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Indien: G20-Treffen und Fachkräfteanwerbung

Indien: G20-Treffen und Fachkräfteanwerbung

Source: Bundesministerium fur Arbeit und SozialesKanada, Brasilien, Ghana: Auf diesen Stationen hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil in diesem Jahr bereits um Fachkräfte für Deutschland geworben. Jetzt geht es nach Indien, um die Weichen für die Anwerbung von Pflegekräften und IT-Fachleuten zu stellen. Heil besucht die indische Hauptstadt Neu-Delhi und Thiruvananthapuram (Trivandrum), Hauptstadt des Bundesstaates Kerala, aus dem schon zahlreiche Fachkräfte nach Deutschland gekommen sind.
Demografischer Wandel: uns fehlen Arbeitskräfte
Der Fokus der geplanten Gespräche liegt auf der Ausweitung der Fachkräftegewinnung. Denn unser Land braucht künftig mehr qualifizierte Einwanderung aus Drittstaaten: Zwar ließen sich die Herausforderungen des demografischen Wandels über Zuwanderung aus dem EU-Ausland kompensieren. Doch auch die anderen europäischen Partner stehen vor demografischen Herausforderungen, so dass absehbar weniger Menschen aus der EU nach Deutschland kommen werden.
Selbst mit der Erschließung aller inländischen Potenziale – zum Beispiel mit Verbesserungen bei der Aus- und Weiterbildung oder mit mehr Erwerbstätig von Frauen und Älteren – lässt sich die demografische Lücke am Arbeitsmarkt aber nicht schließen. Nach einer Schätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sinkt die Zahl der Menschen, die dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, bis 2060 voraussichtlich von 45,7 Millionen auf 40,4 Millionen.
Deshalb will die Bundesregierung mit der Weiterentwicklung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes das modernste Einwanderungsrecht Europas schaffen. So sollen die Regelungen zur Einwanderung von übermäßiger Bürokratie befreit werden, beispielsweise bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen und Visa-Erteilung. Mit Hilfe einer so genannten Chancenkarte und einem Punktesystem sollen neue, unkomplizierte Chancen und Zugänge für kluge Köpfe aus dem Ausland entstehen.
Bestehende Kooperation zur Fachkräftegewinnung ausbauen
In Sachen Fachkräftegewinnung kooperieren Deutschland und Indien bereits seit mehreren Jahren. Jetzt wollen die Partner diese Kooperation ausbauen.
Auf Grundlage einer Vermittlungsabsprache mit der zuständigen Behörde vor Ort rekrutiert die Bundesagentur für Arbeit schon heute über das Triple-Win-Programm der Bundesagentur für Arbeit gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) Pflegefachkräfte aus Kerala und bereitet diese für den deutschen Arbeitsmarkt vor. Aufenthalts­rechtlich hat die Vermittlungsabsprache den Vorteil, dass das Anerkennungs­verfahren erst nach der Einreise beantragt werden muss, und ggf. noch notwendige Kenntnisse und Erfahrungen im Inland erworben werden können. Parallel dazu wird eine Beschäftigung ausgeübt und zukünftige Fachkräfte werden vom ersten Tag an integriert.
Das Programm gilt international als Vorzeigeprojekt und wird u.a. von der Internationalen Organisation für Migration und dem Internationalem Gewerkschaftsbund als Best Practice gewürdigt. Etwa 360 Pflegekräfte konnten bereits für das Programm gewonnen werden.
Triple-win: Gemeinsam die Interessen aller Beteiligten im Blick behalten
Bei der Fachkräfteanwerbung gilt es, den so genannten Brain Drain zu vermeiden, also die Abwanderung im Anwerbeland selbst benötigter Fachleute.
Deshalb wurden bisher vor allem im Bundesstaat Kerala Fachkräfte angeworben, denn Kerala hat aufgrund sehr guter Ausbildungskapazitäten ein Überangebot an Pflegefachkräften (9,6 Pflegekräfte pro 1.000 Ein­wohner*innen, Vergleich: Deutschland 7,5). Um zukünftig auch Menschen aus anderen Berufen für den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen, wollen Bundesminister Heil und der Chief Minister von Kerala Pinarayi Vijayan, eine Absichtserklärung für die Ausweitung der Zusammenarbeit unterzeichnen.
Programm Triple Win

Ein Programm in Kooperation der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit zur nachhaltigen Gewinnung von Pflegekräften aus dem Ausland.

Auch indische Fachkräfte im Bereich Informationstechnologie (IT) zeigen großes Interesse an einer Tätigkeit im Ausland, wenn auch die englischsprachigen Länder die Wunschliste anführen. Es ist ein zentrales Element der Reise von Hubertus Heil, auch für Deutschland als Zielland für IT-Fachkräfte zu werben.

