Source: Bundesministerium fur Wirtschaft und Energie
IN KÜRZE
Die Weltwirtschaft zeigt sich widerstandsfähig und die Inflation nähert sich in einer wachsenden Zahl von Volkswirtschaften den Zielwerten der Zentralbanken. Dies gibt dem realen Einkommenswachstum und damit den Ausgaben der privaten Haushalte Auftrieb, wenngleich das Verbrauchervertrauen in vielen Ländern das Niveau von vor der Pandemie noch nicht wieder erreicht hat. Unisono gehen der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihren aktuellsten Prognosen für dieses und nächstes Jahr von einem Wachstum der Weltwirtschaft von jeweils 3,3 % aus.
DIE WELTWIRTSCHAFT ZU JAHRESBEGINN – DREI PROGNOSEN, EINE ÄHNLICHE SICHT
In seiner jüngsten Konjunkturprognose (World Economic Outlook update vom 17. Januar) stellt der IWF fest, dass das globale BIP-Wachstum im dritten Quartal 2024 um 0,1 Prozentpunkte (PP) unter der Prognose vom Oktober 2024 lag. Dies läge daran, dass einige asiatische und europäische Länder die Erwartungen nicht erfüllt hätten. So genügte in China das überraschend starke Exportwachstum nicht, um die überraschend ausgeprägte Konsumschwäche auszugleichen. Wegen eines unerwartet deutlichen Rückgangs der Industrieproduktion blieb auch Indien hinter der Oktoberprognose zurück. Im Euroraum blieb das Wachstum verhalten, was vor allem auf die anhaltende Schwäche des Verarbeitenden Gewerbes und der Warenexporte zurückging. Dagegen blieb die Dynamik in den Vereinigten Staaten robust.
Mit Blick in die Zukunft gelangt der IWF zu sehr ähnlichen Einschätzungen wie die OECD fünf Wochen zuvor (Economic Outlook vom 4.12.2024): Niedrige Inflation, stetiges Beschäftigungswachstum und eine weniger restriktive Geldpolitik dürften die Nachfrage stützen, auch wenn die notwendige Straffung der Fiskalpolitik in vielen Ländern für etwas Gegenwind sorge. Länderspezifische Unterschiede dürften fortbestehen, aber in dem Maße abnehmen, wie das solide Wachstum in den Vereinigten Staaten und Brasilien nachlasse und die Konjunkturerholung in Europa an Fahrt gewinne. Die lebhafte Binnennachfrage in Indien und Indonesien sowie angekündigte Konjunkturmaßnahmen in China und Japan dürften das weiterhin starke Wachstum in Asien stützen. Beide Organisationen erwarten für die Jahre 2025 und 2026 ein globales BIP- Wachstum von 3,3 %, nach 3,2 % in 2024. Dabei betont der IWF allerdings, dass die Unsicherheit hinsichtlich mögliche Maßnahmen der Trump-Administration nur als erhöhte handelspolitische Unsicherheit berücksichtigt wurde, aber keine konkreten Maßnahmen Eingang in die Prognose gefunden hätten.
Zwar ist die Prognose für die Weltwirtschaft im Vergleich zu Oktober 2024 nahezu unverändert und nimmt lediglich eine Aufwärtskorrektur um 0,1 PP für 2025 vor. Auf Ebene der Wirtschaftsräume nimmt der IWF dagegen deutliche Anpassungen vor, die insb. in den entwickelten Volkswirtschaften in verschiedene Richtungen gehen. In den Vereinigten Staaten wird eine weiterhin solide Nachfrage erwartet. Dagegen wird im Euroraum zwar mit einer Belebung gerechnet, allerdings in schwächerer Form als im Oktober. Geringe Dynamik im Verarbeitenden Gewerbe und erhöhte politische Unsicherheit verdüsterten die Wachstumsperspektive. In anderen entwickelten Volkswirtschaften sieht der IWF die Aussichten aufgrund gegenläufiger Kräfte relativ stabil: Einerseits dürften steigende Realeinkommen den Konsum fördern, andererseits handelspolitischer Gegenwind und zunehmende Unsicherheit die Investitionen belasten. Auch für die Schwellen- und Entwicklungsländer erwartet der IWF, dass das Wachstum in 2025 und 2026 weitgehend dem letztjährigen entspricht.
