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Liveticker zur „Stunde der Wintervögel“

Liveticker zur „Stunde der Wintervögel“

Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandPrognosen, Trends, Zwischenergebnisse zur Zählaktion

Wer besucht im Winter 2023 die Futterhäuser? Das fragen sich gerade viele Vogelbeobachter*innen bei der „Stunde der Wintervögel“. Am Samstag blicken wir genauer auf die Vogelarten, die im Wald zuhause sind. Verfolgen Sie die Ergebnisse im Liveticker.

Der Eichelhäher ist in diesem Winter ein eher seltener Futterhaus-Gast – Foto: Lutz Klapp/www.naturgucker.de

07. Januar 2023 – Auch am zweiten Tag der großen Vogelzählung haben viele fleißige Beobachter*innen Futterhäuser und Futterstellen im Blick behalten und dem NABU tausende Sichtungen von Amsel bis Zaunkönig gemeldet.
Während insgesamt bisher nur etwas weniger Vögel an den Futterhäusern gezählt wurden im Vergleich zum Vorjahr, sieht NABU-Ornithologe Martin Rümmler bei „Waldarten“ wie Eichelhäher und Buchfink einen deutlicheren Rückgang. Einer der möglichen Gründe: Viele Bäume waren 2022 in einem Mastjahr und haben in der Zeit viele Früchte gebildet. Das beschert den Vögeln bis jetzt viel Futter vor ihrer Haustür und sie fliegen auf Nahrungssuche seltener in die Siedlungen.
Mehr Bewegung gibt es hingegen bei den Gänsen: Graugänse, Blässgänse und Nonnengänse wurden unter anderem bedeutend häufiger gezählt. „Das hat sehr wahrscheinlich mit den milden Temperaturen zu tun“, schätzt Vogelexperte Rümmler mit Blick auch auf die Beobachtungen der vergangenen Wochen. Im frostigen Dezember wurden Gänse demnach wesentlich seltener gesichtet, sind bei den aktuellen Temperaturen aber wohl wieder aktiver und damit sichtbarer.
Bisher wurden dem NABU bis Samstagabend schon über eine halbe Million Vögel in über 14000 Gärten gezählt – von knapp 20.000 Vogelbeobachter*innen.

Ergebnisübersicht

Alle Daten auf einen Blick
Auf der interaktiven Karte können Sie zu allen Arten und Orten die Werte ablesen und erfahren, welche Vögel häufiger beobachtet wurden und welche seltener zu sehen waren. Im Tabellenreiter neben der Karte finden Sie zusätzlich alle Details zu den Vogeldaten. Mehr →

Der Zwerg vom heiligen See
Dass auch unverhoffte Beobachtungen zur „Stunde der Wintervögel“ gehören, zeigt diese Sichtung eines „fliegenden Zwergs“:
Wie vielerorts zeigte sich der Samstag in Potsdam zunächst grau in grau und so waren im Fernglas die Farben vieler Vögel kaum zu erkennen. Mangels eigenen Gartens hatte ich am Vormittag den Park Sanssouci ausgewählt, nachmittags ging es in den Neuen Garten und zum dort gelegenen Heiligen See. Immerhin schaute jetzt die tief stehende Sonne durch die Wolken, der „Ertrag“ hielt sich jedoch in Grenzen. Schwammen vor Weihnachten noch hunderte Reiher- und Tafelenten auf dem See, waren diese jetzt fast alle weitergezogen. So führten am Ende Blesshühner und Stockenten die Beobachtungsliste an, ergänzt mit ein paar Haubentauchern, Teichhühnern und Lachmöwen.

Sieht im Flug eleganter aus: eine Zwergfledermaus – Foto: Eric Fischer/www.naturgucker.de

Auf dem Rückweg stutzte ich kurz. Auf halber Strecke zwischen Marmorpalais und Orangerie bewegte sich ich ein ungewöhnliches Flugobjekt. Elegant kurvte es in niedriger Höhe zwischen den Bäumen und über dem Parkrasen: Kein Vogel, sondern tatsächlich eine Fledermaus. Und das Anfang Januar, mittags um halb vier. Der sehr niedrige Flug und die geringe Größe des Tieres legen nahe, dass hier eine Zwergfledermaus nach raren Winterinsekten jagte. Sie flog immer wieder auf ähnlichen Bahnen und ließ sich so mehrere Minuten gut beobachten.
Mit ihren alten höhlenreichen Bäumen und den angrenzenden Havelgewässern sind die Potsdamer Welterbe-Parks Heimat zahlreicher Fledermäuse, vor allem von Abendseglern, Wasserfledermäusen und Zwergfledermäusen. Bekanntlich halten Fledermäuse Winterschlaf. Dass einige Arten bei milden Temperaturen auch im Januar ausschwärmen, kommt aber regelmäßig vor. So früh am Tag, bei kaum einsetzender Dämmerung, ist es allerdings ungewöhnlich und definitiv mein schönstes Naturerlebnis im noch jungen Jahr 2023.
Helge May

Fledermaus, Eichhörnchen oder Haselkätzchen gesehen – was tun?

Bei der Stunde der Wintervögel kann man die Zwergfledermaus aus dem Potsdamer Neuen Garten zwar nicht melden. Genauso wenig wie ein Eichhörnchen oder die ersten blühenden Haselnusskätzchen. Solche Beobachtungen müssen aber nicht verloren gehen. Für Tier- und Pflanzenbeobachtungen aller Art gibt es den NABU-Naturgucker. Dieses Online-Portal hat das ganze Jahr über geöffnet, Meldungen sind sogar weltweit möglich.

