Source: Institut der Deutschen Wirtschaft Koln
Seit 2024 kehren deutlich mehr Personen in die neuen EU-Mitgliedsländer zurück als zuwandern. Zugleich ist die Zahl der Asylanträge stark gesunken, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Im letzten Jahrzehnt hat Deutschland stark vom Zuzug von Arbeitskräften aus den neuen EU-Mitgliedsländern profitiert. 2024 kehrte sich der Trend um: 35.000 mehr Menschen verließen Deutschland in Richtung dieser Länder, als von dort zuzogen; 2025 waren es dann sogar 45.000. Das zeigt eine neue Studie, für die das IW Daten des Statistischen Bundesamts ausgewertet hat. Auch aus den Westbalkanländern ging die Nettozuwanderung seit 2022 zurück und lag 2025 noch bei etwa 40.000 Personen. Eine Umkehr ist unwahrscheinlich: Der demografische Wandel lässt in den Herkunftsländern kaum noch Migrationspotenziale.
Weniger Geflüchtete – nicht nur wegen Migrationswende
Gleichzeitig ist die Zahl der Geflüchteten stark gesunken. Stellten 2023 noch 329.000 Menschen einen Asylerstantrag in Deutschland, waren es 2025 nur noch 113.000. Maßgeblich ist vor allem der Einbruch bei syrischen Asylerstanträgen von knapp 100.000 auf 23.000. Das liegt nicht allein an der verschärften Migrationspolitik, sondern vor allem am Ende des Assad-Regimes 2024. Auch Anträge von Afghanen und türkischen Staatsangehörigen sind deutlich zurückgegangen: von 51.000 auf 24.000 beziehungsweise von 61.000 auf 12.000.
Eine Sonderstellung nehmen die Geflüchteten aus der Ukraine ein, die außerhalb des Asylsystems aufgenommen werden. 2025 lag ihre Nettozuwanderung bei 89.000 Personen – mit Abstand die größte Gruppe aus einem einzelnen Land, aber deutlich weniger als 2024 mit 116.000. Die Gesamtnettozuwanderung lag 2025 bei 235.000 – so niedrig wie seit 2010 nicht mehr.
Dritte Wende in Sicht?
Neben dem politisch gewünschten Rückgang der Geflüchteten und der ungewollten Rückwanderung in die neuen EU-Mitgliedsländer deutet sich eine dritte Entwicklung an: Immer mehr Deutsche verlassen das Land. 2025 waren es fast 100.000. „Damit ist zwar noch kein kritisches Niveau erreicht. Jedoch ist der Anstieg um etwa 30 Prozent seit 2023 ein deutliches Warnsignal“, sagt Wido Geis-Thöne. Dabei könne es sich Deutschland angesichts des demografischen Wandels kaum leisten, durch Abwanderung hochqualifizierte Fachkräfte zu verlieren. „Damit das nicht passiert, muss Deutschland seine Attraktivität für diese Personen als Wohn- und Arbeitsort steigern”, so der Migrationsexperte. Notwendig sei insbesondere eine Begrenzung der Steuer- und Abgabenlast.