Qualitativ sehr ähnliche Entwicklungen wie die „Schwesterorganisation“ beschreibt die Weltbank in ihrer aktuellen Prognose (Global Economic Prospects vom 16. Januar 2025). Allerdings kommt sie trotz ähnlicher Schlüsse wegen einer anderen Aggregationsmethode zu systematisch niedrigeren Wachstumszahlen für Ländergruppen und die Welt insgesamt: Für Letztere erwartet die Weltbank 2,7 % Wachstum in 2025 und 2026. Unbeschadet des methodischen Unterschieds gilt für alle drei Prognosen (IWF; OECD, Weltbank) die These einer Stabilität auf eher bescheidenem Niveau – das globale Wachstum liegt deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 2000–2019 (= 3,7 % nach IWF-Methodik), was die Weltbank aus entwicklungspolitischer Perspektive sorgt: Der Aufholprozess der Schwellen- und insbesondere der ärmsten Entwicklungsländer verlangsame sich, Fortschritte bei Lebensstandards und Pro-Kopf-Einkommen würden durch die geringen Wachstumsraten erschwert.
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DER WELTHANDEL BLEIBT BISLANG AUF ERHOLUNGSKURS
Nach schwachem Vorjahr 2023 erholte sich der Waren- und Dienstleistungshandel im letzten Jahr. Der Aufschwung war auch auf den Aufbau von Lagerbeständen in Erwartung möglicher Handelsverwerfungen zurückzuführen. Die Transit- und Frachtraten im Seeverkehr stiegen in der zweiten Jahreshälfte 2024 an. Dennoch liegen die Kosten laut Weltbank weiterhin spürbar unter den Spitzenwerten, die während der Pandemie zu verzeichnen waren, und hatten bisher keine nennenswerten Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Waren oder die weltweiten Lieferzeiten. Daneben wurde das Welthandelsvolumen vor allem durch die Erholung des US-Konsums unterstützt. Besonders in China und den dynamischen asiatischen Volkswirtschaften nahm das Exportvolumen zu. Der Handel mit Dienstleistungen war 2024 ebenfalls relativ lebhaft, mit einem soliden Wachstum bei den Unternehmensdienstleistungen und im Tourismus. Letzterer hat sich in fast allen Weltregionen auf das Niveau vor der Pandemie erholt. Insgesamt funktionieren die Lieferketten weiterhin gut, obwohl es in einigen wichtigen Drehkreuzen in Asien aufgrund der längeren Transportwege für Containerschiffe, die das Rote Meer meiden, zu mehr Verspätungen und Engpässen im Schiffsverkehr kommt. In Reaktion darauf ist auch das Luftfrachtaufkommen letztes Jahr gestiegen.
Für 2025 und 2026 korrigieren IWF und Weltbank die Schätzungen im Vergleich zu früheren Prognosen etwas nach unten und verweisen auf die stark gestiegene handelspolitische Unsicherheit. Diese habe angesichts der Ankündigung neuer handelspolitischer Maßnahmen in mehreren großen Volkswirtschaften – vor allem in den Vereinigten Staaten – zugenommen. Weltweit war die Zahl der neuen handelsbeschränkenden Maßnahmen, die 2024 eingeführt wurden, fünfmal höher als im Durchschnitt der Jahre 2010 – 2019. Dabei war der Einsatz handelsbeschränkender Maßnahmen in Ländern, deren Abstimmungsverhalten in der Generalversammlung der Vereinten Nationen eng mit dem Chinas oder der Vereinigten Staaten übereinstimmt, stärker ausgeprägt – in diesen Ländern hat sich die Zahl der Maßnahmen seit 2015 verfünffacht, während sie sich in den blockfreien Ländern „nur“ verdoppelt hat. Die geopolitische Dimension ist erkennbar erstarkt.
