Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandStudie wertet Meldungen auf NABU|naturgucker aus
Die aus dem Mittelmeergebiet stammende Nosferatuspinne hat sich inzwischen in fast ganz Deutschland ausgebreitet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Meldungen auf NABU|naturgucker ausgewertet hat. Auch konnten neue Erkenntnisse über die Lebensweise des markanten Achtbeiners gewonnen werden.
Daher der Name: Die Kopfzeichnung der Spinne zeigt – mit ein bisschen Phantasie – ein Abbild des Vampirs Nosferatu mit großen dunklen Augen – Foto: Robert Pfeifle/NABU-naturgucker.de
Nosferatuspinne frontal – Foto: Thomas Hauth/NABU-naturgucker.de
Nosferatuspinne – Foto: Tom Kammermeier/NABU-naturgucker.de
Nosferatuspinne – Foto: Dorothea Nusser-Schüz/NABU-naturgucker.de
12. April 2024 – Sie ist nahezu überall: Die aus dem Mittelmeergebiet stammende Nosferatuspinne (Zoropsis spinimana) hat sich inzwischen in fast ganz Deutschland ausgebreitet. Eine erste Analyse der Funde, die auf NABU|naturgucker im Jahr 2022 gemeldet wurden, hat der Wissenschaft neue Erkenntnisse über das Vorkommen der Art in Deutschland und ihre Lebensweise gebracht. Die Ergebnisse sind nun als Studie im internationalen Fachmagazin Frontiers in Arachnid Science veröffentlicht worden.
Seit ihrer Entdeckung in Deutschland im Jahr 2005 hat sich die Nosferatu-Spinne rasant ausgebreitet. Auf dem Meldeportal von NABU|naturgucker waren im Herbst 2022 innerhalb weniger Wochen mehr als 25.000 neue Funde gemeldet worden. Bis heute sind es rund 35.000 Meldungen von mehr als 20.000 Menschen.
Die Auswertung der Daten zeigt, dass die Nosferatu-Spinne 2022 bereits in nahezu allen Bundesländern verbreitet war. Nur in Mecklenburg-Vorpommern war die Nosferatu-Spinne noch eine Ausnahmeerscheinung. Die Meldedaten verraten darüber hinaus auch viel aus dem Leben der Nosferatu-Spinne: Erwachsene Tiere sowie Jungspinnen kommen das ganze Jahr über in Deutschland vor. Den Winter verbringen sie gern in Gebäuden, etwa in Wohnhäusern und Garagen. Das Bildmaterial gibt ebenfalls Aufschluss über ökologische Aspekte wie verlängerte Paarungsaktivitäten und temperaturabhängige Entwicklungszeiten im Eikokon. Einige Fotos und Videos zeigen, dass sich Nosferatu-Spinnen mitunter von anderen Spinnen ernähren, die auch größer sein können als sie selbst. Darüber hinaus fressen sie Fliegen und Falter. Vermutlich ist das Beutespektrum aber noch viel größer. Über die natürlichen Feinde der Nosferatu-Spinne ist hingegen noch nichts bekannt.
Um die Ausbreitung auch weiterhin zu beobachten, freuen wir uns, wenn Sichtungen auf unserer Meldeplattform dokumentiert werden – am besten mit Foto:
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Sie haben eine Nosferatu-Spinne gesehen? Dann melden Sie Ihre Sichtung über die Webapp von NABU|naturgucker. Sie können dort den Fundort angeben und Bilder hochladen.
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Nosferatumeldungen und Verwechslung mit anderen Arten
Bis April 2024 wurden rund 35.000 Beobachtungen der Nosferatuspinne eingetragen. Die Überprüfung der hochgeladenen Bildern zeigte, dass mehr als 80 Prozent der Bestimmungen korrekt waren. Da sich die meisten Teilnehmer*innen erstmals mit Spinnen beschäftigten, ist diese Quote sehr gut. Etwas mehr als die Hälfte der Fehlbestimmungen entfiel auf die Große Hauswinkelspinne und weitere Winkelspinnen; diese Arten sehen der Nosferatuspinne auch am ähnlichsten. Weitere 29 Prozent machten Gartenkreuzspinnen und andere Kreuzspinnen aus. In zehn Prozent der Fälle ließ sich die Art nicht erkennen, vereinzelt wurden zudem Speispinnen, Sektorenspinnen, Mauerspringspinnen und Wespenspinnen für Nosferatuspinnen gehalten.
Eindrucksvoller„Beifang“: Nachweis der Ostmediterranen Riesenkrabbenspinne
Weil so viele Menschen ihre Sichtungen fotografisch dokumentiert haben, gelang auch der Nachweis einer weiteren südosteuropäischen Art. Zunächst für eine Nosferatu-Spinne gehalten, entpuppte sich ein bei Schwebheim nahe Schweinfurt fotografierter Achtbeiner als Ostmediterrane Riesenkrabbenspinne (Eusparassus walckenaeri). Nach einem Fund vor einigen Jahren in Berlin ist das der zweite Nachweis für Deutschland. Laut Angaben des Finders ist das Tier mit Kräutern aus dem Süden nach Bayern gelangt.
