Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandRegen und Sturm machen dem Insektensommer schwer zu schaffen
Nach gutem Start sind die Teilnahmezahlen deutlich eingebrochen. Insektenfans haben aber Gelegenheit, Verpasstes nachzuholen. Die Sechsbeiner warten schon. Aktuell führen Acker- und Erdhummel in der Rangliste vor dem Siebenpunkt. Beobachtet werden kann bis Sonntag, Meldeschluss ist am 20. August.
Licht-Marienkäfer – Foto: Helge May
Rotbeinige Stieldickkopffliege – Foto: Helge May
09. August 2023 – Was wäre wohl das ideale Wetter für neue Insektensommer-Rekorde – tagelang strahlender Sonnenschein oder doch lieber ein paar Wolken dazwischen, damit nicht alle im Freibad abhängen, satt Insekten zu zählen? Wirklich schwer zu sagen. Ganz bestimmt nicht ideal sind Regen und Sturm, wie wir sie seit dem Wochenende erleben. Verlief der Start zur zweiten Zähletappe am Freitag und Samstag noch normal, folgte ab Sonntag ein jäher Absturz. So wenige Meldungen gab es bei der Aktion noch nie.Doch nun ist Wetterbesserung in Sicht und Gelegenheit, Verpasstes nachzuholen. Der NABU hofft, dass viele Insektenfans schon Zählhilfe, Stift, Becherlupe, Smartphone oder Fotoapparat parat haben und nur darauf warten loszulegen. Immerhin geht der offizielle Beobachtungszeitraum noch bis einschließlich Sonntag und die Nachmeldefrist sogar eine weitere Woche länger (20. August). Übrigens leistet auch ein Fernglas wertvolle Dienste, damit lassen sich Insekten ganz nah heranholen und betrachten, ohne sie zu stören.
Bisher mehr Arten je Beobachtungspunkt als im Vorjahr
Während die Teilnahme verständlicherweise stockt, sehen die Insektenzahlen ganz gut aus. Je Beobachtungsort wurden sogar etwas mehr Arten gemeldet als in den beiden Vorjahren. Da wo gezählt wurde, hat man also nicht einfach einen Regenschirm aufgespannt, um zu schauen, ob sich Insekten blicken lassen. Es wurde gezählt, wenn die Bedingungen kurzfristig akzeptabel schienen. Dass es unverändert viel zu entdecken gibt, zeigen auch unsere Bilder, die alle am Samstag und Sonntag in Potsdam entstanden sind.
Die winzige Erzwespe Brachymeria tibialis an Rainfarn – Foto: Helge May
Braunbürstige Hosenbiene ruht bei Nieselregen in Wegwartenblüte – Foto: Helge May
Das Insektensommer-Endergebnis wird erst in anderthalb Wochen vorliegen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass schon früh grobe Trends ablesbar sind. So ist 2023 nur ein mäßiges Schmetterlingsjahr. Bei der Juni-Zählung waren die Zahlen gegenüber dem tollen Vorjahr um die Hälfte eingebrochen. Ganz so arg ist es jetzt nicht mehr, aber es zeichnet sich ein Minus von 20 bis 30 Prozent ab. Für die langfristige Entwicklung sagt das wenig, die natürlichen Schwankungen von Jahr zu Jahr sind bei Insekten groß. Meistgemeldeter August-Falter ist der Kleine Fuchs, gefolgt von den Kohlweißlingen, Admiral und Taubenschwänzchen. Bei den kolibrigleichen Taubenschwänzchen ist der Rückgang gegenüber ihrem Rekord 2022 besonders stark, sie landen aber immerhin auf Durchschnittsniveau.Auch ein außergewöhnliches Wespenjahr ist nicht mehr zu erwarten, obgleich die Völker ihre volle Kopfstärke erst in drei bis vier Wochen erreichen. Wie bereits im Juni sind die Zahlen aktuell eher unter Normal. Es wird wie immer reichlich Wespen in den Kuchenauslagen der Bäckereien geben und sie werden auch am Kaffeetisch nerven. Aber nicht mehr als üblich. Von der großen Verwandtschaft, den Hornissen, werden aktuell sogar weniger gemeldet als im Juni.
