Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandMotto: „Wilde Stadtnatur für den Hausrotschwanz“
Die wilde Stadtnatur stand im Fokus des diesjährigen Fotowettbewerbs von NABU und CEWE. Über 5.000 Fotos sind eingegangen – und diese Bilder konnten die Jury am meisten überzeugen.
Das Gewinnerbild: Mitten in Oranienburg diente ein altes Abflussrohr der Hafenmauer einem Eisvogelpaar als Bruthöhle – trotz der städtischen Umgebung und einer nahegelegenen Schule. – Foto: NABU/CEWE/Sabine Schulze
„Wilde Stadtnatur für den Hausrotschwanz“ – so lautete das Motto des diesjährigen gemeinsamen Fotowettbewerbs von NABU und CEWE. Im Zeitraum vom 11. April bis 30. September wurden insgesamt 5.220 Fotos von 832 Personen eingereicht. Das Thema war dabei angelehnt an den Vogel des Jahres 2025, den Hausrotschwanz, der vielerorts im urbanen Raum vorkommt. Um sich dem Thema Stadtnatur auf unterschiedliche Art und Weise zu nähern, wurden drei Kategorien erstellt: „Wilde Nachbarn“, „Wilde Orte“ und „Mensch und Natur“.
Die Jury legte dabei ein besonderes Augenmerk auf die richtige Belichtung, einen harmonischen Bildaufbau, besondere Lichtsituationen und technische Umsetzung. Auch Innovation, Kreativität oder ungewöhnliche Kompositionen haben einzelnen Fotos dazu verholfen, aus der Menge herauszustechen.
Das oben auf der Seite abgebildete Gewinnerfoto zeigt einen Eisvogel in einer alten Steinmauer. Das Bild konnte die Jury aus mehreren Gründen überzeugen: Zum einen präsentiert es das Thema „Wilde Stadtnatur“ treffend. Ein dynamisch abgebildeter Eisvogel in schöner Pose, der wiederum in einem von Menschenhand geschaffenen Loch in einer Wand sitzt. Noch dazu ist es sehr grafisch und überzeugt durch eine technisch saubere Umsetzung. Als i-Tüpfelchen lässt sich das charakteristische Farbspiel des Eisvogels aus orange und hellblau auch in der Farbpalette der Steinwand wiederfinden, wodurch es farblich sehr harmonisch abgestimmt ist.
Preis der Jury für eilendes Eichhörnchen
Asphaltcowboy: Ein Eichhörnchen sammelt im Spätsommer in einem Stadtpark seine Wintervorräte. – Foto: NABU/CEWE/Heiko Herrmann
Einige Tiere lassen sich im städtischen Umfeld in Ruhe beobachten, andere sind hingegen eher ein flüchtiger Moment. Der Preis der Jury zeigt einen solchen schnellen, kurzweiligen Moment, in dem ein Eichhörnchen mit Wintervorräten über einen Fußweg flitzt. Es fiel der Jury vor allem durch den Mitzieher ins Auge, der dem Foto zu einer besonderen Dynamik verhilft.
Das waren die drei Kategorien des CEWE-Fotowettbewerbs:
Wilde Nachbarn
Für besondere Erlebnisse in der Natur müssen es nicht immer entlegene Orte sein. Viele Arten haben gelernt, in unserer Nachbarschaft zu leben. Sei es der Igel im Garten, die Amsel im Geräteschuppen oder die Schlüsselblume am Ortsausgang. In dieser Kategorie suchten wir Aufnahmen von Arten im menschlichen Umfeld, egal ob Stadt oder Dorf.
Wilde Orte
In dieser Kategorie ging es darum, wilde Orte im menschlichen Umfeld darzustellen. Wo findet die Natur ihren Platz in unserer Welt? Diese können zum einen natürlicher Art sein, wie beispielsweise ein Auwald oder ein alter Stadtwald. Sie können aber auch menschlich beeinflusst sein, wie artenreiche Blühstreifen oder durch ein Renaturierungsprojekt.
Mensch und Natur
Dort, wo Mensch und Natur aufeinandertreffen, entstehen auch Wechselbeziehungen. Viele Menschen versuchen dabei, der Natur im menschlichen Umfeld mehr Raum zu geben und bieten Hilfestellungen wie Wasserstellen, unverfugte Trockenmauern, Winterfütterungen oder Nistkästen an, um wichtige Bedürfnisse von Arten zu unterstützen.
