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Die Nationale Biomassestrategie

Die Nationale Biomassestrategie

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandNABU: So gelingt der große Wurf zugunsten von Klima- und Naturschutz

Im Koalitionsvertrag einigte man sich auf die Erstellung einer nachhaltigen Biomassestrategie. Im Oktober 2022 wurde dazu ein erstes Eckpunktepapier vorgelegt. Der NABU begleitet den Prozess bis zur fertigen Strategie im Herbst 2023 intensiv.

Biomasse und Windenergie – Foto: Ingo Ludwichowski

Die heutige Nutzung von Biomasse ist nicht nachhaltig: Immer mehr Wirtschaftszweige setzen auf pflanzliche Rohstoffe zur Energieerzeugung oder zur Verarbeitung in Produkten. Das führt dazu, dass Energiepflanzen wie Mais in Intensivkulturen angepflanzt werden, problematischen Produkte wie Palmöl importiert werden, oder Holz für die Verbrennung in Kraftwerken aus Wäldern geholt wird. Eine Strategie, die aufzeigt, wie Biomasse künftig eingesetzt werden soll, hat daher eine enorme Bedeutung für den Natur- und Klimaschutz.
Im Eckpunktepapier der Bundesregierung ist das übergeordnete Ziel der Biomassestrategie folgendermaßen festgeschrieben: 
“Ziel der Biomassestrategie ist es, einen Beitrag zur mittel- und langfristigen nachhaltigen Ressourcennutzung sowie zum Klima- und Biodiversitätsschutz zu leisten und entsprechende Rahmenbedingungen in Deutschland zu schaffen.“ 
Diesen Ansatz begrüßt der NABU. Für eine Zukunft im Einklang mit den planetaren Grenzen müssen Klimaschutz, Biodiversität und Ressourcennutzung zusammengedacht werden. Dies kann nur gelingen, wenn Land- und Forstwirtschaft ökologisch umgestaltet werden. Denn wir müssen die Klimakrise bekämpfen und uns gleichzeitig auf ihre Folgen einstellen. Beide Aspekte müssen aus Sicht des NABUs in der Biomassestrategie berücksichtigt werden. 
Biodiversität und Klimaschutz als übergeordnetes Ziel
Das Umsteuern weg von der Verbrennung von Waldholz und Energiepflanzenanbau hin zur Nutzung von Rest- und Abfallstoffen (zum Beispiel Bioabfälle, Gülle oder Grünschnitt) ist aus Gründen des Klimaschutzes und der wachsenden Flächenkonkurrenzen der einzig richtige Weg. Auch der natürliche Klimaschutz muss mitgedacht werden. Wälder und Moore sind relevante Kohlenstoffsenken. Der ökologische Umbau von Wäldern und die Renaturierung von Feuchtbiotopen darf nicht durch eine intensive Biomassenutzung ausgebremst werden.
Die im Eckpunktepapier genannten Leitprinzipien des Vorrangs der stofflichen Biomasseverwertung (das heißt der Nutzung in Produkten, wo sie zum Beispiel Erdöl ersetzt) sowie der Mehrfachnutzung entsprechend des Kaskadenprinzips (z.B. kann Holz zunächst für den Hausbau, dann ein Möbelstück, später als Spanplatte und letztlich als Brennstoff genutzt werden) gehen in die richtige Richtung. Der in der Biomasse enthaltene Kohlenstoff muss so lange wie möglich in Grundstoffen und Produkten gebunden werden.  
Eine fossilfreie Zukunft kann jedoch nicht nur auf Biomasse und Reststoffen aus dem Wald, vom Acker oder aus der Landschaftspflege basieren. Neue biologische Rohstoffpotenziale wie Mikroorganismen, Pilze, Algen oder in einer Kreislaufwirtschaft anfallende Reststoffe müssen erschlossen und in sinnvolle Verwertungskaskaden übertragen werden, damit übernutzte Flächen und Rohstoffquellen langfristig entlastet werden können. Die sich in der Erarbeitung befindende Bioökonomie-Umsetzungsstrategie – vom NABU ebenfalls kritisch begleitet – beleuchtet gezielt die Aspekte, die die Nationale Biomassestrategie bewusst ausklammert. Die Gesamtbetrachtung beider Strategien ermöglicht einen wertvollen Beitrag für unseren zukünftigen Umgang mit Biomasse.
Naturverträgliche Biomassenutzung statt Holzverbrennung und Energiepflanzenanbau

