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Seeungeheuer im Blütenmeer

Seeungeheuer im Blütenmeer

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandZur Blausternblüte in die Auwälder der Oberrheinebene

Im zeitigen Frühjahr, noch bevor Lerchensporn, Schlüsselblume oder gar Windröschen erscheinen, blüht im Auwald der Zweiblättrige Blaustern, auch Sternhyazinthe genannt. Mancherorts bilden die Blausterne richtige Blütenmeere mit Zehntausenden Pflanzen.

Zweiblättriger Blaustern (Scilla bifolia), fotografiert in der Knoblochsaue, in Hessens größtem Naturschutzgebiet. – Foto: Helge May

Zweiblättriger Blaustern – Foto: Wolfgang Patczowsky/www.naturgucker.de

Egal, ob ein oder tausend Blausterne blühen, so gilt immer: anschauen ja, abpflücken nein. Der Blaustern (Scilla bifolia) ist durch die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt, er darf also selbst für kleine Handsträuße nicht gepflückt werden. Nach altem Aberglauben darf man nicht einmal an den Blüten riechen, sonst bekommt man Sommersprossen.Wie fast alle Frühblüher gehört der Blaustern zur Gattung der Liliengewächse. In der Zwiebel sind vier bis sechs Blattjahrgänge enthalten. Gegen Ende Februar treibt die Pflanze mit den Reserven ihrer Zwiebel aus und blüht dann in einer kurzen Zeitspanne von März bis April.
Ameisen sorgen für die Verbreitung
Der Blütenstand hat meist ein bis sechs Blüten, die grau-blau bis violett, sehr selten auch weiß gefärbt sind. Der Blaustern bevorzugt frische, nährstoffreiche und humose Böden, wie sie in Auwäldern zu finden sind. Hier kann die ansonsten seltene Art die beschriebenen Massenvorkommen ausbilden. Bei der Ausbreitung behilflich sind dank eines Tricks Ameisen. Die Blausternsamen enthalten nämlich nährstoffreiche Anhängsel, die die hungrigen Ameisen in ihre Bauten verschleppen und so verbreiten.

Zweiblättriger Blaustern – Foto: Frank Philip Gröhl/NABU-naturgucker.de

Scilla bifolia ist eine so genannte submediterrane Pflanze, ihr Verbreitungsgebiet strahlt also vom nördlichen Mittelmeerraum nach Norden bis nach Belgien, und im Osten bis nach Kleinasien und zum Kaukasus aus. In Deutschland wächst der Blaustern vor allem an Donau und Rhein sowie deren Nebenflüssen, außerdem auf bodenfeuchten Laubmischwäldern im Pfälzerwald und dem Haardt. Eines der nördlichsten Vorkommen liegt am Rande des Siebengebirges bei Bonn, am Übergang von Mittel- zu Niederrhein, außerdem gibt es eine Verbreitungsinsel an der Mittleren Elbe bei Dessau. Besonders große Blausternteppiche lassen sich in den Auwäldern der nördlichen Oberrheinebene bewundern, beginnend mit Hessens größtem Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue, weiter nach Süden über Steiner Wald und Biedensand bis zur Reißinsel im Stadtgebiet von Mannheim.
Sippenschwerpunkt rund ums Mittelmeer
Der wissenschaftliche Name des Blausterns geht wohl auf das Ungeheuer Skylla aus der griechischen Mythologie zurück. Dieses sechsköpfige Monster lauerte in einer Meeresenge auf vorbei fahrende Schiffe und fraß alles, was vor seine Mäuler schwamm. Auch Odysseus musste bekanntlich auf seiner Irrfahrt diese Meersenge passieren und verlor sechs seiner Gefährten an Skylla. Nun hat unser Zweiblättriger Blaustern mit dem Meer nichts zu tun. Die Familie Scilla ist aber recht artenreich mit mehreren Arten rund um das Mittelmeer vertreten. Früher zählten die Botaniker auch die weiß blühende Meerzwiebel dazu, die heute als Urginea maritima zu einer eigenen Familie gehört. Diese Meerzwiebel galt in Griechenland als wirksames Amulett und wurde über der Haustür aufgehängt, um die Bewohner vor bösen Geistern zu beschützen.

Der Sibirische Blaustern ist eng mit unserem heimischen Zweiblättrigen Blaustern verwandt. Er wird gerne in Parks und Gärten angepflanzt und findet sich verwildert auch in Wäldern. Der Name ist irreführend, denn die Art stammt aus Kleinasien und dem Kaukasus. – Foto: Helge May

Sibirischer Blaustern – Foto: Helge May

Sibirischer Blaustern in Grünanlage – Foto: Helge May

Der Zweiblättrige Blaustern aus dem Auwald und einige recht ähnlich aussehende Verwandte wie Schneestolz (Scilla luciliae), Schöner Blaustern (Scilla amoena) und Sibirischer Blaustern (Scilla siberica) sind auch beliebte Gartenpflanzen. Leider stammen aber immer noch viele der in den Gartencentern angebotenen Blausterne aus Wildentnahmen, vor allem aus der Türkei. Dank der Gartenverwendung lassen sich die Blütenteppiche des Auwald-Blausterns mancherorts auch in Grünanlagen bewundern, so etwa in Baden-Württemberg am Bruchsaler Schloss oder in Bayern am Schloss Ellingen bei Weißenburg.

Literaturtipp (unter anderem mit Infos zum Blaustern auf der Reißinsel): „Naturführer Mannheim – Entdeckungen im Quadrat“, 134 Seiten, Verlag Regionalkultur 2000, ISBN 3-89735-132-3.
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