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DIE INFLATIONSENTWICKLUNG LÄSST EINE DIVERGENZ DER GELDPOLITIK ERWARTEN
Die Inflation ging 2024 weltweit zurück. In vielen Industrieländern ist sie bereits nahe der Zielmarken, auch in den meisten Schwellen- und Entwicklungsländern rückläufig. Energie- und Lebensmittelpreise sind gesunken, Lieferketten haben sich erholt und die restriktive Geldpolitik wirkt. Allerdings könnte der Fortschritt mindestens teilweise ins Stocken geraten: Obwohl die Kerninflation bei den Warenpreisen zurückgegangen ist, liegt sie bei den Dienstleistungen in vielen Ländern, vor allem in den Vereinigten Staaten und im Euroraum, immer noch über den Werten vor der Corona-Pandemie. Seit Aufhebung der meisten Coronabedingten Beschränkungen Anfang 2022 hat sich die Nachfrage wieder auf den Dienstleistungssektor verlagert. Durch die starke Nachfrage in Verbindung mit Arbeitskräftemangel in einigen Dienstleistungsbereichen stiegen die Dienstleistungspreise relativ schnell. Auch ein knappes Wohnungsangebot insbesondere in dynamischen Regionen bremst direkt und indirekt über weniger anpassungsfähige Arbeitsmärkte den Rückgang der Dienstleistungsinflation.
Im Allgemeinen wird aber erwartet, dass die Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung anhalten. Die Weltbank erwartet einen weltweiten Durchschnitt von 2,7 % über die nächsten beiden Jahre, wobei der im Vergleich zum IWF niedrige Wert weitestgehend der unterschiedlichen Aggregationsmethode geschuldet ist. Der IWF prognostiziert 4,2 % in diesem und 3,5 % im nächsten Jahr und erwartet, dass die Inflation in den Vereinigten Staaten 2025 über dem Zielwert von 2 % liegen, im Euroraum aber gedämpfter ausfallen und in China weiterhin niedrig bleiben wird. Folglich könnten Zentralbanken die Zinsen unterschiedlich schnell senken und somit eine Divergenz in der Geldpolitik entstehen.
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DIE ROHSTOFFMÄRKTE NORMALISIEREN SICH
Die Weltbank erwartet, dass die Rohstoffpreise bis nächstes Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2020 sinken. Allerdings bleibt das Preisniveau über dem vor der Pandemie. Der Preis für Rohöl (Sorte Brent) lag 2024 bei durchschnittlich 80 $/ Barrel und damit etwas niedriger als im Vorjahr, aber 40 % über dem Durchschnitt der Jahre 2015–2019. Der Rückgang spiegelt ein reichliches globales Ölangebot bei bescheidenem Verbrauchswachstum wider. Aufgrund derselben Faktoren werden für die nächsten beiden Jahre Preise um die 72 $/Barrel erwartet. Erdgas wird den Prognosen zufolge 2025–2026 in den USA deutlich teurer, da neue Flüssigerdgas (LNG)-Terminals die Exportkapazität erhöhen. Für Europa prognostiziert die Weltbank einen Preisanstieg um 11 % in 2025, der die starke globale LNG-Nachfrage widerspiegelt. 2026 sollten die Preise wieder sinken, da mehr LNG auf den Markt gelangt. Die Preise für Basismetalle stiegen, angetrieben von Aluminium und Kupfer, 2024 um 6 %, was der angespannten Versorgungslage entspricht. Im Gegensatz dazu sanken die Eisenerzpreise um 10 %, was aus reichlichem Angebot und einer schwächeren Stahlnachfrage, insbesondere aus dem chinesischen Immobiliensektor, resultiert. Die Weltbank erwartet, dass die Preise für Basismetalle 2025–2026 im Einklang mit dem stetigen globalen Wachstum weitgehend stabil bleiben. Edelmetalle dürften ihr hohes Niveau – die Goldpreise verzeichneten Höchststände – angesichts der geopolitischen Spannungen halten. Nahrungsmittelrohstoffe verbilligten sich letztes Jahr, zuvorderst sanken die Getreidepreise dank guter Ernten um 15 %. Es wird erwartet, dass die Lebensmittelpreise 2025 aufgrund günstiger Wachstumsbedingungen in wichtigen Exportländern weiter sinken und sich 2026 stabilisieren.
