Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandStunde der Wintervögel startet mit neuem Zahlenrekord
Immer mehr Menschen entdecken die Freude an der Vogelbeobachtung. Noch nie sind zu Beginn der „Stunde der Wintervögel“ Beobachtungen aus so vielen Gärten und Parks online eingetragen worden wie dieses Mal.
Der Kernbeißer kann wie andere typische Waldarten einen deutlichen Zuwachs verzeichnen. – Foto: Ulrich Sach/www.naturgucker.de
07. Januar 2022 – Schon der gestrige Donnerstag brachte dank Feiertag in mehreren Bundesländern zahlreiche Meldungen. Inzwischen haben 30.000 Vogelfreund*innen bereits mehr als 800.000 Vögel gemeldet. Pro Beobachtungsort sind es allerdings nur 37,9 Vögel, die durchschnittlich beobachtet werden und damit gerade mal ein halbes Vögelchen mehr als 2021. Also alles beim Alten? Ganz und gar nicht: Bei zwei Drittel aller Arten haben sich die Sichtungen um jeweils mehr als zehn Prozent nach oben oder unten entwickelt.
Haussperling ist Spitzenreiter – wie bereits im Vorjahr
Wie bereits im Vorjahr führt der Haussperling zu diesem Zeitpunkt die Rangliste mit den meisten Sichtungen in Gärten und Parks an – durchschnittlich sieben Spatzen konnten von den Vogelbeobachter*innen pro Ort bislang gezählt werden. Allerdings konnte der als allgemeinhin bekannte Spatz nur in gut jedem sechsten Garten gesichtet werden. Anders als die Amsel, die bis jetzt in über 93 Prozent der beobachteten Gärten und Parks gezählt werden konnte. Eine positive Entwicklung und vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Folgen des Usutu-Virus überwunden sind?
Auch die Grünfinken scheinen sich zu erholen. Sie werden derzeit in fast jedem dritten Garten beobachtet und können ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen. Ist die Talsohle bei den Bestandszahlen, die durch den Trichomonaden-Befall der Grünfinken entstand, durchschritten?
Eichelhäher und Kernbeißer im deutlichen Aufschwung
Typische Waldarten erleben außerdem einen starken Aufwind: Der Kernbeißer und Eichelhäher mit einem Plus von sagenhaften 97 und 93 Prozent. Beim Kleiber haben die Beobachtungen um die Hälfte zugenommen und der Buntspecht kann mit 43 Prozent mehr Sichtungen als im Vorjahr punkten. Auch der Gimpel konnte seine Beobachtungszahlen um ein Drittel steigern. Ihr „Umzug“ in Siedlungsgebiete könnte mehrere Gründe haben: Nahrungsmangel treibt die Vögel in besiedelte Gebiete, aber auch Zuwanderung aus anderen Regionen können den Zuwachs erklären.
Leider gibt es wie bei jeder Stunde der Wintervögel auch negative Entwicklungen: Die Goldammer büßt im Vergleich zum Vorjahr bislang rund ein Viertel ein. Ebenso betroffen sind Wacholderdrossel (-54 Prozent), Erlenzeisig (-49 Prozent) und Seidenschwanz (-36 Prozent). Hier ist vermutlich der geringere Zuzug aus nördlicheren Gebieten ein Grund.
Alle Trends und Entwicklungen, die wir hier beschreiben, sind natürlich unter Vorbehalt. Unserer Erfahrung nach werden Höchst- und Tiefstwerte bei den Vogelarten bis zum Ende der Zählung abgeschwächt. Wir bedanken uns schon jetzt bei allen Vogelfreund*innen, die helfen, unsere Vogelwelt besser zu verstehen.
mehr zur aktion
Stunde der Wintervögel 2022 – Grafik: publicgarden/Mathias Schäf (Grünfink)
05. Januar 2022 – Im neuen Jahr etwas für den Artenschutz tun: Wer diesen Vorsatz gefasst hat, kann ihn gleich am Dreikönigswochenende umsetzen. Vom 6. bis zum 9. Januar läuft wieder Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“. Der NABU und sein bayerischer Partner, der LBV (Landesbund für Vogelschutz), laden dazu ein, Vögel zu zählen – ob im Garten, Park, am Futterhäuschen oder auf dem Balkon. Die dabei gesammelten Daten sind für den Vogelschutz äußerst wertvoll, weil sie Aufschluss über den Zustand der heimischen Vogelwelt in unseren Siedlungen geben.
Je mehr Menschen mitmachen, desto genauer wird unser Bild. Im vergangenen Jahr war die Beteiligung besonders hoch: Mehr als 236.000 Menschen hatten mitgemacht. Insgesamt gingen Meldungen aus 164.000 Gärten und Parks ein. Der Haussperling ergatterte damals den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in Deutschlands Gärten, Kohlmeise und Feldsperling folgten auf Platz zwei und drei.
Haussperling – Foto: Joachim Neumann
Wenig Samen und Baumfrüchte im Wald
Wenn sich die Vermutung des Nahrungsmangels im Wald bestätigt, könnte das für viele Besucher am Futterhaus sorgen und dementsprechend hohe Beobachtungszahlen bei der „Stunde der Wintervögel“. In den vergangenen Wochen wurde ein starker Durchzug von Bergfinken, Eichelhähern und Ringeltauben registriert. Die Vögel ziehen aus Nord- und Osteuropa nach Süden und Westen – also auch zu uns nach Deutschland. Das tun sie vermehrt, wenn es beispielsweise nicht genügend Bucheckern oder andere Baumfrüchte im Brutgebiet gibt. Vögel kommen dann häufiger auf Nahrungssuche in unsere Gärten.
Mitmachen ist ganz einfach
Wer an der größten wissenschaftlichen Mitmachaktion Deutschlands teilnehmen möchte, beobachtet eine Stunde lang Vögel in Garten, Park oder auf dem Balkon und meldet uns die Beobachtungen. Dabei wird von jeder Art die höchste Anzahl Vögel notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu sehen ist. So kann vermieden werden, dass Vögel bei einer Rückkehr an den Beobachtungsort doppelt gezählt werden. Die Beobachtungen können per App oder über das Online-Meldeformular bis zum 17. Januar gemeldet werden.
Schulstunde der Wintervögel 2022
Wie in jedem Jahr lädt die Naturschutzjugend im NABU alle Lehrer*innen und Gruppenleiter*innen ein, mit Kindern Vögel kennenzulernen und zu beobachten. Für die „Schulstunde der Wintervögel“ vom 10. bis 14. Januar bietet die NAJU Zählkarten, eine neue Broschüre mit Aktionsideen für Lehrende und einen Wettbewerb zu „Spuren im Schnee“ für Kindergruppen und Schulklassen an. Die Zählergebnisse der Kinder fließen ebenfalls in die NABU-Auswertung ein.
Zu den Materialien für Schulklassen und Kindergruppen
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