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Wofür sich Gewerkschafter*innen in der Selbstverwaltung einsetzen

Wofür sich Gewerkschafter*innen in der Selbstverwaltung einsetzen

Source: DGB – BundesvorstandLuise Klemens ist nicht im Widerspruchsausschuss, aber mit diesem Beispiel erklärt sie gerne, wie die Ausschüsse in einer Krankenkasse zusammenarbeiten, und warum jeder Ausschuss wichtig ist. “Wenn sich zum Beispiel zehn Prozent der Beschwerden um ein Thema drehen, dann muss gehandelt werden. So war das auch bei der Zweitmeinung”, sagt Klemens. Sie sitzt für die ver.di-Liste im Hauptausschuss der DAK. “Der Widerspruchsausschuss ist also nicht nur für den einzelnen Versicherten wichtig, sondern darüber hinaus. Im Hauptausschuss wird dann diskutiert, auch ob es juristisch möglich ist – und dann kann man eine Leistungsänderung herbeiführen.”
Verwaltungsrätin Klemens: “Wir beobachten Trends und Innovation.” 
Ihr Amt hat die ver.di-Landesbezirksleiterin in Bayern seit 2011. Die DAK Gesundheit ist eine der größten Krankenkassen in Deutschland. Klemens schätzt die Arbeit im Hauptausschuss. Dort werden alle Entscheidungen vorbereitet, die nicht am Sitzungstag des Verwaltungsrates entschieden werden können. Zwar werden hier nicht die Details verhandelt, aber der Ausschuss bestimmt die Strukturen. “Wir beobachten Trends und Innovationen. Und wir können den Fachabteilungen auch mal sagen, beschäftigt euch damit, das ist oder wird wichtig”, sagte Klemens.
Wie zum Beispiel gendergerechte Medizin: Frauen sterben viel häufiger an Herzinfarkten als Männer, obwohl sie seltener einen haben. Der Grund: Ein Herzinfarkt äußert sich bei Frauen oft mit anderen Symptomen als bei Männern. Da ist es nicht der stechende Schmerz im Arm, sondern auch mal kalter Schweiß und Müdigkeit – und der Herzinfarkt wird nicht entdeckt. Was kann getan werden, damit Frauen besser geschützt werden? Oder es geht um Medikamente, die vorrangig bei Männern erprobt werden, aber bei Frauen anders wirken. “Über diese Themen wird im Hauptausschuss diskutiert. Uns geht es nicht nur um die Gegenwart, sondern auch um die Zukunft”, sagt Klemens.
“Die Kasse gehört niemandem, sie gehört den Versicherten, deswegen ist Engagement so zentral, und deshalb ist die Sozialwahl so wichtig.”
Die 1963 geborene Oberpfälzerin, die gerne Motorrad fährt, hat zunächst Schauwerbegestalterin gelernt. In diesem Beruf kümmert man sich um die Dekoration in Geschäften oder auf Veranstaltungen. Klemens trat mit 17 Jahren in die Gewerkschaft ein und wurde Betriebsrätin im Kaufhaus “Hertie”. Seit 1990 arbeitet sie hauptamtlich als Gewerkschafterin, seit 2010 ist sie Landesbezirksleiterin von ver.di in Bayern. Dass Menschen sich in ihrer Krankenkasse engagieren, ist ihr wichtig: “Die Kasse gehört niemandem, sie gehört den Versicherten, deswegen ist Engagement so zentral, und deshalb ist die Sozialwahl so wichtig”, sagt sie. Wenn Freunde bei einer Krankenkasse unzufrieden seien und wechseln wollen, gebe sie immer erst eine Empfehlung: “Das ist Deine Kasse. Beschwer dich!”
Verwaltungsrat: “Wenn man etwas gestalten will, wovon viele Menschen etwas haben, dann ist das der richtige Ort.”
Ein weiteres Zukunftsthema, das ihr am Herzen liegt, ist der Datenschatz – und das Potenzial, das in den Daten liegt. “Kassen verfügen über eine enorme Zahl wichtiger Daten. Sie zeigen, welche Therapien helfen, oder welche Krankheiten sich häufen. Das auszuwerten, wäre gut. Aber es muss gesichert sein, dass die Daten nicht an die Öffentlichkeit kommen. Denn es ist etwas anderes, ob Bankdaten publik werden – das ist ärgerlich, aber änderbar – oder ob plötzlich jeder sehen kann, welche Krankheiten behandelt wurden”, sagt Klemens. Datenschutz und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung seien in Gewerkschaften seit Langem ein wichtiges Thema.
Für die Kasse nimmt sich Klemens trotz ihres vollen Kalenders als Landesbezirksleiterin so viel Zeit wie möglich. “Es ist viel Arbeit, auch wenn einiges Routine wird. Aber ich habe wahnsinnig viel gelernt!”, sagt sie. Notfalls kann sie sich auch von kompetenten Kolleg*innen vertreten lassen. Derzeit ist sie Spitzenkandidatin auf der ver.di-Liste. “Ich kann jedem nur empfehlen, bei der Sozialwahl zu kandidieren. Wenn man etwas gestalten will, wovon viele Menschen etwas haben, dann ist das der richtige Ort.”

MIL OSI