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DIE UNSICHERHEIT IST GESTIEGEN, DIE ABWÄRTSRISIKEN DOMINIEREN WIEDER
Hielten sich vor einem halben Jahr die Aufwärts- und Abwärtsrisiken halbwegs die Waage, so treten die Schatten gegenüber den Hoffnungsschimmern zu Jahresbeginn 2025 wieder deutlicher hervor:
Eine Verschärfung protektionistischer Politiken könnte Investitionen belasten, Handelsströme verzerren und Lieferketten erneut unterbrechen. Das Wachstum würde sowohl kurz- als auch mittelfristig leiden, allerdings je nach Ausgestaltung in unterschiedlichem Maße in den einzelnen Volkswirtschaften. Zeitpunkt und Ausmaß möglicher Änderungen in der Handelspolitik der USA und Reaktionen der Handelspartner sind derzeit unklar. Simulationen der Weltbank deuten allerdings darauf hin, dass eine Erhöhung der US-Zölle gegenüber allen Handelspartnern um 10 PP das globale Wachstum in 2025 um 0,2 PP verringern würde. Wenn proportionale Vergeltungszölle berücksichtigt werden, würde das globale Wachstum 2025 um etwa 0,3 PP niedriger ausfallen.
Eine lockerere Fiskalpolitik in den Vereinigten Staaten könnte die Wirtschaftstätigkeit zwar kurzfristig ankurbeln und sich positiv auf das weltweite Wachstum auswirken. Längerfristig könnte dies aber eine fiskalpolitische Anpassung erfordern, die die Rolle der US- Staatsanleihen als weltweit sichere Anlage schwächen würde. Darüber hinaus könnte eine höhere Kreditaufnahme der USA die weltweite Kapitalnachfrage erhöhen, was einen Anstieg der Zinssätze bedingen könnte.
Während eine Verringerung des Bürokratieaufwands für Unternehmen das kurzfristige Wachstum in den USA durch höhere Investitionen ankurbeln dürfte, könnte die Aufwertung des Dollars Kapitalabflüsse aus Schwellen- und Entwicklungsländern induzieren und Risikoprämien in die Höhe treiben.
Die Inflationsdynamik könnte ebenfalls beeinflusst werden. Im Vergleich zu früheren Handelskonflikten dürften die Aufwärtsrisiken für die Inflation infolge von Zollerhöhungen gestiegen sein: Die Inflationserwartungen sind heute höher als im Zeitraum 2017– 2021, die konjunkturelle Lage ist heute inflationsaffiner als 2016 und Vergeltungsmaßnahmen in Form von Beschränkungen für schwer zu ersetzende Materialien oder Zwischenprodukte könnten einen Einfluss auf die Gesamtinflation haben. Die Gefahr eines erneuten Inflationsdrucks könnte Zentralbanken zu Zinserhöhungen veranlassen. Höhere bzw. länger hohe Zinssätze könnten die fiskalischen, finanziellen und außenwirtschaftlichen Risiken erhöhen.
Neben den Risiken, die sich aus wirtschaftspolitischen Veränderungen ergeben, könnten geopolitische Spannungen zu einem erneuten Anstieg der Rohstoffpreise führen. Akute und schwelende Konflikte könnten sich verschärfen und sich auf Handelsrouten sowie Lebensmittel- und Energiepreise auswirken. Rohstoffimportierende Länder wären besonders betroffen, wobei die Auswirkungen durch einen aufwertenden Dollar noch verstärkt würden.
Auf der anderen Seite könnte es positiv überraschen, wenn es den Regierungen gelänge, bestehende Handelsabkommen neu zu verhandeln und neue zu schließen. Dies könnte die Unsicherheit schneller beseitigen. Durch die Stärkung des Vertrauens könnten solche kooperativen Ergebnisse Investitionen und mittelfristige Wachstumsaussichten fördern.
Auch auf anderen Feldern könnten Wachstumsimpulse entstehen. Regierungen könnten überfällige Strukturreformen in Angriff nehmen, um zu verhindern, dass sich die Divergenz zu wettbewerbsfähigeren Ländern verfestigt. Maßnahmen zur Erhöhung des Arbeitskräfteangebots, zum Abbau von Fehlallokationen, zur Stärkung des Wettbewerbs und zur Förderung von Innovationen sowie gezielte Reformen in den Bereichen Gesundheitswesen, Bildung und Digitalisierung könnten Produktivitätswachstum entfachen.
