Source: Institut der Deutschen Wirtschaft Koln
Europa sollte die Schwäche des US-Dollars nutzen und den Euro zur globalen Leitwährung ausbauen. Das würde die Souveränität und geopolitische Handlungsfähigkeit Europas stärken, argumentiert das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer neuen Studie.
Der US-Dollar ist noch immer die wichtigste Handels- und Reservewährung der Welt. Doch seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus verliert er an Glaubwürdigkeit: Wachsende Staatsverschuldung, politische Unberechenbarkeit und Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank Fed untergraben das Vertrauen in die US-Währung. Seit Anfang 2025 hat der Dollar gegenüber anderen Währungen gut zehn Prozent seines Werts verloren – ein Zeichen wachsender Skepsis internationaler Investoren an seiner Eignung als Weltleitwährung. Für die EU ist das eine einmalige Chance, ihre eigene Währung als globalen Anker zu etablieren.
Der Euro als Leitwährung
Der Euro ist bereits heute die zweitwichtigste Reserve- und Handelswährung der Welt. Doch sein Anteil an den weltweiten Devisenreserven – den Beständen der Zentralbanken, die diese nur zur Stabilisierung der eigenen Währung und für Krisenzeiten vorhalten – ist seit 2014 von 20 auf 16 Prozent gesunken. Das Problem: Europas Finanzmärkte sind zu zersplittert. Es fehlt ein großer, gut funktionierender Markt für sichere Anlagen, der die internationale Nachfrage decken könnte, die ein Aufstieg des Euro zur Leitwährung mit sich brächte.
Die Studie nennt vier Projekte, die das ändern könnten:
Eine vollendete Kapitalmarktunion mit einheitlichen Regeln und einer europäischen Aufsichtsbehörde mit echten Durchsetzungskompetenzen (vergleichbar der US-Börsenaufsicht SEC).
Einen gemeinsamen, regelgebundenen Markt für sichere Anleihen allein zur Finanzierung von Projekten mit europäischem Mehrwert, der internationalen Investoren als stabiler Anker dient.
Die Erweiterung der Eurozone auf andere EU-Mitgliedsstaaten.
Auch die militärische Stärke spielt eine Rolle: Staaten und Großinvestoren bevorzugen die Währung von Mächten, die glaubwürdig für ihre Sicherheit einstehen können. Das kann nur eine europäische Verteidigungsunion glaubhaft gewährleisten.
Der Euro als Leitwährung ist ein strategisches Gebot
Jahrzehntelang lebte Deutschland vom Export – unterstützt von offenen Märkten und dem militärischen Schutz der USA. Doch dieses Modell ist an sein Ende gekommen. „Die Schwäche des Dollars und Trumps America-only-Politik eröffnen Europa nun die historische Chance, den Euro als globale Leitwährung zu etablieren“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. Damit würde sich Europas Geschäftsmodell grundlegend wandeln: Statt auf Exporte zu setzen, würde die EU zum globalen Investitionsstandort, was Europas Wettbewerbsfähigkeit insgesamt erhöht.
Noch wichtiger sei jedoch die Unabhängigkeit Europas gegenüber den Großmächten: „Gelingt das Projekt, sichert Europa seine finanzielle Souveränität und geopolitische Handlungsfähigkeit für Jahrzehnte“, so der Ökonom.
