Source: DGB – Bundesvorstand20.01.2023
klartext Nr. 02/2023
Gerechte Verteilung jetzt angehen!
In der gesamten Welt und besonders in Deutschland ist das Vermögen sehr ungleich verteilt. So besitzt das reichste Prozent der hiesigen Bevölkerung rund ein Drittel des Gesamtvermögens. Das gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhang. Ein gerechtes Steuersystem, wie das des DGB, wäre ein erster Schritt hin zu einer fairen Vermögensverteilung.
DGB/Hyejin Kang/123rf.com
81 Milliardär*innen besitzen mehr als die untere Hälfte der Weltbevölkerung
Unfassbar: 81 Milliardär*innen besitzen mehr Vermögen als die untere Hälfte der Weltbevölkerung, also gut vier Milliarden Menschen. Das reichste Prozent erhielt zwei Drittel des seit 2020 neu generierten Vermögens, während 90 Prozent der Menschen lediglich ein Zehntel des Zuwachses auf sich verbuchen konnten. Diese Zahlen veröffentlichte die Entwicklungsorganisation Oxfam in ihrem Ungleichheitsbericht in dieser Woche – traditionell vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos.
In Deutschland besitzt das reichste Prozent rund ein Drittel des Gesamtvermögens
Besonders in Deutschland ist das Vermögen sehr ungleich verteilt. So besitzt das reichste Prozent der hiesigen Bevölkerung rund ein Drittel des Gesamtvermögens, die untere Hälfte gerade einmal 2,5 Prozent (siehe Grafik). Angesichts der hohen Inflation ist zu erwarten, dass die ärmere Bevölkerungshälfte bald sogar noch schlechter dasteht. Denn bei diesen Menschen besteht Vermögen oft nicht aus Immobilien oder Betriebsvermögen, sondern aus Geld auf Sparkonten. Auf diese Spareinlagen musste nun aber oftmals zurückgegriffen werden, um die gestiegenen Rechnungen zu begleichen.
Hohe Ungleichheit gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt
Eine hohe Vermögensungleichheit und zunehmende Vermögenskonzentration sind keine Naturgesetze! Es gibt eine Vielzahl von Stellschrauben, an denen gedreht werden kann, um mehr Gerechtigkeit zu schaffen. Hohe Ungleichheit ist nicht nur eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie befördert oft Finanzspekulation statt Investitionen in die Realwirtschaft und schadet deshalb auch einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung.
DGB
Starke Gewerkschaften können Ungleichheit bekämpfen
Mitbestimmung, Tarifbindung und Mindestlohn sind entscheidende Faktoren, wenn es um die Verteilung zwischen Löhnen und Gehältern einerseits und Unternehmens- und Vermögenseinkommen andererseits geht. Dafür braucht es starke Gewerkschaften. Klar ist aber auch: Die Vermögenskonzentration ist inzwischen so groß, dass sie direkt angegangen werden muss.
DGB-Steuerkonzept für ein gerechtes Steuersystem
So fordert der DGB seit Jahren ein gerechteres Steuersystem und hat hierfür ein eigenes Konzept entwickelt, durch welches sehr hohe Einkommen und Vermögen gemessen an ihrer Leistungsfähigkeit mehr zum Allgemeinwesen beitragen. Hierzu zählen z. B. die Wiedererhebung der Vermögensteuer, die Abschaffung von Privilegien in der Erbschaft- und Schenkungsteuer und eine stärkere Besteuerung von Kapitaleinkommen.
Wie ungerecht der steuerpolitische Status Quo ist, zeigen auch neue Berechnungen des Netzwerk Steuergerechtigkeit: Danach hat ein Millionär mit einem Einkommen von 1,6 Millionen Euro beispielsweise eine Steuer- und Abgabenquote von 24 Prozent, während sie für ein Paar, das zusammen 110.000 Euro verdient, bei 43 Prozent liegt. Zudem tragen Erbschaften und Vermögen lediglich 1,1 Prozent zum gesamten Steueraufkommen bei, während Lohnsteuer und Mehrwertsteuer mit jeweils knapp 30 Prozent den größten Teil ausmachen.
Schluss mit Steuprivilegien für Reiche
Angesichts der großen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie dem demografischen Wandel, der sozial-ökologischen Transformation der Wirtschaft oder dem Fachkräftemangel, können wir uns Steuerprivilegien für Reiche nicht mehr leisten. Die öffentliche Hand braucht Einnahmen – für eine moderne Infrastruktur, gute Bildung und eine intakte Umwelt, von der alle profitieren.
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