Sie haben bereits Vögel gezählt? Dann haben Sie folgende Möglichkeiten, Ihre Beobachtungen bis zum 16. Januar 2023 bei uns einzureichen:

Der Zaunkönig wurde bereits ungewöhnlich oft gesichtet. Foto: NABU/Tom Dove

06. Januar 2023 – Nach Tag eins der „Stunde der Wintervögel“ sticht in diesem Jahr eine Vogelart besonders hervor: Der Zaunkönig. Er ist zwar nicht der häufigste Gast am Futterhaus, dafür wurde er in diesem Jahr trotzdem erstaunlich oft gesichtet – und zwar deutschlandweit. Am Freitag haben Vogelfreund*innen ihn über 1000 Mal entdeckt, was einem Zuwachs von über 60 Prozent zum Vorjahr entspricht. Besonders viele Sichtungen kamen aus Schleswig-Holstein, der Vogel fühlte sich auch schon in den vergangenen Jahren in frostarmen, küstennahen Regionen besonders wohl.
Im Vorfeld sprach aufgrund der Witterungsbedingungen einiges dafür, dass insgesamt eher weniger Vögel als in den Vorwintern im Garten erscheinen. Insgesamt scheint sich das zu bestätigen. Denn auch „typische Wintergäste“, wie NABU-Vogelexperte Martin Rümmler anmerkt, „wurden bisher nicht auffällig seltener gesichtet“. Dazu zählt der Ornithologe unter anderem Bergfinken, Schwanzmeisen und Erlenzeisig, die aus dem Norden und Osten nach Deutschland kommen. Dafür wurde der Graureiher schon vergleichsweise häufig gesichtet. „Ein Teilzieher“, erklärt Rümmler, es könnte sein, dass die Art aufgrund der Temperaturen häufiger in Deutschland verweilt. Für eine genaue Bewertung ist es aber noch zu früh.
Bewegung gibt es aber in den Top 10: Ganz vorne thronen zwar wie gewohnt Haussperling, Kohl- und Blaumeise. Auch Amsel, Feldsperling, Elster, Buch- und Grünfink sichern sich die vorderen Plätze. Allerdings rückt das Rotkehlchen von Platz 11 wieder auf Platz 9 vor, gefolgt von der Rabenkrähe. Doch auch an dieser Liste kann sich selbstverständlich noch einiges ändern, denn auch am Samstag und Sonntag werden hoffentlich noch viele Vögel beobachtet und gemeldet. Die Stunde der Wintervögel hat erst begonnen.
03. Januar 2023 – Die Stunde der Wintervögel wird 2023 unter milder Witterung starten. Die zweistelligen Temperaturen beeinflussen Tier- und Pflanzenwelt – und dürften somit auch Auswirkungen auf die Zählaktion ab dem 6. Januar haben. Gezählt wird am ersten Januar-Wochenende bis zum 8. Januar. Wie schon zum Jahreswechsel werden auch für die kommenden Tage zweistellige Plusgrade erwartet.
Die „Stunde der Wintervögel“ ist die große Zählaktion von NABU und Landesbund für Vogel und Naturschutz in Bayern (LBV). Mitmachen kann jede*r, auch ohne eigenen Garten oder Balkon. Denn gezählt werden kann auch in öffentlichen Parks oder auf anderen Grünflächen.
Futtersuche ohne Schnee und Eis
Die aktuellen Witterungsbedingungen könnten dafür sorgen, dass in diesem Jahr weniger Gäste an den Futterstellen gezählt werden, schätzt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Die milden Temperaturen bescheren unseren Wintervögeln eine entspanntere Nahrungssuche“, erklärt er. Denn ohne Frost und Schnee würden sie ihr Futter leichter in der Natur finden. „Das haben wir bereits früher in milden Wintern beobachten können“, so Miller weiter.
Hinzu kommt, dass das vorige Jahr ein Mastjahr für viele Bäume war. Eichen, Buchen, Fichten und Co. hatten zuletzt viele Früchte gebildet. „Für Arten wie Kleiber, Eichelhäher, Kernbeißer und Finken ist das wie ein Schlaraffenland“, ergänzt der Bundesgeschäftsführer. Die Vögel könnten eher im Wald bleiben und seltener in die Siedlungen kommen. „Das alles wird unsere Zählung zeigen“, ist sich Miller sicher.

Zwischenergebnisse während der Aktion
Die „Stunde der Wintervögel“ findet bereits zum 13. Mal statt und ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion. Bei der vergangenen Vogelzählung im Januar 2022 ergatterte der Haussperling den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in Deutschlands Gärten, Kohlmeise und Blaumeise folgten auf Platz zwei und drei.
Wer mitmachen will, beobachtet eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park und meldet die Ergebnisse dem NABU. Die Beobachtungen können per App unter www.nabu.de/vogelwelt oder unter www.stundederwintervoegel.de bis zum 16. Januar gemeldet werden. Zudem ist für telefonische Meldungen am Samstag und Sonntag, 7. und 8. Januar, jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800-1157-115 geschaltet.
Der NABU wird im Laufe des Aktionswochenendes auf dieser Seite mehrmals Zwischenergebnisse veröffentlichen. Mit ersten Trends und Entwicklungen, fachlichen Einordnungen und Erklärungen ist bereits ab Freitagabend zu rechnen.

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