaruscha häufig aufhält. Woran das liegt? Das Leben am Kaspischen Meer ist nicht ungefährlich für junge Kaiseradler! Einer Studie unserer Partnerorganisation BirdLife zufolge, werden im Iran jährlich bis zu einer Million Vögel für den Verzehr oder als Trophäe illegal getötet. Greifvögel wie Jaruscha werden im Mittleren Osten auch lebend gefangen und gegen hohe Summen als Haustiere verkauft. Die Küste des Kaspischen Meeres ist eine Schwerpunktregion der Vogelwilderei. Deshalb halten wir Jaruschas genauen Aufenthaltsort geheim, damit diese Information nicht in falsche Hände gerät.24. März 2021 – Jaruschas Flug zurück nach Russland
Schon Ende Februar hat Jaruscha sein Winterquartier an der Südküste des Kaspischen Meeres im Iran verlassen. Bei schönstem Sonnenschein machte er sich auf in Richtung Turkmenistan, das er nun bereits weit hinter sich gelassen hat. Kein Wunder, seine Flugkünste hat Jaruscha uns ja im vergangenen Jahr eindrücklich unter Beweis gestellt. Mittlerweile ist der junge Kaiseradler wieder in der Uljanowsk-Region angekommen, wie man auf der Flugrouten-Karte erkennen kann.
Post
Kaiseradler-Webcam
