Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandAmphibienwanderung pausiert erst einmal
In einigen Teilen Deutschlands haben sich Kröten, Frösche und Molche auf den Weg in ihre Laichgewässer gemacht. Freiwillige Helfer*innen sammelten bereits Erdkröten und Molche ein. Doch der erneute Kälteeinbruch stoppte die Tiere. In Süddeutschland kann es demnächst wieder losgehen.
Für Erdkröten und Co. ist es aktuell zu kalt, um weiterzuwandern. – Foto: Bernd Schönebaum
6. März – Der März hat kalt und frostig begonnen – und die Amphibienwanderung pausiert erst einmal. „Seit dem 23. Februar gibt es keine Wanderung mehr, da es nachts zu kalt ist“, berichtet beispielsweise Thomas Gambke von der NABU-Gruppe Östlicher Kraichgau in Baden-Württemberg.
Doch was bedeuten die frostigen Temperaturen eigentlich für die Kröten und Molche, die sich bereits im Februar auf den Weg in ihre Laichgewässer gemacht haben? „Schlägt das Wetter um und es wird kalt und trocken, so suchen sich die Tiere feuchte und frostsichere Orte, verfallen zurück in die Kältestarre und verbleiben dort, bis sich die Bedingungen fürs Weiterwandern wieder einstellen“, erläutert Sebastian Kolberg, NABU-Referent für Artenschutz. „Sollten die Tiere bereits im Laichgewässer angekommen sein, so senken sie den Stoffwechsel und verbleiben unter Wasser.“
Im Norden weiterhin kühl, im Süden wird es milder
Ein Lichtblick für die Amphibien in Süddeutschland: Ab Mitte der Woche stellen sich für sie zunehmend wieder bessere Wanderbedingungen ein. Laut Deutschem Wetterdienst wird es quer über Deutschland eine „scharfe Luftmassengrenze“ geben. Die genaue Lage der Luftmassengrenze ist allerdings noch unklar. Doch eine Tendenz zeichnet sich ab: Im Süden wird es voraussichtlich sehr mild, während es im Norden noch winterlich bleibt. Im Östlichen Kraisgau könnte daher schon zum Ende der Woche das Wandergeschehen den Höhepunkt erleben.
Im Süden Deutschlands wird außerdem teilweise kräftiger Regen erwartet und es kann stürmisch werden, was den Einsatz am Krötenzaun gefährlich machen kann.
Können Sie auch von Wandergeschehnissen in Ihrer Region berichten? Dann schreiben Sie uns doch gerne und schicken Sie uns Fotos zu: ressort-artenschutz@NABU.de.
Der Winter kehrt zurück – und stoppt die Krötenwanderung
Pause für Kröten, Frösche und Molche
Erdkröte und Bergmolch – Foto: Elisabeth und Wolfgang Postler
24. Februar 2023 – Nach dem Wanderstart vielerorts in der vergangenen Woche geht bei den Amphibien bis mindestens einschließlich kommendem Wochenende (4. und 5. März) voraussichtlich nichts mehr. Am Oberrhein hält sich heute noch etwas Restwärme, danach sinken auch dort die Nachttemperaturen an den Gefrierpunkt und noch darunter. Der hormonelle Druck ist jetzt noch nicht so hoch, dass die Tiere bei ungünstigen Bedingungen auf die Tagesstunden ausweichen würden.
Laut Deutschem Wetterdienst geht es Anfang nächster Woche zu trockenkaltem Hochdruckwetter über, verbreitet herrscht Nachtfrost. Im Laufe der Woche dürfte es nur zögernd milder werden. Zum Ende der kommenden Woche schwächt sich der Frost zwar nachts ab, aber gänzlich frostfrei wird es wohl nicht.
„Der angekündigte Kälteeinbruch am Wochenende wird die Wanderung zwar erst einmal stoppen. Aber sobald es nachts mehr als fünf Grad Celsius warm wird, kommen die Tiere aus den Winterquartieren und begeben sich zu ihren Laichgewässern, um sich zu paaren“, sagt Sascha Schleich, stellvertretender Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Feldherpetologie und Ichthyofaunistik.
