Post

Erste Farbtupfer im Wald

Erste Farbtupfer im Wald

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandFrühblüher nutzen die Zeit vor der Belaubung der Bäume

Liegt da etwa noch Schnee? Im Gegenteil: Es sind die ausgedehnten Blütenteppiche der Buschwindröschen, die uns Winter vorgaukeln. Der Frühling kommt mit Macht. Unter den noch unbelaubten Bäumen und Sträuchern regt sich neues Leben und bringt wieder Farbe in die Natur.

Buschwindröschen – Foto: Helge May

Die Unterseite der Buschwindröschenblüten kann mehr oder minder rosa-violett gefärbt sein – Foto: Helge May

Nahe verwandt: Das Gelbe Windröschen – Foto: Helge May

Gelbstern und Purpur-Taubnessel – Foto: Helge May

Echtes Lungenkraut – Foto: Helge May

Frühlings-Platterbse – Foto: Helge May

Wir freuen uns über die dichten Bestände des gelbblühenden Scharbockskrauts, die weißen und purpurnen Blüten des Hohlen Lerchensporns, das blaue Leberblümchen, die violetten Waldveilchen, das grüne Moschuskraut und die Farbtupfer weiterer Frühblüher.
Licht ist Leben
Die Vegetationsperiode dieser zarten Frühlingsboten währt allerdings nicht lange. Schon im Februar treiben manche von ihnen aus, etwa das Schneeglöckchen oder der Märzenbecher, aber bereits im Mai sind bei einigen Arten die oberirdischen Teile verblüht und verwelkt. Dann schmücken sich nämlich Bäume und Sträucher mit neuem Grün, und das allmählich dichter werdende Blätterdach lässt nur noch wenig Sonnenstrahlen bis zum Waldboden vordringen.

Scharbockskraut – Foto: Helge May

Den lichtliebenden Frühblühern steht nun nicht mehr ausreichend Sonnenenergie für die Photosynthese zur Verfügung. Der Aufbau lebenswichtiger organischer Stoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette wird verlangsamt und schließlich ganz eingestellt: Die Pflanzen verblühen. Indem Buschwindröschen und andere Frühblüher das schmale Zeitfenster vor der Belaubung für Wachstum und Entwicklung nutzen, vermeiden sie, beim Kampf ums Licht den Bäumen und Sträuchern zu unterliegen. Der Anteil des Sonnenlichts, das bis zur Krautschicht gelangt, ist vor der Laubentfaltung ziemlich groß. Er beträgt rund 50 Prozent der Gesamteinstrahlung.
Altes Laub als Wärmespeicher
Wegen ihrer dunkleren Farbtönung absorbiert die auf dem Waldboden angesammelte Laubstreu die Sonnenwärme recht gut, so dass ihre Temperatur je nach Witterungsbedingungen auf 30 bis 40 Grad Celsius ansteigt. Das beschleunigt die Stoffwechselvorgänge, was ebenfalls den früh einsetzenden Wachstumsschub und das schnelle Erblühen und Fruchten der krautigen Frühlingsblumen begünstigt.

Frühblühende Bäume und StrÄucher

Manche Frühblüher wie Kriechender Günsel, Waldmeister, Wald-Bingelkraut und Lungenkraut behalten ihre Blätter auch später im Schatten des belaubten Waldes bei. Dann beträgt der Anteil des bis zur Krautschicht dringenden Sonnenlichts nur noch rund zwei Prozent der Gesamteinstrahlung. Diese Pflanzen stellen ihren Stoffwechsel entsprechend um und können auch in der lichtarmen Zeit ausreichend Photosynthese betreiben.

Hohler Lerchensporn – Foto: Helge May

Optimal angepasst an die besonderen Bedingungen im zeitigen Frühjahr sind die so genannten Geophyten unter den Frühblühern, zu Deutsch „Erdpflanzen“. Sie besitzen unterirdische Speicher- und Erneuerungsorgane, in denen sie im Laufe der letzten Vegetationsperiode Nährstoffe angesammelt haben. So können diese Pflanzen Jahreszeiten mit ungünstigen Klimabedingungen im Boden überdauern, ohne dass Lichtmangel, Trockenheit oder extreme Temperaturen sie das Leben kosten.Die in Wurzelstöcken, Knollen oder Zwiebeln gespeicherten Vorratsstoffe, vor allem das Kohlenhydrat Stärke, geben diesen Frühblühern die Kraft, im Frühling rasch aus dem Boden zu sprießen und genügend Blätter für die Photosynthese zu bilden. Mit einsetzender Belaubung und damit verbundener Beschattung des Waldbodens geben die Geophyten ihre oberirdischen Teile auf und existieren im Boden weiter. Nicht aber ohne ihre Speicherorgane zuvor erneut mit Vorräten für die kommende Saison gefüllt zu haben. Frühblüher mit Speicherorganen sind beispielsweise Leberblümchen und Buschwindröschen mit ihren Wurzelstöcken, Hohler Lerchensporn und Scharbockskraut mit Knollen sowie Schneeglöckchen und Bärlauch mit ihren Zwiebeln.
Vitamine aus dem Wald
Solange sich die Vegetation noch nicht voll entfaltet hat, sind die Frühblüher wichtige Nahrungsquelle für viele Insekten. Aber auch der Mensch kann einige frühblühende Kräuter nutzen. Sie können seinen Speisezettel bereichern oder als Heilpflanzen eine wohltuende Wirkung entfalten. So sind die Vitamin-C-reichen Blätter des Scharbockskrauts als Salat genossen eine gesunde Frühjahrskost. Nach der Blüte allerdings ist vom Verzehr dringend abzuraten, da sie dann das giftige Protoanemonin enthalten, das unter anderem Übelkeit und Durchfall verursachen kann. Früher verabreichte man die Blätter als Heilmittel gegen die Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut, ehemals Scharbock genannt. Daher rührt auch der Name.

Bärlauch – Foto: Helge May

Die aromatisch nach Knoblauch riechenden und schmeckenden Blätter des Bärlauchs finden in der Küche vielseitige Verwendung. Kleingehackt passen sie ausgezeichnet zu Salaten, Suppen, Saucen und Gemüse, aber nur, wenn sie vor der Blütezeit geerntet sind. Beim Pflücken ist allerdings darauf zu achten, dass die ähnlich geformten Blätter von Maiglöckchen und Herbstzeitlose nicht dazwischen geraten, denn sie sind sehr giftig. Sie lassen sich daran erkennen, dass ihnen der markante Knoblauchgeruch fehlt.Um die Bestände des nur örtlich massenhaft vorkommenden Bärlauchs zu schonen, sollte man von jeder Pflanze nur ein bis zwei Blätter abpflücken. Der entzündungshemmend und entschlackend wirkende Bärlauch bringt den Stoffwechsel nach der dunklen Jahreszeit wieder in Schwung. Der Ursprung seines Namens ist nicht bekannt. Vielleicht heißt dieser Frühblüher ja so, weil uns der gesunde Genuss seiner frischen Blätter geradezu „Bärenkräfte“ verleiht.Thomas Schmidt

Wildpflanzenküche

Pflanzenporträts

Wildpflanzen im Garten

MIL OSI