Kategorie „Wilde Nachbarn“
In dieser Kategorie wurden mit knapp 4.000 Einsendungen die meisten Fotos eingereicht, die immense Auswahl hat es der Jury nicht leicht gemacht. Vor allem die Vielfalt an unterschiedlichen Arten war beeindruckend, was sich auch in der Endauswahl der Bilder durch zehn unterschiedliche Motive widerspiegelt.
Die Jury achtete darauf, dass die prämierten Fotos einen Bezug zum menschlichen Umfeld aufzeigen. Sie haben daher den Vorzug gegenüber reinen Naturfotos „von der grünen Wiese“ erhalten, auch wenn diese fantastisch fotografiert waren. Die Juroren diskutierten am Ende darüber, ob eine Ratte den Kategoriesieg erlangen kann oder ob es aus naturschutzfachlicher Sicht eher der Fischotter sein müsste. Letztendlich hat die vorbeiflitzende Ratte aus Sicht der Jury die Kategorie „Wilde Nachbarn“ am besten repräsentiert und sich als Sieger gegenüber dem dunkleren Fischotterfoto durchgesetzt. Den dritten Platz ergatterte sich ein grafisch gestaltetes Bild zweier Nacktschnecken, die als heimliche Mitbewohner vieler Gärten ihren Platz als wilde Nachbarn verdient haben.
1. Platz für „Koexistenz“: Ratten sind Kulturfolger, die vom Menschen profitieren. Wo Menschen sind, gibt es Nahrung. Da macht es ihnen auch nichts aus, wenn sie bei der Nahrungssuche zwischen Autos, Bussen und Menschen hin- und herflitzen. – Foto: NABU/CEWE/Heiko Hermann
2. Platz für „Rückkehrer“: Einst stark bedroht, kehren auch seltenere Arten wie der Fischotter nach vielen Jahren wieder in unsere Städte zurück. – Foto: NABU/CEWE/Christopher Meyer
3. Platz für „Spurensicherung“: Spanische Wegschnecken, eine südeuropäisch indigene Schneckenart mit hoher Verdrängungsdominanz einheimischer Schneckenarten hinterlassen hier ihre vergänglichen Spuren auf einem Radweg. – Foto: NABU/CEWE/Heiko Herrmann
Eichhörnchen in der Stadt: Ein Eichhörnchen auf Streifzug in einem Stadtpark. – Foto: NABU/CEWE/Tristan von Keitz
Ampelmeise: Erfolgreiche Brut der Blaumeise in einem Ampelpfosten. – Foto: NABU/CEWE/Sven Meurs
Stadteule: Eine Waldohreule in der Stadt. – Foto: NABU/CEWE/Nicolai Bruegger
Flower Power: Ein Schneeglöckchen vor den Lichtern der Stadt. – Foto: NABU/CEWE/Christopher Meyer
Fuchs: Ein Rotfuchs streift durch die Straßen einer Wohnsiedlung. – Foto: NABU/CEWE/Laura Muschiol
Käfig: Ein Storch auf einem Strommast. – Foto: NABU/CEWE/Klaus W.
Noch nicht satt: Drei junge Hausrotschwänze betteln um Futter, während das Weibchen abfliegt, um „Nachschub“ zu holen. – Foto: NABU/CEWE/Christoph Mensing
Kategorie „Wilde Orte“
Was genau macht einen „wilden Ort“ aus? Die Einsendungen waren sehr vielseitig und unterschieden sich in dieser Kategorie sehr stark in Qualität und Motivpalette. In der Rubrikbeschreibung wurde jedoch nach wilden Orten im menschlichen Umfeld gefragt. Besondere Landschaftsaufnahmen aus der Heide oder schöne Lichtstimmungen im Wald konnten daher bei der Jurysitzung leider keine Berücksichtigungen finden. Stattdessen wurde der Fokus auf die Nähe zum Menschen gelegt. Eine wilde Ecke auf einem Friedhof, zugewachsene Ruinen, bunte Hinterhöfe oder Seen in Stadtparks haben verdienterweise ihren Platz in dieser Kategorie gefunden.
