Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandGemeinsam die Artenvielfalt von Raupen an Brennnesseln erforschen
Für über 30 heimische Schmetterlingsarten ist die Brennnessel überlebenswichtig. Ihre Raupen sind auf diese Wildpflanze spezialisiert und ernähren sich ausschließlich von ihr. Wo Brennnesseln wachsen, finden sich deshalb oft überraschend viele Raupen. Ein guter Grund, um genauer hinzuschauen.
Mit der Mitmachaktion „Raupen entdecken & melden“ möchten wir gemeinsam mit Ihnen dokumentieren, welche Raupenarten an Brennnesseln vorkommen, wann sie auftreten und wo sie beobachtet werden. Jede einzelne Meldung trägt dazu bei, Wissen über unsere Falter zu vertiefen und ihre Bestände besser einschätzen zu können.
Tagpfauenauge Raupe – Foto: NABU/Jonathan Fieber
C-Falter Raupe – Foto: NABU/Jonathan Fieber
Admiral Raupe – Foto: NABU/Frank Hecker
Kleiner Fuchs Raupe – Foto: NABU/Frank Hecker
Raupe des Landkärtchens – Foto: Frank Hecker
Warum die Mitmachaktion wichtig ist
Brennnesseln gelten oft als unliebsames „Unkraut“ und werden entfernt. Dabei sind sie überraschend wichtig für die biologische Vielfalt: Viele Insekten, besonders zahlreiche Falterarten, sind auf sie angewiesen. Brennnesseln sind zentrale Futterpflanzen für Raupen, ohne sie könnten sich viele Arten nicht zu Schmetterlingen entwickeln.
Mit unserer Meldeaktion möchten wir dieses Wissen bekannter machen und zugleich erfahren, wo Brennnesseln vorkommen. Die Meldungen ermöglichen ein regelmäßiges, möglichst flächendeckendes Monitoring. So entstehen genügend Daten, um Bestandstrends und Veränderungen der Biodiversität frühzeitig zu erkennen – und Schutzmaßnahmen gezielt umzusetzen.
Diese Edelfalter stehen bei unser Aktion besonders im Fokus:
Tagpfauenauge – Foto: Jan Piecha
Admiral – Foto: Erwin Hangmann
Kleiner Fuchs – Foto: Jonathan Fieber
C-Falter: Foto: NABU/Klemens Karkow
Landkärtchen – Foto: NABU/Jonathan Fieber
Warum brauchen wir Ihre Unterstützung?
Welche Falterarten Brennnesseln nutzen, ist grundsätzlich bekannt. Was jedoch fehlt, sind aktuelle, flächendeckende Daten, um Veränderungen in den Beständen zu erkennen. Schmetterlinge reagieren sehr empfindlich auf Umweltveränderungen und gelten als Bioindikatoren. Ihr Rückgang weist unter anderem hin auf:
Lebensraumverlust
Pestizideinsatz
Klimawandel
Umweltverschmutzung
Viele Schmetterlingsarten sind auf spezifische Futterpflanzen für ihre Raupen angewiesen – blühende Nektarpflanzen für die erwachsenen Falter allein reichen nicht aus. Für zahlreiche Arten ist die Brennnessel diese entscheidende Raupen-Futterpflanze. Besorgniserregend ist, dass selbst ehemals häufige Schmetterlingsarten regional abnehmen, was auf einen Rückgang der Biodiversität hindeutet. Um Bestandstrends und Veränderungen frühzeitig zu erkennen, braucht es daher ein regelmäßiges und flächendeckendes Monitoring, das ausreichend Daten liefert.