Nachweisbild
Meldeportal NABU|naturgucker und die NABU|naturgucker-Akademie
NABU|naturgucker engagiert sich dafür, mehr Menschen für die Natur und deren Beobachtungen zu begeistern. Seit 2008 bieten wir Interessierten eine Online-Plattform zum Melden und Diskutieren von Naturbeobachtungen und Bildern. Aktuell sind bereits 140.000 Menschen kostenlos registriert. Diese haben rund 14,5 Millionen Beobachtungen und 2,7 Millionen Bilder hochgeladen. Die NABU|naturgucker-Akademie bietet darüber hinaus ein breit gefächertes Lernangebot für Naturinteressierte, die mehr wissen wollen.
Die Große Hauswinkelspinne wird häufig mit der Nosferatuspinne verwechselt. Ihre Beine sind aber länger und einheitlich gefärbt, auch die Kopf- und Hinterleibszeichnung unterscheidet sich deutlich. – Foto: Marion Metzger/www.naturgucker.de
Gartenkreuzspinne mit Beute. Sie wird am zweithäufigsten mit Nosferatu verwechselt. Das namensgebende Kreuz ist aber eindeutig – und die Nosferatuspinne baut kein Netz, sitzt also auch nie in einem. – Foto: Helge May
Ebenfalls nicht Nosferatu, sondern eine Spaltenkreuzspinne. Man findet sie oft außen an Fenstern. – Foto: Walter Wimmer
Die Speispinne ist ein typischer Hausbewohner, im Vergleich zu Nosferatu aber ein Winzling. – Foto: Helge May
Sitzt in einem Netz und ist gelb-schwarz geringelt, kommt außerdem so gut wie nie ins Haus. Dennoch wird auch die Wespenspinne gelegentlich für eine Nosferatuspinne gehalten. – Foto: Helge May
Die kleine Sektorspinne baut ihre Netze gerne außen an Fenstern. – Foto: Michael Kunde/www.naturgucker.de
Die Rindenspringspinne ist unsere größte Springspinne, ins Haus verirrt sie sich nur selten. – Foto: Gerhard Schmidt/www.naturgucker.de
Wärmliebender Winzling mit vier Millimetern Körperlänge: Die Wollige Mauerspringspinne stammt aus dem Süden, sie jagt bei uns an und innerhalb von Gebäuden. – Foto: Helge May
20. September 2022 – Die Nosferatuspinne kommt bei uns fast ausschließlich in Gebäuden vor. In Deutschland wurde die Art erstmals 2005 in Freiburg im Breisgau entdeckt. Bis Sommer 2022 waren im NABU-naturgucker immerhin bereits rund 500 Beobachtungen registriert – zwei Wochen nach Start des NABU-Aufrufs sind es nun fast 16.000. Vom großen Echo zeigt sich NABU-Experte Dr. Roland Mühlethaler angenehm überrascht: „Das Thema hat bei den Medien ebenso gezündet wie beim Publikum. Ein Grund ist neben der eindrucksvollen Größe sicher die Nähe der Art zum Menschen. Dazu kommt noch ein gewisser Gruselfaktor, die Benennung nach einem Stummfilm-Vampir regt zusätzlich die Phantasie an.“
Auch wenn es inzwischen Meldungen aus allen Winkeln der Republik gibt, liegen die Verbreitungsschwerpunkte unverändert im Süden und Westen. Vor allem entlang von Rhein, Neckar und Ruhr kommt die Nosferatuspinne nahezu flächendeckend vor. Nach Norden und Osten dünnen die Nachweise merklich aus. „Unser Meldeaufruf gilt daher weiter“, betont Mühlethaler. „Wir freuen uns über jede zusätzliche Beobachtung. Besonders wertvoll sind dabei Belegfotos, denn so lässt sich die Art sicher nachweisen. Das gilt für alle Regionen, besonders aber für den Osten der Republik. So liegt aus Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern erst je ein Fotobeleg vor.“
Sie wird zwar gelegentlich auch im Freiland gefunden, spätestens im Herbst zieht es die wärmebedürftige Nosferatuspinne aber nach drinnen. Mit einer Körperlänge von bis zu zwei Zentimetern und einer Beinspannweite von etwa fünf Zentimetern gehört sie zusammen mit der Hauswinkelspinne zu den größten Gebäudebewohnerinnen. Die Nosferatuspinne kann spürbar zubeißen, tut das aber nur sehr selten bei direkter Bedrohung. Als nächtliche Jägerin hält sie im Haus den Bestand an Fliegen und anderen Insekten klein.
Porträt der Nosferatuspinne
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