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Private Tierschutzsiegel: Schwere Tierschutzverstöße bei Tierhaltung

Private Tierschutzsiegel: Schwere Tierschutzverstöße bei Tierhaltung

Source: Bund fur Umwelt und Naturschutz Deutschland„Die Bilder sind schockierend, das Tierleid schwer zu ertragen. Die Recherchen des SPIEGEL und der Tierrechtsorganisation ARIWA zeigen deutlich, welche erheblichen Missstände selbst in Ställen mit vermeintlich hohem Standard, Premiumsiegeln oder der Haltungsform 3 und 4 vorzufinden sind.
Die Einführung privater Initiativen wie der „Haltungsform“ des Handels war ein wichtiger Schritt für mehr Tierschutz. Jedoch zeigt der aktuelle Fall, dass privatwirtschaftliche Kontrollen offenbar völlig versagen. Freiwilligkeit führt in der Tierhaltung zu Tierleid. Die staatliche Kennzeichnung ist der einzige Weg, der zu mehr Tierschutz beiträgt. Private Tierschutzlabel und privat organisierte Kontrollen sind offensichtlich nicht ausreichend.
Es braucht dringend die Ausweitung des staatlichen Kennzeichens, mit wirksamen staatlichen Kontrollen in den Ställen. Sowohl die Einbeziehung aller Tierarten als auch der gesamten Lebenszyklus der Tiere und für alle Verzehrwege – vom heimischen Kühlschrank bis zur Gastronomie, müssen kontrolliert werden. Verbraucher*innen müssen verlässlich Transparenz darüber haben, unter welche Bedingungen die Tiere gehalten werden. Sonst bleibt für Menschen, die Tierleid ablehnen nur der Verzicht auf tierische Produkte.
Wir warnen die Bundesregierung davor alleine auf Freiwilligkeit in der Tierhaltung zu setzen. Das aktuelle Beispiel zeigt, dass staatliche Rahmenbedingungen und Kontrollen unverzichtbar sind.“
Hintergrund: 
Der Spiegel berichtete heute über eine umfangreiche Recherche der Tierrechtsorganisation ARIWA. Dieser wurde Videomaterial aus Ställen zugespielt, welches massive Tierschutzverstöße zeigt. Dabei sollen das privatwirtschaftliche Label „Haltungsform“ des Handels oder andere Premiumsiegel eigentlich besonders gute Haltungsbedingungen sicherstellen. Doch genau das scheint nicht zu funktionieren.
Die Bilder stammen aus mehreren verschiedenen Mastschweinehaltungen. Alle Betriebe sind mit besonderen, privaten Premiumlabeln ausgezeichnet. Die Tiere sind jedoch offensichtlich stark verdreckt, Tiere stehen in tiefer Gülle, Verletzungen sind nicht ausreichend behandelt, tote Tiere liegen über lange Zeit in den Buchten und Mitarbeiter wenden erhebliche Gewalt gegen die Tiere an. Kontrollen haben offenbar nicht ausreichend stattgefunden, um den vom Verbraucher gewünschten und bezahlten hohen Standard für die Tierhaltung zu garantieren.
Die Einführung der privatwirtschaftlichen „Haltungsform“ des Handels war ein Schritt in die richtige Richtung, ein Meilenstein für den Tierschutz. Jedoch zeigt der aktuelle Fall, dass diese privaten Initiativen nicht ausreichen. Es braucht dringend die umfangreiche Ausweitung des staatlichen Haltungskennzeichens, mit scharfen, umfangreichen, wirksamen Kontrollmechanismen welche eine gute Tierhaltung garantieren. Statt das staatliche Kennzeichen nun unter der neuen Regierung „an die Bedürfnisse der Wirtschaft anzupassen“ wie verschiedentlich in der politischen Debatte zu hören ist, muss es an die Bedürfnisse der Tiere angepasst werden und umfassend ausgeweitet werden.
Bei ausnahmslos jedem tierischen Produkt, ob im Lebensmitteleinzelhandel, in der Gastronomie oder öffentlichen Kantinen muss transparent gekennzeichnet sein, wie das Tier gelebt hat. Dies muss auch staatlich kontrolliert und garantiert sein. Sonst werden sich Verbraucherinnen und Verbraucher langfristig nach Alternativen zum Konsum tierischer Produkte umsehen, welches zumindest aus Klimasicht ebenso wünschenswert wäre. Auch der BUND fordert eine Reduzierung tierischer Produkte um mindestens die Hälfte.
Mehr Informationen: 
Kontakt:
Patrick Müller, BUND-Experte für Agrarpolitik mit Schwerpunkt Tierhaltung, Tel.: 030 -27586473, Mobil: 0174 3932100, E-Mail: patrick.mueller(at)bund.net
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