So geht es unseren Schmetterlingen
Schmetterlinge reagieren empfindlich auf Umweltveränderungen und da ihre Entwicklungsstufen bis zum fertigen Schmetterling sehr komplex sind, gelten sie als sogenannte Bioindikatoren. Der Rückgang ihrer Arten weist somit auf Probleme wie Umweltverschmutzung, Pestizideinsatz in der Landwirtschaft und in Gärten, Klimawandel oder Lebensraumverlust hin.Die Gefährdung von Tagfaltern, auch der sogenannten „Allerweltsarten“, ist ein ernstzunehmendes Problem, das auf einen Rückgang der Biodiversität hinweist. Zwar sind einige Arten wie das Tagpfauenauge (Aglais io) derzeit noch weit verbreitet und gelten als ungefährdet, jedoch zeigt der Gesamttrend, dass selbst häufige Schmetterlinge in vielen Regionen zunehmend weniger werden.Die Rote Liste der Tagfalter und Widderchen veröffentlicht vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit dem Rote-Liste-Zentrum (RLZ) zeigt, dass von den 207 in Deutschland etablierten Arten der Tagfalter und Widderchen mittlerweile 103 bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben sind. Lediglich 31 Prozent sind derzeit noch ungefährdet, weitere elf Prozent stehen auf der Vorwarnliste. Als extrem selten gelten 12 Prozent, vier Prozent können aufgrund fehlender Daten nicht eingestuft werden. Insgesamt sind 63 Prozent der bewerteten einheimischen Arten langfristig zurückgegangen. Eine langfristige Zunahme konnte dagegen nur für zwei Prozent der Arten festgestellt werden.Tagfalter profitieren im Garten von einem vielfältigen Angebot an nektarreichen Blütenpflanzen. Doch die entsprechenden Futterpflanzen für die Falter reichen nicht aus, die Bestände zu stabilisieren. Es braucht auch möglichst einheimische Wildpflanzen, die auch als Futterpflanzen für das Larvenstadium der Schmetterlinge, also für die Raupen wichtig sind.
So können Sie mitmachen
1. Gezielt an Brennnesseln nach den Raupen schauen
Wer draußen unterwegs ist, sollte gezielt bei Brennnesseln genauer hinschauen. Bei einem Spaziergang im Park oder auch beim Aufenthalt im eigenen Garten – im Sommer können Brennnesseln zum Raupenhotspot werden. Hinweise, wie man den richtigen „Raupenblick“ bekommt, um die Tiere zu entdecken, finden Sie unter „Beobachtungs-Tipps“.
2. Raupen fotografieren
Raupe entdeckt? Glückwunsch! Jetzt bitte fotografieren. Draußen bei gutem Licht machen Sie von der jeweiligen Raupe idealerweise eine Nahaufnahme. Die Fotos helfen uns bei der eindeutigen Bestimmung.
3. Raupen bestimmen
Wer ist es und welcher Falter wird daraus? Bestimmen Sie die Raupen mithilfe unserer Informationen auf dieser Seite oder per Artporträt bei NABU|naturgucker.
4. Meldung im Online-Formular abgeben
Melden Sie Ihre Beobachtung über das Meldeformular und laden Sie ein oder mehrere Fotos von den Raupen hoch. Meldungen sind auch ohne Foto möglich.
Zum Meldeformular
Beobachtungs-Tipps:
Die Raupen, die bevorzugt an Brennnesseln fressen, können in zwei Stadien vorkommen. Zu Beginn befinden sie sich in einem Raupenspiegel oder einem Gespinst mit vielen Raupen auf einmal. Die Ansammlung und ein zusätzliches Gespinst um die Raupen herum, schützt besonders gut vor Fressfeinden, wenn die Raupen noch nicht ganz so groß sind.
Später sind sie dann als größere Raupen nur noch vereinzelt an den Blättern anzutreffen. Dabei können vielen vereinzelte Raupen an unterschiedlichen Blättern ein und derselben Pflanze vorkommen.
Die Raupen sind sowohl auf der Blattoberseite als auch auf der Blattunterseite zu entdecken. Also gerne auch mal einen Perspektivwechsel wagen und sich die Pflanze ganz genau anschauen. Außerdem befinden sich manche Raupen tagsüber gerne an den Stielen und frischen Trieben der Blätter. Beim Admiral ist die Raupe auch in welken Blatttüten zu erkennen.
Raupen kennenlernen und bestimmen
Falter, deren Raupen sich überwiegend von Brennnesseln ernähren, werden als „Brennnesselfalter“ bezeichnet. Einige dieser Raupenarten verwandeln sich dank der Brennnessel am Ende zu einigen der buntesten Tagfalter und sogenannten “Edelfalter”, die es in Deutschland gibt. Wir stellen Ihnen die fünf häufigsten Arten mit ihren Raupen vor und zeigen, wie Sie diese bestimmen können und wo sie zu finden sind.
