Source: Koerber Stiftung
Am 28. Februar hat der Oberste Gerichtshof Russlands das Verbot von MEMORIAL International endgültig bestätigt. MEMORIAL International ist seit langen Jahren eine Partnerorganisation der Körber-Stiftung und anderer Organisationen in Deutschland und darüber hinaus. Unter anderem ist MEMORIAL International Gründungsmitglied des europäischen Geschichts-Netzwerks EUSTORY, das die Körber-Stiftung mit ihren zivilgesellschaftlichen Partnern im Jahr 2000 ins Leben gerufen hat.
Unter anderem ist MEMORIAL International Gründungsmitglied des europäischen Geschichts-Netzwerks EUSTORY, das die Körber-Stiftung mit ihren zivilgesellschaftlichen Partnern im Jahr 2000 ins Leben gerufen hat. Eine einseitige, vom russischen Staat und dem russischen Präsidenten persönlich sanktionierte Interpretation russischer und europäischer Geschichte hat bei der Vorbereitung und Legitimation des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges, den Russland am 24. Februar gegen sein Nachbarland Ukraine vom Zaun brach, eine zentrale Rolle gespielt. Diese politische Indienstnahme von Geschichte widerspricht allen Grundsätzen demokratischer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ist ein Verstoß gegen grundlegende wissenschaftliche und gesellschaftliche Standards. Mit dem Verbot von MEMORIAL International setzt die russische Regierung ihren Angriff auf die kritische Aufarbeitung der Vergangenheit, aber auch auf Grundrechte, Freiheit und die offene Gesellschaft im eigenen Land fort und treibt diesen mit der Zwangsauflösung der ältesten Nichtregierungsorganisation Russlands auf die Spitze.
„Wir verurteilen das Vorgehen der russischen Regierung gegen unsere Partner:innen, Kolleg:innen und Freunde von MEMORIAL International auf das Schärfste“, so Thomas Paulsen, Mitglied im Vorstand der Körber-Stiftung. „Ein kritischer und offener Umgang mit allen, auch den konflikthaften, Aspekten der Geschichte ist eine Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaften. Mit seiner Arbeit hat MEMORIAL International seit seiner Gründung vor mehr als 30 Jahren einen wichtigen Beitrag für innergesellschaftliche und grenzübergreifende Versöhnung und Verständigung geleistet. Wir werden dieses Anliegen von MEMORIAL International und die Menschen, die innerhalb und außerhalb Russlands damit verbunden sind, auch weiterhin unterstützen“, so Paulsenweiter.
Mit ihrem Einsatz für historische Aufarbeitung und die Wahrung von Menschenrechten steht die Organisation MEMORIAL stellvertretend für diejenigen Menschen in Russland, denen Meinungsfreiheit und Frieden, Gerechtigkeit, eine wertebasierte Ordnung und gesellschaftliche Mitbestimmung wichtige Anliegen sind, für die sie sich einsetzen – oft unter großen persönlichen Opfern. MEMORIAL International steht für diejenigen Russinnen und Russen, die sich für Wahrheit, historische Aufklärung und Menschenwürde engagieren. Sie verdienen angesichts des Krieges gegen die Ukraine umso mehr unseren Respekt und unsere Unterstützung.
Zu den Materialien von MEMORIAL International zum Berufungsprozess am 28. Februar (in russischer Sprache): Memorial – Верховный Суд утвердил решение о ликвидации Международного Мемориала
