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Finanzmärkte müssen endlich stabiler aufgestellt werden!

Finanzmärkte müssen endlich stabiler aufgestellt werden!

Source: DGB – Bundesvorstand05.04.2023
klartext Nr. 12/2023
Finanzmärkte müssen endlich stabiler aufgestellt werden!
Die jüngsten Entwicklungen auf den Finanzmärkten wecken böse Erinnerungen an die Finanzkrise von 2008. Sie zeigen, dass die aufsichtsrechtlichen Vorschriften nicht ausreichen, um Vertrauen zu schaffen und Systemstabilität zu gewährleisten. Es müssen jetzt zügig Maßnahmen ergriffen werden, die das Finanzsystem widerstandsfähiger machen und vor Krisen schützen.

DGB/Pop Nukoonrat/123rf.com

Erinnerungen an die Finanzkrise von 2008 wurden geweckt
Das Beben, das die Banken in den letzten Wochen erfasste, weckt Erinnerungen an die Finanzkrise 2008. Innerhalb kürzester Zeit sind drei Banken ins Straucheln geraten. Die erste war die Silicon Valley Bank (SVB) in den USA. Das Problem dieser Bank lag in ihrer Anlagestrategie: Sie hatte vor allem in niedrig verzinste Anleihen investiert, die durch die straffe Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank rapide an Wert verloren haben. Die Bank hatte sich nicht genug gegen die Zinsänderungsrisiken abgesichert. Investorinnen und Investoren witterten Probleme. Gleichzeitig wies die Bank einen hohen Anteil an Einlagen auf, die nicht abgesichert waren. Die Kombination hat einen „Bank Run“ ausgelöst: Die Kundinnen und Kunden der Bank zogen in Windeseile ihre Einlagen ab, was letztlich zum Kollaps der Bank führte.
Crédit Suisse war schon länger in negativen Schlagzeilen
Der Fall der zweitgrößten Schweizer Bank, der Crédit Suisse, ist etwas anders gelagert. Die Bank hat schon seit Jahren negative Schlagzeilen gemacht mit zwielichtigen Geschäften und Skandalen. Der Vertrauensverlust, der den Bankensektor nach dem Fall der SVB erfasste, führte auch bei der Crédit Suisse zu einem existenzbedrohenden „Bank Run“. In einer Nacht und Nebel-Aktion hat nun die andere eidgenössische Großbank, UBS, das Geschäft übernommen. Die Bilanzsumme der so neugeschaffenen MegaBank übertrifft sogar das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz. Risiken wurden so nicht gebannt, sondern nur verlagert.
Die Überprüfung der Banken ist nicht ausreichend
Auch wenn die Ursachen für die Probleme der Banken unterschiedlich sind, haben die Fälle doch eines gemeinsam: Sie zeigen, dass die aufsichtsrechtlichen Vorschriften nicht ausreichen, um Vertrauen zu schaffen und Systemstabilität zu gewährleisten. Anders ist nicht zu erklären wie der Ausfall von drei Banken (neben den beiden oben genannten, wird hier noch die Signature Bank dazu gezählt), die weniger als 0,5 Prozent der weltweiten Bankaktiva ausmachen, das gesamte System bedrohen kann. Auch die umfangreichen Stützungsmaßnahmen, der US- und der Schweizerischen Notenbank konnte die Märkte nicht beruhigen. In ganz Europa bleiben die Bankwerte unter Druck. In Deutschland gingen insbesondere die Aktienkurse der Deutschen Bank und der Commerzbank auf Talfahrt (siehe Grafik).
DGB

Mehr Eigenkapital fördert Widerstandsfähigkeit
Die Politik hat jetzt die Chance, die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors deutlich zu stärken: Auf europäischer Ebene wird über die Umsetzung der internationalen Eigenkapitalvorgaben für Banken namens „Basel III“ verhandelt. Mehr Eigenkapital würde für den Krisenfall mehr Puffer und somit höhere Widerstandsfähigkeit bedeuten.
Basel III-Vorgaben schnell und vollständig umsetzen
Doch anstatt ein deutliches Zeichen zu setzen, wurde in den EU-Entwürfen das ursprüngliche Ansinnen durch umfangreiche Sonderregeln für europäische Banken verwässert. So soll es zum Beispiel längere Übergangsfristen im Bereich der Immobilienfinanzierung geben. Bei Darlehen an Unternehmen ohne eigenes Kreditrating sollen vorerst laxere Eigenkapitalvorgaben gelten. Das ist falsch. Um einen Beitrag zu mehr Finanzstabilität zu leisten, müssen die Basel III-Vorgaben vollständig und zeitnah umgesetzt werden.
Weitere Maßnahmen für mehr Widerstandsfähigkeit
Darüber hinaus sind weitere Maßnahmen notwendig, damit das Finanzsystem widerstandsfähiger wird. Dazu gehört die Vollendung der Bankenunion durch eine europäische Einlagensicherungsbehörde genauso wie die die Regulierung des Schattenbankensektors.

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