Der dritte Platz zeigt ein schönes Detail eines Balkons. Sowohl das Foto überzeugte durch seine Schlichtheit, aber auch die Botschaft dahinter: Wir alle können im Kleinen unseren Beitrag leisten. Der zweite Platz zeigt ein Detail auf einem Gleisbett. Es verdeutlicht, dass auch unsere menschliche Infrastruktur für einzelne Arten wie Pflanzen oder Eidechsen als Korridor dienen kann.
Als Siegerbild setzt sich ein Bild eines zugewachsenen Autos durch. Der Jury gefiel die sowohl die Aufnahme als auch die Symbolwirkung, dass die Natur sich ihren Raum zurückerobern kann, sobald wir Menschen es zulassen.
1. Platz für „Werkstatt“: In einer längst verlassenen Werkstatt, überwuchert die Natur die zurückgelassenen Fahrzeuge. – Foto: NABU/CEWE/Lukas Callondann
2. Platz für „Brachen verbinden“: Alte Bahngleise werden von der Stadtnatur schnell wieder entdeckt und verzaubert. – Foto: NABU/CEWE/Christopher Meyer
3. Platz für „Zimmer mit Aussicht“: Blühende Wildpflanzen als Nektarquelle vor dem eigenen Fenster. – Foto: NABU/CEWE/ Irmela Leuthel
Zurückerobert: Die Natur hat sich das Gebäude eines ehemaligen Elektrizitätswerks zurückerobert. – Foto: NABU/CEWE/Lars Reichenberg
Der Alte Südfriedhof: Der denkmalgeschützte Alte Südfriedhof im Münchener Stadtteil Isarvorstadt ist ein historischer, baumbestandener innerstädtischer Friedhof. – Foto: NABU/CEWE/Dieter Mross
Spreewald im Herbst: Herbstliche Ambiente vor einer Fußgängerbrücke. Foto: NABU/CEWE/Jessica Abt
Pechnelke & Wundklee: Eine sehenswerte Farbkombination auf dem begrünten Dach der Caponniere 4 im Herzen von Neu-Ulm. – Foto: NABU/CEWE/Ursula Plaschko
Morgenstimmung: Unterwegs an der Elbe in Magdeburg – Foto: NABU/CEWE/Jana Tschochner
Vor den Türen der Stadt: Mandelbaumblüte am Stadtrand. – Foto: NABU/CEWE/Hannelore Aydin
Kraftort: Selbst die beiden Nilgänse halten den Schnabel und bestaunen die bunte Farbenpracht am frühen, stillen Morgen. – Foto: NABU/CEWE/Rüdiger Grau
Kategorie „Mensch und Natur“
Dort, wo Mensch und Natur aufeinandertreffen, entstehen auch Wechselbeziehungen. Diese zehn Fotos beleuchten unterschiedliche Aspekte wie Wohnungsnot bei Tieren, Zerschneidung von Lebensräumen, gebietsfremde Arten, Fütterung von Wildtieren, aber auch Konflikte im Wohnumfeld, potenzielle Gefahren durch Haustiere, Störungen durch Freizeitnutzung oder Gefahren durch Windräder.
In vielen Fällen entstehen eher Konflikte oder Herausforderungen für das Zusammenleben von Mensch und Tier, die es zu lösen gilt. Es gibt allerdings auch positive Beispiele, wie ein Insektenhotel in einem alten Briefkasten oder ein Buntspecht, der eine große Eisenkugel als Schallkörper verwendet, um lautere Trommelgeräusche zu erzeugen.
1. Platz für „Die Häuser denen, die drin brüten“: Der Versuch, eine frisch gebaute Sittichhöhle mit Bauschaum zu verstopfen, entpuppte sich in mehrfacher Hinsicht als gescheitert. Die Hauswand war über 5-10m versaut und die Höhle im Handumdrehen wieder frei nun sogar mit Ansitz. – Foto: NABU/CEWE/Nils Schindler
2. Platz für „Falle Gartenzaun“: Ein Igel steckt in einem Gartenzaun fest. Umso wichtiger, dass unsere Gärten miteinander verbunden sind. – Foto: NABU/CEWE/P. + P. Schindler
3. Platz für „Trash Gangster“: Ein Waschbär bedient sich auf der Suche nach Fressbarem an einem Mülleimer. – Foto: NABU/CEWE/Laura Muschiol
Badeverbot: Brutgebiet der Zwergdommel in Wien. Badegäste müssen daher an dieser Stelle draußen bleiben. – Foto: NABU/CEWE/Bernhard Schubert
Begegnung: Junger Wanderfalke trifft auf Möpse. Vor allem für Jungtiere sind können Hunde und Katzen eine Gefahr darstellen. – Foto: NABU/CEWE/Klaus W.