Erdkröten-Paar, entdeckt im Februar in Niedersachsen – Foto: Petra Hörmann
Da in den vergangenen Tagen in einigen Teilen Deutschlands nachts bereits Temperaturen über fünf Grad herrschten, haben sich schon einige Amphibien auf den Weg gemacht. Uns erreichten daher zahlreiche Schilderungen per E-Mail. So beispielsweise von Petra Hörmann aus Varel in Niedersachsen: „Unseren Zaun habe ich am 13. Februar aufbauen lassen, nachdem bereits Tage zuvor vereinzelte Erdkröten bei ihrer Wanderung gesichtet wurden. Seitdem haben wir bereits über 500 Erdkröten, dabei schon etliche Paarbildungen (große, kräftige Tiere), sowie Teichmolche und die ersten Grasfrösche gezählt.“
Auch im Rheinland waren schon Erdkröten und Molche unterwegs, wie Monika Hachtel vom NABU Nordrhein-Westfalen berichtet. „Hier im Rheinland zogen pünktlich zu Karneval nicht nur die Jecken, sondern auch die ersten Amphibien: Am Freitag begann es in Bonn mit den ersten Springfröschen, bei Mönchen-Gladbach mit Grasfröschen, Teich- und Bergmolchen und den ersten Erdkröten.“ Mittlerweile seien im rheinischen Tiefland an einigen Zäunen jeweils schon mehrere Hundert Erdkröten gerettet worden, an einem Zaun in Bonn knapp 200 Erdkröten, fünf Feuersalamander und zwei Bergmolche, so Hachtel.Dort wird es in den kommenden Tagen ruhiger, bis im März die Temperaturen wieder steigen werden.
Die ersten Amphibien wandern schon
NABU bittet um Rücksicht auf Frösche, Kröten und Molche
Dieses Erdkrötenpaar war bereits Mitte Februar bei Kamen (Nordrhein-Westfalen) unterwegs. – Foto: W. & E. Postler
20. Februar 2023 – Während mancherorts noch alles ruhig ist, haben sich in einigen Teilen Deutschlands in den vergangenen Tagen noch mehr Amphibien auf den Weg gemacht – das milde und feuchte Wetter begünstigt das Wandergeschehen dort.
In den vergangenen Tagen haben uns einige Rückmeldungen zum Wandergeschehen erreicht. Seit Freitag beispielsweise wandern am Kamener Galgenberg in Nordrhein-Westfalen die ersten Amphibien, berichten uns Elisabeth und Wolfgang Postler. „Wir konnten schon fast 200 Erdkröten, viele Teichmolche und Bergmolche auf der Straße zählen“, schreiben sie. „Überrascht waren wir von den ersten Erdkröten-Paaren (Doppeldecker), die schon unterwegs waren.“
Viele Erdkröten entdeckten auch die Helfer*innen an der B61 in Porta Barkhausen, ebenfalls Nordrhein-Westfalen. Auf 1,6 Kilometer Länge sammelten sie dort 51 Erdkröten ein, berichtet Marion Kühr.
Teichmolch – Foto: Kathy Büscher (Archiv)
Und auch im Berliner Grunewald zeigten sich die ersten Erdkröten am vergangenen Freitag, meldet Karin Drong. An der Havelchaussee wurden 18 Erdkröten gesammelt, davon 15 Männchen. Auch Teichmolche waren dort unterwegs: 62 wurden entdeckt, davon 48 Männchen.
Auch im Wendland kommt bereits Schwung in die Sache, berichtet uns Christian Fischer. „Bei 9°C und leichtem Regen konnte ich in kurzer Zeit mehrere Erdkröten-Männchen auf der Fahrbahn anleuchten, trotz eigentlich ungünstig viel Wind.“
Der starke Wind der vergangenen Tage sorgte in Untergrombach, Baden-Württemberg, offenbar für Zurückhaltung, schreibt Regine Carl vom dortigen Umwelt- und Naturschutzverein. Die Frühjahrswanderung habe am 16. Februar deshalb noch etwas zögerlich begonnen. „Wir hoffen aber auf mehr Wanderlust in den nächsten Tagen.“
Im Hessischen Spessart muss man sich ebenfalls noch gedulden. „Bisher hatten wir nachts stets noch Frost. Auch die Tagestemperaturen lagen maximal bei sechs Grad“, schreibt Norbert Möller vom NABU Großenhausen. „Erfahrungsgemäß beginnen sich die ersten Lurche meist erst zwischen dem 10. und 15. März zu zeigen.“ Der weitere Witterungsverlauf sei entscheidend.
Eine Erdkröte auf der Straße – Foto: Gerlinde Yakisikli
17. Februar – Es geht los: Die ersten wandernden Amphibien machen sich bereits auf den Weg zu ihren Paarungsgewässern. Das berichtet beispielsweise der NABU Niedersachsen. Bei Nachttemperaturen von plus fünf Grad Celsius und mehr kommen Frösche, Kröten und Molche in Hochzeitsstimmung. Zusammen mit der feucht-nassen Witterung ist dies das Startsignal für viele unserer heimischen Amphibien. „Mit dem großen Ansturm ist – auch abhängig von der Tageslänge – ab Ende Februar zu rechnen“, erklärt Ralf Berkhan, Amphibienexperte des NABU Niedersachsen.
Auch andernorts tut sich schon was: An seinem Krötenzaun in der Nähe von Uedem (nordwestliches Nordrhein-Westfalen) habe er heute Morgen 25 Kröten eingesammelt, meldete uns Theo Mohn. Die Mehrzahl waren Männchen.