Tagpfauenauge-Raupe – Foto: NABU/Frank Hecker
Tagpfauenauge – Foto: NABU/Jonathan Fieber
Raupe des C-Falters – Foto: NABU/Jonathan Fieber
C-Falter – Foto: NABU/Jonathan Fieber
Raupe des Kleinen Fuchs- Foto: Frank Hecker
Kleiner Fuchs – Foto: Frank Hecker
Admiral-Raupe – Foto: Frank Hecker
Admiral (Weibchen) – Foto: Helge May
Landkärtchenraupe Anfang November, wohl vierte Generation – Foto: Helge May
Landkärtchen Sommerform – Foto: Jonathan Fieber
Schmetterlingsart
Merkmale
Tagpfauenauge
– schwarze Raupe – mit zahlreichen weißen Punkten und schwarzen Dornen – rote-orange Bauchfüße (“rote Söckchen”) – einzelne Raupen an Blattoberseiten und Blattunterseiten – bis 3 cm lang
C-Falter
– orangebraune Raupe – mit schwarzer Zeichnung – auffällige, weißlich-gelbe Dornen am Hinterleib – tagsüber einzeln auf Blattunterseiten – bis 3 cm lang
Kleiner Fuchs
– stachelige, schwarze Raupe – mit gelben Längsbinden – große Raupen als Gruppen oder einzeln an Blattoberseiten – bis 3 cm lang
Admiral
– stachelige, schwarze oder gelblich-graue Raupe – mit gelblichen Flecken an der Seite die Grundfarbe kann schwarz sein – auffällige, weißlich-gelbe Dornen am Hinterleib – große Raupe einzeln an Blattstielen oder Stängelspitzen – bis 4 cm lang
Landkärtchen
– stachelige, schwarze Raupen, oft weiß gefleckt – zahlreichen, verzweigte Dornen – auffällige Dornen auf dem Kopf – gelblich-weiße Streifen an den Flanken und auf dem Rücken – bis 3 cm lang
Praxis-Tipp:
Wer in seinem Garten eine Brennnesselecke zulässt, hilft den so genannten „Brennnesselfaltern“: das sind Schmetterlinge, deren Raupen ausschließlich von Brennnesseln leben. Fehlen Brennnesseln als Raupennahrung, so können diese Schmetterlinge nicht überleben, auch wenn die Falter noch so viele Nektarpflanzen im Garten angeboten bekommen!
Häufige Fragen und Antworten zur Mitmachaktion
1. Kann ich meine Beobachtung melden, auch wenn ich nicht weiß, um welche Raupe es sich handelt?
Ja, wenn Sie sich nicht sicher sind, um welche Raupe es sich handelt, können Sie Ihre Beobachtung dennoch melden und im Meldeformular unter „Raupen (alle)” eintragen. Wenn Sie ein Foto der Raupe hochladen, können die Expert*innen von NABU|Naturgucker die Raupe bestimmen und einen Kommentar hinterlassen. Die Artenportraits von NABU|Naturgucker können Ihnen bei der Bestimmung helfen.
2. Kann ich eine Bemerkung oder einen Kommentar im Meldeformular eingeben, um weitere Infos zu übermitteln?
Ja, wenn Sie zu Ihrer Beobachtung relevante Informationen haben, können Sie uns diese im Bemerkungsfeld des Meldeformulars mitteilen. Das können beispielsweise Unsicherheiten bei der Bestimmung sein.
3. Was passiert mit meinen personenbezogenen Daten?
Die Mitmachaktion „Raupen entecken und melden “ ist eine gemeinsame Aktion von NABU und NABU|naturgucker; die zugehörige Webseite wird von NABU|naturgucker betrieben. Für Fragen zum Service, technischen Support sowie zur Datenverarbeitung und zur Wahrnehmung Ihrer Betroffenenrechte (z. B. Auskunft, Widerspruch, Löschung) wenden Sie sich bitte an NABU|naturgucker (support@NABU-naturgucker.de). Die im Rahmen der Aktion erhobenen Meldedaten stellt NABU|naturgucker dem NABU zur Verfügung, damit dieser sie im Rahmen seiner satzungsgemäßen Aufgaben für wissenschaftliche, kommunikative und ggf. werbliche Zwecke verwenden kann. Weitere Informationen finden Sie im Impressum und in den Nutzungsbedingungen von NABU|naturgucker sowie in den Datenschutz-Hinweisen des NABU und von NABU|naturgucker. NABU|naturgucker stellt alle nicht geschützten Beobachtungen jedem zum freien Zitieren zur Verfügung. Dafür sind Klarnamen und eine grundsätzlich öffentliche Zugänglichkeit notwendig. Pseudonyme befördern zudem unerwünschtes Verhalten, da sich jemand dahinter „verstecken“ kann. ABER: Bei NABU|naturgucker kann nicht nach Beobachtern gesucht werden. Ein systematisches Verfolgen ist damit nicht möglich.
