Source: DGB – Bundesvorstand08.03.2022
Geschlechtergerechtigkeit
Frauen am Arbeitsmarkt
Zunehmendes Armutsrisiko trotz mehr Erwerbstätigkeit und sinkender Arbeitslosigkeit
In den vergangenen 20 Jahren hat sich für Frauen in Deutschland vieles verändert. Sie sind immer häufiger erwerbstätig, profitieren vom Mindestlohn und werden seltener arbeitslos. Ihr Armutsrisiko ist dennoch nicht gesunken. Im Gegenteil. Denn trotz positiver Entwicklungen, verharren sie in schlecht(er) bezahlten Teilzeit-Jobs.
DGB/Hyejin Kang/123rf.com
Mehr Frauen am Arbeitsmarkt, aber viele von ihnen in Teilzeit
Die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt hat sich auf den ersten Blick positiv entwickelt. Ihre Erwerbstätigkeit hat sich deutlich gesteigert und 2019 den Höchststand von knapp 72 Prozent erreicht. Im Krisenjahr 2020 ist sie allerdings wieder leicht gesunken. Ursache dürfte hierfür sein, dass zahlreiche Frauen aufgrund der Pandemie ihren Job verloren haben (im Falle eines Mini-Jobs hatten sie dabei weder Anspruch auf Kurzarbeitergeld noch auf Arbeitslosengeld). Vor allem Frauen haben in der Pandemie die Kinderbetreuung übernommen und deshalb beruflich zurückgesteckt. Frauen arbeiten außerdem immer noch deutlich häufiger in Teilzeit als Männer. So arbeiteten 2019 48 Prozent der Frauen in Teilzeit aber nur 9 Prozent der Männer.
Die Arbeitslosenquote von Frauen ist (geringfügig) niedriger als bei Männern
Während in den 1990er Jahren Frauen noch deutlich häufiger als Männer arbeitslos waren, hat sich mit der Einführung der Mini-Jobs im Jahr 2003 dieser Trend teilweise umgekehrt. Die Deregulierung der geringfügigen Beschäftigung im Zuge der Hartz-Reformen hat diese Form der sozialversicherungsfreien Teilzeitbeschäftigung auf den ersten Blick attraktiv gemacht. Allerdings gibt es auch stark negative Effekte: Mini-Jobs erfüllen keine Brückenfunktion in den regulären Arbeitsmarkt. Sie haben sozialversicherungspflichtige Beschäftigung teilweise verdrängt und sich als Einfallstor für Niedriglöhne und als Armutsfalle erwiesen.
Bundesagentur für Arbeit
Armutsrisiko von Frauen ist deutlich gestiegen
So ist das Armutsrisiko von Frauen zunehmend angestiegen. Im Jahr 2000 waren 11 Prozent der Frauen armutsgefährdet, 2020 waren es 19,2 Prozent – beinahe doppelt so viele. Eine Hauptursache hierfür dürften die Mini-Jobs darstellen, die Mini-Einkommen und Mini-Renten für Millionen von Beschäftigten – vor allem Frauen – bedeuten. Von der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 konnten hingegen vor allem Frauen profitieren, da sie deutlich häufiger für Niedriglöhne arbeiten. Allerdings reicht auch der Mindestlohn bislang noch nicht aus, um ein Einkommen zu erzielen, welches Lebensrisiken wie Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Krankheit absichert und Alleinerziehende oder Familien mit mehreren Kindern vor Armut schützt.
Lohnlücke zwischen Männern und Frauen im EU-Vergleich sehr groß
Schlecht bezahlte, unsichere Teilzeitjobs sind u.a. ein Grund für die große Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Zwar ist der sogenannte Gender-Pay-Gap mit der Zeit kleiner geworden, allerdings belegt Deutschland immer noch einen der letzten Plätze innerhalb der EU. Nur in Estland, Lettland und Österreich ist die Entgeltlücke noch größer.
Quelle: Eurostat, Darstellung des DGB
Die DGB-Forderungen für die Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt:
Gleichstellung wählen: Wandel ist weiblich
Armut wirksamer bekämpfen – jetzt!
Immer mehr Alleinerziehende sind erwerbstätig: 76 Prozent. Das ist Rekord. Allerdings sinkt ihr Armutsrisiko nicht.
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