Brennholzstapel – Foto: Helge May

Statt Waldholz und gezielt angebaute Biomasse sollen vorwiegend Reststoffe und Abfälle für die stoffliche und energetische Nutzung eingesetzt werden. Die Definition der sogenannten „Reststoffe und Abfälle“ ist hierbei elementar und muss differenziert betrachtet werden. In der Natur gibt es per se keine Reststoffe. Jede Biomasse, die in der Land- und Forstwirtschaft anfällt, ist ein wichtiger Bestandteil im Stoffkreislauf. Dies gilt vor allem für sogenanntes “Waldrestholz”, das keineswegs verbrannt werden sollte. Totholz und Stroh werden für den Humusaufbau benötigt und stellen Lebensräume für viele Organismen.
Für den Klimaschutz und die Anpassung der Ökosysteme an die Folgen der Klimakrise dürfen die natürlichen Stoffkreisläufe nicht weiter durch eine Übernutzung gestört werden. Daher sollten essenzielle Bestandteile von Ökosystemen klar von Reststoffen am Ende der Nutzungskaskade (zum Beispiel mit Schadstoffen belastetes Altholz) und Bioabfällen unterschieden und in der Ermittlung der Biomassepotenziale entsprechend unterschiedlich behandelt werden. 
Ein Beispiel: Grünschnitt aus der Landschaftspflege kann in der Landwirtschaft für die Biogaserzeugung verwendet werden und wäre eine Alternative zum problematischen Einsatz von Energiepflanzen aus intensiver Landwirtschaft. Hier bestehen allerdings hohe rechtliche Hemmnisse, die dringend beseitigt werden müssen. Grünschnitt hat zwar im Vergleich zu Energiepflanzen einen geringeren Energiegehalt, das könnte und sollte jedoch durch höhere Förderungssummen ausgeglichen werden.
Sinnvolle Einsatzfelder der Bioenergie
Naturverträgliche Biomassepotenziale sind begrenzt – darauf wird auch im Eckpunktepapier der Bundesregierung hingewiesen. Neben dem Vorrang der stofflichen Nutzung ist daher eine sinnvolle Nutzung der Bioenergie elementar. Bioenergie sollte nur dort eingesetzt werden, wo sie wirklich benötigt wird: Der Einsatz von Biogas und Biomethan kann als flexibel einzusetzender Energieträger für den Ausgleich der schwankenden Energieerzeugung aus Wind und Sonne sinnvoll sein. Die direkte dezentrale Stromeinspeisung zusammen mit der Erzeugung von Biomethan zur Befüllung der Erdgasspeicher ist je nach Bedarf steuerbar und trägt zur Energiesicherheit bei. Wird in den Kraftwerken neben Strom durch Kraft-Wärme-Kopplung auch Wärme erzeugt, kann diese zudem in Fernwärmenetze eingespeist werden. 
Die hohen Mengen an Bioenergie, die derzeit von allen Sektoren gefordert werden, können keinesfalls naturverträglich bereitgestellt werden. Statt Lock-in-Effekte durch Bioenergie zu generieren, sollte der Ausbau von Sonnen- und Windenergie, die Elektrifizierung in der Industrie, in der Mobilität und in der Wärmeversorgung vorangetrieben, und der Einsatz von Bioenergie auf die Bereiche begrenzt werden, wo sie alternativlos ist. 
Heimische Biomassepotenziale sind stark begrenzt – Importe können nicht die Lösung sein
Die Biomassestrategie sollte auf die national verfügbaren Biomassepotenziale ausgelegt werden. Den deutschlandweiten Bedarf über Importe zu decken ist hochproblematisch, da die Überwachung von Nachhaltigkeitskriterien oft nicht möglich ist und Nutzungskonkurrenzen kaum zu überschauen sind.
Viele Aspekte der Biomassestrategie werden von europäischen Regeln beeinflusst. Das trifft auch auf die Biodiversitätsrichtlinie oder Erneuerbaren-Energien-Richtlinie zu. Umgekehrt sollte die deutsche Biomassestrategie auch auf EU-Ebene wirken: Deutschland muss als größter Mitgliedsstaat auch die EU-Instrumente entscheidend entlang der oben identifizierten Leitprinzipien mitgestalten.   

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