Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandDen Wandel hin zur Klimaneutralität gestalten
Nur in einem intakten Ökosystem lassen sich Artenvielfalt und Klima erhalten. Daher ist es entscheidend, Industrie, Biodiversität und Klimaschutz miteinander in Einklang zu bringen, so dass wir alle eine Zukunft haben. Die industrielle Produktion in ihrer jetzigen Form stellt durch den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen wie CO₂ eine der größten Bedrohungen für die Stabilität unseres Ökosystems dar.
Studie zeigt: Die Industriewende lohnt sich. Auch für Klima und Natur.
Wir müssen die Zukunft der klimaneutralen Industrie aktiv gestalten – Grafik: ChatGPT
Der Industriesektor ist für rund ein Viertel der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Diese müssen in den nächsten Jahren drastisch reduziert werden, um internationale Klimaverpflichtungen einzuhalten und steigenden CO₂-Preisen langfristig standzuhalten. Gleichzeitig ist der Wandel eine Chance: Erneuerbare Energie und Ressourcen-Effizienz sind Kostensenker statt Kostentreiber. Eine saubere, ressourcenschonende Produktion kann die deutsche Industrie international wettbewerbsfähig halten, Arbeitsplätze sichern, den Wohlstand erhalten und die Natur schützen.
Weniger Emissionen bedeuten saubere Luft, weniger Rohstoffabbau schont Ökosysteme und Kreislaufwirtschaft reduziert Müll und Umweltzerstörung. Eine klimaneutrale Industrie führt zu einer resilienteren Wirtschaft. Eine aktive Partnerschaft mit dem Naturschutz hält Ökosysteme leistungsfähig.
Doch der Wandel geschieht nicht von allein. Die Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie zeigt, welche Technologien jetzt ausgebaut und welche politischen Maßnahmen jetzt ergriffen werden müssen, um den Wandel zu ermöglichen. Die Studie beleuchtet, wie Industrie, Politik und Gesellschaft gemeinsam eine zukunftsfähige, saubere und wettbewerbsfähige Wirtschaft aufbauen.
Erfahren Sie, welche Hebel jetzt entscheidend sind – und warum eine klimaneutrale Industrie mehr schützt als nur das Klima.
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Deutsche Industrie stößt vergleichsweise viele Treibhausgase aus
Treibhausgase entstehen einerseits bei der Verbrennung von Brenn- und Treibstoffen zur Erzeugung von Energie. Die besonders energieintensiven Industrien wie Stahl, Chemie, Zement, Kalk oder Glas sind daher auch für einen überproportionalen Anteil des CO₂-Ausstoßes in Deutschland verantwortlich.
Zusätzlich haben diese Industrien prozessbedingte Kohlenstoffemissionen durch die eingesetzten Rohstoffe, die bei der Herstellung von Kalk oder Zement CO₂ abscheiden. Dies lässt sich bislang technisch nur teilweise durch eine Umstellung der Produktion wie bei Stahl vermeiden, wo eine Umstellung zu einer massiven Senkung der Emissionen führen kann.
Der Anteil der Industrie an den gesamten deutschen Treibhausgasemissionen liegt aktuell bei gut 20 Prozent. Gleichzeitig ist die Industrie in Deutschland in einem viel stärkeren Maße als in anderen Ländern das Grundgerüst für Wohlstand, Arbeitsplätze und sozialen Zusammenhalt.
Industrie muss Beitrag leisten
Um die Verlagerung von Emissionen in andere Länder zu vermeiden, muss die Industrie so transformiert werden, dass sie einen Beitrag zur langfristigen Stärkung eines grünen Wirtschaftsstandorts leisten kann. Daher ist es entscheidend, Industrie, Biodiversität und Klimaschutz miteinander in Einklang zu bringen, so dass wir alle eine Zukunft haben. Klimaneutrales, naturverträgliches Wirtschaften ist zwingend notwendig, damit Ökosysteme gesunden und heutige wie zukünftige Generationen gut leben können.
Die Europäische Union verfolgt das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu sein, damit das Klima durch menschliches Handeln – auch durch die Industrie – nicht weiter angeheizt wird. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Treibhausgasemissionen über alle Industriezweige hinweg vermieden, reduziert und der Rest neutralisiert werden.
Notwendige nächste Schritte
Zur Erreichung der Klimaziele müssen die Emissionen im Industriesektor weiter drastisch gesenkt und die Transformationsprozesse in der Industrie deutlich beschleunigt werden. Mittelfristig wird der CO₂-Ausstoß aus energetischen Prozessen durch den Einsatz erneuerbarer Energien entfallen. Bei der Umstellung des Stromsektors auf Erneuerbare Energien dürfen jedoch keine zusätzlichen fossilen Abhängigkeiten geschaffen werden.
Eine konsequentere Förderung der Kreislaufwirtschaft muss einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, den Rohstoffeinsatz zu vermindern und den CO₂-Ausstoß der Industrie zu reduzieren. So können etwa in der Chemie- und der Zementindustrie aufbereitete Abfallstoffe einen deutlich höheren Anteil an der Produktion einnehmen, als sie es bisher tun.
Wir müssen uns der Emissionen annehmen, die, selbst wenn wir alle Möglichkeiten zur Vermeidung und Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Industrie ausreizen, als ein gewisser Restausstoß im Rahmen stofflicher Prozesse unvermeidlich sind. Die Bundesregierung erwartet, basierend auf verschiedenen Studien, dass etwa 30 bis 70 Millionen Tonnen CO₂ langfristig nicht oder nur sehr schwer vermieden werden können.
Selbst wenn das Prinzip gilt: „Vermeidung vor Abscheidung“, wird die Klimaneutralität ohne den Einsatz von Abscheide- bzw. Negativemissionstechnologien, welche den verbliebenen Ausstoß in den Produktionsprozessen abfangen und verwerten, nicht zu erreichen sein. Zu diesen Technologien gehören Carbon Capture and Usage (CCU) und Carbon Capture and Storage (CCS).
Wenn wir CCU bzw. CCS in Deutschland und international anwenden, müssen wir dafür sorgen, dass der erhöhte Energieaufwand nicht Biodiversitäts- und Klimazielen zuwiderläuft. Deshalb setzt sich der NABU gemeinsam für eine sinnvolle Ausgestaltung und eine streng begrenzte Anwendung ein.
