Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandNABU-Studie zeigt Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten
Papierverpackungen für feuchte und fettige Lebensmittel wie To-go-Speisen, Fertiggerichte oder Tiefkühlprodukte nehmen zu. Für diese Art der Verbundverpackung gibt es in Deutschland jedoch, mit Ausnahme des Getränkekartons, noch keinen Recyclingweg.
Papierverpackungen für Tiefkühlprodukte: Gibt es direkten Kontakt mit Lebensmitteln und auffällige Speisereste, sollte der Karton nicht in der Papiertonne entsorgt werden. – Foto: Arne Krolle
Von einer Papierverbundverpackung spricht man technisch, wenn eine Papierverpackung zusätzlich mindestens eine andere Materialschicht, meistens Kunststoff oder Aluminium, enthält. Diese ist fest mit dem Papier verbunden und lässt sich nicht händisch trennen. Es gibt Papierverbunde, die problemlos im konventionellen Altpapierkreislauf recycelt werden können. Allerdings wächst der Anteil an Papierverpackungen für feuchte und fettige Lebensmittel, wie To-go-Gerichte, Tiefkühlkost oder Fertigprodukte: Diese eignen sich in der Regel nicht für das normale, konventionelle Altpapierrecycling. Stattdessen ist ein Sonderprozess beim Recycling nötig, der auf hohe Kunststoff- und Aluminiumanteile in den Verpackungen sowie auf Speisereste und Feuchtigkeit abgestimmt ist.
Solch ein spezieller Recyclingprozess existiert in Deutschland bislang nur für Getränke- beziehungsweise Flüssigkeitskartons – nicht aber für andere Papierverbundverpackungen. Um den Verlust an wertvollen Papierfasern zu beenden, muss dieses Defizit an Recyclingkapazitäten abgebaut werden.
NABU-Studie zeigt Wege, um Papierverbunde besser im Kreislauf zu halten
Eine neue Studie von PROPAKMA im Auftrag des NABU zeigt deutliche Defizite, aber auch Potenziale beim Recycling von Papierverbundverpackungen und politische Hebel für Verbesserungen: Der richtige Entsorgungsweg sollte zukünftig danach bestimmt werden, wie recyclingfähig eine Papierverpackung ist – und nicht, wie es aktuell in Deutschland der Fall ist, anhand der prozentualen Materialanteile in der Verpackung. Dies zeigt die NABU-Studie anhand anschaulicher Beispiele, die von der Backwarentüte über die Tiefkühlverpackung bis zur Versandtasche reichen. Zudem wird deutlich, wie vielseitig die Gründe sind, warum eine Verpackung als recyclingfähig bewertet wird oder nicht und warum die Entsorgung über die Blaue oder die Gelbe Tonne technisch sowie ökologisch empfehlenswert ist.
Factsheet „Papierverbundverpackungen in der Kreislaufwirtschaft“ (06/2026) (2.36 MB)
Für den Aufbau von Recyclingkapazitäten bedarf es Investitionssicherheit und Abnahmeperspektiven für die zurückgewonnenen Papierfasern und der sogenannten Rejekte aus Kunststoff und Aluminium. Dafür sind unter anderem spezifische, verbindliche Recyclingquoten für alle Papierverbundverpackungen nötig.
Ein wichtiger Hebel zur quantitativen und qualitativen Verbesserung des Recyclings von Papierverpackungen ist die bessere Abfalltrennung in Privathaushalten: Viel zu viele Verpackungen, die in die Blaue Tonne gehören, landen in der Gelben Tonne und umgekehrt. Zudem enden zu viele Papierverpackungen über die Restmülltonne direkt in der Müllverbrennung.
Die von der EU zukünftig geplanten Kennzeichnungen auf Verpackungen zur richtigen Mülltrennung sollen hier Abhilfe schaffen. Diese und andere Ergebnisse sowie Lösungsvorschläge sind im NABU-Factsheet zur Studie zusammengefasst.
NABU-Forderungen
Für den NABU sollte die Auswahl einer Verpackungslösung ganzheitlich statt nach dem Motto „Hauptsache Papier“ erfolgen. Eine Substitution von Kunststoffverpackungen durch Papierverpackungen sollte nur dort erfolgen, wo sie gesamtökologisch sinnvoll ist. Angesichts der noch unzureichenden Recyclingkapazitäten sollte aktuell von Papierverpackungen für feuchte und stark fettige Lebensmittel Abstand genommen werden (Ausnahme: Flüssigkeitskarton).
Festzustellen ist jedoch, dass der EU-Gesetzgeber und viele Unternehmen den Einsatz von Papier- anstelle von Kunststoffverpackungen aktiv fördern. Dies führt dazu, dass Papierverbundverpackungen – im Gegensatz zum sonst rückläufigen Verpackungsaufkommen in Deutschland – aktuell ansteigen. Damit kommen immer mehr Papierverpackungen auf den Markt, für die es kein hochwertiges Recycling gibt.
Auch wenn Papierverbundverpackungen angesichts der enormen Mengen an Kartonagen und Pappen statistisch unter dem Radar laufen: Auf diesen Verlust an wertvollen Papierfasern muss reagiert werden.
Daher fordert der NABU:
Ganzheitliche Auswahl einer Verpackungslösung statt „Hauptsache Papier“, insbesondere bei feuchten, pastösen, fettigen und flüssigen Lebensmitteln
Bestimmung des korrekten Entsorgungswegs einer Papierverpackung nach der Recyclingfähigkeit statt nach Materialanteilen
Anspruchsvolle EU-Kriterien für die Bewertung der Recyclingfähigkeit, die auch die bestimmungsgemäße Nutzung der Verpackung und die industrielle Recyclingpraxis berücksichtigen
Schnellstmöglich ausschließlich recyclingfähige Papierverbunde (nicht erst ab 2030, wie es gesetzlich gefordert ist), Priorität des „Design for Recycling“ für den konventionellen Altpapierkreislauf (Blaue Tonne)
Aufbau eines Recyclings für die Fraktion „PPK aus LVP“, der Papierfraktion aus der Gelben Tonne, für beispielsweise To-go-Verpackungen auf Papierbasis
Eigene Recyclingquote für sonstige Papierverbunde im geplanten VerpackDG, neben einer Quote für Flüssigkeitskartons
Ein eindeutiger Trennhinweis für die Konsument*innen auf der Verpackung zur korrekten Abfalltrennung von Papierverpackungen
Stoffliche Verwertung der Rejekte aus Papierverbundverpackungen
Sanktionierung der Hersteller beziehungsweise Inverkehrbringer bei Falschlizenzierung für die Blaue Tonne, die kostengünstiger ist als die Gelbe Tonne
Anpassung der einschlägigen Normen (unter anderem DIN EN 643 und BfR-Empfehlungen) an den zunehmenden Verbrauch von Papierverbunden
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