4. Warum wird automatisch ein Nutzer*innen-Konto bei NABU|naturgucker erstellt, wenn ich ein Foto einer Raupe hochlade?
Damit Expert*innen Artenbestimmungen bestätigen und Sie Ihre Meldung ggf. später bearbeiten können, müssen hochgeladene Fotos einem Konto zugeordnet werden. Eine Registrierung ist nur mit Klarnamen möglich. So sind die im Meldeportal veröffentlichten Naturbeobachtungen, Bilder und Videos für den Naturschutz und die Forschung verwendbar bzw. zitierfähig und Ihre Urheberrechte an den Fotos sind korrekt gekennzeichnet. Ihr Name wird in Verbindung mit von Ihnen veröffentlichten Naturbeobachtungsdaten, Bildern, Videos und Kommentaren für andere registrierte Nutzer*innen öffentlich angezeigt. Bei NABU|naturgucker kann jedoch nicht nach Beobachter*innen gesucht werden. Ein systematisches Verfolgen ist somit nicht möglich.
7. Was mache ich, wenn ich beim Melden technische Probleme habe?
Am besten lässt sich die Aktionsseite im Browser Chrome bedienen. In anderen Browsern kann es unter anderem zu längeren Ladezeiten kommen. Nach einiger Zeit (meist ca. 15 Minuten) der Nichtbenutzung wird die Serversitzung automatisch beendet. Um das Meldeformular weiter verwenden zu können, laden Sie es noch einmal neu.
Wenn Sie möchten, dass Ihre aktuelle Position vom Smartphone automatisch ins Meldeformular übernommen werden kann, geben Sie dies bitte frei. Gegebenenfalls müssen Sie dazu die Datenschutzeinstellungen bzw. die Freigabe der Ortungsdienste an Ihrem Gerät bearbeiten. Auf dem iPhone ist es erforderlich, im Browser die Ortungsdienste freizugeben und in den Ortungsdiensten wiederum den Browser.
Falls Sie Hilfe bei der Bedienung der von NABU|naturgucker bereitgestellten Aktionsseite benötigen, besuchen Sie bitte die Hilfeseiten bei NABU|naturgucker.
Brennnessel als Superfood für Raupen – Wissenswertes zu Schmetterlingen und der NABU-Mitmachaktion
In diesem aufgezeichneten Online-Seminar vom 06.05.2026 gibt unsere NABU-Referentin Daniela Franzisi einen spannenden Einblick in die Beziehung zwischen Schmetterlingsraupen und Brennnesseln. Sie gibt einen Überblick über die Bestandssituation der Schmetterlinge und erläutert die Metamorphose, also die Entwicklung vom Ei über die Raupe und die Puppe bis zum erwachsenen Schmetterling. Zudem werden die positiven Eigenschaften der Brennnessel vorgestellt, von denen auch wir Menschen profitieren.
Zum Video auf Youtube
Mehr über Brennnesseln
Citizen Science: Ihr Beitrag für den Naturschutz
Ehrenamtliches Engagement hat viele Gesichter, und nicht alle Angebote erfordern einen großen Zeitaufwand. Die Teilnahme an Mitmachaktionen ist ebenso ein wertvoller Beitrag für den Natur- und Umweltschutz wie die praktische Arbeit im Naturschutzgebiet vor Ort oder ein längerfristiger Einsatz. Diese Form des ehrenamtlichen Engagements wird Citizen Science (Wissenschaft der Bürger*innen) genannt. Die aus diesen Aktionen gewonnenen Daten dienen einerseits der Dokumentation von Artbeständen sowie deren geografischer Verbreitung. Andererseits können wissenschaftliche Einrichtungen die Daten nutzen, um daraus Fragestellungen abzuleiten und Forschungsprojekte ins Leben zu rufen.
Wir danken allen Teilnehmer*innen für ihr Engagement!
