Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandPfauenfliegen und Heuschreckenjäger: zum Zwischenstand der Insektensommer-Aktion
Bei der laufenden Insektensommer-Aktion gibt es neben vertrauten Faltern oder Käfern auch Unerwartetes zu entdecken. Etwa die Pfauenfliege, deren Männchen mit den Flügeln wie ein Pfau um die Weibchen wirbt. Oder die Büffelzirpe, die tatsächlich wie ein grünes Mini-Büffelchen aussieht.
Siebenpunkt-Marienkäfer sind jetzt im Hochsommer häufiger zu beobachten als noch im Juni. Diese beiden wurden am Beobachtungswochenende in Potsdam aufgenommen – Foto: Helge May
Die Wespenvölker wachsen momentan noch. Diese Deutsche Wespe nagt an einem Holzpfahl Baumaterial ab (Stadtgarten am Obelisken, Potsdam) – Foto: Helge May
Streifenwanzen halten sich gerne auf Wildem Möhren auf. Hier trägt eine der Wanzen ein Parasitenei auf dem Rücken (Stadtgarten am Obelisken, Potsdam) – Foto: Helge May
Auch Lederwanzen schätzen die Fruchtkörbchen der Wilden Möhre (Katharinenholz Potsdam) – Foto: Helge May
Die kräftigen Vorderbeine der Sichelwanze deuten darauf hin, dass diese Art auf tierische Beute aus ist (Katharinenholz Potsdam) – Foto: Helge May
Der Name täuscht: Die Winterlibelle lässt sich auch im Sommer beobachten. Sie ist ein geduldiges Fotomotiv (Potsdam-Golm) – Foto: Helge May
Weidenjungfer an Weidenzweig: Mit ihren großen Augen können Libellen ausgezeichnet sehen (Potsdam-Golm) – Foto: Helge May
07. August 2024 – Die Hochsommerzählung beim NABU-Insektensommer hat gerade erst begonnen, doch schon jetzt zeichnen sich Trends ab. Bis Sonntag (11.) kann noch beobachtet werden, Meldungen sind online bis einschließlich 18. August möglich.
Einen großen Aufmerksamkeitsvorteil haben beim Insektensommer die per Entdeckungsfrage gesuchten Arten. Dieses Jahr ist es die Feuerwanze. Kein Wunder also, dass die Feuerwanze in der Rangliste der am häufigsten beobachteten Arten weit vorne liegt. Anders als bei der ersten Zähletappe im Juni scheint es für Rang 1 allerdings nicht zu reichen. Dort findet sich mit jetzt schon recht bequemem Vorsprung die Ackerhummel, die Hochsommer-Seriensiegern der letzten Jahre. Auf dem zweiten Platz liegt die Feuerwanze, gefolgt von Grünem Heupferd, Siebenpunkt-Marienkäfer und Blauer Holzbiene.
Der Reiz des Unbekannten
Die Top-Arten sind nicht nur häufig, sondern auch vergleichsweise bekannt und nicht so winzig oder unscheinbar, dass sie leicht übersehen werden. Dabei ist der Reiz der Insektensommer-Aktion, neben den vertrauten Faltern oder Käfern auch Unerwartetes und Unbekanntes zu entdecken. Wer eine Stunde lang genau hinschaut, kann direkt vor der Haustür bizarre Wesen aufspüren. Etwa die kleine, ursprünglich aus Nordamerika stammende Pfauenfliege, deren Männchen mit den Flügeln wie ein Pfau um die Weibchen wirbt. Oder die in vielen Regionen verbreitete Büffelzirpe, einst ebenfalls unabsichtlich aus Amerika nach Europa importiert, die tatsächlich wie ein grünes Mini-Büffelchen aussieht (siehe Bildergalerie).