Hintergrund: Arbeitsmarktsituation in Indien – indische Beschäftigte in Deutschland

Insgesamt arbeiten in Indien derzeit 5,1 Millionen IT-Fachkräfte und der indische Arbeitsmarkt bietet gut ausgebildeten IT-Fachkräften durchaus Chancen. Allerdings gelingt es dem Land nicht überall, seine junge Bevölkerung auf die Anforderungen der Wirtschaft genügend vorzubereiten. Der indische Arbeitsmarkt ist mit der stetig steigenden Zahl von Absolventenpool überfordert. Die Erwerbslosigkeit unter jungen Menschen (15 bis 24 Jahre) ist mit 23,2 Prozent (Jahreswert 2022, Quelle: ILOSTAT) besonders ausgeprägt. Deshalb ist vor allem die so genannte zirkuläre Migration (im Ausland lernen und/oder arbeiten und wieder zurückkehren) wichtig für das Land. Deutschland kann das große Potenzial junger Menschen nutzen, indem es gute Qualifizierung mit einer Einmündung in den Arbeitsmarkt verbindet. Bei den beliebtesten Ländern für ein Studium im Ausland belegt Deutschland aktuell den dritten Rang.
Rund 5.500 sozial­versicherungs­pflichtig Beschäftigte mit indischer Staatsangehörigkeit arbeiten aktuell in der Bundesrepublik als IT-Fachkräfte (Jahreswert 2022). Bundesweit bestehen im IT-Bereich schon seit vielen Jahren Fachkräfteengpässe. Aufgrund der Transformation wird sich der Bedarf an Fachkräften im IT-Bereich voraussichtlich noch weiter verstärken. Laut Fachkräftemonitoring für das BMAS gehören IT-Fachkräfte in den nächsten fünf Jahren weiterhin zu den Fokusberufen mit Engpässen.

G20-Arbeitsminister*innen-Treffen
Das Thema Fachkräfte spielt auch in der Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) eine wichtige Rolle. Indien ist in diesem Jahr Gastgeber der G20 und hat den Schwerpunkt der Beratungen auf das Schließen globaler Qualifizierungs- und Kompetenzlücken (skills gaps) gesetzt. In einem ersten Schritt soll genauer erfasst werden, welche Kompetenzen in den Ländern der G20 vorhanden sind und welche fehlen. Daraus lassen sich im nächsten Schritt unter anderem Schlussfolgerungen mit Blick auf die Anwerbung von Fachkräften ziehen.

Indien ist ein wichtiger Partner für Deutschland. Daher bin ich gerne der Einladung des indischen Arbeitsministers, meines Kollegen Yadav, gefolgt und nehme am 20./21. Juli am Treffen der G20-Arbeitsminister der 20 führenden Wirtschaftsnationen in Indore teil. Gerade aktuell, wo wir so viele globale Herausforderungen zu bewältigen haben, die wir nur gemeinsam meistern können, ist es extrem wichtig, sich auszutauschen, die Perspektiven der Partner kennenzulernen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
In den G20 arbeiten wir daran, die Arbeitsbedingungen weltweit zu verbessern und sozialen Schutz für alle zu schaffen. Indien und Deutschland können hierbei als Partner eine wichtige Schlüsselrolle einnehmen. Ich unterstütze das Anliegen der Indischen Präsidentschaft, eine Vereinbarung zur Qualifizierung von Fachkräften innerhalb der G20 zu treffen. Wir könnten so langfristig zu einer länderübergreifenden Vergleichbarkeit und Anerkennung von Qualifikationen kommen. Das ambitionierte Vorhaben ist ganz im Interesse Deutschlands, mehr qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben.

Weitere Schwerpunkte der G20 in diesem Jahr sind die angemessene soziale Absicherung von Beschäftigten in der Gig- und Plattformökonomie (also Auftragsarbeiten und -vermittlung mittels einer Online-Plattform) und Maßnahmen für eine nachhaltige Finanzierung sozialer Sicherung. Auch wenn Deutschland – wie viele andere Länder – bei der Finanzierung vor Heraus­forderungen steht, gilt unser Land innerhalb der G20 als Vorbild bei der sozialen Sicherung und ist ein gefragter Gesprächspartner.
Fachkräfteland Deutschland

Mit einer zeit­gemäßen Aus­bildung, gezielten Weiter­bildungen und einer modernen Einwanderungs­politik wollen wir die Arbeit als Fach­kraft wieder attraktiver machen und Unternehmen bei der Fach­kräfte­sicherung unterstützen.

MIL OSI