Holzbiene, Heupferd und Streifenwanze mit guten Werten
Der Insektensommer ist kein Wettrennen zwischen den Arten, dennoch ist ein Blick auf die Reihenfolge interessant. Von ganz vorne grüßen wie im Vorjahr Acker-, Erd- und Steinhummel. Zum einen, weil man sie tatsächlich fast überall auf Nektarsuche sieht, zum anderen, weil sie durch die Entdeckungsfrage „Welche Hummeln können Sie am Hintern erkennen?“ einen zusätzlichen Aufmerksamkeitsschub erhalten. Umso erstaunlicher ist, dass der Siebenpunkt-Marienkäfer an die Hummeln nahe rankommt und sich zeitweise vor der Steinhummel auf Rang 3 schiebt. Mit fast 40 Prozent der Beobachtungsgebiete wird der Glücksbringer doppelt so oft gesehen wie 2022.Ebenfalls bisher stärker als im Vorjahr vertreten sind das Große Heupferd sowie Feuer- und Streifenwanze. Auch bei der Blauen Holzbiene sieht es gut aus, der auffällige dicke Brummer scheint sich dauerhaft in den Top 10 zu etablieren. Wir dürfen gespannt sein, ob sich diese Trends bis zum Ende halten oder es doch noch größere Überraschungen gibt.
Sommer, Sonne, Badesee – und die Becherlupe einpacken
Der Insektensommer 2023 geht in die zweite Runde
Insektensommer 2023
04. August 2023 – Der Insektensommer geht heute in die zweite Runde: Vom 4. bis 13. August rufen wir wieder auf, die faszinierende Welt der Insekten zu erkunden. Auch wer im Urlaub ist, kann problemlos an der Zählaktion teilnehmen.
Abkühlung brauchen übrigens auch Insekten: Die Blaugrüne Mosaikjungfer lebt und jagt zum Beispiel an langsam fließenden oder stehenden Gewässern. Sie ist eine unserer Kernarten in der jetzt beginnenden zweiten Zählperiode des Insektensommers. Mit dem Blick auf diese Kernarten wird die große Insekten-Vielfalt etwas überschaubarer. Neben der Mosaikjungfer befinden sich auf unserer Zählhilfe übrigens noch Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs, Ackerhummel, Holzbiene, Siebenpunkt-Marienkäfer, Grünes Heupferd und die Streifenwanze.
Ziel der Aktion: Die Artenkenntnis fördern und dabei die Begeisterung für die Sechsbeiner wecken. „Insekten bestäuben unsere Nutzpflanzen, sind Nahrungsquelle für andere Tiere und sorgen nicht zuletzt für eine bessere Bodenqualität“, erklärt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller und betont, wie wichtig es ist, sich für ihren Schutz und Erhalt einzusetzen.
Sie haben schon fleißig Insekten gezählt? Dann haben Sie folgende Möglichkeiten, Ihre Beobachtungen einschließlich Nachmeldefrist bis spätestens 20. August bei uns einzutragen:
Blaugrüne Mosaikjungfer (Männchen) – Foto: Monika Povel
Schwalbenschwanz – Foto: Frank Derer
Kleiner Fuchs – Foto: Frank Derer
Ackerhummeldrohne auf Riesenskabiose – Foto: Helge May
Blauschwarze Holzbiene an Breitblättriger Platterbse – Foto: Lutz Allner
Siebenpunkt-Marienkäfer – Foto: Helge May
Streifenwanze – Foto: Helge May
Vielfalt schützen, richtig zählen: so klappt’s
Die Insektenbestände sind in den vergangenen Jahren massiv zurückgegangen. Um Insekten zu helfen, kann man im eigenen Garten Großes bewirken. „Weniger ist mehr: Weniger mähen, weniger Unkraut jäten, einfach mal etwas stehen oder liegen lassen”, erklärt NABU-Insektenexpertin Laura Breitkreuz, „Wilde Ecken, Totholzhaufen und insektenfreundliche Pflanzen bieten Lebensraum und Nahrungsquellen für die Sechsbeiner.“ Durch eintönig gestaltete Landschaften und den Einsatz von Pestiziden haben es die Tiere immer schwerer.
Ist so ein Refugium erst eingerichtet, lassen sich die Sechsbeiner beim Insektensommer auch leichter beobachten und zählen. Alles, was es dann noch braucht, ist ein ruhiger Platz und eine Stunde Zeit. Es empfiehlt sich, auch eine Lupe zur Hand zu haben, um die Tiere einfacher bestimmen zu können. In einem Radius von etwa zehn Metern werden dann alle Insekten erfasst und schließlich online gemeldet.
Viel Erfolg bei der Insektenexpedition!
So wird gezählt!
Zählergebnisse Live
MEHR ZUR AKTION