In Deutschland noch sehr selten, aber in Ausbreitung: Kirbys Heuschreckenjäger mit erbeuteter Schönschrecke – Foto: Eric Fischer/www.naturgucker.de
Die Larve des Rainfarn-Schildkäfers tarnt sich mit der abgestreiften Haut der vorigen Larvenphase. Hier hat sie sie gerade hochgeklappt. Aufgenommen am ersten Beobachtungswochenende in Postdam-Golm – Foto: Helge May
Und so sieht der ausgewachsene Rainfarn-Schildkäfer aus. Larven und Käfer kann man oft zeitgleich beobachten (Potsdam-Golm) – Foto: Helge May
Mit zusammengeklappten Flügeln sieht die Pfauenfliege recht unscheinbar aus (Hochbeetumrandung im Stadtgarten am Obelisken, Potsdam) – Foto: Helge May
Klappt das Pfauenfliegen-Männchen die Flügel hoch und winkt damit, wird es spektakuklär (Stadtgarten am Obelisken, Potsdam) – Foto: Helge May
Grün auf grün ist die Büffelzirpe am Brennnessel-Fruchtstand gut getarnt (Katharinenholz Potsdam) – Foto: Helge May
Hier ist das Insekt nicht direkt zu sehen, in der Kombination von Galle und Pflanzenart aber eindeutig zu bestimmen. Die rötlich Galle enthält Larven der Möhrenfrucht-Gallmücke – Foto: Helge May
Auch hier ist das Insekt in der Pflanze versteckt. Die gelbgrünen Knubbel beherbergen Larven der häufigen Brennnessel-Gallmücke – Foto: Helge May
Wer sich etwas weiter in die Natur hinaus wagt – drei Viertel der Insektensommer-Beobachtungen kommen aus dem eigenen Garten – kann sogar seltene Arten wie Kirbys Heuschreckenjäger notieren. Diese südeuropäische Grabwespe gibt es in Deutschland erst seit 2019. Sie wurde beim Insektensommer vom Mainzer Sand gemeldet, dem Gebiet, von dem auch der deutsche Erstnachweise stammt. Nach nur fünf Jahren hat sich der Heuschreckenjäger bereits über weite Teile der oberrheinischen Sandgebiete verbreitet. Heuschrecken gibt es dort genug, der Tisch ist reich gedeckt.
Weniger Schmetterlinge als üblich
Nach den ersten August-Beobachtungstagen scheinen sich viele Trends der Juni-Zählung zu bestätigen. So liegt die Artenvielfalt, also die Zahl der pro Stunde gesehenen Arten, ungefähr im Durchschnitt der Vorjahre. Artengruppen wie Schmetterlinge und Hummeln haben aber ein eher schlechtes Jahr. Auch mit einem besonderen Wespen- und Hornissenjahr ist nicht mehr zu rechnen. Zwar erreichen deren Völker erst im Laufe des Monats ihre volle Größe, aber es wird alles im normalen Rahmen bleiben.
Bei Steinhummel, Erdhummel und Ackerhummel waren die Junizahlen so niedrig wie noch nie. Wahrscheinlich hat das regenreiche Frühjahr die Entwicklung der Hummelvölker behindert. Diesen Entwicklungsrückstand scheinen sie nicht mehr aufgeholt zu haben. Bei der Ackerhummel ist das allerdings Jammern auf hohem Niveau, denn sie wohl den Titel als am häufigsten beobachtetes Insekt knapp verteidigen.
Blick nach Europa: Schmetterlinge im Regen
Zur Einordnung lohnt ist ein Blick ins benachbarte Ausland. Vor allem in Großbritannien und den Niederlanden wird intensives Schmetterlings-Monitoring betrieben und in beiden Ländern sehen die Daten 2024 sehr schlecht aus. Beim britischen „Big Butterfly Count“ wurden die niedrigsten Schmetterlingszahlen seit 14 Jahren gemessen. In den Niederlanden sind aufgrund des regenreichen Frühjahrs wärme- und trockenheitsliebende Arten wie Brauner Feuerfalter, Kleiner Sonnenröschen-Bläuling oder Rostbinde besonders betroffen. Der Kleine Perlmutterfalter ist laut niederländischem Schmetterlingsmonitoring („Meetnet Vlinders“) 2024 im Binnenland nahezu komplett verschwunden und hat sich nur auf den Nordseeinseln gehalten. Auch im belgischen Flandern wurden kaum Perlmutterfalter gesichtet.