In Niederbayern selbst wandern Frösche und Co. noch nicht, schrieb Monika Habermann. Kein Wunder, die Wiesen seien noch größtenteils schneebedeckt und die Temperaturen liegen bei null Grad Celsius.
Auf Gefahrenzeichen achten und Tempo drosseln
Aufbau eines Krötenschutzzauns in Schwerin – Foto: Manuela Heberer
Wenn sie auf dem Weg zu den Laichgewässern Straßen überqueren müssen, können ganze Populationen den Verkehrstod erleiden. Vielerorts haben Ehrenamtliche deshalb bereits angefangen, Amphibienzäune an viel befahrenen Straßen zu errichten – oder planen dies in den kommenden Tagen und Wochen. Doch nicht überall können solche Zäune aufgebaut werden. Der NABU bittet daher Autofahrer*innen deshalb, in den kommenden Wochen auf die Gefahrenschilder „Amphibienwanderung“ zu achten und Rücksicht auf wandernde Kröten, Frösche und Molche zu nehmen.
Um die Tiere nicht unnötig zu gefährden, sollten Autofahrer*innen deshalb Tempo 30 einhalten. Denn bei höheren Geschwindigkeiten werden auch Amphibien getötet, die nur am Straßenrand sitzen: Der Strömungsdruck der Autos bringt die inneren Organe zum Platzen.
Wann wandern die ersten Frösche, Molche und Kröten?
Ehrenamtliche unverzichtbar für den Schutz der Tiere
Erdkröte in Hand – Foto: Rainer Pietsch
09. Januar 2023 – An dieser Stelle berichten wir auch in der Laichwandersaison 2023 aktuell über das Zuggeschehen. Wann genau der Startschuss fallen wird, ist vom Wetter abhängig. In manchen Jahren geht es bereits Ende Januar los, während sich in anderen vor Anfang März kaum eine Kröte sehen lässt. Noch jedenfalls können die Krötenwarnschilder geschlossen bleiben.Auch wenn mehr und mehr feste Amphibienquerungen gebaut werden, gibt es bundesweit immer noch hunderte Stellen, an denen Naturschützer*innen ab Februar, spätestens im März, Leitzäune aufstellen. Die anwandernden Tiere sammeln sich in Eimern, werden dann über die Straße getragen, statistisch erfasst und wieder freigelassen. Zusätzliche Helfer*innen sind stets hochwillkommen. Auch für Anfänger*innen ist diese Tätigkeit gut geeignet, ebenso für Kinder und Jugendliche.
Krötenwarnschild – Foto: Helge May
Helfende Hände gesucht
Es gibt wohl kaum eine Naturschutzgruppe, die nicht dringend weitere Helfer*innen sucht, denn Amphibienschutz ist aufwändige Handarbeit. Um mitzumachen, sind Vorkenntnisse nicht zwingend nötig. Die Saison erstreckt sich in der Regel über zwei bis drei Monate, mit dem Höhepunkt gegen Mitte März. Es ist schön, wenn jemand an vielen Tagen mit anpacken kann, wer nur einmal oder zweimal Zeit hat, ist aber auch willkommen.Zunächst müssen Zäune aufgestellt werden – teils übernimmt das die Kommune oder die Straßenbauverwaltung. Stehen die Zäune, müssen diese jeden Tag kontrolliert werden, am besten am frühen Abend und am frühen Morgen. Befinden sich Amphibien in den Eimern, werden diese in Transporteimer umgefüllt und über die Straße getragen. In der Regel werden dabei auch Anzahl, Arten und Geschlechter notiert. Wie die Hilfe funktioniert, wie man die Tiere richtig anfasst, wie man Grasfrösche von Springfröschen oder Bergmolche von Teichmolchen unterscheidet, ist schnell gelernt.Wer weiß, dass im Heimatort oder in der Nachbarschaft Krötenzäune betreut werden, kann sich einfach an die jeweilige Naturschutzgruppe wenden. Ist dies nicht bekannt, lohnt es sich, auf den lokalen NABU-Websites nachzuschauen. Mehr als tausend Schutzzäune samt Kontaktadressen sind zudem in der Schutzzaundatenbank des NABU-Bundesfachausschusses Feldherpetologie versammelt.
Einen Einblick in die Welt der heimischen Amphibien bietet die Broschüre „Frösche, Kröten, Molche – Leben im Wasser und an Land“ aus der Reihe „NABU aktiv“. Neben Informationen zur Lebensweise der unterschiedlichen Arten enthält die 56-seitige Broschüre Tipps zu praktischen Schutzmöglichkeiten im eigenen Garten.
Einzelexemplare der Broschüre erhalten Sie auf Anfrage bei der NABU-Naturinformation, 10108 Berlin. Bitte legen Sie 2 Euro für die Broschüre bei. Mehrfachbestellungen können über den NABU-Shop erfolgen.
Rückblick 2022
Verwandte Themen