Invasion aus dem Aquarium: Ein Roter Amerikanischer Sumpfkrebs als invasive Art im Großen Tiergarten von Berlin. Foto: NABU/CEWE/Sven Meurs
Tür an Tür: Ein alter Briefkasten mit Anteilen von Insektennisthilfen. – Foto: NABU/CEWE/Ulrich Dilger
Windenergie: Goldregenpfeifer vor einer Windkraftanlage. – Foto: NABU/CEWE/Anika Börries
Der Charmeur: Ein männlicher Buntspecht hämmert auf einem metallischen Resonanzraum, um dadurch die Lautstärke seines Trommelns zu erhöhen. – Foto: NABU/CEWE/Heiko Herrmann
Spiegelbild: Eine Bachstelze bekämpft ihr Spiegelbild am Außenspiegel eines Autos. – Foto: NABU/CEWE/Klaus W.
Die Jury
Die Jury setzt sich aus Fotograf*innen sowie Vertreter*innen von CEWE und dem NABU zusammen. In diesem Fotowettbewerb haben wir die Bestrebung, den Ansprüchen moderner Naturfotografie gerecht zu werden. Die Jury wird dabei ein besonderes Augenmerk auf die richtige Belichtung, einen harmonischen Bildaufbau, besondere Lichtsituationen oder die technische Umsetzung werfen. Auch Innovation, Kreativität oder ungewöhnliche Kompositionen können dazu beitragen, dass die eigenen Aufnahmen herausstechen.Dazu zählen einzigartige Momente, besondere Orte oder interessante Verhaltensweisen von Arten. Zudem legen wir größten Wert darauf, dass die Einhaltung geltender Naturschutzgesetze und ethischer Standards bei der Entstehung der Bilder gewährleistet sind.
Jana Jensen
Jana Jensen ist Leiterin der NABU-Regionalgeschäftsstelle Elbe-Weser, gelernte Floristin und verfügt über einen Bachelor- und Masterabschluss in „Molecular Life Science“. Seit drei Jahren leitet sie die NABU-Regionalgeschäftsstelle Elbe-Weser und erhält unter anderem viele Einblicke in spannende, ehrenamtliche Projekte zum Artenschutz und naturnahem Gärtnern. Zudem betreibt sie intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in diesen Bereichen, wie beispielsweise die Erstellung von Flyern zur naturnahen Gartengestaltung in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen oder auch die Herausgabe von Pressemitteilungen – natürlich immer von dem passenden Schnappschuss begleitet. Auch im Privaten ist das Gärtnern für sie eine Herzensangelegenheit, ein liebevoller und aufmerksamer Blick für die Natur und ihre zahlreichen Bewohner begleiten sie täglich.
Thomas Tausendfreude
Thomas Tausendfreude verantwortet bei CEWE die Bereiche Content Marketing und Fotokultur. Er ist regelmäßig Juror für Fotowettbewerbe und bringt von seinen privaten sowie beruflichen Reisen um die Welt viele Erfahrungen mit. Seit vielen Jahren ist die Natur- und Portraitfotografie sein fotografischer Schwerpunkt
Jan Piecha
Jan Piecha ist Umweltplaner, Ökologe und professioneller Naturfotograf. Seine Aufnahmen und Geschichten werden regelmäßig in verschiedenen Fachmagazinen publiziert und wurden bereits vielfach national und international in Fotowettbewerben prämiert. Sein aktuelles Fotoprojekt „Hauptstadt der Waschbären“ wurde Ende 2024 als Coverstory des National Geographic Magazins veröffentlicht. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur, ohne negativen Einfluss auf die Motive zu nehmen, ist ihm dabei besonders wichtig. Jan ist beim NABU für den Bereich Naturfotografie verantwortlich.
Letzte Fotowettbewerbe