LAGE UND AUSSICHTEN IN DEN WELTREGIONEN
In den Vereinigten Staaten bleibt die Nachfrage robust, was auf Vermögenseffekte, eine weniger restriktive Geldpolitik und günstige finanzielle Bedingungen zurückgeführt wird. Da sich die Zuwanderung abschwächt und die privaten Haushalte weniger Spielraum haben, um ihre Ersparnisse weiter abzubauen, sollte das Konsumwachstum nachlassen. Gleichzeitig dürften aber die Investitionen leicht zunehmen. Für 2025 erwartet der IWF ein Wachstum von 2,7%. Dies sind 0,5 PP mehr als im Oktober, was neben statistischen Überhangeffekten auf robuste Arbeitsmärkte und eine Beschleunigung der Investitionen zurückgeführt wird. Für 2026 wird erwartet, dass sich das Wachstum auf sein Potenzial reduziert und bei 2,1 % einstellt. Der OECD zufolge dürfte das BIP-Wachstum 2025 bei 2,4 % liegen und sich nächstes Jahr auf 2,1% abschwächen. Mit Erwartungen von 2,3 % und 2,0 % liegt die Weltbank nahe an Paris. Als Abwärtsrisiken gelten ein anhaltender Inflationsdruck, der die erwartete Senkung des Leitzinses verzögert, und eine Zunahme der Handelsspannungen. Als Aufwärtsrisiken werden eine Fortsetzung des starken Produktivitätswachstums und die Deregulierung von Schlüsselsektoren der Wirtschaft genannt.
In Kanada haben sich Gesamt- und Kerninflation dem Zielwert angenähert. Der Wohnungsmarkt entwickelt sich jedoch schwach und hohe Hypothekenkosten belasten den Konsum, erwartbar niedrigere Zinssätze dürften aber die Investitionen und verbesserte globale Aussichten die Exporte unterstützen. Das BIP-Wachstum dürfte sich OECD und IWF zufolge von 1,3 % im Jahr 2024 auf je 2,0 % in den nächsten beiden Jahren erhöhen.
In Japan wird das BIP 2025 den OECD-Projektionen zu- folge um 1,5 % steigen und sich 2026 mit 0,6 % wieder dem Potenzial nähern. Der private Konsum dürfte von robusten Lohnzuwächsen und einem moderaten Anstieg der Verbraucherpreise profitieren. Hohe Gewinne und staatliche Subventionen, insbesondere für grüne und digitale Investitionen, dürften die Unternehmensinvestitionen fördern. Die Gesamtinflation wird sich den Projektionen zufolge in der Nähe des 2 %-Ziels einpendeln, unterstützt durch Lohnwachstum und Weitergabe der Arbeitskosten an die Preise. Die Weltbank prognostiziert für dieses Jahr 1,2 % und für nächstes Jahr 0,9% Wachstum, der IWF erwartet 1,1 bzw. 0,8 %.
Das BIP der Eurozone erhöhte sich im vierten Quartal geringfügig um 0,1 %. Während Spanien und Portugal kräftig wuchsen (+0,8 % bzw. +1,5 %), verzeichneten Deutschland und Frankreich leichte Rückgänge im Jahresendquartal. Italien stagnierte erneut. Für 2024 wird ein durchschnittliches Wachstum von 0,8 % erwartet, basierend auf den jüngsten Prognosen von EZB, EU-Kommission, IWF und OECD. Für 2025 liegt der Durchschnitt der Prognosen bei 1,2 %, für 2026 bei 1,5 % und für 2027 bei 1,3 %. Der private Konsum stieg zuletzt um 0,5 %, blieb in Deutschland stabil, ging in Frankreich und Italien um -0,4 % zurück, während Spanien mit 2,8 % ein starkes Konsumwachstum zeigte. Die Inflation in der Eurozone lag in den letzten Monaten hartnäckig bei 2,4 %, mit einer Kerninflation von 2,7 % im Schnitt der letzten drei Monate. Während die Energiepreise bei durchschnittlich 0,0 % stagnierten, stiegen die Preise für Dienstleistungen um 3,9 % im Schnitt. Jüngste Prognosen von EZB, EU-Kommission, IWF und OECD prognostizieren im Mittel, dass die Inflation von 2,4 % im Jahr 2024 auf 2,1 % im Jahr 2025 und 1,9 % im Jahr 2026 sinkt, bevor sie sich 2027 bei 2,0 % stabilisiert.
