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Blumen und Haare aus Eis

Blumen und Haare aus Eis

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandWenn Wasser gefriert: Naturwunder in der kalten Jahreszeit entdecken

Bis vor einigen Jahren waren Wohnungsfenster das typische Biotop der Eisblume. Modernes Isolierglas lässt ihr aber keine Chance, einen Ersatzlebensraum findet sie an Autoscheiben. Haareis-Fäden dagegen wachsen aus modrigem Holz, mit bis zu einem Zentimeter pro Stunde.

Eisblumen – Foto: Chris Engelhardt/www.naturgucker.de

Eisblumen – Foto: Frank Hartmann/www.naturgucker.de

Schnee-Kristalle – Foto: Frank Beisheim/www.naturgucker.de

Wird es winterlich, wird es auch Zeit, das Fernglas herauszuholen. Vögel lassen sich jetzt prima beobachten, ob in den kahlen Baumkronen oder auf Teichen und Seen. Spannende Naturbegegnungen aus der Nähe sind im Winter schon seltener. Fast alle Insekten verstecken sich und bis auf Dauerblüher wie Taubnessel oder Vogelmiere machen sich auch Blumen rar. Doch der Winter hat seine eigenen Reize und dafür muss es nicht einmal besonders kalt sein.
Am Anfang ist der Keim
Für die Bildung etwa von Eisblumen ist starker Frost sogar schädlich. Am besten wachsen sie bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt. Im Prinzip sind Eisblumen eine spezielle Art von Raureif, der sich bei abkühlender feuchter Luft an Scheiben und anderen glatten Oberflächen bildet. Raureif mit oft nadelartigem Wachstum, wie man ihn von Blättern und Ästen kennt, entsteht dagegen erst bei kräftigem Frost. Sehr hohe Luftfeuchtigkeit braucht es für beides.

Gefrorene Lampions – Foto: Susann Ullrich

Ein Wald aus Eis – Foto: Stefan Kress

Haareis – Foto: Merve Böttger

Vereister Bach – Foto: Frank Derer

Als Ausgangspunkt wird für Eisblumen immer ein Keim benötigt, an dem das Wachstum der Kristalle beginnt, etwa ein Staubkorn. Ob sich von dort aus eher baum- und farnähnliche Formen bilden oder stern- und blumenartige Muster, lässt sich nicht genau vorhersagen. Aufgrund der Eigenart gefrierenden Wassers finden sich in den Kleinstrukturen aber immer Sechsecke, wie man das auch von Schneeflocken kennt.Bis vor einigen Jahren waren Fensterscheiben das typische Biotop der Eisblume. Moderne Isolierverglasung hat sie aber von dort vertrieben, die Scheiben werden im Zimmer einfach nicht mehr kalt genug. Chancen haben Eisblumen aber noch an Gewächshaus- und Autoscheiben.
Der Atem der Pilze
Stammt bei Eisblumen das Wasser aus der Luft, kommt es bei Haareis aus dem Inneren von Holz. Bei einer Lufttemperatur knapp unter dem Gefrierpunkt tritt es aus dem Holz aus und gefriert, das nachdrängende Wasser schiebt den dünnen Eisfaden voran. Wie echtes Haar wächst Haareis also von der „Wurzel“ aus.

Haareis im Teutoburger Wald – Foto: Ingrid und Heinz Blome

Eine besondere Krone aus Eis – Foto: Andrea Pfäfflin

Eisblumen – Foto: Rüdiger Grau

Die Eisfäden sprießen pro Stunde bis zu einen Zentimeter und können gut zehn Zentimeter lang werden. Zu Tausenden nebeneinander aus dem Holz quellend, sehen sie aus wie Zuckerwatte oder ein winterlicher Pilz. Und wie man erst seit wenigen Jahren weiß, hat Haareis tatsächlich etwas mit Pilzen zu tun. Verantwortlich ist offenbar ein Pilz namens Rosagetönte Gallertkruste. Dieser Totholzbesiedler produziert Stoffwechselgase, die das im Holz vorhandene Wasser an die Oberfläche drängen und dort das Eiswachstum auslösen.Helge May

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