Source: Universitat Hamburg16. Mai 2024, von Claudia Sewig
Foto: UHH/Röttger
Prof. Dr. Jana-Michaela Timm ist Juniorprofessorin für BWL, insbesondere Nachhaltiges Investment und Management an der Universität Hamburg
Wie starte ich ein Unternehmen? Wie setze ich eine Idee gesellschaftlich wirksam um? Was heißt zukunftsfähiges Wachstum? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Studierende im Rahmen einer Lehrveranstaltung. Um die entstandenen Ideen zu präsentieren, bringt die Uni Hamburg erstmals die Social-Entrepreneurship-Szene der Stadt am 31. Mai im Jupiter-Haus zusammen, erzählt Prof. Dr. Jana-Michaela Timm vom Fachbereich Sozialökonomie der WISO-Fakultät im Interview.
Ihre Lehrveranstaltung heißt „Societal Impact through Entrepreneurship“. Was kann man sich darunter vorstellen?
Die Idee dabei war, das Ganze etwas größer zu fassen, schon vom Namen her. Damit wollen wir zeigen: Es ist nicht einfach nur ein Social Entrepreneurship-Kurs, sondern es geht darum, eine positive Wirkung zu erzeugen durch unternehmerisches Denken und Handeln. Das sollen die Studierenden in dieser Lehrveranstaltung lernen.
Die Lehrveranstaltung ist durch eine Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung möglich geworden.
Das stimmt. Gemeinsam mit Prof. Dr. Michel Clement aus der BWL-Fakultät und Prof. Dr. Rouven Seifert, der mittlerweile aus Hamburg an die Universität Rostock gewechselt ist, haben wir ein BMBF-Projekt im Bereich Soziale Innovation und Social Entrepreneurship Education beantragt – und bekommen. Bei dem Projekt geht es darum, mehr Lehrformate an Hochschulen und Universitäten gestalten zu können, die wirklich innovativ sind. Das Endprodukt ist diese Lehrveranstaltung.
Wer kann daran teilnehmen?
Studierende aus verschiedenen Fachrichtungen kommen hier zusammen: Masterstudierende des Studiengangs „Innovation, Business and Sustainability (MIBAS)“ und des Studiengangs „Interdisciplinary Public and Nonprofit Studies (PUNO)“, beides aus der WISO, sowie Masterstudierende aus der Betriebswissenschaft und dem Wirtschaftsingenieurwesen.
Ist es die erste Lehrveranstaltung dieser Art?
Nein. Tatsächlich habe ich bereits verschiedene Formate in drei unterschiedlichen Lehrveranstaltungen in den vergangenen Jahren durchgeführt und zuvor in meiner Doktorarbeit zu dem Thema geschrieben. Neu ist, dass ich die spannendsten Methoden und Inhalte aus den vorigen Lehrveranstaltungen in einer kombiniere: entrepreneuriale Mindsetbildung, also der Entwicklung innovativer Persönlichkeiten im Unternehmensbereich, und dem Anpassen des Handelns an große, gesellschaftliche Herausforderungen, wie Klimawandel oder Biodiversitätsverlust, sowie die unternehmerische Umsetzung dessen. Es geht also um die drei Säulen Selbstentwicklung, Ideenentwicklung und Geschäftsmodellentwicklung. Am Ende werden diese Ideen, um eine nachhaltige Wirtschaft und Gesellschaft zu gestalten, bei einem Pitch einem breiten Publikum und einer Jury vorgestellt. Und dies geschieht erstmalig in einem großen, öffentlichen Rahmen im Jupiter-Haus in der Mönckebergstraße.
Und die Jury nimmt sich dann der Projekte an?
Das kann durchaus sein! Unter anderem ist ja Dr. Birte Prinzhorn, Co-CEO des Impact Hub Hamburg, in der Jury. Im Impact Hub Hamburg sind Unternehmerinnen und Unternehmer aktiv, die diese Ideen weiterführen können, wenn die Studierenden das nicht selber umsetzen möchten. Zudem sitzt Florence Müller, Programm-Managerin des Förderprogramms InnoImpact der Hamburger Investitions- und Förderbank, in der Jury, und kann die Studierenden anregen, sich dort um Förderungen für die Umsetzung zu bewerben. Und ich lade zudem Impact-Investorinnen und Investoren ein, in der Veranstaltung mit den Studierenden ins Gespräch zu gehen. Wenn diese eine Idee vielversprechend finden, werden sie auch auf die Studierenden zugehen.
Die Studierenden können ihre Projektideen also auch selbst umsetzen?
Ja, das ist die Idee dahinter. Doch oft scheitert es an der fehlenden Zeit dafür. Was es meiner Meinung nach noch braucht, sind Lehr-Lernformate, bei denen die Studierenden die Chance und die Zeit erhalten, ihre Ideen tatsächlich umzusetzen. Mein Traum wäre eine Art Praxissemester, in welchem sie genau so etwas machen können, als Teil des Studiums, für das sie Credit-Points bekommen.
Unter den bekannten Referentinnen und Referenten des Abschluss-Pitches ist St. Paulis Vize-Präsidentin Esin Rager. Das hat aber nichts mit dem Aufstieg in die erste Liga zu tun, oder?
Nein, auch wenn das natürlich gerade toll passt! Uns war es gerade im unternehmerischen Bereich sehr wichtig, dass Frauen eine Keynote halten und zeigen, dass sie Dinge bewegen. Da ist Frau Rager unglaublich spannend, weil sie als Gründerin der Bio-Teemarke Samova eine Pionierin war. Zu der Zeit, als sie gegründet hat, hatte sonst noch niemand so richtig die Themen Bio und Fairtrade gemeinsam auf dem Schirm. Und sie ist damit in ganz normalen Supermärkten erfolgreich. Als Vizepräsidentin für Nachhaltigkeit beim FC St. Pauli krempelt sie den Fußballverein auch ganz gut um. Alles zusammen genommen bringt sie eine weibliche, visionäre, erfolgreiche und auch etwas verrückte Perspektive mit.
