Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandNABU-Projekt zur naturverträglichen Nutzung von Biomasse
Mit dem dringenden Ausstieg aus fossilen Energien wächst auch das Interesse an Biomasse als Ersatzstoff. Doch diese ist nicht grenzenlos verfügbar. Wie gelingt eine naturverträgliche, zirkuläre und sozial gerechte Nutzung von Biomasse? Ein NABU-Projekt sucht nach Antworten.
Fossile Rohstoffe einfach durch Biomasse zu ersetzen, bringt uns nicht weiter: Gesucht werden neue Denkansätze. Foto: pixabay/Stan Petersen
Der Ausstieg aus Kohle, Erdöl und Gas ist unabdingbar, um die notwendigen Klima- und Biodiversitätsziele zu erreichen. Die Ausweitung der Biomasseproduktion erscheint als logische Konsequenz. Übersehen wird dabei:
Eine Landwirtschaft mit Raum für Artenvielfalt – Foto: Achim Kluck/www.naturgucker.de
Ein vollständiger Ersatz fossiler Stoffe durch Biomasse ohne Veränderung der Wirtschaftsweise würde die bereits jetzt bestehende, massive Konkurrenz um Flächen endgültig eskalieren. Sie würde die Probleme der Land- und Forstwirtschaft weiter befeuern, statt sie zu entschärfen.Vielmehr braucht es Lösungen, um den Einsatz fossiler Ressourcen zu begrenzen und gleichzeitig die Welternährung zu sichern sowie ökologische Rückzugsorte zu erhalten. Das Wirtschaftswachstum muss vom Verbrauch natürlicher Ressourcen entkoppelt werden.
Bioökonomie als Lösung?
Die Bioökonomie, als ein auf nachwachsenden Rohstoffen basierendes Wirtschaftssystem, bietet vor dem Hintergrund der Arten- und Klimakrise eine Reihe von Chancen. Sie könnte ein wichtiger Baustein für eine sozial-ökologische Transformation sein. Wenn sie nachhaltig gestaltet wird, kann sie die Produktion von gesunden Futter- und Lebensmitteln, industriellen Rohstoffen oder Baumaterialien ermöglichen sowie wichtige Entwicklungsimpulse im ländlichen Raum setzen. Zudem kann sie lebensnotwendige Ökosystemleistungen wie Bestäubung, Kohlenstoffspeicherung, Luftfiltration und Mikroklimaregulierung fördern.
Obstbäume können im Agroforst-System oder auf Streuobstwiesen einen wichtigen Beitrag für die Biodiversität leisten – Foto: NABU/Hannes Huber
Doch der Weg hin zu einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Bioökonomie ist noch weit: Visionen sowie Visionär*innen sind gefragt. Und hier möchten wir ansetzen:Das Projekt „Vorreiter für eine zukunftsfähige Bioökonomie – Lösungsideen für eine nachhaltige, naturverträgliche und zirkuläre Bioökonomie“ sucht nach spannenden Ansätzen, bei denen Biomasse sinnvoll verwendet und gleichzeitig ein wichtiger Beitrag für den Klima-, Umwelt- und Naturschutz geleistet wird.Es wird mit Geldern der Europäischen Umweltschutzinitiative (EURENI) gemeinsam mit dem BMUV, unserem europäischen Dachverband BirdLife und dem Wiener Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA) umgesetzt. Mit dem Projekt wollen wir einen Beitrag zur Gestaltung einer nachhaltigen Bioökonomie in Deutschland leisten.
Konzepte der Essbaren Städte oder des Urban Gardenings vermitteln gärtnerische Prinzipien inmitten einer Großstadt – Foto: NAJU Hamburg
Wir beschäftigen uns im Rahmen des Projektes mit einer ganzen Bandbreite vielversprechender Ansätze, die Bioökonomie mit Umwelt- und Klimaschutz kombinieren: Berücksichtigt werden beispielsweise Projekte, die eine biodiverse und strukturreichere Form der Landwirtschaft (z. B. in Form von Agroforst, Streuobstwiesen, wiedervernässten Mooren oder Blühweiden) praktizieren. Aber auch die ressourcenschonende Verarbeitung von nachhaltig-verfügbaren Rohstoffen (z. B. Rest- und Abfallstoffe, Pilze, Mikroorganismen, Hanf) in Kaskaden oder Kreisläufen sehen wir in diesem Zusammenhang als zielführend an. Darüber hinaus werfen wir einen Blick auf soziale Innovationen, die einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen vorantreiben.Mit ausgewählten Bioökonomie-Praxisakteur*innen werden wir Interviews durchführen. Zur Vernetzung werden zudem Stakeholder-Workshops auf europäischer (BirdLife) und nationaler Ebene (NABU) organisiert. Ergänzend plant und begleitet das ITA einen spannenden Workshop zur partizipativen Technikfolgenabschätzung, um Chancen und Konfliktpotenziale der Bioökonomie genauer unter die Lupe zu nehmen. Die im Rahmen der Recherche, Interviews, Veranstaltungen und Workshops gewonnenen Erkenntnisse fließen zum Schluss in ein anschauliches Ideen-Heft, das als Inspirations- und Informationsquelle für politische Entscheidungsträger*innen und Praxis-akteur*innen dienen soll.
Was ist eine partizipative Technikfolgenabschätzung?
Unter einer Technikfolgenabschätzung (TA) versteht man einen transdisziplinären, kommunikativen und interaktiven Prozess, der Entwicklungen in der Wissenschaft und Forschung und deren Chancen, Risiken und potentielle Zielkonflikte untersucht. Eine Partizipative TA bezieht Zivilgesellschaft und Praxisakteur*innen mit ein.
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