Source: Bundestag – BÜNDNIS DIE GRÜNEN BUNDESPARTEI
Jährlich werden in Deutschland rund 37 Milliarden Stunden Hausarbeit verrichtet, davon 24 Milliarden von Frauen. Diese Belastung schränkt ihre Chancen auf Erwerbstätigkeit weit mehr ein als Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen. Viele reduzieren deshalb ihre Arbeitszeit oder steigen ganz aus dem Beruf aus. Das bedeutet weniger Einkommen, geringere Rentenansprüche und eingeschränkte berufliche Chancen.
Wir sagen: Haus- und Sorgearbeit ist kein Privatproblem. Sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe.
Deshalb brauchen wir Strukturen, die Frauen, Familien, Alleinerziehende und ältere Menschen entlasten und gleichzeitig gute Arbeitsbedingungen für diejenigen schaffen, die haushaltsnahe Dienstleistungen erbringen.
Die Realität vieler Familien ist ein Jonglieren zwischen Job, Kindern, Pflege und Haushalt. Wer Vollzeit arbeitet, weiß: abends bleibt oft keine Energie mehr, um noch zu kochen, die Wohnung zu putzen oder die Wäsche zu machen. Mit dem Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit und einer älter werdenden Bevölkerung wächst somit auch die Nachfrage nach haushaltsnahen Dienstleistungen. Über 4,3 Millionen Haushalte in Deutschland beschäftigten eine Haushaltshilfe, Tendenz steigend. Doch legale Angebote sind rar und oft teuer. Stattdessen arbeiten etwa 90 % der Haushaltshilfen in Deutschland schwarz.
Diese Arbeit in privaten Haushalten wird fast ausschließlich von Frauen, häufig mit Migrationsgeschichte, und unter schweren Bedingungen geleistet. Viele putzen, kochen oder betreuen Kinder, ohne Versicherung, ohne Kündigungsschutz, ohne Altersvorsorge. Sie sind weder im Krankheitsfall noch im Alter abgesichert. Viele sind nur im Minijob beschäftigt, sodass die Tätigkeit zur Sicherung der eigenen Existenz nicht ausreicht.
Es ist höchste Zeit, den immensen gesellschaftlichen Wert ihrer Arbeit anzuerkennen und ihnen gute, faire Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Das ist nicht utopisch: Deutschland hinkt hinterher. Andere europäische Länder haben längst Systeme aufgebaut, die legale Angebote fördern und bezahlbar machen.
Wir wollen, dass legale und faire Angebote für haushaltsnahe Dienstleistungen endlich konkurrenzfähig werden. Darum setzen wir uns für das Gutscheinmodell ein, welches vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vorgeschlagen wurde: die Einführung von staatlichen Zuschüssen für haushaltsnahe Dienstleistungen in Form von Gutscheinen, die bei zertifizierten Agenturen eingelöst werden können – verlässlich, bezahlbar und rechtlich abgesichert.
Ein Blick ins Ausland zeigt, wie es funktioniert: In Belgien hat ein solches System hunderttausende reguläre Jobs geschaffen und Schwarzarbeit stark zurückgedrängt. In einigen Bundesländern in Deutschland laufen bereits Pilotprojekte mit ermutigenden Ergebnissen. Wir wollen das Modell bundesweit einführen.