2024 spielt die Witterung im nässegeplagten Westen und Nordwesten Europas eine große Rolle. Aber auch mittel- und langfristig sieht es nicht gut aus. So unterschiedlich die Entwicklung bei manchen Schmetterlingsarten ist: Trotz einzelner erfolgreicher Schutzprojekte und der klimawandel-bedingten Zuwanderung von Arten gehen die Bestände insgesamt deutlich zurück. In Großbritannien etwa weisen 80 Prozent der Arten gegenüber den 1970ern Rückgänge aus. Für die Niederlande fasst es Chris van Swaay von „De Vlinderstichting“ so zusammen: „Bei einem Spaziergang hätten sie in den 1990ern zweieinhalbmal mehr Falter gesehen als heute. Diese Rückgänge gibt es seit Jahren, aber 2024 wird wohl eine neue Niedrigmarke setzen.“
Eine positive Ausnahme unter den Schmetterlingen deutet sich beim Kleinen Fuchs an. Er wird nach schleppendem Start ins Jahr momentan leicht überdurchschnittlich gemeldet. Das ist bemerkenswert, denn allgemein gelten die Bestände des Kleinen Fuchses als rückläufig. Auch bei Schwalbenschwanz und C-Falter werden immerhin Normalwerte erreicht. Zitronenfalter und Kleiner Kohlweißling kommen dagegen bisher nicht vom Fleck. Aber bis Sonntag wird ja noch gezählt.
Sie haben schon fleißig Insekten gezählt? Dann haben Sie folgende Möglichkeiten, Ihre Beobachtungen bis zum 11. August 2024 bei uns einzureichen. Nachmeldungen sind bis zum 18. August möglich.
Die Insektensommer-Kennarten im August
Schwalbenschwanz – Foto: Frank Derer
Kleiner Fuchs – Foto: Frank Derer
Ackerhummelkönigin – Foto: Helge May
Blaue Holzbiene an Breitblättriger Platterbse – Foto: Helge May
Siebenpunkt-Marienkäfer – Foto: Helge May
Grünes Heupferd – Foto: Monika Povel
Streifenwanze – Foto: Helge May
Insektenwissen: Käfer oder Wanze?
Der Insektensommer geht weiter
Insektensommer 2024 – Grafik: publicgarden
02. August 2024 – Vom 2. bis 11. August sind Naturbegeisterte in ganz Deutschland wieder aufgerufen, Insekten zu zählen und ihre Beobachtungen dem NABU zu melden.
Die auffällig rot-schwarz gemusterte Feuerwanze wird oft mit einem Käfer verwechselt, obwohl sie eigentlich eine Wanze ist. Deshalb dreht sich auch unsere diesjährige Entdeckungsfrage beim Insektensommer um das gesellige Insekt.
„Mit der Aktion wollen wir Artenwissen vermitteln und Menschen anregen, sich mit der für uns so wichtigen Tiergruppe zu beschäftigen“, so NABU-Insektenexpertin Dr. Laura Breitkreuz. „Die Insektenpopulation geht seit Jahren stark zurück. Wir brauchen dringend mehr Menschen, die sich mit den Tieren auskennen. Nur so können wir Insekten besser schützen.“
Mitmachen leicht gemacht
Gezählt werden nicht nur Feuerwanzen, sondern alle Insekten, die Sie entdecken können. Aufgrund des feuchten Sommers ist es ratsam, vor der Zählung den Wetterbericht zu checken, da viele Insekten warmes und trockenes Wetter bevorzugen. Eine sonnige und windstille Stunde ist ideal für die Beobachtungen.
Für die Zählung genügt es, eine Stunde in die Natur zu gehen – ob im eigenen Garten, auf dem Balkon, im Park, auf Wiesen, in Wäldern, an Feldern, Teichen oder Bächen. Das Beobachtungsgebiet sollte nicht größer als zehn Meter in jede Richtung sein. Ausgestattet mit Lupe, Stift und Block werden die gezählten Insekten notiert und anschließend online gemeldet. In der Zählhilfe finden Sie die häufigsten Arten, um die Tiere leichter bestimmen zu können.
Nützliche Materialien