Für das Vereinigte Königreich erwartet die OECD, dass Staatsausgaben und Investitionen das Wachstum im Jahr 2025 zunächst ankurbeln, bevor Steuererhöhungen den privaten Verbrauch belasten und staatlicher Kreditbedarf die privaten Investitionen verdrängt. Überschüssige Ersparnisse der privaten Haushalte, das Bevölkerungswachstum und die Lockerung der Geldpolitik dürften hohe Wohnungsbauinvestitionen auslösen. Die Gesamtinflation dürfte der OECD zufolge mit 2,7 % in diesem und 2,3 % im nächsten Jahr über dem Zielwert von 2 % bleiben, da die Dienstleistungsinflation hartnäckig ist und die im letzten Herbstbudget beschlossene Ausweitung der öffentlichen Investitionen die Wirtschaft über ihr Potenzial bringe. Die OECD prognostiziert ein Wachstum von 1,7 % in 2025 und 1,3 % im nächsten Jahr. Der IWF erwartet 1,6 % und 1,5 %.
In China dämpften rückläufige Immobilieninvestitionen und schwaches Verbrauchervertrauen das letztjährige Wachstum etwas. Für 2025 wird eine weitere Verlangsamung erwartet. Der Konsum dürfte schwach bleiben und sich nach Einschätzung der OECD auch nicht beleben, solange ausbleibende Sozialversicherungsreformen das Vorsorgesparen nahelegen. Die Konsumlaune wird auch durch Vermögenseffekte infolge sinkender Immobilienpreise getrübt. Da die Baubeginne in der zweiten Jahreshälfte 2024 weiter zurückgingen, wird eine Stabilisierung des Immobiliensektors erst im Laufe dieses Jahres erwartet. Im darauffolgenden Jahr 2026 dürfte die Verschuldung von Unternehmenssektor und öffentlicher Hand für rückläufige Investitionen sorgen. Zudem dürfte sich die Verlangsamung des Produktivitätswachstums bemerkbar machen. Der Tourismus, die größte Importkomponente, dürfte das Vor-Covid-Niveau kaum mehr erreichen und der Leistungsbilanzüberschuss weiter steigen. Die Inflation dürfte auf ein normaleres, aber immer noch niedriges, Niveau zurückkehren. Gegenüber seiner Projektion vom Oktober korrigiert der IWF das Wachstum in 2025 geringfügig um 0,1 PP auf 4,6 % nach oben. Dies wird u.a. auf das im November angekündigte Steuerpaket zurückgeführt, das die handelspolitische Unsicherheit und die Belastungen aus dem Immobilienmarkt weitgehend ausgleiche. Für 2026 wird ein Wachstum von 4,5 % prognostiziert, da die handelspolitische Unsicherheit nachlassen und die Erhöhung des Renteneintrittsalters den Rückgang des Arbeitskräfteangebots verlangsamen dürfte. Die OECD erwartet 4,7 und 4,4 %, die Weltbank 4,5 und 4,0 % für dieses und nächstes Jahr.
In Indien hat sich das Wachstum nach 8,2 % im letzten Haushaltsjahr 2023/2024 – in Indien wird von Anfang April bis Ende März bilanziert – leicht abgeschwächt. Die Wirtschaftstätigkeit bleibt aber rege, was auf die steigende Nachfrage und steigende Einkommen im ländlichen Raum, günstige makroökonomische Rahmenbedingungen und großzügige Kreditvergabe zurückgeführt wird. Eine gute Aussaat und ein starker Monsun dürften den Druck auf die Lebensmittelpreise abschwächen und dafür sorgen, dass die Inflation wieder in die Nähe des 4 %-Ziels zurückkehrt. Die fiskalpolitischen Rahmenbedingungen gelten als gut, da das gesamtstaatliche Defizit und die Verschuldung trotz höherer öffentlicher Investitionen rückläufig sind. Für die nächsten beiden Haushaltsjahre erwarten IWF (je 6,5 %), OECD (6,9 bzw. 6,8 %) und Weltbank (je 6,7 %) gleichermaßen ein solides Wachstum.
