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Die Geier kreisen über Deutschland

Die Geier kreisen über Deutschland

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandSpektakulärer Einflug zahlreicher Gänsegeier von den Alpen bis zur Küste

Immer mehr Geier kreisen über Deutschland. Was sonst sprichwörtlich für Missstände in Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft steht, ist jetzt wörtlich zu nehmen. Waren es im April und Mai nur einzelne Vögel, sind nun mehr als ein Dutzend der großen Aasfresser eingeflogen.

Gänsegeier – Foto: Frank Derer

17. Juni 2026 – Nahezu zeitgleich wurden zuletzt Gänsegeier unter anderem im Karwendelgebirge bei Mittenwald, am Ammersee nahe München, im Raum Stuttgart, am hessischen Edersee, in Sachsen und Thüringen, bei Hannover, in der brandenburgischen Prignitz und bei Segeberg beobachtet.
Haben sich die Geier verirrt, wo kommen sie her, was wollen sie bei uns? „Die Gänsegeier sind auf einer ausgedehnten Erkundungstour“, erläutert NABU-Vogelexperte Martin Rümmler. „Noch fehlen sichere Indizien etwa durch Ringablesungen. Aber höchstwahrscheinlich stammen sie aus Spanien oder Frankreich. Gänsegeier sind langlebig, im Schnitt brüten sie erst ab einem Alter von fünf bis sechs Jahren. Vorher haben die Junggeier viel Zeit, Erfahrungen zu machen und die Welt zu erkunden. Dass der Einflug im späten Frühling erfolgt, ist kein Zufall. Geiereltern müssen jetzt ihren aktuellen Nachwuchs versorgen, da bleibt in der Hierarchie am Futterplatz für die Halbwüchsigen wenig übrig. Sie verlassen daher die angestammten Gebiete und fliegen dabei im Extremfall auch bis zu uns.“

Wo Gänsegeier zuhause sind

Gänsegeier kommen von der Iberischen Halbinsel bis nach Nordafrika und Mittelasien vor. In Deutschland sind sie als Brutvogel bereits vor Jahrhunderten ausgestorben. In Spanien dagegen erholten sich die Bestände in den letzten Jahrzehnten erheblich, heute leben dort mehr als 30.000 Brutpaare. Mit rund 2500 Paaren weist Frankreich den zweitgrößten Einzelbestand auf. Vor allem in den Pyrenäen und im Zentralmassiv wurden die Großvögel aufwändig wieder neu angesiedelt.

Geier sind reine Aasfresser. Im Prinzip…

Gänsegeier sind in der Regel reine Aasfresser, die zur Nahrungssuche große Gebiete abfliegen. Dabei orientieren sie sich oft an kleineren Aasfressern wie Raben oder Milanen, die Tierkadaver als erste entdeckt haben. Ist der Hunger groß, gehen die Geier ausnahmsweise auch an leicht erreichbare lebende Beute, wie ein aktuelles Beispiel aus dem französischen Departement Moselle nahe der deutschen Grenze zeigt. Dort hat ein Gänsegeier in einem Storchenhorst den fast flüggen Nachwuchs erbeutet.

Windräder und Vergiftungen

Aufgrund ihrer Größe haben Gänsegeier keine ernsthaften natürlichen Feinde. Wie Greife, Störche und Kraniche kommen Gänsegeier aber regelmäßig an Stromleitungen und an Windrädern um. Bei Unteregg im Allgäu geriet auch einer der jetzt eingeflogenen Geier in ein Windrad und starb. Direkte Verfolgung kommt ebenfalls noch vor. So starben fünf im April in Österreich aufgefundene Gänsegeier an einer Vergiftung mit dem verbotenen Pestizid Carbofuran. Die Geier stammten aus der kleinen kroatischen Population.

Gänsegeier – Foto: Frank Derer

Die Geier suchen also nach Nahrung, sie suchen in Deutschland aber keine neuen Reviere. In wenigen Tagen oder Wochen werden die Gänsegeier weiterziehen und so plötzlich wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Pro Tag legen sie mühelos 300 bis 400 Kilometer zurück. Mit bis zu 2,60 Metern Flügelspannweite sind Gänsegeier größer als See- und Steinadler und fast doppelt so groß wie Bussarde und Milane. Anhand des typischen nackten Geierhalses können auch Laien die Vögel recht gut erkennen. Sie kommen ohne weiteres drei bis vier Wochen ohne Nahrung aus. Finden sie länger kein Aas, wird es aber kritisch. Wer geschwächte Geier sieht, die sich länger regungslos an einem Ort aufhalten, sollte die Naturschutzbehörden oder die nächstgelegene NABU-Gruppe informieren.

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