Post

Einheitstag: Der Lohnunterschied zwischen Ost und West muss weg!

Einheitstag: Der Lohnunterschied zwischen Ost und West muss weg!

Source: DGB – Bundesvorstand06.10.2022
klartext Nr. 31/2022
Einheitstag: Der Lohnunterschied zwischen Ost und West muss weg!
Auch 32 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, verdienen die Menschen in den ostdeutschen Bundesländern immer noch weniger als in Westdeutschland. Ein entscheidender Grund dafür ist die niedrigere Tarifbindung im Osten. Denn dort, wo Tariflöhne gelten, sind die Löhne angeglichen. Es braucht deshalb ein Tarifstärkungspaket und mehr Investitionen.

Colourbox

Löhne und Renten sind im Osten immer noch niedriger
Seit nunmehr 32 Jahren schauen die Menschen in Deutschland zum 3. Oktober verstärkt darauf, wie es um die Einheit des Landes bestellt ist. Es zeigt sich: Die Menschen in den ostdeutschen Bundesländern haben viel erreicht. Dennoch gibt es noch große Unterschiede. Noch immer liegt die Wirtschaftskraft deutlich hinter der Westdeutschlands, die Arbeitsbedingungen, Löhne und Renten sind niedriger.
So liegen hier die tatsächlich gezahlten Gehälter der Arbeitnehmer*innen im Durchschnitt fast 14 Prozent unter denen der westdeutschen Beschäftigten – bei gleicher Qualifikation. Starke Unterschiede gibt es im Ländervergleich (siehe Grafik).
Gehaltsunterschiede variieren je nach Branche
Die Gehaltsdifferenz zwischen Ost und West fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus. So ist sie bei einer Kauffrau bzw. einem Kaufmann im Einzelhandel mit zehn Jahren Berufserfahrung in Vollzeit am geringsten. Dort beträgt die Differenz 120 Euro brutto im Monat oder fünf Prozent. Für Kfz-Mechatroniker*innen liegt sie schon bei 380 Euro bzw. 15 Prozent. Den größten Unterschied in den Bruttogehältern verzeichnen Maschinenbauingenieur*innen. 1.030 Euro weniger erhalten die Beschäftigten in Ostdeutschland. Das entspricht einer Entgeltdifferenz von 19 Prozent.
Die Mindestlohnanhebung auf 12 Euro führt zu einer weiteren Lohnangleichung
Die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro zum 1. Oktober 2022 wird zu einer Angleichung der Entgelte im unteren Lohnsegment führen. Insgesamt profitieren 29 Prozent der Menschen in Ostdeutschland von dieser Erhöhung. Im Westen des Landes wirkt sich der Anstieg für 16 Prozent der Beschäftigten positiv aus.
DGB/Quelle: WSI-Lohnspiegel-Datenbank, Auswahl

Mangelnde Tarifbindung sorgt für niedrigere Löhne im Osten
So wichtig der Schritt der Mindestlohnerhöhung auch war, muss für die Beseitigung der Entgeltungleichheit an einer anderen Stellschraube gedreht werden. Denn: Die erhebliche Diskrepanz zwischen Ost- und Westgehältern liegt in Unterschieden bei der Tarifbindung begründet. So waren im vergangenen Jahr in Westdeutschland 54 Prozent der Beschäftigten tarifgebunden, in den neuen Bundesländern hingegen nur 45 Prozent.
Es braucht ein Tarifstärkungspaket
Die Tariflöhne sind nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zwischen Ost und West mit 98 Prozent so gut wie angeglichen. 1991 waren es noch 60 Prozent. Das ist ein wesentlicher Beitrag der Gewerkschaften zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse. Die sinkende Tarifbindung seit den 90er-Jahren ist ein Problem – in Ost- und in Westdeutschland. Daher ist es gut, dass der Bundesarbeitsminister vergangene Woche ein Tarifstärkungspaket angekündigt hat.
Ostdeutschland zukunftsfest für den Transformationsprozess machen
Für eine Angleichung der Lebensverhältnisse muss zudem die Wirtschafts- und Innovationskraft Ostdeutschlands weiter gestärkt und über die anstehenden Transformationsprozesse zukunftsfest gestaltet werden. Projekte wie das geplante Zukunftszentrum Deutsche Einheit in Ostdeutschland können hierbei sinnvoll sein.
Zudem braucht es auch im Osten wichtige Investitionen in Bildung, Forschung, Infrastruktur und andere Bereiche der Daseinsvorsorge. Deren Finanzierung muss von Bund und Ländern sichergestellt werden und darf nicht unter Vorbehalt stehen!

Vorschlagen

Nach oben

MIL OSI