Für Lateinamerika und die Karibik erwartet der IWF – gegenüber Oktober unverändert – eine Wachstumsbeschleunigung auf 2,5 % in diesem und 2, 7% im nächsten Jahr. Für Argentinien geht die OECD davon aus, dass der Konsum durch Reallohnzuwächse bei sinkender Inflation und sich stabilisierendem Arbeitsmarkt gestützt wird. Die Investitionen dürften von zunehmendem Vertrauen profitieren. So rechnet die OECD mit einem Wachstum von 3,6 % in diesem und 3,8 % im nächsten Jahr. Auch die Weltbank ist optimistisch und erwartet für die beiden Jahre gar 5 % und 4,7%. Landwirtschaft, Energiesektor und Bergbau dürften von makroökonomischer Stabilität und unternehmensfreundlicher Gesetzgebung profitieren. Mexiko dürfte den Projektionen zufolge mäßig, aber solide wachsen, nachlassende Inflation den Konsum stützen, ein allmählicher Rückgang der Zinsen die Investitionen anregen. Der Export sollte von der günstigen Konjunktur im nördlichen Nachbarland profitieren, sofern die Handelsbedingungen unverändert bleiben, wie in den Prognosen angenommen. Die OECD erwartet ein Wachstum von 1,2 % im Jahr 2025 und 1,6 % in 2026, der IWF rechnet mit 1,4 % und 2,0 %, die Weltbank mit 1,5 % und 1,6 % in beiden Jahren. In Brasilien dürften steigende Einkommen und robuste Beschäftigung den privaten Konsum fördern, die landwirtschaftliche Produktion indes aufgrund ungünstigerer Witterungsbedingungen hinter der Rekordernte des letzten Jahres zurückbleiben. Die Inflation dürfte sich, wenn auch nur langsam, bis 2026 dem Zielwert von 3,0 % annähern. Die OECD erwartet eine Abschwächung des Wachstums von 3,7 % im letzten Jahr auf 2,3 % in 2025 und 1,9 % in 2026. Die Weltbank erwartet 2,2 % in diesem und 2,3 % im nächsten Jahr, der IWF jeweils 2,2 %.
In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara erwartet der IWF in den nächsten beiden Jahren Wachstumsraten von je 4,2 %, was für 2026 einer leichten Abwärtskorrektur gegenüber Oktober entspricht und – trotz der unterschiedlichen Methodik (s. o.) – nahe an den Erwartungen der Weltbank von 4,1 und 4,3 % liegt. In Südafrika dürften Reformen im Energie- und Verkehrssektor zu einer stabileren Strom- versorgung beitragen, logistische Engpässe abbauen helfen und das Vertrauen stärken. Niedrigere Kreditzinsen dürften die Investitionen fördern, die Rentenreform und verbesserte Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt den Verbrauch ankurbeln. OECD und IWF erwarten für die nächsten beiden Jahre 1,5 und 1,7 % (OECD) bzw. 1,5 und 1,6 % (IWF), die Weltbank ist mit 1,8 und 1,9 % optimistischer. In Nigeria dürfte die Inflation allmählich zurückgehen, was den Konsum beleben und das Wachstum im Dienstleistungssektor unterstützen würde. Die Ölproduktion dürfte im Prognosezeitraum steigen. Der IWF erwartet ein Wachstum von 3,2 % in diesem und 3,0 % im nächsten Jahr, die Weltbank geht von 3,5 % und 3,7 % aus.
Die jüngsten Einschätzungen zur Entwicklung der Weltwirtschaft und ihrer regionalen Komponenten seitens IWF (16.1.), Weltbank (17.1.) und OECD (4.12.24) sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Zudem sind die Korrekturen gegenüber den jeweils vorhergehenden Prognosen dargestellt.
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