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Tarifjahr 2024: Experten prognostizieren offensive Tarifrunden

Tarifjahr 2024: Experten prognostizieren offensive Tarifrunden

Source: Verdi – Vereinten DienstleistungsgewerkschaftMit einem Blick auf das Tarifjahr 2023, das von vielen Erwartungen begleitet war, hat das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung seine Jahresbilanz für das Tarifjahr 2023 vorgestellt. Diese zeigt, dass die realen Tariflöhne in Deutschland aufgrund der starken Inflation in den letzten Jahren auf das Niveau von 2016 gefallen sind, trotz der Kaufkraftsicherung im Jahr 2023. Laut der WSI-Expert*innen sind offensive Tarifrunden erforderlich, um die massiven Reallohnverluste auszugleichen und die schwache Konjunkturentwicklung zu stabilisieren.
Obwohl die Inflationsrate in diesem Jahr vermutlich auf 2 bis 3 Prozent sinken wird, ist Dr. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs, dennoch davon überzeugt, dass Deutschland in diesem Jahr Tarifrunden bevorstehen, die voraussichtlich von Arbeitskämpfen geprägt sein werden. Und das sei auch bitter nötig. Der Experte für Lohn- und Tarifpolitik betont die Wichtigkeit der kommenden Tarifrunden nicht nur, um die Kaufkraft der Beschäftigten zu erhalten, sondern auch um die Folgen der vergangenen Jahre auszugleichen. 
Im Jahr 2023 wurden insgesamt rund 6,3 Millionen Beschäftigte mit neuen Tarifverträgen versorgt. Weitere 9,2 Millionen Beschäftigte profitieren von bereits zuvor vereinbarten Lohnerhöhungen. Und dennoch, trotz vieler Tarifabschlüsse haben die Beschäftigten immer noch weniger Kaufkraft als vor der Krise. Das zeigt, dass es neben Einmalzahlungen und Inflationsausgleichsprämien endlich flächendeckend höhere Löhne braucht. 
Deutliche Lohnsteigerungen dringend nötig
„In der Tat wird ver.di in den in diesem Jahr anstehenden Tarifrunden versuchen, erneut deutliche Lohnsteigerungen durchzusetzen. Und die werden auch dringend gebraucht, um die Reallohnverluste aufzuholen, die in den Jahren 2021 und 2022 zu verzeichnen waren”, bestätigt Norbert Reuter, Leiter der Tarifpolitischen Grundsatzabteilung bei ver.di. Er erklärt, dass die Inflation hier so schnell zugeschlagen habe, dass die in 2021 und 2022 bereits abgeschlossenen Tarifverträge und laufenden Tarifrunden nicht mehr entsprechend berücksichtigt werden konnten. In 2023 sah es schon deutlich besser aus. Einiges konnte bereits wieder aufgeholt werden. „Damit die Reallöhne und damit auch die Verteilung der Einkommen zwischen ,Arbeit und Kapital’ wieder so ist, wie vor der Corona-Krise und vor dem Inflationshöhenflug, bedarf es noch einiger offensiver Tarifrunden“, prognostiziert Reuter.

MIL OSI